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14.02.2010      15. Reisetag - Mkomazi Nationalpark  - Tag 1

Nach dem die Berge hinter uns liegen, soll es jetzt noch ein paar Tage Entspannung pur für uns geben – Fotosafari. Aber zuerst wieder ein Rückblick auf gestern. Wie gewohnt sollte es gegen 19.00 Uhr Abendbrot im Basecamp geben. Wir saßen gerade, da gab es einen Stromausfall. So wurde die Suppe im Schein der Petroleumlampen serviert – auch mal ganz schön. Den Hauptgang gab es dann aber wieder „mit“ Strom. Wir saßen noch ein bisschen zusammen, um die Erlebnisse noch mal Revue passieren zu lassen. Bis ca. 22.30 Uhr gab es noch zwei weitere Stromausfälle. Davon war bei einem die Gartenbeleuchtung nicht betroffen, warum auch immer. Das ist aber nichts gegen Sansibar. Dort findet in diesen Tagen ein großes Musikfestival statt. Das dürfte ziemlich „unplugged“ ausfallen, da es dort schon seit Tagen kein Strom mehr gibt, dabei ist die Insel nicht zuletzt wegen des dortigen relativ starken Tourismus eigentlich deutlich besser entwickelt als der Rest Tansanias. Bei uns in der Nähe hört man noch bis in die frühen Morgenstunden eine private Musikveranstaltung – eigentlich ist es vermutlich eine Hochzeit. Dazu zieht dann die ganze Hochzeitsgesellschaft zu einem der drei Kreisverkehre in Moshi. Und zwar unter laut scheppernder Blasmusik. Nachdem man dort ein paar Runden gedreht hat, geht es dann wieder zurück zum eigentlichen Ort der Feier. Das wäre für uns auch egal, wenn nicht zwei der Kreisverkehre ganz in der Nähe des Basecamps wären. Zur späteren Stunde wechselt die Musik auf den Feiern dann bestenfalls zu Reggae, die Alternative ist eine Art Sprechgesang, bzw. Musikpassagen die sich dann innerhalb des Liedes mit Sprechgesang abwechseln. Für unsere Ohren ist letzteres sagen wir mal vorsichtig „gewöhnungsbedürftig“. Wie man uns sagt, sind wir hier auch gerade in der Hochzeitssaison. Da müsste man praktisch jeden Freitag, Samstag – so wie eben heute – und auch Sonntag von einer Hochzeit ausgehen.

So bleiben mir kaum mehr als drei Stunden wirklich erholsamen Schlaf, bis ich um 6.30 Uhr wieder aufstehe. Nach einer schon fast ungewöhnlich gewordenen Dusche am Morgen und unserem Frühstück, verladen wir unser kleines Reisegepäck auf einen Jeep. Heute reicht eigentlich schon Kulturbeutel, Schlafsack, Isomatte und etwas zum Überziehen, falls es am Abend kühl werden sollte. Schließlich brechen wir auf in den noch neuen Mkomazi Nationalpark. Er ist erst im Jahre 2007 eröffnet worden und liegt südöstlich von Moshi. Mit einer Fläche von 2600km² gehört er zu den kleineren Parks. Er liegt nördlich der Verbindungsstraße von Arusha nach Dar Es Salaam (kurz auch als Dar bezeichnet) hinter den Pare-Mountains. Er grenzt dabei an den Tsavo-Park in Kenia. Wir erreichen ihn gegen 10 Uhr morgens. Vor der Einfahrt erleben wir auch die negative afrikanische Seite. Bis auf einen Ranger ist niemand da. Etwa 10.45 Uhr kommt eine Dame. Man versucht offensichtlich zu regeln, dass wir wie geplant in den Park dürfen. Geplant war das wir im Park campen, schließlich haben wir Zelte und alles weitere bei uns – bis auf Wasser. Genau das scheint das Problem zu sein. Im Nationalpark gibt es nur beim Babu Luxus Camp Toiletten oder auch nur Wasser. Gegen 12.00 Uhr fahren wir dann in Begleitung eines Rangers zu dem Camp. Hier schließt sich eine weitere Diskussion irgendwo im Babu Camp an. Wir haben Glück, ansonsten gibt es zur Zeit keine weiteren Gäste. Man schickt uns über einen anderen Weg auf die Rückseite des Toilettenhäuschens – mit richtiger Wasserspülung. Als wir den Platz erreichen, sehen wir bereits drei junge Afrikaner mit Macheten einen Platz für uns Roden. So muss man es schon bezeichnen, denn das Gras der Savanne ist hier unter einem Affenbrotbaum zwischen 0,50 – 1,20m hoch. Wir laden unser Gepäck incl. der Zelte aus. Unser Koch bleibt hier zurück und kümmert sich um den Aufbau der Zelte und wird später damit beginnen auch das Abendessen vorzubereiten.

