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6. Tag        14.08.2013 – Geierschlucht

Heute sollte es ein geruhsamer Tag werden. Die morgendlichen Zeiten sind wie schon in den letzten Tagen. Wir wechseln mit unserem Camp den Ort nur um wenige Kilometer, so kommen wir nach einem kleinen Stopp an einem der typischen Ovoos schon kurz nach 9.00 Uhr bei unserem neuen Lagerplatz an. Eigentlich hätten wir ja schon gestern hier sein wollen, nur flog die Zeit schneller als die Kilometer an uns vorbei. Unsere Ausrüstung lassen wir an unserem neuen Lagerplatz und fahren mit den „Straßenbus“ weiter bis zum noch ca. zehn Kilometer entfernten Eingang zur Geierschlucht. Zuerst sehen wir aber nicht die Namensgeber der Schlucht sondern Pfeiffhasen. Von denen hat sich ja bereits ein Exemplar in unserem neuen Lager in einem kleinen Erdloch aufgehalten. Der Bursche dort war erstaunlich ruhig und hat erst das Weite gesucht, als wir auf kaum einen Meter an ihn heran gerückt waren. Die kleinen Nager sind hier in der Geierschlucht sehr zahlreich, man kann sie praktisch gar nicht verfehlen. Wobei auch sie keinen sonderlich großen Respektsabstand zu uns einhalten. Sie sind eher neugierig als scheu. Nach einer ersten Biegung in der Schlucht kommen wir auch zu einer Herde Yaks.

Yaks, die zu den Rindern gehören, sind sehr erstaunliche Tiere. Sie haben ein sehr dichtes Fell, das aus einer sehr feinen Unterwolle und einem groben Oberfell besteht. Dabei macht bis zu 80% der Haare das Unterfell aus. Im unteren Bauchbereich haben sie einen langen Behang mit dem Oberfell, das Deckfell kann dabei durchaus 20cm lang werden kann, was optisch dazu führt, das die Beine relativ kurz erscheinen, die durch relativ kleine Paarhufe abgeschlossen werden. Das Oberfell fällt meist im Sommer aus, was auch ihr etwas „zotteliges“ Erscheinungsbild verursacht. Noch ein paar Zahlen, pro Quadratzentimeter haben Yaks 800 Feinwollhaare und etwa 220 Oberhaare. Das Fell lässt sie im Winter dann problemlos Temperaturen von -30°C oder auch -40 °C überstehen. Interessant in dem Zusammenhang ist noch, dass sie ihr Atemverhalten dabei dramatisch verändern. Im Winter atmen sie nur sieben- bis achtmal in der Minute. Im Sommer atmen sie bis zu hundertmal in der Minute. Dadurch erhöhen sich der Blutdruck und Puls dramatisch. Damit versuchen sie mehr Wärme abzugeben und sich so praktisch natürlich zu kühlen. Yaks fühlen sich am wohlsten in Gebieten, in denen die Temperaturen deutlich unter +20 °C bleiben. Auch die Futteraufnahme verdreifacht sich im Sommer. Sie sind aber auch in der Lage im Winter tagelang völlig ohne Nahrung zu überleben. So ist es für Yaks normal 5-6% des Körpergewichts im Winter zu verlieren, aber selbst Werte von 20% sind durchaus in strengen langen Wintern möglich. Jungtiere können in dieser Zeit gar ihr Wachstum unterbrechen, ohne dabei körperliche Schäden davon zu tragen. Dabei sind Yak-Kühe mit ca. 1,50m und einem Gewicht von bis zu 500kg deutlich kleiner als die Bullen. Die werden bis zu 2,0 m groß und wiegen dann bis zu einer Tonne. Wobei die Bullen auch nur zur Paarungszeit, was typischerweise im September der Fall ist, aber sich auch durch die Nahrungssituation verschieben kann, bei den Kühen sind. Ansonsten ziehen Kühe und noch nicht geschlechtsreife Bullen in Herden zusammen umher. Yaks sind gegenüber ihren Fressfeinden sehr aufmerksam und insbesondere bei größeren Herden kann die Jagd auch schon mal für den Jäger tödlich verlaufen, da sich die Herde koordiniert verteidigt. Damit zählen Yaks auf jeden Fall zu den sehr sozialen Tieren. Wilde Yaks gelten heute als vom Aussterben bedroht, und so ist auch diese kleine Herde domestiziert. Es lassen sich bei den Yaks hier auch „Einschläge“ anderer Rinderrassen erkennen.

