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22.10.2007      5. Reisetag - Newcastle

Heute stand im Grunde nur ein Punkt auf dem Programm – 500km um vom Rande des Krüger Park bis nach Newcastle zu gelangen. Also ein Tag weitesgehend im Bus mit viel Zeit sich auch mal mit der Geschichte auseinander zu setzen. Südafrika nennt sich auch wegen der vielen Volksstämme die Regenbogennation. Es gibt neun Stämme mit Schwarzen bzw. Farbigen, die als Ureinwohner bezeichnet werden, wobei auch das im Grunde schon falsch ist. Ursprünglich waren nur die San (die Buschmänner) und die Khoikhoi dort. Die letzten der Stämme sind erst vor ca. 600 Jahren in das Gebiet des heutigen Südafrika gezogen. Gar nicht so viel später nämlich 1652 erreichte Jan van Riebeck mit etwa 90 Männer, Frauen und Kinder das Kap. Er wurde von der holländischen ostindischen Kompanie entsand, um hier eine Versorgungsstation für die Schiffe aufzubauen, die in Richtung Indien segelten. Sie begannen entgegen der ersten Planung bald selbst Landwirtschaft zu betreiben, bauten Weizen und Gemüse an und züchteten Vieh. Bald kamen auch, neben weiteren Holländern, Deutsche und Franzosen ans Kap. Nach 100 Jahren waren bereits über 4000 weiße Siedler am Kap. Die Buren, abgeleitet vom holländischen Wort für Bauern, benötigen schon bald mehr Land und vertrieben die Khoikhoi dank ihrer überlegenen Feuerwaffen. Außerdem brachte sie Sklaven aus dem heutigen Gebiet von Malaysia her. Die Buren wurden immer selbstbewusster und riefen zum Ende des 18. Jahrhunderts (1795) zwei Republiken aus. Doch schon bald besetzten die Briten das Kap zum ersten Mal und lösten die Republiken im selben Jahr wieder auf. 1802 gaben die Briten die Herrschaft am Kap wieder ab.

Bereits 1806 kam es in Europa zwischen Briten und Franzosen erneut zu Spannungen, was dazu führte, das die Briten das Kap erneut besetzten. Die vielen Buren wollten aber frei bleiben und zogen weiter nach Norden und Osten, wobei sie mehrfach die dort lebenden Schwarzen gewaltsam zurückdrängten. Als die Briten 1834 auch noch die Sklaverei abschafften, wurde die Unzufriedenheit unter den Buren, die sich heute Afrikaner nennen, immer größer. Sie zogen in großen Trecks, daher auch der Name Vortrecker, immer weiter ins Landesinnere. Dabei kam es dann zu schweren Kämpfen mit den Zulu. Die erste Schlacht verloren sie noch, aber bei der zweiten gewannen sie und verfolgten die Zulu in ihr Hauptquartier, welches aber von einem anderen schwarzen Stamm bereits völlig verwüstet worden war, da dort keine Kriege mehr waren. Im Jahre 1839 gründeten die Buren dann die Republik Natal. Bereits drei Jahre später annektierten die Briten auch dieses Gebiet mit der wichtigen neu entstehenden Hafenstadt Durban. Schon bald darauf gründeten die Buren die beiden neuen Republiken Transvaal und Oranje Freistaat. Auch hier kam es mit den Briten immer wieder zu Auseinandersetzungen. Die Kampfhandlungen wurden erst 1852 eingestellt, weil den Briten ihr Vorhaben schlicht zu teuer wurde, und im Grunde nutzlos erschienen, da es in den Gebieten ohnehin nichts für sie wertvolles gab. Das änderte sich, als man Diamanten und vor allem die größte Goldader der Welt entdeckte, auch wenn zu diesem Zeitpunkt das Ausmaß noch nicht klar war. Kimberley wuchs mit dem gefundenen Diamanten innerhalb von drei Jahren von null auf circa 40.000 Einwohner. Die Stadt Johannesburg entstand zur gleichen Zeit mit einem ähnlichen Tempo. Dieses hatte dann natürlich wieder Einfluss auf die Begehrlichkeiten der Briten. Zumal gerade in Johannesburg aufgrund der aufwändigen und damit teuren Förderung des Goldes große Gesellschaften gegründet worden waren, hinter denen auch britische Finanziers standen. Letztere machten dann zur Absicherung ihrer Investition natürlich zusätzlichen Druck auf die britische Regierung die Buren Republik kriegerisch zu übernehmen. Es kam zum ersten Burenkrieg, der den Briten trotz anfänglicher Erfolge immer teurer zu stehen kam, im Jahre 1881 verloren sie dann noch die Schlacht am Amajuba. Daraufhin zogen sie sich wieder in ihre alte Kapregion zurück und gewährten den beiden Buren Republiken notgedrungen weitgehende Unabhängigkeit.

