13. Reisetag Wellington – 18.02.2026
Heute sind es wieder die altbekannten Zeiten mit der geplanten Verladung des Gepäcks um 7:30 Uhr. Wir verlassen die Umgebung des Tongarino Nationalparks wieder, und fahren weiter in Richtung Süden auf der N1, der Nationalstraße 1. Dabei lassen wir die beiden Vulkane Tongarino und Ngauruhe quasi rechts liegen. Ihre beiden Gipfel liegen heute früh zunächst noch ein bisschen in den Wolken. So wäre nach dem ersten Eindruck auch heute das Tongarino Alpin Crossing vermutlich nicht mit einer guten Sicht belohnt worden. Ihr größerer Nachbar der Ruapehu ist dagegen frei. Er ist mit 2797 m auch der höchste der drei hiesigen Vulkane. Sie gehören alle zu den aktiven Vulkanen der Taupo Vulcano Zone, jenem Supervulkan mit der riesigen Caldera. Der Ruapehu ist von den örtlichen Vulkanen der deutlich aktivste. In den letzten 150 Jahren hat es insgesamt 50 Ausbrüche gegeben, wobei die meisten relativ gemäßigt ausfielen. Die letzte Eruption war 2007 und fand praktisch ohne Vorwarnung statt. In der Regel gibt es im Vorfeld kleinere Erschütterungen, bei denen dann die Messdaten genauer untersucht werden, und die entsprechende Warnstufe von null bis auf einen Maximalwert von Stufe sechs angepasst werden. Aktuell ist es die Stufe eins, bedeutet man stellt leicht erhöhte Aktivitäten fest, aber stuft sie aktuell als nicht bedrohlich ein. Bei der letzten Eruption 2007 wurde übrigens ein Bergwanderer schwer verletzt, als ein Stein durch das Dach der kaum 2 km vom Krater entfernten Schutzhütte schlug. Die Schutzhütte wurde inzwischen abgerissen. Die Eruptionssäule erreichte damals übrigens eine Höhe von 5.000 m. Die größte Gefahr ging aber eigentlich von einer Schlammlawine aus, die sich aus dem Kratersee ergoss. Aber wie schon gesagt, heute bleibt alles ruhig. So können wir unsere Fahrt ungehindert auf der Dessert Road, wie der hiesige Abschnitt der N1 auch genannt wird, fortsetzen. Der Name rührt, wie man unschwer erahnen kann, von den Bodenverhältnissen her. Es fällt mit 1.800 ltr Niederschlag / qm für neuseeländische Verhältnisse nicht übermäßig viel, zum Vergleich in Deutschland ist es nur knapp die Hälfte. Hier ist das Problem eher die relativ häufigen Vulkanausbrüche, die das Land immer wieder vorübergehend nahezu unfruchtbar machen. Am Rande des Gebietes und direkt an der Nationalstraße liegt auch die größte Militärbasis des Landes, und ein Übungsgelände von fast 900 qkm, in dem auch das Wintertraining durchgeführt werden. Nicht zuletzt weil es hier im Winter regelmäßig Schnee gibt. Der Ruapehu ist übrigens auch der einzige Berg auf der Nordinsel, auf dem ganzjährig Schnee liegt. Da verwundert es auch nicht, dass drei der vier Skigebiete auf der Nordinsel sich beim Ruapehu befinden. Auf ihm gibt es aktuell auch noch 7 Gletscher.
Heute sind wir ohne Frühstück aufgebrochen, wobei ich mir im Vorfeld ein paar Kleinigkeiten besorgt hatte, da ich morgens nicht gerne ohne etwas im Magen in den Tag starte. Daher machen wir in Taihape unsere erste Pause. Der Ort ist für seine Meisterschaft im Gummistiefel-Weitwurf bekannt. Die Wettkampfarena liegt im Ortszentrum, direkt an den Gleisen der einspurigen Eisenbahnlinie. Diese führt über weite Strecken mehr oder weniger parallel zur N1 über die Nordinsel. Heute wird die Bahnlinie aber nur noch für den Gütertransport genutzt. Die Arena ist frei zugänglich, und man kann auch unmittelbar starten bzw. trainieren. Die entsprechenden „Wettkampfstiefel“ der schweren Art liegen bereit.
