10. Reisetag – Rotorua – 15.02.2026
Heute kehren wir wieder zu normaleren Zeiten am Morgen zurück. Das Gepäck soll um 7:45 Uhr verladen werden. Wobei sich das tägliche „Taschen-Tetris“ ohnehin längst eingespielt hat, und inzwischen fast automatisch jedes Gepäckstück den richtigen Platz findet. Wir verlassen Auckland in Richtung Süden. Da heute Sonntag ist, ist der Verkehr nicht so stark, und wir kommen gut voran. Trotzdem braucht es natürlich gefühlt ewig, bis wir die Metropolregion Auckland hinter uns gelassen haben. Die Stadt wächst ungehemmt weiter, im Moment vor allem in Richtung Süden. Das führt aktuell zu Diskussionen in der Bevölkerung, weil gerade dort besonders fruchtbare landwirtschaftliche Flächen liegen, die jetzt zu Bauland werden. Wobei Auckland auch allgemein Probleme hat, die Infrastruktur der Stadt im gleichen Tempo zu entwickeln, wie die Stadt wächst. Aktuell betrifft es vor allem die Kläranlagen, was insbesondere in der Folge von Starkregen dazu führt, dass diese überlaufen und Abwasser teilweise ungeklärt ins Meer gelangt.
An der Stelle noch ein kleiner Ausflug in die Geschichte von Auckland. Schon bei den Maoris war die Umgebung des heutigen Aucklands eines der wichtigsten Siedlungsgebiete. Man hatte gute Böden und aufgrund der Nähe zum Meer mit relativ geschützten Bereichen auch gute Fischgründe. Später, als die Briten Neuseeland besiedelten, schlossen sie zunächst 1840 den Vertrag von Waitangi und Russel wurde die Hauptstadt. Neuseeland unterstand zu dem Zeitpunkt aber noch der Verwaltung der Kolonie von New South Wales. William Hobson, der frisch gebackene Gouverneur von Neuseeland, erkannte, dass er die Hauptstadt weiter nach Süden verlegen musste, um auf die großen südlich gelegenen Gebiete einen besseren Zugriff zu haben. Zuerst überlegte man, das heutige Wellington zur Hauptstadt zu machen. Die Stadt hatte allerdings wegen der illegalen Landübernahme der dort mächtigen New Zealand Company einen schlechten Ruf, noch dazu war dort der Diplomat Edward Wakefield sehr aktiv, der einige gegensätzliche Thesen zu der bis dahin üblichen Praxis der Besiedlung der britischen Kolonien mit Strafgefangenen vertrat. Auch der oberste Landvermesser des Landes, Felton Mathew, und der bekannte Missionar Henry Williams plädierten für Auckland. So entschied sich Hobson gegen das schnell wachsende Wellington, das damals noch Port Nicholson hieß, und für das heutige Auckland. Den Namen wählte er zu Ehren von Georg Eden, dem 1. Earl von Auckland, selbst aus, der Hobson in Indien sein erstes Kommando über eine Fregatte gab, und sein Freund und Gönner war. Anfangs kamen die neuen Siedler in Auckland vor allem aus anderen Landesteilen oder dem heutigen Australien, aber bereits 1842 kamen die ersten Schiffe mit Siedlern direkt aus dem Mutterland. Die Stadt entwickelte sich schnell, musste 1862 wegen separatistischen Bewegungen auf der Südinsel den Titel der Hauptstand aber an Wellington abgeben. Trotzdem blieb Auckland die wirtschaftlich wichtigste Stadt des Landes. Um 1900 war Auckland die größte Stadt des Landes, und 1919 baute man eine elektrische Straßenbahn mit 9 Linien, deren Ausbau dann allerdings bereits 10 Jahre später nicht zuletzt wegen der Weltwirtschaftskriese wieder eingestellt wurde. Auch in deren Folge kam die Labour-Partei in der Stadt an die Macht, die in den 1950er Jahren damit begann, auf Kosten der Stadt kleine eingeschossige Häuser auf ca. 1000qm großen Grundstücken für ärmere Bevölkerungsschichten zu errichten. Diese Grundstückgröße hat sich bis heute weitesgehend gehalten, was zu der enormen Ausdehnung des heutigen Aucklands geführt hat. Gleichzeitig aber auch den Betrieb des öffentlichen Nahverkehrs, der heute abgesehen von noch 5 Bahnlinien vor allem aus Bussen besteht, schwierig macht, und damit auch eine der Ursachen für das heute völlig überlastete Straßennetz ist. Im Jahre 2005 hat man wieder damit begonnen, nennenswert in den öffentlichen Nahverkehr zu investieren. Dazu gehört die Modernisierung der Bahnlinien und der dazu gehörigen Bahnhöfe, was auch zu jährlichen Steigerungsraten der Fahrgäste von teilweise deutlich über 20% führte, trotzdem gilt der Nahverkehr für eine Stadt dieser Größe als eher rückständig. Dazu kommt noch die Lage Aucklands, dass an zwei Seiten vom Meer begrenzt wird. Teilweise nehmen die Pendler auch eine der innerstädtischen Fährlinien, was von