Nach verschiedenen Wirrungen kam es 1899 zum zweiten Burenkrieg. Die Briten verbrannten Farmen und sperrten viele Frauen und Kinder im Lager. Die Buren, dem britischen Empires zahlenmäßig hoffnungslos unterlegenen, verlegten sich auf den Guerillakrieg. So zog sich der Krieg bis 1902 hin. In anschließenden Friedensvertrag entstand die südafrikanische Union. Teil des Friedensvertrages war aber, dass nur weiße Männer das Wahlrecht hatten, der Grundstein für die spätere Apartheid, denen sich die Buren sicherten, war gelegt. Denn 60% der wahlberechtigten Männer lebten in den beiden Buren Provinzen. Wie auch in Europa kam um 1930 nach der großen Wirtschaftskrise auch in Südafrika der Nationalismus auf, die „National Party“ wurde gegründet, die die folgende Entwicklung im Lande wesentlich bestimmte. Auf dem Weg dahin wurden die Rechte der Schwarzen wiederholt beschnitten, da ihr Bevölkerungsanteil ohnehin schon den weitaus größten Teil ausmachte und weiter wuchs. 1913 und 1936 wurden Nativ Land Acts erlassen, die Schwarzen den Landerwerb nur noch in bestimmten Gebieten ermöglichte. Ab 1911 wurden bestimmte qualifizierte Tätigkeiten nur noch den Weißen vorbehalten. In dieser Zeit, genauer gesagt 1912, wurde der African National Congress (kurz ANC) gegründet. In ihm waren Personen aus allen Bevölkerungsgruppen vertreten, und er kämpfte gegen die Rassentrennung und auch für das Wahlrecht für Schwarze. In dieser Zeit wurden auch Gewerkschaften gegründet, die schon bald große Protestmärsche und Streiks organisierten. Im Jahre 1943 wurde die ANC Youth League als die Jugendgruppierung des ANC gegründet. Unter den Gründungsmitgliedern waren Personen, die später noch die Geschichte des Landes wesentlich prägen sollten wie etwa Anton Lembede, Peter Mda, Oliver Tambo, Walter Sisulu oder Nelson Mandela. Der jungen Riege gelang es dann auch, sich bei den Vorstandswahlen im ANC durchzusetzen und organisierten 1949 Streiks, Protestmärsche und Demonstration des öffentlichen Ungehorsams. Ein Zusammenschluss verschiedener oppositioneller Organisationen verabschiedete dann 1955 die „Freedom Charter“, für ein nicht rassistisches, demokratisches Südafrika mit 10 Punkten. Bei der Veröffentlichung auf einer Großkundgebung wurden dann 56 Aktivisten verhaften und später wegen Landesverrat angeklagt. Innerhalb des ANC gab es auch radikalere Meinungen, die auch den Einfluss Weißer innerhalb des ANC kritisiert. Sie wurden 1958 aus dem ANC ausgeschlossen und gründeten daraufhin den Pan African Congress (PAC). Dieser organisierte am 21.03.1960 in Sharpville eine Demonstration. Der Protestmarsch mit etwa 15.000 Demonstranten marschierte dabei auf eine kleine Polizeistation zu, die mit kaum einem Dutzend Polizisten besetzt war. Diese zeigten eine Kurzschlussreaktionen und schossen dabei mit scharfer Munition in die Menge. Ergebnis: 69 Tote und über 180 Verletzte. Die Weltöffentlichkeit verurteilte das Massaker scharf, die südafrikanische Regierung reagierte sichtlich nervös auf die Demonstration und Verbot ANC und PAC, was die beiden Organisationen nur in den Untergrund trieb. Sie bildeten Stützpunkte im Ausland und befürworteten jetzt auch offene Gewalt gegen den Staat. Ab diesem Zeitpunkt verhafteten die staatlichen Organe zahlreiche Führer des ANC bzw. PAC. Teilweise wurden sie verschleppt und inhaftiert ohne überhaupt angeklagt zu werden, teilweise wurden sie zu lebenslanger Haft verurteilt, wie auch Nelson Mandela, der 1962 in der Nähe von Johannesburg verhaftet wurde. Viele der Inhaftierten verschwanden spurlos in den Gefängnissen. Es gelang der Regierung den schwarzen Widerstand zu mindestens für ein Jahrzehnt mundtot zu machen. Die Apartheidspolitik wurde während dieser ganzen Zeit weiter ausgebaut und so genannte Homelands eingerichtet. Sie bedeuteten, dass jede der verschiedenen Volksgruppen nur noch in bestimmten Teilen des Landes leben durfte. Sie wurden zwangsweise dorthin umgesiedelt. So erhielten 76% der Bevölkerung bestehend aus Schwarzem, Farbigen, Indern und anderen Asiaten 13% des Landes zugewiesen, in dem sie leben musste. Viele Schwarze erhielten Sondergenehmigungen um gegen äußerst geringe Entlohnung etwa in den Goldminen, die körperlich anstrengende und oft gefährliche Arbeit verrichten zu dürfen, dabei mussten die Familien aber weiter in den Homelands wohnen. Ein sehr dunkles Kapitel der südafrikanischen Geschichte.