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15. Reisetag        Kaikoura – 20.02.2026

 

Heute ist der Tag ein bisschen unvorhersehbar. Es besteht die optionale Möglichkeit für eine Walbeobachtung. Nur als wir uns vor ein paar Tagen dazu anmelden wollten, gab es eigentlich schon keine freien Plätze mehr. So stehen wir nur auf der Warteliste, wenn auch ganz oben. So geht es um 7:15 Uhr am Motel los, um zum örtlichen Veranstalter zu fahren. Kaikoura zählte zu den sichersten Möglichkeiten für Walbeobachtungen auf der Welt. Die Maori leben seit etwa 700 Jahren hier, im Jahr 1842 kam dann mit Robert Fyfe der erste europäische Walfänger hier her. Sein Haus wurde 1845 gebaut und später mehrfach umgebaut und erweitert. Es steht noch heute und ist damit eines der ältesten Häuser Neuseeland. Das Fundament besteht übrigens zu wesentlichen Teilen aus Walknochen. Die Waljagd war schwer und gefährlich. Im Jahr 1864 wurden dann die Harpunenkanone erfunden. In Verbindung mit der Dampfschifffahrt ging die Waljagd damit weltweit steil nach oben. Man konnte damit größere Wale bis hin in die Polargebiete jagen. Insbesondere in den Jahren 1920-1930 wurde der weltweite Walfang deutlich ausgeweitet. In 1930er Jahren wurden weltweit ca. 30.000 Wale pro Jahr erlegt. Auch Deutschland zählte in den Jahren 1936-1939 insbesondere in der Antarktis zu den großen Walfangnationen, und kam über diese drei Jahre gesehen auf 30.000 Abschüsse. Bis in die 1960 er Jahre wurden die weltweit erlegten Wale gar auf 40.000 pro Jahr ausgeweitet, was zu dramatischen Rückgängen in den Populationen sorgte. Walarten wie der Blauwal wurden in dieser Zeit nahezu ausgerottet. Hier in Kaikoura wurde der Walfang 1964 komplett eingestellt. Heute jagen noch Island, Norwegen und Japan Wale, wobei es die beiden ersten unter dem Deckmantel der Forschung tun.