Die Tiere sind sehr ruhig und lassen sich auch durch uns nicht nachhaltig vom Fressen abhalten. Aber für sie gilt es jetzt ja auch sich ein kleines Fettpolster für den Winter anzufressen. Aus gutem Grund ist die Tourismus-Saison in einem Monat ja bereits vorbei, dann kündigt sich bereits der nahenden Winter mit Minustemperaturen an. Ein kleines Stück weiter kreisen über uns aber dann die Namensgeber der Schlucht: Geier. An den Felsen finden sie gute Brutplätze, gleichzeitig herrscht eine starke Thermik, die die Geier weit nach oben trägt. Hier über uns schrauben sich gerade an die 40 Tiere in die Luft. Von hier schweben sie teilweise sehr weit in die Ebenen der Gobi hinein, um dort Futter zu suchen. Aber auch die Pfeiffhasen hier in der Schlucht stehen durchaus auf ihrer Speisekarte.

Entlang unseres Weges tiefer in die Schlucht hinein schlängelt sich ein kleiner Wasserlauf, den es auch ein paar Mal zu überqueren gilt, was aber gut ohne nasse Füße machbar ist. Anfänglichen waren an den Hängen auch noch grasende Pferde zu sehen, je weiter wir in die eigentliche Schlucht kommen, desto steiler werden die uns umgebenden Felsen, bis schließlich nur noch ein kaum 2m breiter Durchgang bleibt, in dem weiter der kleine Wasserlauf fließt. Etwa 2,5km nach unserem Startpunkt der kleinen Wanderung, bei der aber mehr „Sehen“ als Strecke auf der Programm steht, verbreitert sich die Schlucht wieder und wird später in einem großen Halbkreis in die Steppe der Gobi auslaufen. So drehen wir um, und gehen gemütlich den Weg zurück, auf dem wir gekommen sind. Anschließend geht es bei der Ausfahrt aus der Schlucht noch in ein kleines Museum, das die Tierwelt und das ursprüngliche Leben in der Gegend mit einigen Präparaten näher zu bringen versucht. Damit ist es dann Zeit zurück ins Camp zu fahren und Mittag zu essen. Es folgt eine ruhige Siesta im Zelt, Zeit auch den kleinen Tagesbericht schon mal zu beginnen oder einfach auch mal Nichts zu machen.

Gegen 16.00 Uhr machen ein paar von uns noch einen kleinen Spaziergang über die Gipfel der uns um gebenden Berge. Wobei Gipfel definitiv ein bisschen hochtrabend ist. Die Berge sind längst nur noch mehr oder weniger runde Erhebungen. Man kann relativ einfach hinauf, dahinter befinden sich unzählige weitere kleine Berge bis zum Horizont. Der Bewuchs ist karg, aber auf jeden Fall noch vorhanden. Trotz allem merkt man die Höhe schon, unser Lager befindet sich auf rund 2100m, die Berge legen noch ein bisschen was drauf. Es ist nicht dramatisch, aber eben schon spürbar, wenn man mal eben den nächsten Gipfel nehmen will. Inzwischen sind wir relativ weit im Süden der Mongolei angekommen, von hier sind es nur wenige Hundert Kilometer bis nach China, aber wie wir ja gestern gelernt haben, kann so eine Strecke auch schon mal eine Tagesreise sein. Nur richtige Wüste gibt es hier keine, aber wie ich ja gelernt hatte, ist die Gobi eigentlich auch nur eine „wüstenähnliche“ Steppe.

