24. Reisetag Wanaka – 01.03.2026
Heute verlassen wir Queenstown wieder, entsprechend steht dann heute auch wieder die Gepäckverladung an, die heute für 08:00 Uhr angesetzt ist. Wir fahren in Richtung Wanaka über die Crown Range Road. Sie erreicht eine Höhe von 1076 m, und ist damit die höchstgelegene Straße Neuseelands. Historisch gesehen ist sie bedeutend, und verbindet bereits zur Zeit des Goldrausches im 19. Jahrhundert die beiden Orte Queenstown und Wanaka. Die ersten Goldfunde gab es in Neuseeland auf der Nordinsel 1842 auf der Coromandel Peniusula, zehn Jahre später gab es dann im dortigen Gebiet weitere Funde. Dabei geht es um den Bereich um Nelson herum. Im Jahr 1856 weiteten sich die Goldfunde aus und auch die Anzahl der Goldsucher vergrößerte sich. Zu der Zeit erschien vielen Glücksrittern die Goldsuche der „einfache“ Weg schnell reich zu werden. Jetzt waren es aber vor allem Funde um Collingwood auf der Südinsel. Dazu kamen Gerüchte von möglichen Goldvorkommen in Otago und an der Westküste. 1860 gab es dann Gerüchte um Goldvorkommen am Matura River, die sich aber als falsch erwiesen. Im Jahre 1860 kam der australische Goldsucher Thomas Gabriel Read nach Neuseeland. Zuvor war er bereits in Kalifornien auf Goldsuche gegangen, wo er die Goldsuche aber einstellte, weil er die auf den Goldfeldern übliche Gesetzlosigkeit satt hatte, und bis dahin auch eher mäßig erfolgreich war. Auf der Rückreise ins heimische Australien war er zwischenzeitlich auf Hawaii Schiffsbrüchig geworden. Infolge einer Kopfverletzung im Kindesalter galt er als gewaltbereit und neigte zuweilen zu absonderlichen Verhaltensweisen, war gleichzeitig als Sohn eines Bankiers aber gebildet. Man kann wohl davon ausgehen, dass er kein einfacher Zeitgenosse war. Noch im selben Jahr, als er in Australien 1860 wieder eintraf, zog er erneut auf die Goldfelder, dieses Mal ging er nach Neuseeland. Trotz der offensichtlich am Matura River nicht bestätigten Funde zog er von Port Chalmers nach Süden. Dort traf er einen Farmer, der auch gleichzeitig Mitglied des Otago Councils war. Der war davon überzeugt, dass es in dem Gebiet um den Tuapeker River Gold geben würde. Read ließ sich überzeugen, und begann dort zu suchen. Am 25.05.1861 wurde er auch fündig. Mit Spaten, Schüssel und Fleischermesser fand er innerhalb weniger Stunden 7 Unzen, umgerechnet rund 200 g, in der Nähe von Lawrence, weit im Süden. Innerhalb von 14 Tagen fand er mit zwei Helfern 3 kg in dem Gebiet, das als Gabriels Gully bekannt wurde. Damit löst er den großen Goldrausch in Neuseeland aus. Schon im Juli machte er am Waitahuna Goldfeld weitere Funde. Daraufhin wurde er vom Otago Council damit beauftragt, weitere Gebiete mit möglichen Goldvorkommen zu erschließen, fand aber keines mehr. Im November 1861, also bereits nach wenigen Monaten trat er von seiner neuen Stelle zurück. Trotzdem blieb er noch drei Jahre im Land, um Gold zu suchen, bis er schließlich zurück nach Australien ging um Farmer zu werden. Dort heiratete er seine Cousine. Seine zunehmenden Gewaltausbrüche brachten ihm 1887 dann eine Einweisung in ein Hospital ein, bevor er dann 1894 an einem Schlaganfall starb.