Kaikoura litt wie andere Teile Neuseelands auch in den 1980er Jahren unter einer Wirtschaftskrise. Man besann sich darauf, die hier stetig vorkommenden Wale wieder zu nutzen, jetzt aber im Tourismus. Einige hiesige Maori taten sich zusammen und kauften zunächst motorisierte Schlauchboote, mit denen sie Touristen Fahrten zum Whale Watching anboten. Im ersten Jahr konnte man insgesamt 3.000 Tickets verkaufen. Heute ist man mit mehreren Katamaranen mit jeweils 85 Touristen an Bord mehrfach täglich unterwegs. Inzwischen schrammt man an der Marke von 100.000 Touristen pro Jahr beim Whale Watching. Die damalige Firma ist bis heute die Einzige geblieben, die eine Konzession der DOC, der Naturschutzbehörde von Neuseeland, hat, um solche Walbeobachtungsfahrten hier durchführen zu dürfen. Der Ticketshop, natürlich mit dem obligatorischen Souvenirshop, liegt am Bahnhof von Kaikoura. Wir haben Glück und können gleich mit dem ersten Boot rausfahren. Dafür geht es zunächst mit dem Bus vom Shop zum Anleger. Auf dem Katamaran angekommen, geht es für die Fahrt aufs Meer zunächst unter Deck. Die Katamarane sind mit jeweils vier Motoren zu je 900 PS ausgestattet, die ansatzweise zeigen, was sie zu leisten imstande sind, als wir mit rund 50 km/h in Richtung des großen Grabenbruchs hinausfahren. Der verläuft hier ungewöhnlich dicht vor der Küste. Er ist bis zu 1.600 m tief und beginnt kaum 2 km vor der Küste. Dazu kommt, dass sich hier die kalten Ströme aus der Antarktis und der warme Strom aus dem Norden aneinander vorbei schieben, was für ein reiches Nährstoffangebot sorgt, und damit für viele Meeresbewohner mit guten Lebensbedingungen einhergeht. Allein an Walen ziehen hier in Kaikoura über das Jahr Buckelwale, Orcas, Blauwale, Finnwale, Glattwale, Mingkwale und Grindelwale durch. Die Besonderheit sind, neben den durchziehenden weiblichen Pottwalen, die hier stabil lebenden männlichen Pottwale. Der Name Pottwale kommt übrigens von ihrem großen Kopf, der praktisch ansatzlos in den Rumpf übergeht. Noch dazu ist der Pottwal besonders gut für die Walbeobachtung geeignet, da sein Verhalten recht berechenbar ist. Er ist Tauchweltmeister und dringt in Tiefen jenseits der 1.000 m vor, dabei kann er bis zu 2 Stunden lang tauchen. Bei seinen Tauchgängen jagt er vor allem Tintenfische. Er gehören zu den Zahnwalen. Seine Zähne können bis zu 20 cm lang werden, sind aber nur am Unterkiefer ausgebildet. Die Zähne rasten dann in einer Hornscheide des Oberkiefers ein. Wobei man davon ausgeht, dass die Zähne bei der Jagd nur eine untergeordnete Rolle spielen. Man nimmt eher an, dass die Pottwale ihre Beute mit ihren bis zu 230 dB lauten Klickgeräuschen betäuben. Der Kopf der Pottwale ist meist etwas vernarbt, was Forscher darauf zurückführen, dass die Arme der Tintenfische bei möglichen Kämpfen diese Wunden hervorrufen. Eine Besonderheit bei Pottwalen ist das Walrat oder auch Spermaceti in ihrem Kopf. Dabei handelt es sich um eine fett- und wachshaltige Substanz in der sogenannten Melone. Bei den deutlich kleineren Weibchen, ca. 10-15 m lang und etwa 15 t schwer, sind es etwa 2 bis 2,5to, bei den Bullen mit zum Teil über 25 m und einem Gewicht von bis zu 50 t können es auch 3-4 t sein. Dieses Öl dient den Portwein unter anderem als eine Art Echolot, früher glaubte man auch, dass er über die Festigkeit des Walrats das ab- bzw. auftauchen erleichtern könnte. Diese Annahme hat man aber inzwischen verworfen. Gerade dieses Öl machte den Pottwal bei Walfänger aber beliebt, weil es viel Geld einbrachte. Es wurde als Schmiermittel in feinmechanischen Maschinen aber auch für Öllampen verwendet, da es besonders hell und gleichzeitig rückstandsfrei verbrannte. Aber zurück zu den Pottwalen vor Kaikoura. Sie sind alle männlich, und haben damit eine etwas dicke Fettschicht, und können deshalb auch tiefer in kältere Wasserschichten tauchen. Nach einem Tauchgang von hier meist 45-60 Minuten kommen sie für etwa 10 Minuten an die Oberfläche zurück, um zu atmen. Genau das ist der Moment nach dem die Spotter auf den Walbeobachtungsbooten Ausschau halten. Dann haben de Boote die besagten ca. 10 Minuten Zeit, um zu dem Pottwal hinzukommen, bevor diese dann wieder abtauchen. Das tun sie relativ steil, weshalb sich beim Abtauchen ihre mächtige Schwanzflosse, die Flucke, dann aus dem Wasser hebt. Auf unserer etwa 2,5-stündigen Fahrt haben wir so einen, der hier dauerhaft lebenden Bullen, zweimal gesehen, dazu einen durchziehenden Buckelwal, der aber nur wenig aus dem Wasser kam. Außerdem haben wir fast hautnah ein paar Königsalbatrosse gesehen.

Nach unserer Rückkehr mache ich noch eine kleine Wanderung an der Promenade entlang und dann weiter zu den Seebären, die zu den Robben gehören. Genetisch sind sie aber enger mit den Seelöwen als mit Robben verwand, gehören aber wie man gut erkennen kann zu den Ohrenrobben. Sie liegen nicht weit von Kaikoura entfernt auf großen Felsplatten an der Küste, die nach dem großen Erdbeben von 2016 auf der Ostseite der Südinsel Neuseelands an die Wasseroberfläche aufgestiegen sind. Die Seebären sind häufig tagelang auf Nahrungssuche im Meer unterwegs, bevor sie wieder an Land kommen und sich ausruhen und auch den Nachwuchs säugen. So scheinbar ungeschickt sie sich auch an Land bewegen, so gute Schwimmer sind sie. Das trifft auch schon auf die Kleinsten zu, die sich hier in kleinen Wasserbecken zwischen den Felsen tummeln. Man sollte aber unbedingt einen ausreichenden Abstand von 10 besser 20 m an Land einhalten, da insbesondere die Alttiere gelegentlich ziemlich gereizt reagieren, wenn man ihnen und noch mehr ihrem Nachwuchs zu nahe kommen. Und auch wenn sie scheinbar ein bisschen unbeholfen über die Felsen klettern, können sie doch ziemlich schnell werden und ihr Gebiss ist ganz sicher nicht zu unterschätzen. Die Weibchen werden ca. 30-50 kg schwer und können etwa 1,50 m groß werden. Die Bullen bringen es auf bis zu 120 Kilo und 2 m.

