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11. Reisetag        Turangi – 16.02.2026

 

Wir starten auch heute mit gemäßigten Zeiten, um 7:45 Uhr verladen wir das Gepäck. Nach nur einer Nacht verlassen wir Rotorua gleich wieder. Unsere erste heutige Station ist der Wai-O-Tapu Park. Dabei handelt es sich um ein Thermalgebiet. Schon kurz vor dem eigentlichen Parkeingang gibt es eine Badestelle, bei der ein Wasserlauf mit kaltem und einer mit warmem Wasser aufeinandertreffen. Ich bin nicht nur kein Badefreund, sondern habe gestern auch schon massiv mit Husten und Schnupfen gekämpft. Das scheint heute zwar etwas besser geworden zu sein, aber das sind sicherlich keine optimalen Bedingungen um irgendwo aus dem warmen Wasser zu steigen, um bei gefühlt keinen 15 °C und einem frischen Wind in der Natur zu stehen. Im Wai-O-Tapu Park gibt es drei Wanderwegabschnitte, die an verschiedenen Thermalquellen, Fumarolen und verschiedenen Schlammtöpfen vorbeiführen. Als wir gegen 9:00 Uhr in den Park gehen, wundere ich mich noch etwas über die vielen Angestellten. Als wir gegen 11:00 Uhr wieder aus dem Park rauskommen, ist der Parkplatz fast komplett voll, und es strömen allerhand weitere Besucher in den Park hinein. Hier morgens zur rechten Zeit zu sein, ist also keine schlechte Idee. Wobei es heute wieder bedeckt ist, und dann in Verbindung mit den Nebelschwaden aus den unterschiedlich warmen bzw. heißen Quellen und Fumarolen, kommen die unterschiedlichen Farben nicht so gut heraus, wie sie könnten. Trotzdem ist das Farbspiel insbesondere an einigen giftig-grünen Wasserstellen beeindruckend.

Vom Park geht es zu den Aratiatia Rapids. Hier wird mehrfach täglich so etwa auch um 12:00 Uhr die Stauklappe eines Staudamms für etwa 10 Minuten geöffnet. Ansonsten fließt unterhalb der Stauklappen nur ein kleiner beschaulicher Wasserlauf, der sich an der Stelle durch eine enge Schlucht aus hartem Gestein zwängen muss. Mit dem Öffnen der Stauklappe wird daraus ein reißender Fluss, der mit großer Wucht zwischen den Felsen durchschießt. Der Stausee ist Teil einer Reihe von Wasserkraftwerken am Waikato-Fluss, übrigens mit 425km dem längsten Fluss Neuseelands. Neben der Stauklappe wird das meiste Wasser durch große Rohre aus dem Stausee zu einem ersten großen Wasserkraftwerk abgeleitet, die Stauklappe dient nur der Regulierung des Stausees. Insgesamt werden heute etwa 52 % der elektrischen Energie in Neuseeland durch Wasserkraft erzeugt. Weitere ca. 22 % stammen aus Geothermie. Diese Energiequelle nutzt man schon seit Jahrzehnten, und möchte diese in den nächsten Jahren auf rund 40 % ausbauen. Weitere knapp 10 % stammen aus Windenergie, und etwa ein Prozent aus Solarenergie, wobei die vor allem im privaten Bereich zu finden ist. Durch den Ausbau der Geothermie möchte man die 15 % aus fossilen Energiequellen (12 % Gas, 2,7 % Kohle und 0,3 % Öl) ablösen.

Aber zurück zu unserem Tag. Nach dem Mittagspicknick fahren wir zu den Huka-Falls. Der Wasserfall ist nicht der mächtigste, höchste oder der breiteste. Genau genommen besteht der Wasserfall aus zwei Kanten, die erste ist je nach Wasserstand nur ca. 3 m hoch, und die zweite dann 8 m. Die Besonderheit hier ist, dass der Waikato zuvor etwa 100 m breit ist, sich an den Wasserfällen aber auf ca. 15 m verengt. Entsprechend groß ist der Wasserdruck an der Stelle, was dazu führt, dass das Wasser insbesondere an der zweiten Stufe deutlich über die Abbruchkante hinaus schießt, und auch schon zuvor eine wilde sprudelliege Gischt bildet. Wir machen uns noch auf einen gemütlichen Spaziergang, und gehen einen kleinen Pfad am Waikato flussaufwärts.

