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11.04.2009      4. Reisetag - Wadi Ghuwayr

Schon am Morgen müssen wir weiter und verlassen das Tote Meer in südlicher Richtung. Genauer gesagt fahren wir eigentlich am Toten Meer entlang. Je weiter man nach Süden kommt, desto mehr fällt die weiße Umrandung auf. Dabei handelt es sich natürlich nicht nur um die auslaufenden Wellen, sondern vor allem um Salzablagerungen. Das Salz wird aus dem Boden aufgeschwemmt. Wobei der Salzgehalt in jüngerer Vergangenheit sogar noch steigt. Es gibt durch die Wasserentnahme am Jordan nahezu kein frisches Wasser mehr, welches zufließt. Der See hat zwar keinen Abfluß, aber durch die Verdunstung auf der Fläche von etwa 600 Quadratkilometern fällt der Wasserspiegel etwa einen Meter pro Jahr. In den letzten 30 Jahren ist die Fläche des Sees dadurch bereits um rund 1/3 geschrumpft. Und das passiert eben vor allem auf dem südlichen Ende. Der Salzgehalt liegt heute bei etwa 33%, zum Vergleich das Mittelmehr weist nur einen Wert von etwa 3% auf. In Ostafrika ist mit dem Assalsee der Spitzenreiter mit rund 35% zu finden. Dieses Phänomen ist also nicht wirklich einzigartig. Durch das Salz gibt es, wenn man mal von einigen Bakterien absieht und einigen wenigen sehr salztoleranten Pflanzen, keinerlei Leben. Als Nahrungsquelle etwa durch Fischfang ist es folglich also ein Totalausfall. Wegen des zurück gehenden Wasserspiegel sprechen sich einige jetzt dafür aus, vom Roten Meer einen Kanal anzulegen, mit dem man nicht nur den Wasserspiegel regulieren könnte, sondern auch noch Energie erzeugen könnte. Aber es gibt nicht ganz ohne Grund auch kritische Stimmen. Sie befürchten zum einen das Absterben der Korallenbänke im Roten Meer genauer gesagt im Golf von Aqaba, aber auch einen anderen ziemlichen unschönen Effekt. Im Roten Meer ist das Wasser Calcium haltig, im Toten Meer enthält es relativ viele Sulfate. Und das könnte jetzt zu Calciumsulfat-Ausfällen führen, oder einfach gesagt, es könnte sich Gips im Toten Meer bilden.

So nun aber genug vom Toten Meer. Auf unserem Weg sahen wir wie auch schon an anderen Straßen im Land immer mal wieder so eine Art einfache Blech-Carports an vermeintlichen wichtigen Stellen am Straßenrand. Gemeint sind dabei Kreuzungen oder Brücken. Dort steht dann meist ein Militärjeep mit drei Mann Besatzung und einem Maschinengewehr auf dem Autodach montiert. Zwei der Soldaten sitzen meist im Auto und einer befindet sich in der Nähe der Straße. Auch in Amman haben wir in der Nähe unseres Hotels einen Soldaten mit einer Langwaffe auf dem Rücken laufen sehen. Wie uns unser Reiseleiter mitteilte, ist das weniger wegen möglicher im engeren Sinne militärischer Aufgaben, sondern viel mehr als Terrorabwehr gedacht. Ob das nun Sinn macht oder nicht, lasse ich jetzt mal dahin gestellt. Aber auch in den „so freien“ westlichen Ländern hat die Terrorbekämpfung ja gerade in der jüngeren Vergangenheit schon so manche Stilblüte hervor gebracht.

Unser erstes Reiseziel an diesem Tag war ein Aussichtspunkt noch über dem Toten Meer. Man kann aber auch so vom östlichen Ufer des Toten Meeres die israelische Seite bei halbwegs klarer Sicht gut sehen, schließlich ist der See ja nur maximal 18km breit. Der anschließende Besuch im Museum des Toten Meeres musste aber auch schon ausfallen, wir waren schlicht zu früh dran. Ohnehin ist heute am Samstag hier noch Wochenende. Aber wie dem auch sei, wir mussten weiter. Schließlich stand heute unsere erste größere Wanderung an. Dazu sollten wir in der Nähe des Wadi Ghuwayr unseren lokalen Guide treffen. Wir kurften also mit dem großen Bus irgendwo auf eigentlich zu kleinen Bergstraßen herum, bis wir ihn schließlich in der Nähe des Wadis trafen. So hatten wir jetzt unseren deutsch sprechenden „richtigen“ Reiseleiter dabei, den mehr oder weniger zugeteilten offiziellen Guide, und jetzt noch den lokalen, der uns die beiden nächsten Tage führen sollte. Wie sich herausstellte waren sie sogar zu zweit da. Wobei nur der jüngere einen Rucksack dabei hatte, und damit auch den „Wasserträger“ für Achmed, dem lokalen Guide machte. Unsere Koffer wurden auf einen Jeep geladen und sollten damit zu unserem ersten Zeltcamp in Jordanien gebracht werden. Kaum waren die Koffer verladen, flogen auch schon ein paar leere Wasserflaschen aus dem Bus. Auf den Hinweis hin, das sich so was eben nicht gehörte, machte der Fahrer nur eine wegwerfende Handbewegung, der Wind würde sich schon darum kümmern. Leider scheint dieser „nicht Umweltschutz“ hier normal zu sein. Denn man sah auch unterwegs am Straßenrand und selbst hier in der relativ dünn besiedelten Bergregion eben immer wieder Müll in der Landschaft herum liegen. Mitglieder unserer Gruppe packten den Müll noch in einen Karton, nur der Busfahrer ließ diesen locker stehen, und fuhr so davon. Immerhin packte Mussa, der „Wasserträger“ den Karton noch auf den Jeep mit unserem Gepäck. Das Zeug lag jetzt mehr oder weniger lose auf dem Pickup hinten drauf. Ob es heil angekommen ist, darüber will man als Mitteleuropäer, der sich mit Mülltrennung und allerhand anderen ähnlich gelagerten Sachen beschäftigt, lieber nicht nachdenken.

