20. Reisetag Invercargil – 25.02.2026
Da wir gestern relativ spät von der Tour zu den Zwergpinguin zurückgekommen sind, wurde das Verladen des Gepäcks heute auf 8:00 Uhr gelegt. Von Dunedin geht es noch ein bisschen weiter nach Süden. Unser erstes Ziel ist der Nugget Point. Kurz bevor wir ihn erreichen, sehen wir einen neuseeländischen Seelöwen. Sie sind noch mal deutlich größer als die Seebären, die wir bisher gesehen haben. Neuseeländische Seelöwen gelten als bedroht, man schätzt, dass es nur noch 10.000 bis 15.000 Exemplare gibt. Die meisten von ihnen befinden sich aber auf den subarktischen Inseln, die zu Neuseeland gehören, und auf Stuart Island. Und einige wenige eben im Süden der Südinsel. Die Bullen sind schwarzbraun und ca. 3,50 m groß. Sie können bis zu 400 kg schwer werden. Die Bullen behaupten meist einen Strandabschnitt als ihr Territorium, in dem alle weiblichen Seelöwen dann zu ihrem Harem gehören. Unter den Bullen gibt es teilweise erbitterte Kämpfe mit zum Teil schweren Verletzungen um die Territorien, und damit auch das Recht sich Fortpflanzen zu können. Die Weibchen sind deutlich kleiner und im Fell eher gräulich. Weibchen verstecken ihr Nachwuchs, solange sie selbst auf der Jagd sind, oftmals im Unterholz in Strandnähe. Kommen Sie von der Jagd zurück, ruhen sie sich wie die Bullen auch am Strand aus. An warmen Tagen bedecken sie sich dabei mit Sand, um sich vor der Sonne zu schützen.
Am Nugget Point angekommen, sehen wir noch eine kleine Kolonie Löffler, wobei die vom Aussichtspunkt ein gutes Stück entfernt sind. Am Nugget Point selbst steht seit 1870 ein Leuchtturm gut 75 m über dem Meer. Er hat eine Reichweite von etwa 18,5 km. Der Nugget Point hat seinen Namen übrigens wegen einer Reihe von aus dem Wasser ragenden Felsen, die im richtigen Licht glänzen sollen, und deshalb an Gold Nuggets erinnern. Immerhin sind wir hier nicht sehr weit von den ehemaligen Goldfeldern entfernt. Heute leuchten sie nicht in der Sonne, nicht zuletzt, weil es etwas dunstig ist.
Unser nächster Stopp ist dann an den Purakannui Falls. Ein kleiner Wasserfall in einem Rest des hier ursprünglich dominierenden Regenwaldes. Den Wasserfall erreicht man über einen kurzen Weg durch den besagten Wald. Insgesamt sind wir heute auf der „Southern Scenic Route“ unterwegs, also einer Strecke mit mehreren mehr oder weniger bekannten Sehenswürdigkeiten.
Weiter geht es auf der Route zur Cario Bay, wo es mit Glück auch verschiedene Pinguinarten zu sehen gibt. Aber diese sind zur Mittagszeit natürlich nicht zu sehen, sondern draußen auf dem Meer. Was aber zu sehen ist, ist die umtoste felsige Küstenlandschaft. Hier gibt es als Besonderheit bei Ebbe noch Reste von versteinertem Holz. Zeitzeugen aus der Jurazeit, also etwa 150-200 Millionen Jahre alt. Dabei wurden die organischen Strukturen unter mehreren Schichten vulkanischen Materials begraben, und so konserviert. Mit der Zeit mineralisierten sie sich, versteinerten also, und werden jetzt durch Ebbe und Flut langsam wieder freigelegt.
Unser vorletzter Stopp für heute ist dann der Slope Point, die südliche Spitze der Südinsel von Neuseeland. Der Slope Point liegt auf 46° und 40 Minuten südlicher Breite. Auf der Nordhalbkugel wäre es etwa auf der Höhe von Lausanne oder Bozen. Bis zum Südpol ist es also noch ein gutes Stück hin. Auf dem Schild neben der kleinen weißen offiziellen Steele sind übrigens 4803 km verzeichnet, gleichzeitig aber auch nur 5140 km bis zum Äquator. An der Stelle war ich ob der Zahlen anfangs ein bisschen stutzig, aber nach ein bisschen Nachdenken kann es natürlich stimmen. Tatsächlich ist der Erdumfang am Äquator, also der dicksten Stelle rund 40.000 km und hier geht es ja nur um gerundet etwa einem Viertel des Erdumfangs. Noch dazu ist die Erde nicht so ganz rund, sondern wegen der Fliehkräfte aus der Rotation keine perfekte Kugel. Außerdem ist der Weg vom Nordpol zum Äquator tatsächlich etwas weiter als die Strecke vom Südpol zum Äquator. Aber das sind nur Spitzfindigkeiten. In der Nähe des Slope Point lohnt es sich aber auf jeden Fall, sich mal die Bäume anzusehen. Diese sind aufgrund der typischen starken Winde aus westlicher Richtung, noch dazu gänzlich ungeschützt vor den kalten Winden aus der Antarktis, alle seitlich geneigt, und haben ein bisschen die Form vom überdimensionierten Krüppelholz.
Unseren letzten Stopp machen wir am Waipapa Point Lighthouse. Dieser Leuchtturm wurde 1884 nach einer Schiffskatastrophe errichtet. Die SS Tararua mit 151 Menschen an Bord war hier drei Jahre zuvor auf ein Riff gelaufen. Damals starben 131 Menschen, womit das Unglück die zweitgrößte Opferzahl in neuseeländischen Gewässern forderte. Von dort geht es dann nach Invercargil, sowohl die südlichste als auch die westliche Stadt Neuseelands zu unserer heutigen Unterkunft.