Unterdessen beginnen wir unsere Fotosafari, mit einem „Gamedrive“ wie man das hier nennt. Will sagen wir fahren mit dem Jeep durch den Park, immer in Begleitung des Rangers. In einiger Entfernung sehen wir ein paar Giraffen. Der Park ist relativ buschig und das Gras ist sehr hoch, so fällt es schwer Tiere auszumachen. Denn gerade die sind es ja, die man auf so einer Fotosafari sehen möchte. Die Landschaft des Parks ist sicherlich sehr schön und mit den praktisch immer im Hintergrund liegenden Bergen auch sehr interessant, aber Tiere sind eben schwer zu finden. Wir entdecken schließlich ein paar DicDic, Perlhühner, eine Schildkröte und ein paar Gazellen. Eigentlich soll es hier auch Löwen, Leoparden und Elefanten geben, aber wohl nicht heute. Als wir unser Lager schon fast wieder erreicht haben, haben wir doch noch ziemliches Glück – ein Gepard tritt aus dem Busch auf den Weg hinter uns. Es ist ein ziemlich großer Bursche, der in aller Seelenruhe auf dem Weg von uns weg geht. Erst als wir langsam zurück fahren, wird es ihm scheinbar doch zu bunt und er verschwindet wieder im Gebüsch und ist dort auch augenblicklich verschwunden. Der Gepard ist natürlich ein absolutes Highlight, und er ist auch mein erster Gepard in freier Wildbahn. Es gibt im Mkomazi Park auch eine große Artenvielfalt, nur man bekommt sie leider kaum zu sehen. Aber Morgen ist ja auch noch ein Tag.

Nach dem für uns schon fast normal gewordenen Popcorn gibt es zum Abendbrot auch fast schon eine Bergmalzeit. Wir beginnen wieder mit einer Suppe, als Hauptspeise Nudeln mit Vegetable Sauce und als Nachspeise Südfrüchte. Als Abrundung dann hier auch noch eine Flasche Rotwein am Lagerfeuer. Insbesondere das Lagerfeuer wundert mich eigentlich schon fast. Denn an den Bergen ist das Holzsammeln und damit Kochen verboten. Hier sind sicherlich nicht so viele Touristen unterwegs, folglich auch nicht soviel Holz erforderlich, aber dafür ist das Gras recht trocken. Gut das Holz ist „natürlich“ auch nur gesammelt und nicht gerodet bzw. von Bäumen geschlagen, aber trotzdem finde ich es eben schon erstaunlich. Hier am Babu Camp verlässt uns auch der Ranger. Und noch etwas geht ebenfalls vor dem Abendbrot – die Sonne. Sie verabschiedet sich natürlich deutlich spektakulärer als der Ranger. Es ist nur plötzlich verschwunden, die Sonne zaubert noch mal gelbes und rotes Licht an den Horizont.

Als es dann doch relativ früh ins Zelt geht, merke ich erst richtig wie struppig der Untergrund unter der Isomatte doch ist. Ich traue mich kaum, mich überall auf die Matte zu legen, da die Strunken mächtig zu spüren sind, und die Matte möchte ich so dann doch nicht zerstören. Und heute hat mein Zeltgenossen dann auch noch das Rennen in den Schlaf gewonnen. So schnarcht er bereits vernehmlich, kaum dass ich überhaupt eine halbwegs bequeme Lage gefunden habe. Dagegen vermag es nicht mal die Geräuschkulisse des nächtlichen Parks an zu kommen. Man kann eben nicht immer gewinnen. Aber auch so sinke ich schon bald in einen erholsamen Schlaf, auch intensives Beobachten der Landschaft macht müde.