Meine kleine Wanderstrecke verlässt schon bald den Küstenstreifen und zweigt auf den Pensinsula Walkway ab. Dieser führt über eine kleine Anhöhe und dann wieder zurück nach Kaikoura um letztlich zurück zu unserem Motel zu kommen. Wobei ich noch ein bisschen unter Zeitdruck geraten, da wir kurz vor 14:00 Uhr noch zu einer kleinen Scharffarm fahren wollen, um dort etwas über die Scharfschur, die verschiedenen Wollqualitäten aber auch den Grund für die zurückgehende Schafwirtschaft hier Neuseeland zu erfahren. Um es vorweg zu nehmen, es liegt schlicht am Geld. Ein kg Wolle erzielt heute nur noch ca. einen N$, und von einem Schaf bekommt pro Jahr etwa 15kg Wolle. Wobei dieser Wert in den letzten Jahrzehnten deutlich gesteigert werden konnte. Früher waren es oftmals nur 3kg. Man versucht noch mit der Kreuzung von Rassen mit einer guten Wollqualität mit welchen, die eine bessere Fleischqualität bzw. ein schnelleres Wachstum und damit eine frühere Schlachtreife erreichen, die Haltung wirtschaftlich interessant zu halten. Wobei Merino Schafe nach wie vor die begehrteste Wolle produzieren, aber nur eine eher mäßige Fleischproduktion haben. Sie können auch nur in höheren Lagen gehalten werden. Sie eignen sich nicht für die Haltung am Küstenstreifen, da ihre empfindlichen Klauen für das etwas feuchteren Klima hier nicht geeignet sind. Der Farmer zeigt uns dann noch, wie er eines seiner Lämmer das erste Mal schert. Dazu setzt er es praktisch auf dessen Allerwertesten und klemmt es dann mit seinen Beinen etwas ein. Diese Haltung sorgt dafür, dass die Schafe idealerweise in eine Art Schockstarre verfallen, und dann einigermaßen einfach, und ohne Verletzungen am Tier zu riskieren, geschoren werden können. Dabei kommt es dann nicht auf die perfekte „Frisur“ an, sondern darum möglichst zügig die Wolle vom Schaf zu bekommen. Darum sehen die frisch geschorenen Schafe danach oftmals ein bisschen „eckig“ aus. Doch wie schon gesagt, lohnt sich die Schafhaltung in Neuseeland immer weniger. Ihr Vorteil ist eher, dass sie mit schwierigeren Bedingungen auf den Weiden besser als Rinder zurechtkommen. Insgesamt haben sich viele neuseeländische Farmer von Schafen auf Rinder verlegt. In den 1980er Jahren gab es noch etwa 70 Millionen Schafe in Neuseeland. Heute sind es noch etwa 24,4 Millionen. Insgesamt produziert Neuseeland noch etwa 125.000 t Schafwolle pro Jahr. Weltmarktführer ist China mit 356.000 t, vor Australien mit 280.000 t. Dann folgt Neuseeland, das aktuell einen Weltmarktanteil von etwa 9% hält. Beim Schaffleisch produziert Neuseeland noch rund 830.000 t pro Jahr, das vor allem auf die Nordhalbkugel exportiert wird, was einem Weltmarktanteil von etwa 7% entspricht. Allgemein geht heute die gesamte Weidewirtschaft also bei Rindern und Schafen in Neuseeland zugunsten der Forstwirtschaft zurück, die ihre Fläche in den letzten 10 Jahren um rund 11% ausgeweitet hat. So gibt es heute noch etwa 5,9 Millionen Milchkühe und knapp 3,8 Millionen Fleischrinder. Das sind etwa 10% weniger als in Deutschland, allerdings ist die Fläche von Deutschland auch rund 40% größer, und bei den Schafen gibt es in Neuseeland etwa 16x mal so viele wie in Deutschland. Statistisch gesehen kommt Neuseeland damit immer noch auf 5 Schafe und 2 Rinder pro Einwohner. Das ist immer noch ein sehr hoher Wert.