• Wolken ziehen über den Kilimanjaro
    Tansania

    Wolken ziehen über den Kilimanjaro

  • Lake Mattheson
    Neuseeland

    Lake Mattheson

  • Sonnenaufgang mit dem Viluchinsky im Hintergrund
    Kamtschatka

    Sonnenaufgang mit dem Viluchinsky im Hintergrund

  • Warzenschweine am Lake Mburo
    Uganda

    Warzenschweine am Lake Mburo

  • Eisvogel
    Uganda

    Eisvogel 

22. Reisetag        Queenstown – 27.02.2026

 

Heute geht es früher raus als sonst, die Gepäcksverladung ist für 6:45 Uhr angesetzt. Schon deutlich früher sind zwei größere vermutlich chinesische Gruppen aufgebrochen. Und was soll ich sagen, Rollkoffer machen auf dem Pflaster bzw. groben Asphaltsbelag ordentlich Radau. Außerdem gab es schon ab 5:30 Uhr ein deutliches „Geschnatter“ draußen vor den Zimmern. Hotels in Te Anau werden häufig nur für eine Nacht gebucht, da der Ort eine klassische Durchgangsstation zum Milford Sound ist, der auch unser Ziel ist. Der Milford Sound ist ein ca. 15 km langer Fjord, der von bis zu knapp 1700 m hohen steilen Bergen umgeben ist. Er liegt in den Fjordlands, die wie der Name schon sagt, eine große Fjordlandschaft umfasst, an dessen Rand Te Anau liegt. Ein Gebiet von 12.600 qkm der Fjordlands ist zum Nationalpark erklärt worden. Er umfasst neben den Fjorden selbst auch zahlreiche zum Teil große über 400 m tiefe Seen, deren Grund damit um mehrere 100 m unter dem Meeresspiegel liegt. Außerdem gibt es in dem Nationalpark große Gebiete mit naturbelassenem Regenwald, überhaupt ist die Natur noch in einem relativ natürlichen Zustand, da das Gebiet lange für Menschen sehr unzugänglich war, und kaum nutzbare Bodenschätze oder ähnliches enthält. Die Landschaft ist vor Millionen von Jahren durch mächtige Gletscher geformt worden, und steht heute in den Fjorden durch den Anstieg des Meeresspiegels unter Wasser. In dem Gebiet gibt es einige nur noch hier vorkommende Vogelarten. Außerdem ziehen sich durch die Fjordlandschaft einige der bekanntesten Wanderwege von Neuseeland. Diese sind zum Teil mehrtägig mit möglichen Hüttenübernachtung, wobei die Plätze in den Hütten meist sofort nach der Öffnung der Buchung für das kommende Jahr sofort ausgebucht sind. Fast noch mehr gilt das für die wenigen Übernachtungsmöglichkeiten im kleinen, kaum mehr als 100 Einwohner zählenden Örtchen, Milford selbst. Darum ziehen lange Autokarawanen von Te Anau mit einer Gesamtfahrzeit von 4 Stunden für die Hin- und Rückfahrt, oder aus Queenstown, dann sind es etwa 8 Stunden für Hin- und Rückfahrt, zum Milford Sound. Oder für die ganz Eiligen mit größerem Budget kann man auch z.B. von Queenstown fliegen. Insgesamt kommen jedes Jahr etwa 1 Million Gäste zum Milford Sound, und das vor allem im Sommerhalbjahr. Von Te Anau fährt man zunächst am gleichnamigen See entlang, bevor es dann tiefer in die Berge geht. Die Außentemperatur am Hotel war bei unserer Abfahrt übrigens 4 °C. Dafür verspricht der Wetterbericht einen sonnigen Tag mit einer stabilen Wetterlage, was die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, auch von kleineren Regengüssen verschont zu bleiben. Insgesamt regnet es an rund 200 Tagen im Jahr im Milford Sound. Der Niederschlag als Regen oder im Winter auch als Schnee kommt auf die gigantische Menge von 6.500 ltr/qm und Jahr. Noch mal zum Vergleich in Norddeutschland kommt man auf etwa 800 ltr/qm. Aber wie gesagt es sieht gut aus, dass hier heute nichts dazu kommt. Dafür ziehen am Morgen Nebelschwaden durch die Landschaft und um die umgebenden Berge, was eine schöne Stimmung schafft. Auf dem Weg zum Milford Sound machen wir drei Fotostopps, bzw. einen davon in Verbindung mit einem Kaffeestop, bei einem rollenden Verkaufsstand am Mirror Lake. Und da ist der Name Programm. Auch wenn die Wasserfläche nur relativ klein ist, und ein paar Enten immer mal wieder ein paar Wellen erzeugen, ist er sehr schön anzusehen. Zumindest am Morgen, wenn die Enten noch nicht so aktiv sind und das Licht richtig fällt. Einige Kilometer bevor man den Milford Sound dann erreicht, geht es noch durch den Homer Tunnel. Er ist ca. 1,2 km lang und nur einspurig. Dadurch bedingt gibt es eine Ampelschaltung, die zu einer kleinen Wartezeit führen kann. Heute hat es auch ein Fahrzeug vom Milford Sound kommend nicht rauf geschafft, wobei es einen relativ steilen Anstieg von Milford kommend im Tunnel gibt. So muss das Fahrzeug wieder runter, was zwar zu einer zehnminütigen Verzögerung für uns geführt hat, aber offensichtlich ist man an solche Ereignisse gewöhnt, und löst sie schnell. Der Tunnel selbst wurde 1954 eröffnet, und ist im Inneren scheinbar eher grob in den Felsen gehauen. Eine Tunnelbohrmaschine war ganz sicher nicht beteiligt. Die Bauarbeiten begannen übrigens schon 1935 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, verzögerten sich dann aber wegen des Beginns des 2. Weltkrieges, aber auch weil Lawinen die Arbeiten bzw. den weiteren Trassenverlauf behinderten. Nach dem Tunnel geht es in Richtung Milford weiter teilweise in Serpentinen deutlich bergab. Immerhin liegt der obere Tunneleingang auf einer Höhe von 945m. Vor dem eigentlichen Ort Milford gibt es dann die Parkplätze am Visitor Center. Bevor wir überhaupt richtig ausgestiegen sind, fliegen zwei Keas über uns hinweg. Ich ärgere mich ein bisschen, dass meine Kamera noch im Rucksack steckt, und die Keas natürlich längst weg sind, bevor ich auch nur ansatzweise bereit bin. Das Visitor Center selbst hat eher den Flair einer Bahnhofshalle, und im Prinzip ist es ja auch eine, da von hier die Boote auf den Milford Sound abgehen.