Hinter Taihape ändert sich dann die Landschaft. Vor langer Zeit hat sich dieser ehemals unter Wasser liegende Teil Neuseelands deutlich angehoben. Die oberen Schichten sind ziemlich tonhaltig. Der Boden ist aber uralt, und die oberen Schichten sind meist relativ ausgewaschen. So hat sich auch der Hautapu Fluss tief in die Landschaft gefressen und strömt über weite Strecken in einem tiefen Geländeeinschnitt. Insgesamt ist die Gegend aber deutlich fruchtbarer als der Bereich an der Dessert Road. Es gibt wieder Weidewirtschaft anfangs vor allem mit Schafen, später dann aber auch zunehmend mit Rindern. Und je weiter wir in Richtung Süden kommen desto mehr Ackerbau wird auch betrieben, wobei vor allem Mais angebaut wird. Insgesamt sieht man neben der Straße aber noch die Folgen der Stürme der vorangegangenen Tage, teilweise auch verbunden mit schweren Regengüssen. So kommen wir an zwei Stellen vorbei, an denen es sichtbar größere Steinschläge gegeben hat. Die gröbsten Steine sind zwar weggeräumt, aber man sieht am Rand noch einige Brocken liegen. Deutlich schlimmer waren aber die zahlreichen auf die Fahrbahn gestützten Bäume. So ist auch erst gestern die Strecke wieder komplett freigegeben worden, auf der wir heute unterwegs sind. Trotzdem ist man noch eifrig dabei, die Spuren des Unwetters zu beseitigen.
Gegen 14:00 Uhr erreichen wir schließlich die Hauptstadt Neuseelands – Wellington, an der Südspitze der Nordinsel gelegen. In Wellington selbst leben ca. 215.000 Einwohner, damit ist sie nach Auckland und Christchurch die drittgrößte Stadt des Landes. Darüber hinaus geht die Bebauung nahezu nahtlos in die aber rechtlich eigenständigen Städte Porirua, Upper Hut und Lower Hut über, womit der Großraum dann auf etwa 400.000 Einwohner kommt. Wellington selbst liegt in einer Bucht mit relativ steil ansteigenden Hängen, was den Platz im Stadtkern und im Bereich der Hafenanlagen stark begrenzt. So verwundert es nicht, dass die Stadt zu den am dichtesten besiedelten des Landes gehört. Die Maori kamen bereits um 1250 hier her, die New Zealand Company begann hier 1840 Land zu kaufen, und ihre Handelsstation aufzubauen. Für das Gebiet des heutigen Wellington zahlten sie den hier ansässigen Maori 100 Musketen, 100 Decken, 60 rote Nachtmützen, ein Dutzend Regenschirme und weiteren Kleinigkeiten. Die Maori ihrerseits wollten sich damit gegen andere Stämme militärisch durchsetzen, und dadurch deren größere Gebiete übernehmen. Anfangs nannten sie die neuen europäischen Siedler den Ort Port Nicholson, benannten sie zu Ehren von Arthur Wellesley, dem 1. Duke of Wellington aber um, der sich in verschiedenen Kriegen in Europa und später in Indien um das britische Empire verdient gemacht hatte. Wellington wuchs relativ schnell, war wegen der hiesigen Zustände aber nicht unumstritten. Im Jahre 1855 erschütterte ein großes Erdbeben den Südteil der Nordinsel. Das führte dazu, dass sie das Gebiet um Wellington um bis zu 6,40 anhob und das Erdbeben eine 10m hohe Tsunami-Welle auslöste. So war bis dahin die Lambton Quay die Hafenpromenade. Durch die Anhebung des Bodens sind die dortigen Gebäude heute nur noch in der dritten Reihe bzw. 250m von den Hafenanlagen entfernt. Das Erdbeben hatte eine Stärke von 8,2 Magnitude, und war damit das stärkste jemals in Neuseeland aufgezeichnete Erdbeben, und gehört zu den 25 stärksten überhaupt je gemessenen. Seismologen verwenden eher die Einteilung in Magnitude als nach der Richter-Skala, da sie besser die wirkenden Kräfte ausdrückt. Die Skala reicht übrigens bis zu einem Wert von 10,6. Rechnerisch müsste bei diesem Wert der Erdmantel auseinanderbrechen, womit sich dann ohnehin alles erledigt hat. Mitten durch das heutige Wellington führt die Wellington Fault, in unmittelbarer Nähe verlaufen auch noch die Ohariu Fault und die Wairarapa Fault. Alle diese Falten im Erdmantel rühren daher, dass sich die zwar dünnere aber schwerere Pazifische-Kontinentalplatte hier unter die Australische Kontinentalplatte schiebt. Die Erdbeben und auch Vulkane in Neuseeland haben am Ende also die gleiche Ursache. An der Stelle noch mal zwei Zahlen zum Thema Erdbeben in Neuseeland. Jedes Jahr werden etwa 20.000 Erdbeben registriert. Davon gehen bei 150 - 200 gefühlte oder tatsächliche Gefahren für Neuseeländer aus.
