12. Reisetag Turangi – 17.02.2026
Gestern haben wir am Abend noch unser Frühstückspaket für heute bekommen. Dass esse ich dann heute früh auf meinem Zimmer in dem Motel. Heute stand eigentlich auf dem Plan, optional das Tongarino Alpin Crossing zu gehen. Eigentlich hätte ich das auch machen wollen, obwohl ich meine Trekkingsstöcke nicht mit nach Neuseeland gebracht hatte. Der Trail ist rund 20 km lang. Er beginnt auf einer Höhe von etwa 1120 m und führt dann über einen Sattel zwischen dem Tongarino und dem Ngauruhoe hindurch. Der höchste Punkt liegt auf 1886 m, bevor es dann auf einen langen Abstieg bis auf 760 m geht. Dabei kommt man auf der Strecke an einem roten Kratersee und den Emerald Lakes vorbei, insgesamt drei Kraterseen mit sehr unterschiedlich gefärbtem Wasser. Der Trail gilt als schwierig, aber auch schönste Tagestour von Neuseeland und eine der schönsten der ganzen Welt. Man merkt aber schon an der Formulierung, ich bin nicht gegangen. Prinzipiell ist der Trail zwar offen, aber die Shuttlebusse fahren heute nicht. Es ist möglich, mit einem privaten Fahrzeug bis zum Startpunkt zu fahren, aber nicht mit unserem, das als kommerzielles Fahrzeug registriert ist. Außerdem ist heute eine Sicht von 20 m vorausgesagt. Und schön kann der Trail nur sein, wenn man auch was sieht. Nur um sagen zu können, man wäre ihnen gegangen, ist es das nicht wert. Gestern war der Trail auch offiziell offen, es wurden allerdings Niederschlagsmengen von bis zu 100 ltr/qm vorausgesagt, und das bei am Tage dauerhaft 10-20 ltr Niederschlag pro Stunde und das mit einer vorhergesagten Frostgrenze auf 2000m und entsprechend in der Höhe dann Schnee. Ich sage mal laienhaft, auch wenn der Trail offiziell offen war, bei den Bedingungen war es auch schon unmöglich.
Also nehme ich heute am Alternativprogramm teil. Wir fahren zunächst hoch zum Visitor Center des Tongarino Nationalparks. Nicht weit davon entfernt befindet sich das Hotel Chateau Tongarino, das allerdings inzwischen leer steht und langsam verfällt. Und damit auch ein kleines Dorf in der Nähe, in dem früher die Hotel-Angestellten wohnten. So gibt es heute in der Nähe nur noch eine sehr einfache Herberge für Back-Packer. Die übrige Infrastruktur wie ein Supermarkt, ein Restaurant und ähnliches ist inzwischen längst aufgegeben. Der konkrete Grund für die Schließung des Chateaus waren erhöhte Bauvorschriften bezüglich der Erdbebensicherheit, die infolge eines verheerenden Erdbebens in Christchurch landesweit deutlich verschärft wurden. Zu den Glanzzeiten war das Chateau eine Herberge für die Schönen und Reichen dieser Welt. Architektonisch ist das Chateau an eine Nobel-Unterkunft am Lake Louise in Kanada angelehnt. Es lag in einer traumhaften Lage in der Nähe eines bekannten neuseeländischen Skigebiets. Wobei die Geschichte schon holprig begann. Im noch relativ frisch eingerichteten Nationalpark wollte man den Tourismus ankurbeln, und versuchte Investoren dafür zu gewinnen. Das ging so weit, das der Staat Neuseeland seit 1923 Investoren einen verbilligten Kredit über 40.000 englischen Pfund versprach. Auflage war allerdings, dass das zu errichtende Hotel am 31.03.1930 fertiggestellt sein musste. Dem Investor Rodolph Lysaght Wigley mit seiner Gesellschaft Tongariro Park Tourist Company fehlte es mit 30.000 englischen Pfund allerdings an Eigenkapital, so schloss er mit dem Bauunternehmer Fletcher Contruction einen Vertrag, der diesem einen Anteil von 15.000 englischen Pfund zusicherte. Es wurde ein Pachtvertrag mit Neuseeland über das benötigte Areal geschlossen und die Bauarbeiten begannen am 10.01.1929. Schon im November 1929 wurde das Chateau Tongarino eingeweiht. Die ursprünglich angepeilten Baukosten wurden deutlich überschritten, und der Bauunternehmer blieb auf unbezahlten Rechnungen von 28.000 englischen Pfund sitzen, weshalb er den Investor, der auch Betreiber war, in die Insolvenz klagte. So wurde Fletcher Construction selbst Eigentümer, verkaufte das Chateau aber nach kurzer Zeit weiter, unter Strich brachte es ihm einen Verlust von 19.000 englischen Pfund ein. Davon waren alleine 1.000 in den drei Monaten entstanden, in denen man selbst der Betreiber des Hotels war. In der Folge wechselte der Besitzer noch mehrfach, und es wurde mehrfach umfangreich renoviert und 2005 wurde auch noch ein weiterer Flügel mit weiteren 40 Zimmern angebaut. Aber unterm Strich war der Betrieb offensichtlich nur selten wirklich rentabel. So gab der damalige malaysische Betreiber das Grundstück mit dem darauf befindlichen Hotel 2023 zurück an den DOC (Department of Conservation), der Verwaltung der neuseeländischen Nationalparks. Das hier überhaupt ein Nationalpark eingerichtet wurde, geht auf einer Vereinbarung des Maori Häuptlings Te Heuheu Tukino IV (Horonuku) von 1887 zurück, der die Kernzone von 26,4 qkm des heutigen Nationalparks an die britische Krone mit der Auflage verschenkte, dort eine Schutzzone einzurichten. In diesem Gebiet liegen die drei Vulkane Tongarino, Ngauruhoe und Ruapehu. Bis zur Einrichtung 1894 kaufte Neuseeland weiteres Land hinzu, und kam zu der Gründung des erst vierten Nationalparks weltweit auf eine Fläche von 252 qkm. Dabei war der Yellow Stone Nationalpark in den USA das Vorbild. In der Folgezeit kaufte man immer weiter Land dazu, so kommt man heute auf 786 qkm. In den Anfängen des Nationalparks überließ man das Gebiet aber eher sich selbst. Auch gab es nur sehr wenige Besucher. Das änderte sich mit dem Bau der Eisenbahn 1910, vor allem aber mit dem Ausbau des Straßennetzes in den 1930er. Der erste Landschaftspfleger, der auch im Nationalpark lebte, kam erst 1931 hier her. Zu den Besonderheiten des Nationalparks gehört, dass sich darin ein Skigebiet befindet, auch das wurde schon früh, genauer im Jahr 1923, eingerichtet, und 15 Jahre später auch mit einer Straße für eine breitere Öffentlichkeit erschlossen.