Gleich nach der Abfahrt mit dem Boot kommen wir an den etwa 160 m hohen relativ starken Bowen Falls vorbei, die jetzt am noch zeitigen Vormittag aber noch im Schatten liegen. Einer der anderen größeren Wasserfälle sind die Sterling Falls mit einer Höhe von ca. 155m. Ansonsten gibt es heute nur relativ wenige zwar hohe, aber meist in Kaskaden herunter kommende Wasserfälle. Einige andere sind heute nahezu ganz versiegt, was an den geringen Niederschlägen der letzten Tage liegt. Dafür leuchten einige aber schön mit einem Regenbogen im Sonnenlicht. Dadurch, dass in den Milford Sound relativ viel Regenwasser einströmt, bildet sich auf der Wasseroberfläche eine Schicht mit Süßwasser. Da diese sehr viel dunkler ist, wirkt das Wasser des Milford Sound fast schwarz, was wieder zur Folge hat, dass hier Tiefwasserkorallen bereits in einer Tiefe von rund 30 m wachsen, die normalerweise erst in Wassertiefen von ca. 200 m vorkommen. Das Wahrzeichen des Milford Sounds ist aber der 1692 m hohe Mitre Peak, der seinen Namen wegen der Ähnlichkeit mit einem Bischofshut trägt. Der Mitre Peak liegt in unmittelbarer Nähe vom Anleger, und damit schon am Anfang der Bootsrundfahrt. Je weiter es dann in Richtung der Tasman See, also offenes Meer, geht, desto kleiner werden auch die Berge. Bei einem sonnigen Wetter wie heute, ist der Milford Sound eine traumhafte Kulisse. Dazu geht heute ein bisschen Wind. Dadurch ist es ein bisschen luftig, gibt aber trotzdem kaum Wellengang. Gleichzeitig hält der Wind uns aber die Sandflies vom Hals, was sehr angenehm ist.