Ich breche von unserem sehr zentral in der Stadt gelegenen Hotel zügig nach unserer Ankunft auf. Zunächst gehe ich ein kurzes Stück an der Uferpromenade entlang zum Nationalmuseum, dem Te Papa. Aber bevor ich hineingehe, schaue ich mir die Erdbebensicherung an, nicht dass ich Angst hätte vor einem Erdbeben, sondern aus purem Interesse. An einem der äußeren Pfeiler vor dem Eingangsbereich kann man über eine Treppe eine Etage hinab steigen, und sich eine der „Pufferauflage“ ansehen, auf denen das ganze Gebäude ruht. Sie sollen etwaige Erschütterungen ausgleichen, und damit das Gebäude stabil halten. Sich das ansehen zu können, ist schon besonders, aber die vielfach interaktive Ausstellung im Museum selbst ist dann wirklich besonders. Ich gehe nicht oft oder besonders begeistert in Museen. Aber für mein Gefühl muss man sich Te Papa angesehen haben! Ehrlicherweise bin ich zuerst in den Bereich gegangen, der sich mit den neuseeländischen Soldaten im Ersten Weltkrieg beschäftigt, den ich mir eigentlich gar nicht ansehen wollte. Dabei schildert der schon ziemlich anschaulich und plastisch, was Soldaten in diesem Krieg durchmachen mussten, selbst wenn sie das Glück hatten, mit dem Leben davongekommen zu sein. Und statistisch gesehen sind in den beiden Weltkriegen mehr der eingesetzten Soldaten der australisch / neuseeländischen Einheiten ums Leben gekommen, als von jeder anderen Nation. Dabei waren sie in den Weltkriegen zumeist sehr weit von ihrer Heimat weg im Einsatz, und nicht selten wurden ihre Einheiten auf die gefährlichsten Missionen geschickt. Mein eigentliches Ziel im Te Papa war der „Natur Bereich“, der sich in der ersten Etage des Museums befindet. Es werden verschiedene natürlich in Neuseeland vorkommende Tiere oder Pflanzen gezeigt. Aber auch wie die Maori und später vor allem die Pakeha, wie man die vor allem weißen Siedler aus Europa nannte, die Natur veränderten. Insbesondere die Europäer brachten so ziemlich alles her, um ihrer Heimat idealerweise 1:1 nachzustellen. Sie wollten eine „bessere“ Welt erschaffen, mit Rechten und Möglichkeiten, die die Einwanderer selbst in ihrer Heimat nicht hatten. Und selbst wenn einem auf unserem ersten Teil dieser Reise noch keine Zweifel an dem vollkommenen grünen Image gekommen sein sollten, dass sich das Land nach außen gern selbst gibt, so kommen sie spätestens hier und jetzt. Auch sehr gelungen und hier wie an vielen anderen Stellen fast hautnah erlebbar sind die Einflüsse von Erdbeben und auch Vulkanausbrüchen. Insbesondere auch die von dem Taupo Supervulkan geschaffene Landschaft, in der wir selbst vor ein paar Tagen noch unterwegs waren. Und vieles ist interaktiv erlebbar. Mit dem Wissen es „anhalten“ zu können, und doch gleichzeitig mit dem Gefühl ein bisschen dabei zu sein.
