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17. Reisetag        Omarama – 22.02.2026

 

Heute soll es um 7:15 Uhr losgehen, wobei wir kein Gepäck verladen müssen. Frühstück gibt es heute ausnahmsweise im Restaurant der Unterkunft, wobei es auch kaum andere Möglichkeiten in Omarama gibt. Das Restaurant hat allerdings den Flair einer Bahnhofshalle. Es ist laut und rumelig. Ganz offensichtlich ist die Gäste-Fluktuation hier sehr hoch. Die Tische sind mit kleinen farbigen Fähnchen den meist größeren Gruppen zugeordnet. Die Tische stehen eng, und irgendwelche Schallbarrieren sucht man vergebens. Wobei hier noch mal mehr Chinesen unterwegs sind, als auch schon bisher auf dieser Reise. Aber dort wie in vielen Ländern Südostasiens fällt in unsere Reisezeit das Neujahrsfest, das dort traditionell die klassische Reisezeit ist. Nicht umsonst gilt die Zeit als die weltweit größte jährlich stattfindende Migrationswelle der Welt.

Unser heutiges Ziel ist der Mt. Cook bzw. eigentlich eher das Hooker Valley zu seinen Füßen. Auf dem Weg dorthin machen wir noch kurz Station bei einem Anbieter von Helikopterflügen auf und rund um den Mt. Cook. Wobei es einige solcher Angebote in der Gegend gibt. Das Problem ist eher entweder die Sicht oder der Wind, die diese Flüge unmöglich machen. Stimmt beides, werden die Flüge dann aber auch schnell knapp. Heute Vormittag ist der Wind ein bisschen zu stark, so sind die Anbieter eher auf Stand-by. Heute Nachmittag sollen die Bedingungen besser werden, da der Wind ein bisschen abflauen soll. An der Sicht gibt es schon jetzt nichts zu bemängeln. So steht der Mount Cook mit seinen von dieser Seite zu sehenden Nebengipfeln in seiner ganzen Pracht in der Sonne.

Gegen 9:30 Uhr erreichen wir Mount Cook Village. Von hier gibt es verschiedene kleine und auch größere Wanderwege in die nähere Umgebung. Wir gehen zuerst zum Kea-Point, einem Aussichtspunkt auf etwa 950 m, was einen Aufstieg von rund 190 m beinhaltet. Vom Kea-Point sieht man inzwischen nur noch den Mueller Lake, den ihn speisenden Mueller Gletscher aber schon nicht mehr. Benannt wurde er von dem deutschstämmigen Geologen und Naturforscher Julius von Haast übrigens nach dem Botaniker Ferdinand von Mueller. Wie fast alle Gletscher auf der Welt zieht er sich in beängstigende Geschwindigkeit zurück. Der Mueller Lake ist wegen des sehr hohen Anteils an Sedimenten milchig-grau. Aber die ganze Range von Gipfeln mit dem Mt. Brunner, Mt. Sefton, The Footstool und weiteren mehr mit Höhen zwischen 2.643m und 3.151m, und natürlich dem Mt. Cook mit seinen 3.724m, sind sehr imposant und fast zum Greifen nah. Wobei der Mt. Cook fast ein bisschen kleiner wirkt, als er in Wirklichkeit ist, von hier aber auch in der zweiten Reihe steht. Sie alle haben kleine Hanggletscher. Vom Kea-Point schlagen wir einen kleinen Bogen zurück, und überqueren die Ausläufer des ziemlich beeindruckenden Hooker Valley, in dem wir auch bis zum Mt. Cook Village hoch gefahren sind, und gehen soweit, wie es im Moment möglich ist, auf dem Hooker Valley Trail. Vom aktuellen Endpunkt des Weges kann man aktuell gerade noch die untere Spitze des mit Schutt und Geröll bedeckten Mueller Gletschers sehen. Aber es ist absehbar, dass er von hier überhaupt nicht mehr sichtbar sein wird. Der Hooker Valley Trail kann aktuell aber auch nur zu einem kleinen Teil gegangen werden. Normalerweise überquert man auf ihm drei Seilbrücken. Aktuell ist die zweite aber nicht mehr passierbar, da die Stützpfeiler so stark unterspült wurden, dass die Brücke gesperrt worden ist. Dieser Zustand besteht inzwischen schon seit drei Jahren, und man ist eigentlich auch Willens, die Brücke zu erneuern. Nur sucht man immer noch nach einem Weg, wie man verhindern kann, dass die Brückenpfeiler wieder unterspült werden, da es nicht zum ersten Mal passiert ist. Insgesamt sind die Wege hier am Ende des Hooker Valley aber alles keine Rundwege, sondern es geht immer auf dem selben Weg auch wieder zurück. Insgesamt sind wir heute Vormittag etwa 3 Stunden mit kleinen Pausen und Fotostops unterwegs, in denen wir rund 10km zurücklegen. Dabei ist das Höhenprofil ziemlich gemäßigt.

