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18. Reisetag        Dunedin – 23.02.2026

 

Heute geht es etwas später los, das Verladen des Gepäcks ist für 8:00 Uhr angesetzt. Unser erster Stopp ist das Hydrokraftwerk am Benmore Dam, das am Ende des Lake Benmore steht. Der See wird übrigens durch den Laki Pukaki und den Lake Tekapo gespeist. Das Kraftwerk von Benmore ist dabei nur das erste mehrere hintereinander liegender mit den entsprechenden Staudämmen zur Stromerzeugung. Es gibt auch noch einen gleichnamigen Ort in der Nähe, der faktisch erst mit den Bauarbeiten am Damm entstanden ist. Damals in seiner Blütezeit hatte er rund 4000 Einwohner, wobei die meisten von schottischen Einwanderern abstammten. Heute sind viele der damaligen Häuser Ferien- bzw. Wochenendhäuser. Der Lake Benmore ist erst durch den Staudamm entstanden. Er hat eine Fläche von 74,5 qkm. Die Tiefe beträgt zwischen 91 und 96m. Damit ist er der größte künstliche See Neuseeland. Das dazugehörige Kraftwerk hat eine auf sechs installierte Turbinen verteilte Leistung von 540 MW und produziert etwa 2200 GWh Strom pro Jahr. Die Staumauer ist etwa 110 m hoch und besteht aus einem tonhaltigen Erdreich, das dann mit Steinen und Kies bedeckt wurde. Das Volumen des Staudamms beträgt etwa 12 Millionen cbm Erdmaterial, zu denen dann noch 400.000 cbm Beton kommen. Wahrlich gigantische Mengen. Gebaut wurde er zwischen 1958 und 1965, wo er dann auch den ersten Strom lieferte. Nach der Durchströmung der Turbinen trägt der Fluss dann den Namen Waitaki. Nur einige Kilometer weiter fließt der Waitaki dann in den Lake Avienmore, auch wieder ein Stausee. Er hat eine Fläche von 28,8 qkm. Sein Stauvolumen liegt bei rund 530.000 cbm, und da man etwa einem Viertel des Lake Benmore. Aber auch hier gibt es ein Wasserkraftwerk mit einer installierten Leistung von 220 MW. Dieser Damm wurde in der Zeit von 1962 bis 1968 gebaut. Noch etwas weiter flussabwärts gibt es dann mit dem Waitaki Staudamm das älteste Wasserkraftwerk am gleichnamigen Fluss. Der Lake Waitaki hat lediglich eine Fläche von 6,2 km². Anders als die beiden vorherigen Staudämme, hat dieser auch keine zusätzliche Wasserrutsche, um bei Hochwasser überschüssiges Wasser gezielt ableiten zu können. Hier fließt es einfach über die Staumauer. Dieser Staudamm ist aber auch schon deutlich älter, er wurde im Wesentlichen zwischen 1928 und 1935 gebaut. Dabei wurde er mit der Hand gegraben und war damals innerhalb der Weltwirtschaftskriese eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Regierung. Tatsächlich in Betrieb genommen wurde er dann erst im Jahre 1954. Seine Generatorenleistung beträgt 105 MW. Insgesamt gibt es übrigens am ganzen Flusssystem des Waitaki mit seinen übrigen Zuflüssen acht Wasserkraftwerke, die zusammen eine Kapazität von 1553 MW haben und damit 18% des gesamten Strombedarfs von Neuseeland abdecken. Gleichzeitig machen sie 75% der neuseeländischen Wasserspeicherreserven aus. Beim Staudamm von Benmore wird als Besonderheit der Strom gleich in eine große Gleichstromleitung eingespeist, die die elektrische Energie auf die Nordinsel transportiert.