Nach etwa 2,5 Stunden verlasse ich ein bisschen geflasht, und irgendwie wegen des Zeitmangels gleichzeitig ein bisschen unglücklich das Te Papa wieder, um auch noch ein paar der klassischen Sightseeing Punkte abzugrasen. Ich beginne mit dem Cable Car. Die Zahnradbahn bringt mich auf einen Hügel im Innenstadtbereich, von dem man einen netten Blick über die Stadt hat. Runter gehe ich durch den botanischen Garten. Auch wenn ich es nicht so mit dem Pflanzen habe, ein schöner ruhiger Ort, wenn man vom Zirpen der Zikaden mitten in der Stadt absieht. Ehrlicherweise spekuliere ich auch darauf noch ein paar Vögel vor die Linse zu bekommen. Aber die wenigen, die ich überhaupt zu Gesicht bekomme, sind wenig kooperativ. Weiter gehe ich zur Wellington Cathedral of St. Paul, an dem Parlamentsgebäude, der Nationalbibliothek und dem Beehieve (Bienenstock) vorbei. Letzteres ist der etwas spöttische Name der Neuseeländer für das Regierungsgebäude mit der National-Verwaltung. Und das nicht etwa, weil sie ihre Staatsbediensteten für bienenfleißig halten würden, sondern weil das Gebäude wie ein Bienenstock aussieht. Weiter gehe ich dann noch zur Old St. Paul Kirche, die frühere Kathedrale von Wellington, die heute nur noch zu besonderen Anlässen kirchlich genutzt wird. Wenn sie nicht wie heute geschlossen ist, kann man sich die als eine der wenigen Kirchen ansehen. In der Regel sind die Kirchen in Neuseeland außerhalb der Gottesdienstzeiten geschlossen. Schon auf dem Weg zum Cable Car war ich durch die „Old Bank“ gegangen. Früher war in diesem für neuseeländische Verhältnisse altehrwürdigen Gebäude die Nationalbank ansässig. Heute ist eine Einkaufspassage in dem immer noch beeindruckenden Gebäude. Allgemein kann man sagen, dass es, nicht nur wegen der für europäische Verhältnisse jungen Geschichte, nur wenige ältere Gebäude gibt. Sie müssen häufig Platz für Neues machen.
Gegen 17:45 Uhr habe ich meine kleine Runde beendet, und geh wieder zurück zur nahe gelegenen Innenstadt. Dort haben bereits viele Geschäfte geschlossen, oder sind gerade dabei es zu tun. So beschließe ich gleich zum Abendessen überzugehen, wohl wissend, dass man auch in der Gastronomie rechtzeitig schließt. So waren wir vor zwei Tagen in einer Taverne, kurz nach 20:00 Uhr war diese bereits wieder halb leer. Heute gehe ich ins Fork & Beer. Wie üblich geht man zur Theke, bestellt was man trinken und essen möchte und zahlt sofort. Ein Trinkgeld ist in Neuseeland unüblich, man kann auch ohnehin noch nicht ahnen, ob einem der Service gefallen wird. Man nimmt sein Getränk selbst mit, und bekommt das Essen dann am Tisch serviert, dem man sich selbst gewählt hat. Insbesondere in den Kneipen ist es auch nicht unüblich, sich an einen teilweise besetzten Tisch einfach dazu zu setzen. Das Besondere hier ist die Bierauswahl. Der Tresen ist eine runde Insel in der Mitte des Raumes mit gefühlt 30-40 Sorten Bier vom Fass. Darunter sind auch exotische wie Schwarzbier mit einer leichten Kakao-Note. Das schmeckt übrigens deutlich besser als es klingt, und bei weitem besser als einige mit neuseeländischen Hopfen mit Ananas-Lemmon Geschmack darin. Die schmecken „gräsig“, jedenfalls alle die ich probiert habe. Möchte man übrigens ein weiteres Getränk, ist es in vielen Betrieben auch üblich, erneut zum Tresen zu gehen, und sich das dort zu holen und auch wieder gleich zu bezahlen.
Das Gegenteil bei den Öffnungszeiten sind die großen Supermärkte. Das gilt auch für den in der Nähe unseres Hotels hier in Wellington. Der öffnet um 7:00 Uhr und schließt erst um 23:00 Uhr. Kurz vor 20:00 Uhr war dort auch noch ordentlich Betrieb. Und selbst für die 13 Selfservice-Kassen musste man anstehen. Letztlich ging es in einer der sechs normalen Kassen fast schneller. Im Bereich der Selbstbedienungskassen gibt es aber immer noch hilfsbereites Personal, wenn mal wieder einer der „ungeschickten“ Touristen die örtlichen Gepflogenheiten nicht kennt. Dafür ziehen die Kassierer an den normalen Kassen bei Touristen häufig noch eine Rabattkarte mit durch. Alle großen Supermarktketten des Landes haben so eine Rabattsystem für ihre „Stammkunden“, und Touristen werden häufig aus Kulanz gleich mal auch ohne eigene Karte in dem Programm „aufgenommen“. Am Ende eines Tages ärgere ich mich fast ein bisschen, dass wir morgen früh schon wieder weiter müssen. Wellington ist sicherlich nicht die „aufregendste“ Stadt auf diesem Planeten, aber es hätte schon noch ein paar Dinge gegeben, die ich mir gerne angesehen hätte.