Nach ca. 1:45 Stunde auf dem Boot, geht es wieder mit dem Auto zurück in Richtung Te Anau. Es gibt schlicht auch nur diese eine Passstraße zum Milford Sound. Auf dem Rückweg machen wir einen kurzen Stopp an einem Aussichtspunkt, an dem schon häufiger Keas gesehen wurden. Und auch wir haben Glück. Ein Kea ist gerade auf dem Parkplatz zu Fuß zwischen den parkenden Autos unterwegs. Die Bergpapageien sind vom Aussterben bedroht, es gibt nur noch ca. 5000 Exemplare. Sie sind hier an der Westküste der Südinsel endemisch. Sie sind etwa 45 cm groß und grünlich-braun. Die Männchen wiegen etwa 1 kg, die Weibchen ca. 800 g. Sie gehören zu den Allesfressern. Vor allem fressen sie aber Pflanzen und Insekten, aber auch Aas verschmähen sie nicht. Weshalb sie zu Beginn der Besiedlung durch die Europäer von diesen auch intensiv bejagt worden sind. Sie fraßen an Schaf-Kadavern, und man glaubt, sie könnten die Schafe vielleicht sogar töten, gleichzeitig sah man auch Keas, die auf den Rücken von Schafen hakten, um an deren Fett zu kommen. Und weil sie eben Allesfresser sind, sind sie auch an praktisch allem interessiert, bis hin zu Brottüten oder auch Scheibenwischer. Sie gelten als neugierig und verspielt. Dazu sind sie sehr intelligent, und können auch Werkzeuge benutzen, oder erkennen ihr Spiegelbild. Man hat auch schon Keas beobachtet, wie sie geschlossene Rücksäcke oder Mülltonnen geöffnet haben. Keas werden mit vier Jahren geschlechtsreif, wobei die Weibchen zwischen einem und fünf Eier legen. Die Brutzeit beträgt 22 bis 26 Tage, und nach etwa drei Monaten unternehmen die jungen Keas erste Flugversuche. Nach vier bis fünf Monaten verlassen sie dann das Nest endgültig. Keas bleiben einem Partner lebenslang treu, und können über 20 Jahre alt werden.

Noch ein kleines Stück weiter unternehmen wir einen kleinen Spaziergang zu den Marian Falls, wobei es eigentlich gar kein richtiger Wasserfall ist, sondern eher eine kleine Kaskade, die sehr schön in einem kleinen Waldgebiet liegt.

In Te Anau machen wir noch einen kurzen Kaffeestopp, oder alternativ schauen wir uns ein Gehege mit Takahe an. Dabei handelt es sich um einen flugunfähigen Rallenvogel. Sie wurden bereits mehrfach für ausgestorben erklärt, 1948 fand man aber noch eine kleine Population hier in den Fjordlands. Takahe gelten als die größten lebenden Rallen der Welt. Sie sind gut 60 cm groß und wiegen etwa 2,5 Kilo. Sie besitzen einen kräftigen roten Schnabel und haben ein bunt schimmerndes Gefieder. Sie leben in alpinen Gegenden und fressen mit Vorliebe Tussockgräser, die sie mit ihrem kräftigen Schnabel abknipsen, und dann nur den unteren Bereich der Stängel, in dem die meisten Nährstoffe sind, fressen.

Von Te Anau geht es weiter in Richtung Queenstown. Das erste Stück geht es durch die obligatorische Weidelandschaft mit Rindern, Schafen und etwas in Gehegen gehaltenem Rotwild. Neuseeland ist übrigens der größte Exporteur von Wildfleisch der Welt, wobei sie eben eher wild auf der Weide stehen. Unterwegs sehen wir noch ein bisschen Getreide, aber wie praktischen in ganz Neuseeland bedeutet Landwirtschaft vor allem Weidewirtschaft mit Schafen und einem immer mehr zunehmenden Anteil von Rindern, wobei es sowohl Fleischrinder als auch Milchviehwirtschaft gibt, die dann schnell auf einige hundert Kühe kommen. Das letzte Stück wird es dann wieder ein bisschen kurviger, als wir am Lake Wakatipu entlangfahren, kurz bevor wir schließlich Queenstown erreichen.

Der Ort ist natürlich ein Gegensatz zu den dünnbesiedelten Fjordlands. Es sind mehr Leute in den Straßen unterwegs, der Verkehr ist relativ dicht, und obwohl es drum herum scheinbar Platz gibt, geht es in Queenstown doch eher beengt zu. Als ich am späteren Abend noch schnell zum kleinen örtlichen Supermarkt unterwegs bin, staune ich schon ein bisschen, wie viele große Hotels es hier gibt. Und die meisten sehen eher nicht so aus, als wenn ihre Zielgruppe Backpacker oder „ein bisschen verrückte Adrenalinjunkies“ wären. In den Hotelbars sieht man eher gut situierte Bestager. Das will eigentlich nicht so recht mit meinem Vorurteil zusammenpassen. Im Supermarkt selbst gehöre ich dann auch wieder zur eher älteren Generation, was mein Weltbild dann wieder ein bisschen ins Lot bringt. Immerhin bin ich auch schon sicher in der zweiten Lebenshälfte angekommen.