Unser nächster Halt ist dann eine Scharfarm in der Nähe von Kurow. Bis vor wenigen Jahren wurde die Farm noch von einem älteren Ehepaar bewirtschaftet, heute ist sie verpachtet. Auch hier hat man mit Schafskreuzungen gearbeitet, um zum einen die hochwertige Merinowolle produzieren zu können, auf der anderen Seite aber zum Beispiel die problematischen Infektionen der Klauen von Merinoschafen heraus zuzüchten. Dafür wurden dann nur die weiblichen Lemmer mit guter Wollqualität behalten, alle anderen wurden als Schlachtvieh verkauft. Dazu kamen dann die Schafböcke aus anderen Rassen, um die gewünschten Zuchtergebnisse zu erhalten. Hier auf dieser Farm wurden die Schafe jeweils im August geschoren, dazu kamen insgesamt 14 Schafscherer und Helfer auf die Farm. Dabei scherten drei permanent die Schafe, ein Teil der Helfer trieben unablässig Schafe in die dafür vorgesehenen kleinen Pferche, aus denen sich die Scherer sie entnommen haben. Die anderen Helfer sortierten die Wolle, und pressen sie mit einer entsprechenden Ballenpresse in etwa 75-150 kg fassende Säcke, in denen sie anschließend verkauft wurde. Die Scherer Teams waren auf dieser Farm dann jeweils 4-5 Tage beschäftigt, bevor sie zur nächsten Farm weiterzogen. Auf dieser Farm wurden die Scherer auch verköstigt, was bis zu fünf Mahlzeiten pro Tag bedeutete. Der Job ist buchstäblich ein harten Knochenjob. Der Sohn des älteren Ehepaars ist heute übrigens auch als Scherer unterwegs. Dabei arbeitet er nicht nur in Neuseeland, sondern wegen der besseren Bezahlung auch in Australien und den USA. Und selbst auf der britischen Insel war er schon im Einsatz. An der Stelle noch mal ein paar Zahlen zur Schafschur. Ein guter Scheerer schafft Tag für Tag etwa 300 – 400 Schafe. Die Rekorde liegen allerdings noch in ganz anderen Sphären. Die Neuseeländerin Sascha Bond hält mit 720 Schafen in 9 Stunden den Weltrekord für Frauen. Das bedeutet alle 45 Sekunden ein Schaf. Bei den Männern führt aktuell der Brite Nick Graves mit 764 geschorenen Schafen in 8 Stunde, was knapp 38 Sekunden pro Tier bedeutet. Auf einen 9 Stunden Tag bezogen liegt der Brite Stuart Connor mit 872 Lämmern vorne, rechnerisch etwas mehr als 37 Sekunden pro Schaf. Auf ein Tier bezogen liegt der Rekord übrigens bei knapp unter 20 Sekunden. Bedenken muss man dabei aber, das Merinoschafe nicht zuletzt wegen dem mehr an Wolle schwieriger sind, und deshalb auch etwas länger dauern. Wobei wir auch da nur von wenigen Sekunden sprechen.

Von der Farm geht es dann zu den Elephant Rocks, die sich nur ein paar Fahrminuten weiter befinden. Dabei handelt es sich um große langsam verwitternde Kalkgesteinsfelsen. Sie sehen ein bisschen so aus, als wenn sie von einem Riesen in die Landschaft geworfen worden wären. Elephant-Rocks heißen sie, da die noch nicht verwitterten Felsen grau und ziemlich groß sind, und mit einem „bisschen“ Fantasie, naja zugegeben, es gehört schon eine ganze Menge dazu, sehen einige wie versteinerte Elefanten aus.

Unsere Mittagspause machen wir dann in Omaru. Die Stadt ist bekannt für ihre aus dem örtlichen weißen Kalkgestein erbauten älteren Gebäude im viktorianischen Stil. Seit neuerem gehört zu den Sehenswürdigkeiten aber auch der Steampunk. Dabei geht es um etwas „verrückte“ Kreationen aus auch gerne mal vor sich hin rostenden Stahl, die nicht unbedingt einen tieferen Sinn haben müssen. So gibt es vor dem entsprechenden örtlichen Museum einen Hai aus Metall, oder auch eine alte Lokomotive, die im 30° Winkel in den Himmel fährt. Dazu speit sie scheinbar Feuer, und hat auch eine Harpune an Bord. Insgesamt versucht diese Kunstform ein bisschen den Bogen zwischen der viktorianischen Zeit, der jüngeren Vergangenheit aber auch bis hin zu einer etwas verqueren Zukunft zu schlagen. Selbst auf dem örtlichen Spielplatz findet man entsprechende Objekte. Ich glaube, in Deutschland wäre das undenkbar, weil sich ein Kinder daran verletzen könnten. Das neben dem Spielplatz befindliche Café rostet übrigens auch munter vor sich hin.

