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14.08.05      8. Reisetag - Calgary

Nach dem wir gestern in den Abendstunden Calgary erreicht haben, wollen wir uns heute die Stadt erstmal von oben ansehen. Es gibt nur eine kleine Downtown, und diese wird nicht von den Banken und Versicherungen beherrscht. Hier dominieren die Energieunternehmen und das aus gutem Grund. In Alberta, der drittgrößten Provinz von Kanada, ist man reich an Ölvorkommen. Allerdings befindet sich der größte Teil davon im Ölsand. Etwa ¼ der geschätzten Ölsandvorkommen liegen hier. Und nach der jüngsten Schätzung liegen nach Saudi Arabien die meisten bekannten Ölreserven eben hier, wenn auch eben ziemlich viel davon im Ölsand, welcher eben relativ teuer in der Gewinnung ist. Außerdem gibt es in Alberta reiche Vorkommen an Erdgas. Diese Bodenschätze werden von Edmonton und von Calgary aus vermarktet, was auch die Bürotürme der Energieunternehmen erklärt. Und gerade dieser neue Reichtum hat neben den Olympischen Winterspielen 1988 für ein unbeschreibliches Wachstum in der Stadt gesorgt. Vor den Spielen lebten hier etwa 600000 Menschen in der Stadt, heute ist die erste Millionen längst überschritten. Und es werden händeringend mehr Bürger gesucht. Man klagt hier über einen Arbeitskräftemangel. Die Arbeitslosenquote liegt unter 4 %, während es landesweit etwa 8% sind. Wie überall benötigt man hier qualifizierte Manager, Bauarbeiten, IT-Fachleute und vor allem Ölförderungsspezialisten. Und man lässt es sich was kosten, die Löhne sind etwa doppelt so hoch wie im übrigen Kanada. Die Bevölkerung ist mit einem Durchschnittsalter von lediglich 34 Jahren sehr jung. Die Rocky Mountains liegen nur 90 Fahrminuten entfernt. Aber man muss auch die kalten Winter hier mögen. Doch es gibt auch die ersten mahnenden Worte, man befürchtet an diesem ungestümen Wachstum zu ersticken. Es wird auf Teufel komm raus gebaut, ältere Gebäude sind außer dem alten Rathaus praktisch nicht vorhanden, in der auch erst etwa 130 Jahre alten Stadt.

Wie schon gesagt wollten wir das auch von oben betrachten, dazu haben wir unser Frühstück in das Drehrestaurant des 192 m hohen Funkturm der Stadt verlegt. Damit ist der Turm längst nicht mehr das höchste Gebäude der Stadt. Aber bei klarer Sicht, wie heute bei dem sich legenden Dunst, kann man die Ausmaße der Stadt schön überblicken. Sie hat eine Fläche von etwa 500 km², zum Vergleich mit seinen etwa 3,4 Millionen Einwohnern ist Berlin etwa 890 km² groß.

Nach der Stärkung wollen wir hinaus in die Prärie, das Ziel ist Drumheller. Auf dem Weg dorthin sieht man eine der Spezialitäten von Alberta, wenn auch noch auf vier Beinen stehend: beef. Die Rinderzucht mit den Fleischrindern ist neben dem Getreideanbau und dem Ölsaatenanbau die tragende Säule der Landwirtschaft in der Prärie, und damit auch in großen Teilen Albertas. Die Landschaft wird auch schon relativ schnell hinter der Stadtgrenze von Calgary relativ eintönig. Das Gelände ist leicht wellig, aber nur wenige Sträucher oder gar Bäume sind zu sehen. Die Straßen führen oft schnurgerade über weite Strecken scheinbar ins Nichts. Ortschaften werden selten, oft nur ein paar Häuser oder ein landwirtschaftlicher Hof. Bei der Getreideproduktion hat Kanada mit seinen Prärieprovinzen Alberta, Saskatchewan und Menetobia übrigens einen Anteil von 12% an der weltweit gehandelten Getreidemenge. Damit liegt man hinter den USA an zweiter Stelle. In den riesigen Getreidesilos werden die Ernten gelagert und dann über die fünf großen Seen in alle Welt verschifft. Ein Teil wird aber auch mit der Eisenbahn über die Rocky Mountains transportiert um dann den Seeweg in Richtung Asien anzutreten. Die größten Abnehmer sind Russland, China, Indien und Brasilien. Die Topologie des Landes hat die Landwirte hier dazu veranlasst auch schon mal im Bogen oder gar im Halbkreis zu pflügen. Man ackert auch nicht mehr so tief wie früher, das geht auf Erfahrungen aus den Jahren um 1935 zurück, damals kam es wiederholt zu starken Winden, die die Krume des Bodens abtrugen, Missernten waren die Folge und das Land drohte zu veröden. So sind die Felder eben nicht mehr immer schön rechtwinklig, sondern mehr von den Gegebenheiten der Landschaft geprägt. Die durchschnittlichen Farmen haben heute eine Größe von etwa 1000 ha und wachsen noch. Im Jahre 1970 lebten noch etwa 13 % der Menschen auf Farmen, heute sind es nur noch 4%.

