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3. Reisetag         Mongui – 03.02.2020

Heute steht die erste Wanderung dieser Reise auf dem Plan. Das Frühstück ist für 7:30 Uhr geplant. Danach geht es mit dem Kleinbus noch an den Rand des Ortes Mongui, wo wir dann Schusters Rappen satteln. Dabei geht es zunächst noch ein kleines Stück an der Straße entlang aufwärts, wobei Straße natürlich eher Piste meint. Tatsächlich geteert sind in Kolumbien nur die Hauptverbindungsstraßen. Schon nach kurzer Wegstrecke kommen wir an Zeugnissen der Muisca vorbei. Die Muisca sind eine der großen kolumbianischen indigenen Bevölkerungsgruppen, die im Nordwesten des heutigen Kolumbiens bis hinauf nach Panama lebten. Beim Eintreffen der Spanier zu Beginn des 17. Jahrhunderts gab es neun Staatengebilde der Muisca. Sie gehörten zur den Hochkulturen Südamerikas. Sie lebten zumeist als Bauern die bereits Kartoffeln, Maniok, Tabak, Mais oder Tomaten anbauten. Daneben gab es aber auch Handwerker, wobei die Muisca insbesondere bekannt für ihre Fertigkeiten zur Bearbeitung von Edelstein wie Smaragden aber auch filigrane Goldschmiedetätigkeiten bekannt waren. An unserem Weg liegen aber keine Kunstwerke aus Gold, es handelt sich um Steingravuren.


Unser Ziel ist die Paramo de Oceta, die als eine der schönsten Paramolandschaften Kolumbiens gilt. Die Paramo ist eine zuweilen schwammige feuchte Landschaft, die große Mengen Feuchtigkeit speichern kann, und diese dann nach und nach an tiefer gelegene Gebiete abgibt. Sie ist durchzogen von unzähligen kleinen Tümpeln und Wasserläufen. Wobei wir hier im Februar unterwegs sind, also zur Hochzeit der Trockenzeit. Für die Landwirtschaft sind die Gebiete nur relativ schlecht geeignet. Daher galten sie lange als baumloses schlechtes Land. Wie wir aber schon bald merken, hat sie durchaus sehr buschige Bereiche. In den Bereichen mit dem dichten Bewuchs ist die Sicht häufig gerade mal bis zu den eigenen Füßen. Unser Weg durch diese Vegetation steigt einigermaßen zügig an. Unser einheimischer Guide legt dabei ein ziemlich flottes Tempo vor, weshalb unsere Gruppe immer wieder gesprengt wird. Die Aussage war allerdings auch, jeder in seinem Tempo, aber ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist es schon. Hinter uns ist ein weiterer Guide unterwegs, der dafür sorgt, dass niemand verloren geht. Weiter vorne ergeben sich dadurch aber immer wieder Pausen, damit die Gruppe sich nicht komplett auflöst. Nach 2 Stunden haben wir rund 400 Höhenmeter geschafft, und befinden uns auf ca. 3550 m, unser Ziel liegt weitere 400 Meter höher. Da der dichte Bewuchs inzwischen hinter uns liegt, geht es ein bisschen schneller voran. So kommen wir gegen 12:00 Uhr an unserem ersten Ziel an, einem kleinen Berggipfel, an dem wir auch unsere Mittagspause mit schöner Aussicht machen. Nach der Rast gehen wir auf einem Pfad weiter, der erst vor kurzem offiziell wieder freigegeben worden ist. Es gab und gibt dort immer mal wieder ein paar verbale Auseinandersetzungen mit einem Bauern, der dort seine Unterkunft hat und sein Vieh grasen lässt, und dessen „Weide“ wir überqueren müssen. Aber bei uns bleibt alles ruhig. Niemand behelligt uns, und wir gelangen zu einer üppig bewachsenen Schlucht. Wie auch schon in den höheren Lagen wachsen hier zahlreiche Frailejones, sie gehören zu den Espeletia, Halbsträucher die unverzweigt wachsen. Eine ihrer Besonderheiten ist, dass sich ihre abgestorbenen Blätter als Kälteschutz um den Stamm legen. So hat der eigentliche Stamm einen Durchmesser von meist deutlich weniger als 10 cm. Er sieht bei älteren Pflanzen, sie sind mehrjährig, aber sehr viel massiger aus, optisch sind es eher 25 – 30 cm. Die Pflanzen können eine Höhe von bis zu 3m erreichen, was aber natürlich mit größeren Höhen abnimmt. Die Blätter sind relativ fleischig und beharrt, fassen sich aber erstaunlich weich an. Frailejones sind wahre Lebenskünstler unter diesen Bedingungen, sie wachsen in Höhen von ca. 3000 – 4000 m, was natürlich bedeutet, dass sie am Tag mit einem starken UV-Licht und auch für uns angenehmen Temperaturen zu tun haben, nachts geht es dann aber regelmäßig auch in den Minusbereich. Frailejones sind im Norden Südamerikas endemisch. Verwandte Gattungen gibt es in großen Höhen rund um den Äquator.

Am Ausgang der Schlucht sieht es uns noch ein paar Höhenmeter hinauf zu einem Aussichtspunkt. Er bietet einen schönen Blick auf die Laguna Negra. Sie ist ein See mit einer schwarz schimmernden Wasseroberfläche, was heute auch schön zur Geltung kommt. Wir haben Glück mit dem Wetter, auch wenn hier oben der Wind ordentlich geht, aber es ist meist sonnig. Nicht selten muss man in diesem Gebiet mit Nebel und einer entsprechenden Sicht rechnen. Von hier geht es dann zurück zu unserem Ausgangspunkt. Da es hier auch einen offiziellen Weg zwischen den Weiden gibt, geht es zunächst gut voran. Dieser Bereich ist auch relativ feucht, eigentlich typisch für die Paramo, so ist der Abstieg ziemlich gelenksschonend. Der Aufstieg war vom Untergrund deutlich trockener. Erst auf dem letzten Abschnitt geht der Weg dann in einen steinigen Abstieg über. Insgesamt sind wir rund 7,5 Stunden unterwegs, bis wir wieder bei unserem wartenden Fahrer sind. Dieser bringt uns zurück nach Mongui, wo wir uns zunächst je nach Neigung einen Kaffee oder ein Bier auf die Anstrengungen des Tages gönnen.

Mongui ist in Kolumbien übrigens für die Fertigung von Fußbällen bekannt. Es werden noch richtige Lederbälle von Hand genäht. Es gibt in dem Dorf von rund 5000 Einwohnern eine der größten „Ballfabriken“ des Landes. Los ging es vor knapp 45 Jahren, heute werden sie in allen möglichen Farben und mit Vereinsemblemen bekannter Vereine gefertigt. Man ist stolz darauf, dass man hier noch richtige Qualität produziert, die auch bei jedem Wetter gespielt werden kann. Ich glaube mal nicht, dass die Merchandising-Abteilungen der großen europäischen Clubs, das mit ihren Wappen gutheißen würden, aber so gibt es hier Arbeit in einem Landstrich, der nicht eben reich mit Arbeitsplätzen gesegnet ist.