Am Nachmittag machen wir noch zwei kleine Abstecher. Den Ersten zu den Moeraki Boulders. Dabei handelt es sich um große Gesteinskugeln, die am Strand vor Moeraki aus der Uferböschung freigespült worden sind. Die etwa 40-50 Kugeln sind in verschiedenen Stadien des Verfalls, wobei die meisten noch mehr oder weniger intakt sind, und teilweise im Strand versinken. Sie haben einen Durchmesser von einem bis zwei Meter. Ursprünglich lagerten die Kugeln in einem weichen Kalktongemisch, der vor etwa 60 Millionen Jahren den Grund eines Meeres bildete. Die Kugeln wurden dann aber nicht vom Wasser poliert, sondern entstanden durch organische Stoffe, etwa so wie es von Perlen bekannt ist. Wissenschaftlich nennt man das Konkretion. Später verwitterten die Kugeln dann wieder, wodurch anfangs kleine Risse entstanden, in denen sich dann Kalkspat einlagerte. Dadurch haben einige der Kugeln eine sehr markante Zeichnung erhalten. Genau an diesen Einlagerungen brechen die Kugeln dann aber hier in der Brandung wieder auseinander.

Der zweite Halt ist dann nur wenige Kilometer entfernt am Kaitiki Point. Dort gibt es einen Leuchtturm, den man aber nicht wirklich ansehen kann. Dafür gibt es hier eine kleine Kolonie Seebären und ein paar Paare Gelbaugenpinguine, die massiv vom Aussterben bedroht sind. Sie leben nicht in großen Kolonien, sondern maximal in kleinen Gruppen, oftmals sind es aber auch nur einzelne Pärchen. Die größte Chance sie sehen zu können, hat man, wenn sie am späten Nachmittag vom Fischfang zurück zu ihren Nestern kommen, die meist ein Stück hinter dem Strandrand im Gebüsch versteckt liegen. Was soll ich sagen, die Seebären waren da, der Wind war tosend, aber Gelbaugenpinguine haben wir keine gesehen, zugegeben ist die Wahrscheinlichkeit dafür auch ziemlich begrenzt.

Von hier geht es dann zur nächsten Unterkunft nach Dunedin, nicht aber ohne auch noch einen kurzen Stopp in der Baldwin Street in Dunedin gemacht zu haben. Was ist jetzt so Besonderes an der Straße? Eigentlich nichts, wenn man mal davon absieht, dass die maximale Steigung der nur 350 m lange Straße 19,3° bzw. 35% beträgt. Andere Straßen in der Welt nehmen für sich in Anspruch, noch steilere Passagen zu haben, stehen aber eben nicht im Guinness-Buch der Rekorde damit. Dabei ist der obere Teil der Straße aus Beton, weil Asphalt im Sommer verbunden mit der Wärme schlicht nach unten driften würde. Der Bürgersteig ist im oberen Bereich übrigens mehr oder weniger eine durchgehende Treppe. Es ist zugegeben auf dem Foto schwierig festzuhalten, wie steil es eigentlich ist. Aber wohnen würde ich hier sicherlich nicht wollen, nicht nur wegen dem Geschnaufe, um nach Hause zu kommen, sondern auch weil auf den Grundstücken keine natürlichen ebenen Flächen vorhanden sind. Und die Grundstücke sind, wie fast überall in der Stadt, klein. Da gilt es keinen Zentimeter zu verschenken.