Hier im Süden der Gobi gibt es riesige Kohlevorkommen. Man schätzt dass die Mongolei über 160 Mrd. t Kohle verfügt, das sind etwa 10% der gesicherten Vorkommen auf der Erde. Dabei sind wesentliche Teile davon nur wenige Meter unter der  Erdoberfläche, was sie leicht abbaubar macht. Aber als Rohstoffexporteur beginnt die Mongolei erst langsam zu erwachen.  Kohle wird in der Mongolei in der Gegend der Hauptstadt schon seit mehr als 100 Jahre industriell abgebaut. Man heizt damit in der / die Hauptstadt incl. der Fernwärme, und produziert Strom für das ganze Land. Doch die Technik ist völlig veraltet und auch die Infrastruktur für den Export überhaupt nicht vorhanden. Dazu kommt noch das Problem, die Kohle nur entweder über russisches oder chinesisches Gebiet exportieren zu können. China selbst verfügt ebenfalls über große Kohlevorkommen importiert aber auch große Mengen, und so ist das Land auch fast schon der natürliche Handelspartner. China hat auch bis an die mongolische Grenze eine Eisenbahnlinie gebaut, nur in der Mongolei selbst transportiert man die Kohle mit unzähligen LKWs an die Grenze oder auch bis tief nach China hinein. Doch der Export von Rohstoffen, der im Wesentlichen den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes begründet, ist auch nicht unumstritten. Zumal der Abbau kaum selbst denn niedrigsten Umweltstandards entspricht. Und der Abbau überhaupt nur mit Hilfe ausländischer Konzerne gelingt, bei der Kohle handelt es sich dabei maßgeblich um den australischen Konzern Rio Tinto. Das bedeutet dann wieder, dass auch ein wesentlicher Anteil der Einnahmen in die Hände von Ausländern fließt. So wird auch bei anderen Rohstoffen von verschiedenen Gruppen immer mehr gefordert, einen größeren Teil der Wertschöpfung in die Mongolei zu verlegen. Denn nach wie vor lebt fast jeder vierte Mongole unterhalb der Armutsgrenze. Ein erster Ansatz für die Veränderungen der Wertschöpfung ist der geplante Bau einer Anlage um Kohle zu verflüssigen und sich damit auch unabhängiger von Ölimporten aus Russland zu machen, für die die Mongolei einen substanziellen Teil seiner Devisen aufwenden muss. Ob das wirtschaftlich wirklich sinnvoll ist, bleibt ein anderes Thema. So wurden früher zur Zeit der Apartheid etwa in Südafrika ähnliche Anlagen betrieben, die aber auch nur solange Sinn machten, wie das Land international isoliert war, heute sind diese Anlage längst geschlossen worden.

Nach dem Ausflug in die große Welt wieder zurück zu unserem Tag. Gegen 19 Uhr gibt es Abendbrot, am Horizont ziehen langsam Wolken auf. Noch bevor wir wirklich fertig sind, hören wir entferntes Donnergrollen und sehen die Blitze am Himmel. Nicht viel später kommen auch die Tropfen. Ich baue noch schnell ein „Türmchen“ im Zelt. Meine Reisetasche ist wasserdicht, alles andere was vorher noch im Zelt herum lag, wird schnell darauf gestapelt. Mein Zelt ist einwandig, bei Sonnenlicht kann man entlang der Nähte die unzähligen kleinen Löcher sehen – nicht so beruhigend für die kommende Nacht. Aber noch ist es ohnehin zu früh zum Schlafen, so sitzen wir im großen Bus und schauen dem Wetter zu. Der Wind wird noch etwas heftiger und zerrt an den Zelten. Als der Wind und auch der Regen weniger werden, beschließe ich es dann doch mit dem Schlafen zu versuchen. Es will aber nicht so recht gelingen, so liege ich noch ein paar Stunden wach im Zelt. Zeitweise versuche ich es noch mit einer Plastiktüte über den Schlafsack im Bereich der Füße, da ich mit diesen an die feuchte Zeltwand stoße. So werden die Füße von innen im Schlafsack feucht, also wieder weg damit. Jetzt wird der Schlafsack an den Füßen langsam von Außen nass, dafür glühen aber die Füße nicht so. Dabei denke ich die ganze Zeit noch über die Feuchtigkeit nach, die früher oder später von unten kommen wird. Eine Folie oder ähnliches liegt nicht unter dem Zelt, und da der Boden hier nur schwer überhaupt den Niederschlag aufnimmt, dürfte allerhand davon auch noch ein bisschen unter mein Zelt laufen. Aber daran kann ich ohnehin nichts ändern, nur fördern die Gedanken daran natürlich auch nicht das Einschlafen, irgendwann ist es dann aber doch soweit.