Nach der Mittagspause teilt sich unsere Gruppe ein bisschen, da einige an den jetzt möglichen Hubschrauberflügen teilnehmen, andere gehen noch mal im Nachbartal zum Tasman Lake, der unterhalb des gleichnamigen Gletschers liegt. Auch hier sieht man den Gletscher vom Ende des Weges nicht mehr. Am Rande des Gletschersees sieht man die gewaltigen Schutthalden, die der Tasman Gletscher hier aufgetürmt hat. Der Tasman Gletscher ist mit noch rund 25 km der längste in den gesamten Südalpen. Er beinhaltet etwas ein Drittel der Eismasse aller Gletscher in Neuseeland. Um ein Gefühl für den immer schneller verlaufenden Rückgang der Gletscher zu bekommen ein paar Zahlen. Im Jahre 1978 schätze man die Eismasse aller Gletscher zusammen auf etwa 53,3 Kubikkilometer. Bis zum Jahre 2005 war das Volumen unter Schwankungen relativ gleichbleibend, seitdem verlieren sie aber immer schneller an Masse. So kommen sie heute nur noch auf etwa 30,3 Kubikkilometer. So werden heute schon lebende Personen vermutlich noch das völlige Verschwinden aller Gletscher in Neuseeland erleben. Das wird sich am Ende auch auf die Energieversorgung von Neuseeland auswirken. Aktuell werden etwa 55% des Stroms in Neuseeland durch Wasserkraft erzeugt. Wegen der starken Schmelze gibt es aktuell ein Überangebot an Wasser, das deshalb teilweise ungenutzt an den großen Wasserkraftwerken vorbei geleitet wird. Gleichzeitig sorgt die starke Schmelze aber auch für deutlich mehr Sedimente, die vom Wasser transportiert werden, und die großen Turbinen deutlich mehr beanspruchen als früher, was dann auch zu häufigeren Wartungsarbeiten führt. Langfristig dramatischer ist aber, dass die Gletscher bisher eine Art riesiger natürlicher Pufferspeicher sind. Im Winter fällt Schnee, der bisher auf den Gletschern im Winter zu einem Aufbau führte, und dann im Sommer abschmolz, und so zu einem relativ gleichmäßigen Wassereintrag in die großen Gletscherseen führte. Heute fällt auch in den Übergangsphasen mehr und mehr Niederschlag als Regen, der dann relativ schnell ins Tal fließt, und dann im Sommer fehlt. Und das Problem beschleunigt sich noch zusätzlich dadurch, dass die Gletscher als gigantischen Kühlakkus zunehmend ausfallen, und deshalb noch mehr Niederschlag als Regen runterkommt bzw. der Schnee schneller schmilzt und als Wasser abläuft. Zusätzlich lagern sich viele der Sedimente auch noch in den Gletscherseen ab, weil sie in der Menge gar nicht vom Wasser abtransportiert werden können, was das Volumen der Seen zusätzlich reduziert, und damit auch den Puffer für die Sommermonate. Um die Jahrtausendwende gab es noch über 3.100 Gletscher, von denen aber lediglich 330 überhaupt einen Namen hatten. Bis heute ist die Anzahl der Gletscher auf weniger als 2.900 zurück gegangen. Sie werden also nicht nur kleiner, sondern auch weniger. Noch eine paar Sätze zu den Südalpen insgesamt. Sie sind mit 100 – 150 Millionen Jahren sogar noch ein bisschen älter als die Alpen in Europa. Sie erstrecken sich über eine Länge von ca. 360 Kilometer, bei einer Breite von etwa 50 Kilometer. Sie gehören zu den Faltengebirgen, und werden auch wieder durch die Tektonischen Verschiebungen, die Pazifische Platte schiebt sich unter die Australische Platte, bis heute aufgefaltet. Gleichzeitig verwittern sie sehr stark, was unterm Strich dazu führt, dass die Höhen ziemlich konstant bleiben. Es gibt allein 24 Gipfel von über 3.000 m, die sich aber alle in einem relativ kleinen Teil des Gebirges befinden. Die meisten großen Gletscherseen befinden sich auf der Ostseite der Südalpen, und werden intensiv in Kaskaden hintereinander liegenden Wasserkraftwerken zur Stromerzeugung genutzt. Das ist wie schon beschrieben auch beim Lake Pukaki so, an dem wie dann am Nachmittag, wenn man auch den oberen Teil, der offiziell eigentlich Tasman Fluss heißt, aber im Grunde schon die Ausmaße eines Sees hat, mitzählt, rund 40 km entlangfahren. Wie ich gestern schon mal berichtet hatte, ist der Lake Pukaki übrigens durch die Erhöhung des Damms beim Ausfluss um insgesamt 46m deutlich angewachsen, und deshalb hat sich auch der Tasman Fluss massiv verbreitert. Insgesamt hat der Lake Pukaki eine Tiefe, je nach Füllstand, von etwa 70m.