der Zahl der beförderten Personen im Verhältnis zur Größe der Stadt aber eher ein Tropfen auf den heißen Stein darstellt. Ansonsten verfügt Auckland über den wichtigsten Hafen und Flughafen des Landes. Es gibt drei Universitäten und auch mehrere Arenen für Großveranstaltungen. Das Klima ist gemäßigt und relativ gleichmäßig. Die Tagestemperaturen schwanken über das Jahr zwischen 7°C und 25°C. Und selbst die Niederschlagsmengen schwanken mit monatlich zwischen etwa 75 und 120 ltr/qm nur relativ wenig. Das macht das Klima insgesamt sehr angenehm. Wie oben aber schon angeklungen, ist das enorme Bevölkerungswachstum aber ein massives Problem. So hat die Stadt im Jahre 1996 die Millionengrenze überschritten, beim letzten Zensus 2013 waren es bereits 1,4 Millionen. Schätzungen gehen davon aus, dass bereits 2050 die 2 Millionen Grenze im Stadtgebiet überschritten sein wird. Und das sind Zahlen von der Stadt selbst, die wegen ihres unbändigen Wachstums immer wieder bisherigen Nachbargemeinden „schluckt“. In der Metropolregion leben heute schon besagte 2 Millionen Einwohner. Deshalb hat man im Jahr 2003 damit begonnen, verschiedene lokale Councils mit Auckland zusammenzulegen. Dieser Zusammenschluss wurde 2010 dann durch einen Bürgerentscheid auch offiziell. Trotzdem wird Auckland früher oder später weitere umliegende Gemeinden „überrollen“. Die Bevölkerung Aucklands ist übrigens wie im ganzen Land ein großer Mix. So zählen sich fast 60% zu den europäisch Stämmigen, fast ¼ asiatisch, weitere 15% pazifische und noch 10% zu den Maori. In Neuseeland kann man sich übrigens als Nachkomme verschiedener Ethnien sehen, woraus sich erklärt, das man an der Stelle auf über 100% kommt. Besonders in Auckland ist aber, dass fast 40% der Einwohner in Übersee geboren wurde, die Stadt also offensichtlich einen großen internationalen Zuwachs hat. Eine Quote, die wohl nur von wenigen Städten der Erde erreicht wird, aber eben auch für das unbändige Wachstum der Stadt sorgt. Mit ebenfalls 40% sind die Konfessionslosen die größte (Nicht-) Religionsgemeinschaft. Es sind aber praktisch auch alle anderen größeren weltweit bedeutenden Religionsgemeinschaften friedlich nebeneinander vertreten. Wie schon oben angeklungen, ist die Infrastruktur ein ständiges Nadelöhr für die Entwicklung der Stadt. So baute man 1959 die Harbour Bridge, musste sie aber bereits 10 Jahre später wegen völliger Überlastung erweitern, und auch heute kann sie den Verkehr zur Rush-Hour nur mehr schlecht als recht bewältigen, obwohl immer mehr aus dem Süden ins Zentrum fahren. Oder im Jahre 1998 brach die Stromversorgung in der Downtown für fünf Wochen quasi komplett zusammen, weil der Bedarf der klimatisierten Büros nicht zuletzt wegen des damals warmen Sommers die erst wenige Jahrzehnte alten großen Versorgungsleitungen völlig überforderten.
Wir haben die große Metropole des Landes aber hinter uns gelassen, und sind auf dem Weg nach Süden. Unsere erste Pause machen wir in Matamata. Früher war der Ort für seine Gestüte mit ihren Rennpferden im Land bekannt. Heute kennen einschlägige Fans auf der ganzen Welt den Ort. Der bekannteste zeitgenössische neuseeländische Regisseur Peter Jackson drehte hier für die Triologie „Herr der Ringe“. Er fand hier die ideale Kulisse für die englische Landschaft mit seinen grasbewachsenen Hügeln. Er überzeugte einen hiesigen Farmer davon, einen Teil seiner Farm für die Dreharbeiten zu verpachten. Er sagt in dem Pachtvertrag auch zu, alle errichteten Filmkulissen wieder zurückbauen zu lassen. Nach dem riesigen Erfolg der Reihe einigte man sich aber darauf, alles so zu lassen, wie es war. Später drehte Jackson hier auch noch „Der Hobbit“, wofür die Kulissen noch erweitert werden mussten. Heute werden die Kulissen professionell touristisch vermarktet. Es gibt 3,5 Stunden Führungen über das Gelände, oder man bucht es gleich als Tagesausflug zum Beispiel von Auckland aus. Dabei werden die Besucher praktisch busseweise durch das Areal gekarrt, und trotzdem gibt es zum Teil beträchtliche Wartezeiten, um überhaupt an einer solchen Tour teilnehmen zu können. Da wir nur einen kurzen Stopp machen, kommt es für uns natürlich nicht infrage, was für mich persönlich wahrlich nicht dramatisch ist, da ich weder die Filme gesehen noch die Bücher gelesen habe. In Matamata ist aber selbst das Vistor-Center ein bisschen an die Filmkulisse angelehnt.