Aber wir wollten ja eigentlich nach Drumheller, nun könnte man ja fragen Drumheller, wer oder was ist Drumheller. Es handelt sich dabei um einen Ort mit einer weltweiten Attraktion, und das in einem Landstrich, der wegen seinem geringen Wert für die Landwirtschaft den Namen Badlands bekam. Schnell wird auch klar warum, hier hat der Wind durch Erosion große Gräben ausgehoben, Niederschlag tat dann ein übriges um eine fast schon unwirkliche Mondlandschaft zu schaffen. Und die Attraktion ist eigentlich auch nur einem Zufall zu verdanken. Der Geologe Tyrell war auf der Suche nach Kohle, aber er fand merkwürdige Knochen. Es sollte sich schnell heraus stellen, das es sich dabei um Dinosaurier Knochen handelte. Bis heute hat man hier 75 fast vollständige Skelette unterschiedlichster Saurier gefunden. Aber nicht nur die Saurier scheinen hier ausgestorben zu sein, auf der ganzen Fahrt von Calgary bis Drumheller haben wir lediglich 2 Greifvögel und ein Stück Rotwild gesehen, obwohl das Land weithin zu übersehen ist. Da helfen auch die kleinen Baum- und Buschstreifen, die man als Windschott gepflanzt hat, nur wenig. Das mag durchaus auch eine Folge der intensiven Landwirtschaft mit der intensiven Düngung und wegen der Monokulturen sicherlich auch dem massiven Einsatz von chemischen Mitteln sein. Dabei fällt mir noch ein, abbaubare Kohle fand man hier auch keine.

Da wir relativ früh zurück ins Hotel gekommen sind, habe ich noch einen kleinen Spaziergang um die Blocks gemacht. Man sieht hier trotz der vielen Petro-Dollars auch einige Menschen ohne ständigen Wohnsitz, wie es wohl korrekt heißt. Sie sind nicht aufdringlich oder verbreiten ein massives Gefühl von Unsicherheit, wie ich es etwa in Teilen des Hamburger Hauptbahnhofs empfinde, aber es gibt sie hier auf jeden Fall, zumal an einem Sonntag, wenn die Innenstadt fast wie ausgestorben ist. Das soziale Netz ist hier von der Sicherheit wohl irgendwo zwischen den USA – keine Sicherheit – und dem Sozialsystem in Westeuropa anzusiedeln. Ähnliches gilt für die Krankenversicherung. Eine Grundversorgung wird hier vom Staat garantiert, dafür kommt man im Krankenhaus dann aber auch in einen Schlafsaal mit 20 anderen Patienten. Wer das vermeiden will, muss sich Zusatzversichern. Wie die zahnärztliche Behandlung komplett selbst bezahlt oder eben mit der Zusatzversicherung abgedeckt werden muss. Bei Arzneien gibt es immer mindestens eine Zuzahlung durch den Patienten, oft muss ein Medikament sogar komplett bezahlt werden. Dafür gibt es aber auch viele in einer Health-Abteilung in den großen Supermärkten, was die Sache wieder billiger macht. Aber zurück zum Thema Sicherheit. Ich fühle mich hier nicht etwa so sorglos sicher wie etwa in Australien, aber gefährdet fühlte ich mich eigentlich auch nie, auch nicht am Abend in einer fast verlassenen Fußgängerzone. Denn wie schon oben gesagt ist die Innenstadt am Sonntagabend fast ausgestorben, nur wenige Gastronomie-Betriebe haben überhaupt geöffnet. Das gleiche Problem wie mit den Aboriginies in Australien haben auch die Indianer hier, sie vertragen keinen Alkohol. Sie vertragen kaum eine Dose Bier, und genau hier liegt auch der Unterschied zu Australien im Sicherheitsempfinden. Die Aboriginies werden trübsinnig und scheinbar willenlos, während die Indianer, wie heute morgen gesehen eher aggressiv und aufgeputscht sind. Das mag durchaus ein Einzelfall sein, das kann und will ich nicht verallgemeinern, konnte ich aber eben so beobachten.