19. Reisetag – Dunedin 24.02.2026
Heute haben wir einen freien Tag fast ohne Programm. So starte ich mit einem Ausflug in die Geschichte, und gehe zunächst zum bekannten Bahnhof der Stadt. Wobei ich gestern am späteren Abend auch schon mal da war, da er eines der bekannteren Fotomotive in Neuseeland ist, und am Abend beleuchtet noch mal „anders“ ist. Der Bahnhof wurde offiziell 1906 eröffnet, die Fertigstellung war dann aber erst ein Jahr später. Tatsächlich begann der Bahnbetrieb in Dunedin aber schon 1878, als die Strecke Christchurch – Dunedin und später weiter bis Invercargill eröffnet wurde. In der Folge wurde der ursprüngliche Bahnhof erweitert und schließlich neu an seinem heutigen Ort erbaut. Bis heute ist der Bahnsteig mit 450 m der längste in ganz Neuseeland. Die wirtschaftliche Bedeutung geht inzwischen gegen Null, da hier lediglich ein paar Touristenzüge in der Woche abfahren. Gebaut wurde das Gebäude aber zur Blütezeit von Dunedin. Der Name der Stadt ist übrigens die britische Version von Dùn Èideann, was aus dem Schottischen kommt und so viel wie „Festung am Hügelhang“ bedeutet, und tatsächlich der Stadt Edinburgh in Schottland entspricht. Der Bahnhof ist aus dunklem Basalt und dem hellen Kalkgestein aus Omaru erbaut worden. Am großen Hauptturm im Südwesten ist zu drei Seiten eine von innen beleuchteten Uhr mit einem Durchmesser von 1,50m installiert worden. Für die damalige Zeit ein ungeheures Symbol für den Luxus. Im Inneren des Gebäudes sind rund 725.000 Mosaik Porzellanfliesen verlegt worden, mit denen Bahnsymbole oder auch eine Lokomotive nachgebildet werden. Der Bau hat die für damalige Verhältnisse unvorstellbare Summer von 120.500 Pfund verschlungen. Umgerechnet etwa 1.000 Jahresgehälter eines Arbeiters in der damaligen Zeit. Der Ort des heutigen Dunedin wurde übrigens schon von James Cook 1770 dokumentiert, wobei er neben der besonderen Lage auch auf zahlreiche Seerobben und Wale hier einging. Dunedin liegt an einer geschützten Bucht, die, wie könnte es anders sein, durch Lavaströme eines Vulkans vor etwa 13 Millionen entstanden ist. Die ersten europäischen Siedler waren dann auch um 1809 herum Wal- und Robbenjäger. Zu diesem Zeitpunkt lebten lediglich etwa 100 Maori in dem Gebiet. Die New Zealand Campany kaufte von den Maori ein größeres Stück Land mit dem Ziel, hier Siedler anzusiedeln. Man erstellte einen Plan für einen Ort mit seinen Möglichkeiten für einen Tiefseehafen in einer geschützten Bucht. Ein erster wirklicher Aufschwung kam dann 1848 mit den ersten rund 350 schottischen Siedlern, die hier mit „New Edinburgh“ eine richtige Ortschaft gründeten. Sie hatten aus wirtschaftlichen und religiösen Gründen ihre Heimat verlassen. Der wirkliche Run setzte dann 1861 ein, als der Australier Thomas Gabriel Read Gold in Otago, dem heutigen Bundesland dessen Hauptstadt Dunedin ist, fand. Noch im gleichen Jahr kamen 2.000 weitere Goldsucher nach Dunedin, die meisten von den nahegelegen Goldfeldern in Australien. In den folgenden sechs Jahren kamen alleine 50.000 aus Australien, und die Stadt Dunedin wurde zum wichtigen Ausgangspunkt für die Goldsucher. Von hier wurden sie, mit allem was sie brauchten, versorgt, und auch das Gold konnten sie hier verkaufen. Die Stadt hatte 1864 bereits 15.790 Einwohner. Im Folgejahr fand die erste Kommunalwahl in Neuseeland hier in Dunedin statt, es gingen allerdings weniger als ein Drittel der 3.760 Wahlberechtigten hin. Man hatte Wichtigeres in der pulsierenden Stadt zu tun, trotzdem hatte man damit das erste Stadtparlament in Neuseeland. Man verdiente gut an den Goldfunden in der Umgebung. Die Stadt selbst hatte aber, wie wohl alle Städte mit dem schnellen Geld aus Goldfunden auf der Welt, einen schlechten Ruf. Außerdem gab es eine Unabhängigkeitsbewegung von der Nordinsel, weshalb 1865 als Kompromiss Wellington an der Südspitze der Nordinsel zur neuen Hauptstadt von ganz Neuseeland wurde. Nur vier Jahr später gründete man in Dunedin die erste Universität von Neuseeland, auch wenn der Lehrbetrieb erst 1871 mit drei Professoren und 81 Studenten begann. 