Vielleicht noch ein paar Sätze zu dem Landstrich, den Catlins, in denen wir uns hier befinden. Das Gebiet war schon bei den Maori wegen des relativ kalten und ungemütlichen Klimas erst relativ spät besiedelt worden. Zumeist waren die Siedlungen eher temporäre für die Jagd. Außerdem gab es hier im Süden einige Baumarten, die sich besonders gut für den Bau von Kanus eigneten. Trotz allem kamen die Maoris eher hier her, weil größere und / oder stärkere Stämme andere immer weiter nach Süden drängten. Die dünne Besiedlung blieb auch bei den folgenden Europäern so. Nicht zuletzt da die Küsten hier zwar malerisch aber auch ziemlich unzugänglich sind. Wer hierher zog, musste sich selbst versorgen, und mit den Schwierigkeiten des Lebens selbst fertig werden. Und ein bisschen ist es bis heute so geblieben. Es gibt nur wenige Ortschaften, und auch die größeren kommen selten auf mehr als 400 Einwohner. In den äußersten Süden ziehen eher Naturliebhaber und Künstler, die das übliche stressige Zivilisation-Leben hinter sich lassen wollen. Auch wer den Regen mag, ist hier richtig. 200 und mehr Regentage im Jahr sind keine Seltenheit, und obwohl es häufig eher ein feiner Nieselregen ist, sind die Niederschläge doch höher als an der übrigen Ostküste der Südinsel. Noch dazu gibt es wegen der exponierten Lage mehr und schwerere Stürme als im übrigen Neuseeland.
Und weil wir uns in Invercargill praktisch in „direkter“ Nachbarschaft zur Antarktis befinden, auch dazu noch ein paar Sätze. Neuseeland erhebt Anspruch auf das Ross-Eisschelf in der Antarktis. Einem Gebiet, dass etwa 7x größer als Neuseeland selbst ist. Völkerrechtlich ist dieser Gebietsanspruch nicht anerkannt, was auf eine große Antarktiskonferenz im Jahre 1959 zurück geht. Damals einigten sich 12 Staaten darauf, das Gebiet nur friedlich für die Wissenschaft gemeinschaftlich zu nutzen. Ziel war es unterem anderem, die Antarktis in einem ökologischen Gleichgewicht zu halten, der Abbau von Bodenschätzen oder militärische Übungen wurden verboten. Interessant daran noch, das mit Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Norwegen und eben Neuseeland bis heute noch Gebietsansprüche auf die Antarktis erheben, obwohl sie dem Vertrag auf der Konferenz zugestimmt haben. In ihren Augen ruht der Gebietsanspruch lediglich. Außerdem unterzeichneten damals auf der Konferenz auch Belgien, Japan, die Sowjetunion bzw. damit der heutige Nachfolger Russland, Südafrika und die USA den Vertrag, ohne eigene Gebietsansprüche zu erheben. Aber selbst die Ansprüche der erstgenannten überschneiden sich teilweise schon. Weitere 45 Staaten haben den Vertrag später noch unterschrieben. Dabei unterscheidet man noch wieder zwischen Staaten, die auf den bis heute stattfindenden Tagungen stimmberechtigt sind, oder nur beratend teilnehmen. Stimmberechtigt sind nur die Erstunterzeichner und Staaten, die sich in der Antarktis z.B. mit eigenen Forschungsstationen besonders engagieren. Deutschland ist einer von ihnen. Und als letzten Fakt über die Antarktis noch der Südpol, bzw. die verschiedenen Südpole. Der geografische Südpol liegt mitten unter der Landmasse, der magnetische Südpol aber tatsächlich rund 2.000 Kilometer entfernt, sogar oftmals außerhalb des Polarkreises. Und um die Verwirrung noch zu steigern gibt es sogar noch einen Geomagnetsichen Südpol. Der Geografische kann logischerweise über die Erdoberfläche gemessen werden. Der Magnetische ergibt sich über die Messung des Magnetfeldes, und da sich das über das Magnetfeld im inneren unseres Planten ständig verändert, wandert auch der magnetische Südpol. Verursacht wird dieses Wandern durch zwei magnetische Flecken, einer davon liegt unter Kanada und der andere unter Sibirien also Russland. Und je nach der temporären Stärke dieser beiden Flecken werden die Magnetischen Pole in eine der Richtungen gezogen. Das können übrigens bis zu 15 Kilometer im Jahr sein, ist also durchaus beträchtlich. Nun noch der Geomagnetische Südpol. Das ist tatsächlich ein eher theoretischer berechneter Punkt, der von einem perfekten im Erdmittelpunkt liegenden Stabmagneten und dessen Magnetfeld ohne jedwede Störungen ausgeht. Der ist dann logischerweise auch wieder dauerhaft stationär gelegen. Alle diese drei Poldefinitionen gibt es für den Nordpol übrigens genauso. Frühe Polarforscher im 19. Jahrhundert richteten sich bei der Suche nach dem Nordpol nach dem magnetischen Pol. Später, Anfang des 20. Jahrhunderts, benutzte Amundsen zwar zur Navigation einen Kompass und damit den magnetischen Pol, suchte aber ganz bewusst den geografischen, darum wissend, dass es insbesondere zu dem Zeitpunkt ein deutlicher Unterschied war. Er bestimmte den Südpol dann final mit dem Sextanten.