Unser Weg führt uns weiter nach Rotorua. Die Stadt ist weitestgehend im Eigentum von Maories, die auch ein Bevölkerungsanteil von über 50 % stellen. Man setzt vor allem auf Tourismus. Das Angebot reicht von Raddampferfahrten auf dem gleichnamigen See, bis hin zu überdimensionierten Kugelbahnen, bei der man sich in einem Ball auf einer Bahn den Berg hinunterstürzen kann. Oder man geht in einen der Spa's, einem der Treewalks, die zwischen den kalifornischen Redwoods hindurchführen, die man hier vor langer Zeit gepflanzt hat. Der Lake Rotorua, an dem die Stadt liegt, ist übrigens ein Kratersee. Insgesamt ist die Gegend vulkanisch immer noch aktiv, auch wenn der letzte Ausbruch eines Vulkans schon etwa 25.000 Jahre her ist. Der See selbst ist aber schon rund 140.000 Jahre alt und fast kreisrund. Er liegt ist einer riesigen Caldera, die entstand, als eine Magmakammer im Zuge einer Eruption zusammenfiel. Der Lake Rotorua ist mit seinen rund 80 qkm übrigens der zweitgrößte See der Nordinsel. Dabei weist er eine Tiefe von 26m auf. Wegen des relativ hohen Schwefelgehalts, der eine Folge der vulkanischen Aktivitäten der Umgebung ist, hat der See eine leicht gelblich-grüne Färbung. Interessant an ihm ist noch, dass die südlichen Zuflüsse deutlich wärmeres Wasser zuführen als die Zuflüsse aus dem Norden.
Dass ein großer Teil des Gebiets heute noch, oder eigentlich müsste man sagen wieder, in der Hand der Maori liegt, hängt mit ihrer Weitsicht bei der Besiedlung durch die Briten zusammen. Schon früher war dieses Gebiet wegen der warmen Quellen unter den verschiedenen Maori Clans umkämpft. Aber als die Briten kamen, erkannten die hiesigen Maori ihre militärische Unterlegenheit. Statt eines Kampfes mit einer anschließend unvermeidlichen Kapitulation bzw. sogar der Vernichtung des örtlichen Clans, haben sie das Gebiet für 99 Jahre verpachtet. Trotz des eigentlich gültigen Vertrages haben sie ihr Land aber zunächst nach dem Ende der Laufzeit nicht zurückbekommen. Aber mit der Anerkennung von verschiedenen Rechten bzw. Ungerechtigkeiten durch den Staat Neuseeland im späten 20 Jahrhundert, beim Umgang mit den Maori bei der Besiedlung durch die Briten, konnten sie ihr Recht später vor Gericht durchsetzen und erhielten große Teile ihres alten Stammeslandes wieder zurück. Hier in Rotorua kommt hinzu, dass man früh erkannte, dass sie etwas für ihre alte Kultur tun mussten. Traditionell wurde ihr Wissen vor allem mündlich von Generation zu Generation weitergegeben, was bedeutete, dass eine Unterbrechung gleichbedeutend mit dem Verlust des alten Wissens war. So begann man in Te Puia damit, zunächst wieder Maori in der alten Schnitzkunst zu unterrichten. Später kann das Bearbeiten von Steinen, Jade und auch Walknochen hinzu. Zuletzt erweiterte man die Studiengänge noch um das traditionelle Erstellen von Alltagsgegenständen aus Flachsfasern. Heute bildet man jedes Jahr jeweils 7-10 Personen in den drei Gewerken aus. Dabei beträgt die Lehrzeit jeweils drei Jahre, und wird auch durch den Verkauf der erstellten Stücke bezahlt. Zusätzliche Einnahmen werden von der touristischen Darbietung eines typischen Begrüßungsrituals, wie auch wir eines besucht haben, generiert. Zusätzlich werden noch Rundgänge durch die Werkstätten angeboten, und auch der Besuch der Kiwiaufzuchtstation, wo man die drei aktuell nicht an der Aufzucht beteiligen Kiwis beobachten kann. Diese leben praktisch in der deutschen Zeit. Das bedeutet, während des Tages wird ihr Gehege abgedunkelt. Und da Kiwis nachtaktiv sind, bewegen sich dann in dem einsehbaren Bereich. In