1882 wurde die erste Kabelstraßenbahn nach dem Vorbild von San Francisco auf der Südhalbkugel in Betrieb genommen. Im gleichen Jahr begann man erstmalig überhaupt gefrorenes Fleisch nach England zu exportieren. Damit eröffnete man den Farmern ganz neue Absatzmärkte. Dunedin war mit Hilfe der Goldfunde zur reichsten Stadt Neuseelands geworden. Bis zur Jahrhundertwende gab es scheinbar keine Limits mehr für die Stadt. Aber während es anfangs noch einzelne Goldsucher in ihren Claims waren, begann sich schon in den 1860ern die Goldsuche zu industrialisieren. Große Gesellschaften gruben sich mit großen Baggern zum Teil auch Schwimmbaggern durch das Land. Die einzelnen Goldsucher wurden entweder Mienenarbeiter oder zogen weiter. Die sozialen Bedingungen wurden für die Arbeiter in der Folge noch härter, das Leben rau, und insbesondere unter den herbei geschafften chinesischen Mienenarbeitern herrschten unmenschliche Zustände. Die Natur in den Goldminen wurde komplett zerstört, und war eine Mine nicht mehr rentabel, ließ man alles stehen und liegen und zog weiter. So blieben Mondlandschaften zurück, die auch noch Jahrzehnte später die Narben der Goldsuche trugen. Aber die Mienengesellschaften in Dunedin machten gute Geschäfte und verkauften ihre Minentechnik in andere Gebiete mit Goldfunden auf der Welt. Erst als die Goldfunde spärlicher wurden, und die ersten Generationen der Mienenbetreiber sich zur Ruhe setzten und langsam zurückzogen, und zum Teil auch zurück nach Australien und gar England gingen, ging es auch mit Dunedin bergab. Gold wird übrigens bis heute in Otago abgebaut. Hier werden etwa 147.000 Unzen, und in einer Mine auf der Nordinsel weitere 75.000 Unzen jährlich gefördert. Dazu kommen eine Reihe von zum Teil kleinsten Minen, von denen einige auch mit einen eher touristischen Hintergrund haben.
Heute leben in Dunedin etwa 120.000 Menschen, die wichtigsten Wirtschaftszweige sind Bildung, mit zahlreichen zahlenden ausländischen Studenten, Land- und Forstwirtschaft und Tourismus. Aber auch der Hafen ist eine wichtige Einnahmequelle. Übrigens sind auch einige Gebäude auf dem riesigen Campus-Gelände der Universität im Stil des Bahnhofs errichtet. Heute sind über 20.000 Studenten an der Uni eingeschrieben, davon etwa 14% ausländische Studenten. Schwerpunkte der Uni sind neben Medizin, Zahnmedizin, Naturwissenschaften und Wirtschaft auch Kunst und Mode. Und es gibt noch etwas, wofür Dunedin bekannt ist: Streetart. Lokale Künstler aber auch internationale Größen der Szene haben vor allem im Bereich der Innenstadt ihre Kunstwerke hinterlassen. Da werden ganze Häuserfassaden zur Leinwand, oder auch mal ein Durchgang in einen Hinterhof. Zu den im offiziellen (Selbst-) Führer der Stadt markierten Werken, gibt es noch unzählige weitere inoffizielle. Womit damit ausdrücklich nicht Grafittischmierereien gemeint sind, die ich auch in Dunedin nicht an Gebäuden sondern wenn überhaupt an Bauzäunen gesehen habe. Nach der Streetart gehe ich in den Botanischen Garten. Der Eintritt ist auch hier wieder frei. Neben den zu erwartenden Pflanzen gibt es hier auch einige Voltairen mit zum Teil einheimischen Vögeln, neben Kaka und Kea auch einige Papageien, Tauben und anderem mehr aus benachbarten Ländern. Und außerdem bietet sich von den höher gelegenen Bereichen einen Blick über einen Teil von Dunedin.