Da wir vor ein paar Tagen in Matamata waren, in dessen Nähe sich die Filmkulissen zur Filmreihe „Herr der Ringe“ befinden, schließt sich hier der Kreis. Der Vulkan Ngauruhoe, im Nationalpark gelegen, gehörte ebenfalls zu den Drehorten. Hier entstanden verschiedene Kampfszenen und die Aufnahmen am Schicksalsberg. Bei uns kommt aber keiner der drei großen Vulkane Tongarino, Ngauruhoe oder Ruapehu auch nur auf ein Foto, da man sie schlicht bei dem Wetter überhaupt nicht sieht. Das ist vorsichtig formuliert etwas unvorteilhaft. Es regnet ein bisschen, und der Wind ist auch wie schon in den letzten Tagen recht lebhaft. Ein paar aus unserer Gruppe machen hier oben einen Trail zu einem Wasserfall, mit einer Gehzeit von etwa 2 Stunden. Ich spare mir das, da ich keine Regenhose dabeihabe, und auch nicht unbedingt den Tag mit einer feuchten Hose unterwegs sein möchte, zumal ich immer noch ein bisschen Schnupfen habe. So fahre ich mit der restlichen Gruppe noch ein Stück weiter hoch zu der Talstation des örtlichen Skigebiets. Zu dieser Jahreszeit liegt logischerweise kein Schnee, aber theoretisch könnte man von hier noch mit der Gondel ein bisschen weiter hinauf fahren. Auch dort gibt es einen kleinen Panoramapfad. Der macht bei einer Sicht von aktuell kaum 50m nicht wirklich Sinn. So fahren wir wieder hinunter und kaufen uns in einem kleinen Container-Cafe einen Kaffee oder in meinem Fall einen heißen Kakao. Und was soll ich sagen, die Sonne kommt doch noch heraus, so machen wir noch einen kleinen Abstecher zu den nahegelegenen Tawhai Wasserfällen.
Später, als die Wagemutigen von der ersten Wanderung zurück sind, geht es nach einer kleinen ambulanten Mittagsrast noch auf einen weiteren Trail – den Rotopounamu Walk. Dieser ist etwa 6,4 km lang, und führt gemütlich in 2 Stunden um einen kleinen See herum. Der Pfad verläuft weitestgehend flach durch den örtlichen Regenwald. Ein wirklich netter und interessanter kleiner Spaziergang. Man hört Zikaden und sieht ein paar wenige Vögel durch das üppige Grün huschen. Man hört zwar deutlich mehr Vögel, aber die sind nur sehr schwer auszumachen. Andere Vertreter der Tierwelt sieht man überhaupt keine. Insgesamt ist es heute ein „kurzer“ Tag, an dem wir bereits gegen 16:00 Uhr zurück in unserem Motel sind.
Der ideale Tag um sich auch mal um die Wäsche zu kümmern. Was soll ich sagen, die Waschmaschine ist ziemlich groß und würde deutlich mehr fassen, als ich überhaupt an dreckiger Wäsche habe. Besonders für mich ist aber vor allem, sie wird von oben beladen. Handwäsche in der Dusche oder Waschbecken, um dann die Wäsche im Zimmer zu trocknen, sieht man in den hiesigen Unterkünften nicht gerne, weil in großen Teilen des Landes die Luftfeuchtigkeit zuweilen ohnehin hoch ist, und vor allem viele Gebäude aus Holz sind. Da möchte man verständlicherweise nicht noch zusätzliche Feuchtigkeit in den Räumen haben. Wie auch immer, meine Wäsche stecke ich anschließend noch in den Trockner, da ist das kein Problem. In allen bisherigen Unterkünften gab es neben Bügelbrett und Wasserkocher auch eine kleine Küchenzeile. Und in den meisten auch die Möglichkeit eine Waschmaschine gegen einen kleinen Obolus nutzen zu können. Hier schenkt man mir sogar noch das Waschmittel dazu.