An den Safari-Tagen möchte ich hier auch jeden Tag eines der Tiere etwas näher beschreiben, das ich an diesem Tag gesehen habe. Heute fällt die Wahl da sehr leicht: der Gepard. Der Gepard ist bekannt als das schnellste Landtier der Welt. Aber wie schnell ist eigentlich schnell: man hat bei Messungen bereits Geschwindigkeiten deutlich jenseits der 110km/h festgestellt. Das Problem dabei ist, die hält er nur über wenige hundert Meter. Das bedeutet aber auch, das er sowohl die Deckung braucht, um relativ dicht, oft bis auf 50 – 100m, an seine Beute heran zu kommen, gleichzeitig aber auch Platz um seine Spurtstärke ausspielen zu können. Geparden jagen anders als fast alle anderen afrikanischen Raubkatzen am Tage. Dadurch gehen sie auch den anderen Jägern aus dem Wege, die auch für sie eine Gefahr darstellen. Ihr ganzer Körper ist auf die Höchstgeschwindigkeit hin ausgerichtet. Sie haben relativ lange Beine und auch einen lang gestreckten Körper, 150cm Kopf-Rumpf-Länge sind dabei nicht ungewöhnlich, dazu kommt dann noch der 70cm lange Schwanz. Dabei wiegen sie kaum mehr als 60 kg, was ihrem Körper eine gewisse Ähnlichkeit zu Windhunden gibt. Aber auch der kleine Kopf mit den großen Nasengängen und den damit verbundenen großen Lungen und Bronchien, dadurch bedingt aber nur relativ kleinem Gebiss für eine Raubkatze, sind ausschließlich auf Geschwindigkeit ausgerichtet. Die Weibchen sind meist Einzelgänger, bei den Männchen kommen auch kleine Gruppen, meist aus Geschwistern bestehend, vor. Große Gruppen wie bei Löwen gibt es praktisch nicht. Weibchen und Männchen kommen nur zur Paarung zusammen. Allgemein gelten Geparden durchaus aus als gut zähmbar, was man nach Überlieferung auch im alten Ägypten bereits wusste, ganz im Gegensatz zu Leoparden, mit denen sie optisch zuweilen verwechselt werden. Beide haben ein gelbliches Fell mit braunen bis schwarzen Flecken. Damit sind die Gemeinsamkeiten aber auch schon fast vorüber. Beim Geparden ist das Gesicht frei von Flecken hat aber sehr markante schwarze „Tränenstreifen“, außerdem sind die Flecken deutlich kleiner. Auch das Jagdverhalten unterscheidet sich deutlich. Der Gepard spielt dabei seine hohe Geschwindigkeit aus. Er hat mit einer Erfolgsquote von 50% – 70% fast unglaubliche Werte für einen Einzeljäger. Andere Raubkatzen erreichen solche Werte höchstens bei Jagden im Rudel. Sein Problem ist dann aber, das er es wegen seines eigenen geringen Gewichts fast nur mit Gazellen und Impalas aufnehmen kann, die nicht mehr wiegen als er selbst. Dabei ist auch seine Tötungsart für eine Raubkatze etwas speziell. Plump ausgedrückt rennt er sein Opfer über den Haufen und erstickt das gestürzte Tier dann durch Zudrücken der Kehle mit dem Gebiss. Um dem Opfer Hals- oder Nackenwirbel zu brechen, fehlt ihm schlicht die Kraft im Gebiss. Nach der Jagd muss er meist wegen der großen Anstrengung erst einmal kurz ausruhen um eine Überhitzung zu vermeiden. Auf der anderen Seite muss er dann aber auch schnell anfangen sein Opfer zu fressen, da er praktisch keine Möglichkeit hat, seine Beute gegen andere Raubkatzen wie Löwen oder Hyänen zu verteidigen.

Geparden machen aber auch ihre genetischen Eigenschaften zu etwas Besonderem. Es gibt große genetische Überschneidungen zwischen den Tieren. Dadurch kommt es als positiven Nebeneffekt aber praktisch zu keinen Abstoßreaktionen bei der Übertragung von Geweben zwischen nicht verwandten Geparden. Dieses wurde bisher nur bei genetischer Identität – Eineiige Zwillinge – für möglich gehalten wurde. Gut das hilft ihnen in der freien Wildbahn natürlich nicht, viele Forscher gehen aber deshalb davon aus, dass die Population der Geparde empfindlich auf Seuchen und Epidemien reagieren würden. Man geht weiter davon aus, dass sich die Geparde von heute aus einer sehr kleinen Gruppe, die einem völligen Aussterben ihrer Art aus welchen Gründen auch immer entgangen ist, entwickelt haben. Man bezeichnet dieses als genetischen Flaschenhals. Ein Problem das man heute auch bei anderen Spezies kennt, die vom Aussterben bedroht sind. Man hat schlicht nicht genug Erbmaterial, um dieses ausreichend zu mischen, damit es zu keinen gravierenden Fehlentwicklungen kommt. Eine Zeit lang glaubte man so auch, das Geparden, die statt der Punkte Streifen aufweisen, eine neue Unterart von Geparden sind. Man bezeichnete sie auch als Königsgeparden. Heute weiß man, das sich in einem Wurf sowohl Geparden mit Punkten als auch Streifen befinden können. Die Verschmelzung der Punkte zu Streifen beruht lediglich auf einem rezessiven Gen, also ein Gen das nur vorübergehend von anderen Genen überlagert wird. Insbesondere in den letzten Jahren treten diese sogenannten Königsgeparde in Afrika wieder vermehrt auf.

Wie sieht es nun heute insgesamt um die Population der Geparde aus: leider nicht wirklich gut. Auch hier ist das vor allem auf das Eingreifen des Menschen zurück zu führen, der Geparde Jahrzehnte nur als Bedrohung für das eigene Nutzvieh gesehen hat, und sie deshalb mit großer Härte bejagd haben. Geparden gibt es heute noch in Afrika und in der arabischen Welt bis hin nach Indien. Der afrikanische Gepard gilt als gefährdet bzw. stark gefährdet, der asiatische als vom Aussterben bedroht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass auch heute die wenigsten Geparde in Schutzzonen leben. Insgesamt schätzt man die Zahl der Geparde weltweit auf etwa 12500, wovon rund 20% alleine in Namibia leben.