16. Reisetag Omarama – 21.02.2026
Heute wird ein klassischer Fahrtag. Wie gehabt verladen wir das Gepäck um 7:30 Uhr. Wir verlassen Kaikoura und fahren weiter in Richtung Süden, wobei wir uns lange in der Nähe der Pazifikküste im Westen Neuseelands bewegen. Unseren ersten Zwischenstopp machen wir gegen 9:30 Uhr in Amberley, einem kleinen Städtchen nördlich von Christchurch. Am heutigen Samstag ist dort Farmersmarket. Die örtlichen Farmer bieten ihre Produkte an, es gibt aber auch frisches Brot, das zumindestens schon mal in Richtung von Schwarzbrot geht. Es werden aber auch andere regional gefertigte Produkte wie z.B. Schnitzereien angeboten. Dazu auch ein bisschen Tant, der vermutlich eher aus China oder woher auch immer kommt.
In der Gegend um Christchurch sind die Böden relativ fruchtbar, so gibt es neben der typischen Weidewirtschaft auch einige Ackerflächen, auf denen vor allem Getreide und Mais angebaut wird, aber auch Weinanbau gibt es in dem Gebiet. Die Stadt Christchurch selbst lassen wir quasi links liegen. Unseren nächsten Stopp machen wir erst wieder in Geraldine gegen 12:30 Uhr, womit wir dann auch den Küstenstreifen langsam verlassen. Der Ort hat kaum 2500 Einwohner, gehört hier aber eher schon zu den größeren Orten. Wir machen in einem kleinen Park mitten im Ort wieder unser inzwischen schon gewohnten Mittagspicknick mit ein bisschen Fingerfood. Danach gönne ich mir noch ein Eis, das geht ja immer. Wobei es hier in Neuseeland eigentlich keine Kugeln wie bei uns gibt, sondern eher eine gewisse Menge mit einer Art „Schaber“ in den Becher oder die Waffel gedrückt wird. Was dann zuweilen schon das Problem ist, weil die Waffel das nicht immer ganz schadlos übersteht. Für die zweite „Kugel“ gibt es dann schon einen ordentlichen Abschlag, so kostet eine Kugel z.B. 5N$ und zwei dann 8N$. Und mehr als zwei werden dann eher nicht angeboten, und das macht auch kaum noch Sinn, weil das dann ohnehin schon eine ordentliche Portion ist, die man kaum schnell genug aufessen kann, bevor die schmilzt. Und da hilft die Serviette bzw. kleine Papiertüte, in der die Waffel meist steckt, auch nicht wirklich mehr.
Gegen 14 Uhr fahren wir weiter in Richtung des Lake Tekapo. Das ist ein See, der von verschiedenen Flüssen mit Schmelzwasser der dahinter liegenden Südalpen gespeist wird. Tatsächlich erhält er seine beeindruckende türkise Farbe von dem feinen Gesteinsmehl, das von den umliegenden Gletschern vom örtlichen Gestein abgeschmirgelt wird, und dann in den See eingetragen wird. Die unmittelbare Umgebung der hiesigen Seen gehört ironischerweise zu den regenärmsten Gebieten in ganz Neuseeland. Hier kommt man durchschnittlich auf gerade mal 575 ltr Niederschlag pro qm und Jahr. Zum Vergleich in Deutschlang liegen wir irgendwo zwischen 800 und 900. Der Lake Tekapo liegt auf einer Höhe von etwas über 700 m und hat eine Fläche von etwa 95 qkm. Beides hängt von der Jahreszeit und der Wasseraufstauung für das Wasserkraftwerk Tekapo A ab. Das Wasser wird zum Teil durch eine etwa 1,4km lange Tunnelröhre mit einem Durchmesser von 6m zum Wasserkraftwerk Tekapo A geleitet. Das Kraftwerk verfügt über eine Leistung von 25 MW, und produziert im Jahr etwa 160 Millionen kw/h Strom. Von dem Kraftwerk fließt das Wasser dann weiter in den Tekapo-Kanal, der zum Wasserkraftwerk Tekapo B führt. Der reguläre Abfluss des Lake Tekapo ist der Tekapo Fluss. Aber bereits 200 m hinter dem See gibt es ein großes Stauwehr, mit dem der Wasserstand des Lake Tekapo reguliert wird. Hinter der ersten Stauung liegt ein weiterer kleiner See und eine weitere Stauanlage, bei der reguliert wird, wieviel Wasser wieder in den ansonsten trockenen Tekapo Fluss eingeleitet wird, und wieviel ebenfalls in den Tekapo Kanal strömt, der eine Länge von rund 25 km hat. Wie schon gesagt, führt der Kanal zum Wasserkraftwerk Tekapo B, das bereits eine Leistung von 160 MW hat, und pro Jahr etwa 840 Millionen kw/h Strom produziert. Es verfügt über einen maximalen Durchfluss von 130 cbm / Sekunde. Das Wasser aus dem Kraftwerk Tekapo B fließt danach in den Lake Pukaki. Der Lake Tekapo hat übrigens durch das in ihm befindliche Wasser in Verbindung mit den unterhalb liegenden Wasserkraftwerken eine Speichermenge von 770 GWh. Das sind knapp 10% des im ganzen Jahr in Neuseeland verbrauchten Stroms.