Der Waikato begleitet uns heute noch ein wenig weiter, als wir den Lake Taupo besuchen. Der See ist mit einer Fläche von 622 qkm der größte Neuseelands. Seine maximale Tiefe beträgt 160 m. Auch bei ihm handelt es sich um einen Kratersee. Der namensgebende Taupo Vulkan gehört zu den sogenannten Supervulkanen. Heute ist sein Zentrum nicht mehr zu sehen, da er unterhalb der Wasserline im Kratersee liegt. Zu dem Supervulkan haben einige Besonderheiten geführt. Durch geologische Verwerfungen ist der Erdmantel hier nicht wie sonst über weite Teile der Erde etwa 35 km dick, sondern nur 15 km. Dazu kommt noch, dass sich die pazifische Kontinentalplatte hier unter die australische schiebt. So ist die sogenannte Taupo Vulcanic Zone entstanden. Ein Gebiet mit erhöhter vulkanischer Aktivität, und der namensgebende Taupo steht dabei quasi im Zentrum. In dem Gebiet gibt es heute eine Reihe von Vulkanschloten, in denen sich Magmakammern relativ dicht unter der Erdoberfläche befinden, und sich dann im Zuge einer Eruption entladen. Der Taupo gehört zu den Vulkanen, die nur sehr selten ausbrechen, dann aber extrem große Eruptionen haben. Die letzte war der sogenannte Oruanui-Ausbruch vor 26.500 Jahren. Er war der größte Vulkanausbruch der letzten 70.000 Jahre und einer der größten in den letzten 250.000 Jahren, was den Taupo zu einem Supervulkan macht. Wobei der Auswurf aus mehreren Vulkanschloten zeitlich versetzt austrat. Es geht um eine Menge von etwa 1170 Kubikkilometer Material. Damit könnte man den Bodensee 11x füllen, oder zwischen Hannover und Rom einen einen Kilometer breiten und tiefen Graben verfüllen, oder noch anders gesagt unvorstellbar viel Material. Dabei wurden in der Umgebung etwa 430 Kubikkilometer Asche ausgeworfen, dazu 320 Kubikkilometer Fließablagerungen und 420 Kubikkilometer Intracaldera Ablagerungen. Wie man sich unschwer vorstellen kann, verwandelt das die direkte Umgebung radikal, hat aber auch Auswirkungen auf Flora und Fauna in tausenden von Kilometern Entfernung. In der Folge sammelte sich sehr viel Wasser in der Caldera des Taupo, dass sich schließlich einen neuen Abfluss suchte – den Waikato. Der wiederum hat dabei unter anderem die Huka-Falls geschaffen. Spannend dabei noch, dass mit dem Wasser auch ungeheure Mengen Material nach dem Vulkanausbruch abtransportiert wurden, was schließlich sogar dazu führte, dass der Waikato ursprünglich südlich von Auckland nach Osten in den Pazifik entwässerte, heute aber nach Westen in die Tasman See fließt. Heute zählen weite Teile des Gebiets um den Waikato als sehr fruchtbar. Auch das eine Folge des Vulkanausbruchs. Der Taupo gehört zu den zwölf Vulkanen, die als besonders gefährlich eingestuft werden, und deren seismischen Aktivitäten deshalb ständig überwacht werden. Die letzte „kleinere“ Eruption in der Taupo Vulcanic Zone fand vor etwa 1800 Jahre statt. Damals ging es nur um 50 – 60 Kubikkilometer. Aber selbst das dürfte ausgereicht haben, dass über ganz Neuseeland eine etwa 1cm dicke Ascheschicht gelegen haben dürfte. Und auch die Ursache, dass sowohl die Römer als auch die Chinesen in der Zeit von ungewöhnlichen Sonnenauf- und Sonnenuntergängen berichteten. Der Ausbruch gilt als einer der gewaltigsten der letzten 5.000 Jahre auf der Erde. Die Kombination von einer lediglich 6 – 8 Kilometer unter der Erdoberfläche liegenden großen Magmakammer mit dem Wasser im Lake Taupo machen diesen Supervulkan noch mal gefährlicher, denn schnell werden daraus auch gigantische Schlammlawinen, die alles niederwalzen, was ihnen auf ihrem Weg talwärts im Weg steht.

Aber heute gibt es zum Glück keinerlei dramatischen Ereignisse. Der Lake Taupo liegt ruhig in der Caldera. Von wo es nur noch ein kurzer Weg bis zu unserer Unterkunft in Turangi ist, wo wir gegen 17 Uhr eintreffen.