In Otago verdoppelte sich die Anzahl der Einwohner im Jahre 1861 in der zweiten Jahreshälfte auf über 30.000. Das Gebiet um Gabriels Gully kam schnell auf über 11.000 Einwohner, doppelt so viel wie zu dem Zeitpunkt in Dunedin, der Hautstadt der Provinz, lebten. Bis 1867 kamen allein 50.000 Australier nach Neuseeland, um auf den Goldfeldern ihr Glück zu machen. Die Zustände waren katastrophal. Die Arbeitsbedingungen waren hart und gefährlich, in der Gegend herrschte Gewalt und es gab zahlreiche Konflikte und großes Misstrauen unter den Goldsuchern. Im Jahre 1866 kamen auch die ersten Chinesen, deren Arbeitsbedingungen noch mal schlechter waren, was in der Folge zu zahlreichen Toten auf den Goldfeldern sorgte. Die Technik der Goldsucher veränderte sich innerhalb weniger Jahre radikal. Vom einfachen Waschen ginge es schnell über zum Tagebau und auch Bergbau. Da war kein Platz mehr für einzelne Goldsucher. Entweder wurden die Bergleute bei den großen Konzernen, die die Goldsuche an sich rissen, oder zogen auf andere Goldfelder der Welt weiter. Der große Goldrausch in Neuseeland war schließlich 1869 auch schon wieder vorbei. Die Goldsuche ging aber weiter, nur eben im industriellen Maßstab. Das führte gar soweit, dass man Maschinen und Ausrüstung für die industrielle Goldförderung in der ganzen Welt verkaufte. Nachhaltiger war der Goldrausch in Dunedin. Durch das Gold kam viel Geld in die Stadt, der Handel und auch das dortige Handwerk prosperierten. Zwischenzeitlich gab es sogar Unabhängigkeitsbestrebungen in Dunedin und den umliegenden Gebieten. Das heutige Neuseeland konnte zwar zusammengehalten werden, eine Folge war aber, dass man den Separatisten buchstäblich ein Stück weit entgegenkam. Die Hauptstadt wurde von Auckland nach Wellington verlegt, praktisch an die Südspitze der Nordinsel. Gold wird übrigens in Neuseeland heute noch abgebaut. Und das immer noch in dem Gebiet, das als Gabriels Gully bekannt geworden war. Alleine seit 1990 hat man 2.000.000 Unzen gefördert. Es werden noch ca. 4.000.000 Unzen dort vermutet, bei der Jahresproduktion von aktuell 17.000 Unzen bleibt also noch einiges zu tun. Wobei die Förderung wegen der hohen Umweltbelastung nicht gänzlich unumstritten in Neuseeland ist.
Aber zurück zu unserem Tag, an dem wir kein Gold gefunden haben. Zugegebenermaßen haben wir aber auch nicht gesucht. Stattdessen haben wir einen Zwischenstopp in Cardrona eingelegt, um für einen Kaffee, oder in meinem Fall einer heißen Schokolade, in einem historischen Hotel einzukehren. Mal abgesehen vom hellen elektrischen Licht in der Küche, könnte man fast meinen, dass draußen vor der Tür noch die Pferde angebunden sind und die Reisenden auf die Kutsche warten. In dem Ort gibt es daneben auch noch die alte Schule und eine alte Kirche zu sehen. Gegenüber vom Hotel aber auch eine Säule für E-Autos, die zumindest optisch in eine Zeit verlegt wurde, in der es kaum elektrisches Licht gab, von E-Mobilität ganz zu schweigen.
Von dort geht es dann weiter nach Wanaka, wo wir aber zunächst hindurchfahren, um am Lake Wanaka eine knapp dreistündige Wanderung zu unternehmen. Gegen 14:00 Uhr sind wir zurück in der Stadt, um uns die „Downtown“ ein bisschen anzusehen. Hinter dem Seeufer kommen gleich einige Cafés und Restaurants, sowie einige einschlägige Souvenirgeschäfte. Dazu einzelne Geschäfte mit Outdoor-Sortiment. Aber alles einige Nummern kleiner fast schon beschaulich im Verhältnis zu Queenstown, und auch das Umfeld ist bei weitem nicht so von Adrenalin geschwängert. Gegen 16:30 Uhr kommen wir dann schließlich in unserem Ressort etwas außerhalb der Stadt an. Die Zimmer haben nicht nur eine kleine Küchenzeile mit den typischen Utensilien, es gibt sogar einen Herd, und im Bad sowohl Waschmaschine als auch Trockner. Dazu einen eigenen kleinen Wohnbereich mit eigener Terrasse davor.