Am Abend gibt es dann doch noch einen Punkt auf unserem Reiseplan: Zwergpinguine. Um 18:45 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Taiaroa Head. Das liegt an der südlichen Spitze der Hafenausfahrt von Dunedin. Dort gibt es neben zahlreichen Seevögeln wie Sturmvögeln, Sturmtauchern, Seeschwalben auch eine Kolonie von Königsalbatrossen. Und am Abend gibt es dort Führungen zu den Zwerg- oder auch Blauen Pinguinen. Dabei gibt es zunächst eine kleine Erklärung zu den Zwergpinguinen, und danach geht es dann auf eine Plattform oberhalb des Strands, von der man die abendliche Rückkehr der Zwergpinguine beobachten kann. Das Erste, was wir zu sehen bekommen, ist allerdings eine Kreuzfahrschiff, das gerade aus dem Hafen von Dunedin fährt. Aber es dauert dann nicht mehr lange, bis auch der erste Zwergpinguin aus dem Wasser kommt. Dabei kommen sie typischerweise in kleinen Gruppen. Dafür sammeln sie sich im Wasser vor der Küste um dann als Gruppe an Land zu kommen, und zu ihren Nesthöhlen zu laufen. Das dient einem gewissen Schutz gegen Feinde. Denn so geschickte Schwimmer sie auch sind, so etwas unbeholfen bewegen sie sich an Land. Die Zwergpinguine sind die mit etwa 30cm kleinste Pinguinart. Wie die anderen Pinguine auch, haben sie eine helle Unterseite und einen dunklen Rücken, beides dient der Tarnung gegen Fressfeinde. Von unten gegen die helle Sonne an der Wasseroberfläche, und auf dem Rücken gegen Fressfeinde aus der Luft im nach unten dunklem Wasser. Zwergpinguine haben dabei einen leicht blauen Schimmer, deshalb werden sie manchmal auch als Blaue Pinguine bezeichnet. Sie schwimmen am Tag zum Fischen auf das Meer hinaus, und kehren am Abend zurück zu ihren Nestern, die sich in Erdhöhlen, Felsspalten oder ähnlich geschützten Bereichen befinden. Sie ziehen ein bis zwei Gelege mit jeweils meist zwei Eiern im Jahr auf. Zwergpinguine leben monogam und erreichen ein Alter von 7 – 9 Jahren. Wie bei allen Pinguinen besteht ihr Gefieder aus zwei Lagen. Die untere Lage besteht aus Daunen, die Luft in ihren Strukturen speichern soll, und sie an der Luft oder im kalten Wasser warmhalten soll. Die Oberschicht besteht dann aus einer Deckschicht, die regelmäßig mit einem Öl, das in einer Bürzeldrüse produziert wird, mit dem Schnabel eingerieben wird. Das macht das Gefieder Wasserdicht, und schützt es vor Verschmutzungen. Diese Pflege ist für die Pinguine lebensnotwendig. Damit haben die bei unserer abendlichen Beobachtung auch sofort begonnen, nachdem sie über den Strand in den Schutz der umgebenden Vegetation gelaufen waren, aber noch bevor sie zu ihren Nistplätzen weiter gegangen sind. Trotz all der Pflege müssen Pinguine ihre Federkleid einmal im Jahr wechseln, was dann immer eine entbehrungsreiche Zeit ist, da sie in dieser Phase nicht ins Wasser können, und damit auch nicht auf Nahrungssuche gehen können.