Unsere Wanderung war ursprünglich auf etwa 5 Stunden angesetzt. Nur konnte aus organisatorischen Gründen nur eine alternative Route gelaufen werden, eben durch den Wadi Ghuwayr. Blöd war nun, das wir deutlich länger brauchen sollten. Wadis sind die Trockenflüsse hier in Jordanien, die nicht das ganze Jahr offensichtlich Wasser führen. Aber unterirdisch eben doch meist ganzjährig fließen. Der Wadi Ghuwayr war anfangs ein mehr oder weniger kleines Rinnsal, der im Verlauf aber immer mehr anschwoll. Da der Wadi zum größten Teil in einer geschätzt etwa 100m tiefen Schlucht verlief, war es immer wieder nötig, den Wasserlauf zu überqueren. Das sorgte nun bei den meisten Mitreisenden für nasse Füße. Der Wadi selbst war von mehr oder weniger großen Steinen gesäumt. Das reichte von einer Art Kies bis zu Felsblöcken von deutlich mehr als zwei Metern Durchmesser, über die es zu „krackseln“ galt. An einer Stelle ging es auch mehr oder weniger 2,5 m direkt ins Wasser. Oder aber man musste aus der Hocke mittels eines ordentlichen Satzes inkl. Tagesrucksack in den Kies etwas weiter springen. Trotz der zunehmenden Geschwindigkeit konnten wir die Dunkelheit nicht vermeiden. Da nur wenige mit einer Taschenlampe auf eine Tageswanderung gegangen waren, war es schlicht kaum möglich unseren Weg zum Camp zu Fuß fortzusetzen. Das Problem dabei war, das wir zwar inzwischen glücklicherweise die Schlucht verlassen hatten, aber das mehr oder weniger freie Gelände mit einigen Bodenabsätzen von durchaus mal zwei Meter Höhe durchzogen waren, die man sicherlich hätte überwinden hätte können, jedenfalls wenn man sie gesehen hätte. Aber viel schwieriger machten es die Steine, die überall relativ dicht verstreut herum lagen, und einen Durchmesser von durchaus mal 20cm hatten. Es war einfach ein bisschen gefährlich für Sehnen und Gelenke. So wurden wir das letzte Stück von Jeeps abgeholt und das restliche Stück zum Camp gefahren.

Dort angekommen gab es gleich die nächste Überraschung: Es gab keinerlei Sanitäre Einrichtungen. Also weder Waschgelegenheiten geschweige denn Duschen, noch Toiletten. verschwitzt wie wir waren, war das nicht gerade die Stimmungskanone. Zumal man das so aus der Reisebeschreibung so eher nicht heraus lesen konnte. Aber gut, das einfache Leben hat auch so seine Vorteile. Das Essen stand in der Mitte, wir saßen auf Matten drum herum, und jeder konnte „über den Tisch“ zu seinen Favoriten auf dem Buffet robben. Es war deutlich spürbar, das die Stimmung innerhalb der Gruppe anfangs etwas gereizt war, man aber auf der anderen Seite auch glücklich war, hier überhaupt angekommen zu sein. Und wenn man „gemeinsam“ die Anstrengungen überwunden hat, dann gibt das auch ein stärkeres Wir-Gefühl.

Noch eine Anmerkung zu den Zelten: Es waren sehr einfach Zelte mit einer Grundfläche von zum Teil weniger als zwei mal zwei Metern. So stieß ich innen sowohl mit dem Kopf als auch mit den Füßen im ausgestreckten Zustand an den Rand meines „Reiches“ an. Von Wasserdichtigkeit will ich gar nicht reden, bei meinem Zelt konnte ich durch eine der Nähte den Sternenhimmel erahnen. Aber die Wahrscheinlichkeit, das man in der Wüste nass wird, ist eben auch sehr gering. Wie uns Achmed sagte, hätte es jetzt im letzten Winter – der Regenzeit – gut geregnet, es waren fünf mal gewesen. Die Verankerung der Zelte war auch denkbar einfach, eine Befestigung mit Haken ist in der Wüste schwierig, und war auch gar nicht vorgesehen. Das war eher pragmatisch organisiert: beschweren durch das Reinlegen des Koffers, zumal ein leichter Wind aufkam. Das alles spielte für mich aber eher keine große Rolle mehr, in der letzten Nacht hatte ich unruhig geschlafen, und so kam das Sandmännchen bei mir schnell. Anfangs war es zwar sehr warm im Zelt, aber damit habe ich eher keine Probleme, eher schon das es gegen Morgen ziemlich kalt wurde. Gut man hört und liest davon, das es eben nachts kalt wird in der Wüste, dennoch hat es mich überrascht wie gefühlt kalt es war. Da wühlt man dann mitten in der vermeintlichen Tiefschlafphase im heimeligen Schein der Taschenlampe noch die Jacke aus dem Koffer.