Genau zu dem besagten Lake Pukaki fahren wir auch weiter. Auch er ist ein Schmelzwassersee, der durch das Gletscherwasser der benachbarten Südalpen gespeist wird. Er ist mit einer Fläche von 179 qkm noch mal ein gutes Stück größer als der Lake Tekapo. Auch er funkelt bei schönstem Sonnerschein wie heute wie ein türkiser Diamant vor dem Bergpanorama. Und sein Panorama ist noch mal beeindruckender, kann man hinter ihm doch den 3.742m hohen Mt. Cook ausmachen, und damit den höchsten Berg der Südalpen und von ganz Neuseeland. Wie man sich vielleicht schon denken kann, gibt es auch am Lake Pukaki verschiedene Stauwehre und auch ein Wasserkraftwerk, in dem Fall ist das Ohau A das Nächstgelegene. Wobei man 1940, beim Bau des ersten Staudamms den Wasserspiegel um 9m erhöhte, und dann 1970 noch mal um weitere 37m, was dann dazu geführt hat, dass die Insel „Five-Pound-Note“ im See versank, die früher auf der 5 Pfund Banknote Neuseelands abgebildet war. Durch diese Maßnahme wird im Lake Pukaki die gigantische Menge von 1.600 GWh Strom vorgehalten. Auch das Kraftwerk Ohau A wird mit einem Kanal mit dem Lake Pukaki und ist darüber hinaus auch noch mit dem Lake Ohau verbunden, auch das ist ein Gletschersee. Ansonsten wird auch hier je nach Pegelhöhe überschüssiges Wasser in den Pukaki Fluss bzw. dann weiter unten beim Kraftwerk in den ansonsten trockenen Ohau Fluss abgeleitet. Das Kraftwerk Ohau zählt man auch schon zu den Wasserkraftprojekt Waitaki. Dazu später noch mal mehr.
Hier am Rand der Südalpen liegen mit dem Lake Tekapo, dem Lake Pukaki, dem oberhalb gelegenen Tasman Lake, dem Lake Ohau, dem Lake Hawea, dem Lake Wanaka und weiteren riesige Gletscherseen, die durch die Endmoränen der ehemaligen Gletscherzunge aufgestaut wurden. Das müssen unvorstellbar mächtige Gletscher gewesen sein, die solche Täler und in der Folge riesige Seen in diese Landschaft gezeichnet haben. Hier hat man übrigens neben allerhand Wasserkraftwerken auch Observatorien zur Sternenbeobachtung gebaut. Man hat hier schon mal ein bisschen was an Höhe gewonnen, vor allem aber ist die Umgebung wegen der doch ziemlich lebensfeindlichen Bedingungen nur sehr dünn besiedelt, und damit gibt es auch nur wenig Lichtverschmutzung, die die Beobachtung ferner Galaxien behindert. Vom Lake Pukaki fahren wir zu einem Restaurant, wo wir gemeinsam zu Abend essen, bevor es dann weiter zu unserer Unterkunft in Omarama geht, wo wir gegen 19:30 Uhr eintreffen.
Am heutigen Tage sind wir durch einige sehr unterschiedliche Vegetationszonen gekommen, wie Neuseeland überhaupt auf einer relativ kleinen Fläche eine große Bandbreite hat. Das liegt zum einen an der großen Ausdehnung in Nord- Südrichtung alleine der beiden Hauptinseln von rund 1600km. Aber auch an den großen Höhenunterschieden insbesondere hier auf der Südinsel mit den Südalpen. Und die Bergkette sorgt auch für sehr unterschiedliche klimatische Bedingungen, die auf der Südinsel noch mal deutlich ausgeprägter als auf der Nordinsel sind. Die meist aus westlicher Richtung kommenden Winde bringen wegen der Nähe zum Meer große Mengen Niederschläge mit, die dann an den Bergketten abregnen, und dort für gewaltige Niederschlagsmengen sorgen. Auf der Ostseite, also der Pazifikseite, gibt es dagegen deutlich weniger Regen, der abgesehen vom Raum Otago fast durchgängig als Regen fällt. Dort gibt es dann auch Gras- und Hochlandsteppen, während auf der Westseite insbesondere der Nordinsel auch Sümpfe und Moore vorhanden sind. Weil Neuseeland zwar bis heute stark von Veränderungen in der Erdkruste durch Vulkane und Erdbeben betroffen ist, auf der anderen Seite aber praktisch keine größeren Eiszeiten erlebt hat, und noch dazu erst spät von Menschen besiedelt worden ist, gibt es hier sehr alte Vegetationen. So gilt der Regenwald auf der Nordinsel als der älteste der Welt, auch wenn heute nur noch etwa 6% davon übrig sind. Auf der anderen Seite sind trotz vulkanischen Aktivitäten viele Böden nicht besonders fruchtbar, weshalb auch Weidewirtschaft die überwiegende Bewirtschaftungsform. Das liegt aber natürlich auch an der sehr hügeligen Landschaft. Und aufgrund des praktisch ständig gehenden Winds ist Winderosion vermutlich auch ein Thema. So sieht man um viele Ackerflächen auch große angepflanzte Hecken als Windschutz, das gilt insbesondere für Früchte wie Kiwis, die seht windempfindlich sind. Diese Hecken um die Felder sind dann schon mal 6 – 8m hoch, und werden mit Traktoren und überdimensionierten „Rasenmähern“ vertikal in Form gehalten. Subventionen für die Landwirtschaft wie in Europa kennt man hier nicht, und trotzdem oder vielleicht auch genau deswegen produziert man hochindustrialisiert zu Weltmarktpreisen. Das Klima reicht von fast subtropisch im Norden bis hin zu Alpin in den Südalpen. Die Temperaturen sind meist gemäßigt bei relativ geringen Temperaturschwankungen über das Jahr, was auch an dem großen mediterranen Einfluss auf das Klima liegt.