der Nacht werden diese Bereiche beleuchtet, was die Kiwis in ihren Höhlen verschwinden lässt, in denen sie ihre Tagruhe halten. Kiwis sind übrigens auch ein fast perfektes Beispiel für die Absonderlichkeiten, die Flora und Fauna hier in Neuseeland hervorgebracht haben. Sie gehören zu den Laufvögeln. Wie alle Laufvögel, habe sie kein Brustbein. Ihre Flügel haben sich bis auf 4 – 5cm zurückgebildet, und haben am Ende eigentlich nutzlose kleine Krallen. Sie haben kräftige Beine, mit denen sie relativ schnell laufen können, leben aber gleichzeitig im Wald, wo sie für gewöhnlich nur relativ kurze Strecken zurücklegen. Sie sind etwa 35cm hoch, und bis zu 65cm lang, wobei sie keinen Schwanz haben. Daher ist ihre Körperform eher oval. Hervorstechend ist ihr je nach Art bis zu 20cm langer Schnabel, an dessen Ende sich die Nasenöffnungen befinden, anders als bei nahezu allen anderen Vögeln, die überhaupt Nasenlöcher haben. Kiwis können damit sehr gut riechen, und hören auch gut, dafür sehen sie fast nichts. Sie leben mit einem Partner monogam zusammen, und haben meist mehrere Höhlen oder Unterschlupfe, die sie wechselnd benutzen. Für ihr Brutgeschäft nutzen sie durchgängig einen schon länger bestehenden Unterschlupf oder eine Höhle, damit der Eingang bereits wieder ein bisschen zugewachsen ist. Die Weibchen legen dann meist ein oder zwei Eier. Das Gewicht der Eier kann bis zu 500g betragen, was bis zu 30% des Gewichts des Weibchens ausmachen kann, das etwas größer und schwerer als das Männchen ist. Damit legen Kiwis im Verhältnis zu ihrem Eigengewicht die größten Eier in der Vogelwelt. Die Brutzeit ist je nach Art mit 62 – 93 Tagen ungewöhnlich lange. Dafür sind die Küken dann bereits voll ausgebildet, und sind praktisch ein kleines Ebenbild der Altvögel. Bereits nach einer Woche beginnen die Kleinen das Nest nachts selbstständig zu verlassen und sich selbst etwas zu fressen zu suchen. Kiwis sind Allesfresser. Sie stochern mit ihrem Schnabel aber vor allem nach wirbellosen Tieren und Insektenlarven bis zu 15cm tief im Boden, um deren Bewegungen mit dem Schnabel ertasten zu können. Lesen vom Boden aber auch andere Insekten, Früchte oder anderes Pflanzenmaterial auf. Kiwis bewohnen dauerhaft ein Revier, das sie auch nur im äußersten Notfall verlassen. Man hat schon Kiwis tagelang in ihrem alten Revier herumlaufen sehen, obwohl der umgebende Wald komplett gerodet worden ist. Auch nahezu einzigartig in der Vogelwelt ist, dass sie ihre Reviergrenzen mit Kot markieren, was man sonst so nur von Säugetieren kennt. Wie auch bei den meisten Säugetieren beträgt ihre Körpertemperatur 38°C, die meisten anderen Vögel liegen bei etwas über 40°C. Insgesamt stehen die fünf bekannten Arten von Kiwis alle auf der roten Liste. Das liegt zum einen an der Zerstörung ihres Lebensraums, aber noch deutlich mehr daran, dass die Jungtiere Opfer von Nagern oder Katzen werden, und selbst erwachsene Tiere Beute von Mardern bis hin zu Hunden werden.
In Te Puia ist eine weitere Attraktion ein kleines Feld mit Geysiren und Fumarolen, durch das ein Pfad führt. Für all das wird in Te Puia ein Eintrittsgeld fällig, was dann für die Ausbildung in dem alten Wissen und den Fertigkeiten, aber auch für die sonstigen Aktivitäten der hiesigen Maori verwendet wird. Damit gehören die hiesigen Stämme sicherlich zu den wohlhabenderen. Gegen 16:30 verlassen wir das Gelände in Te Puia wieder, um zu unserer heutigen Unterkunft zu fahren. In der gibt es für eine größere Gruppe von chinesischen Touristen am heutigen Abend übrigens auch noch eine Vorführung der Maori.