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26. Reisetag        Greymouth – 03.03.2026

 

Heute beginnt der Tag für die Reisegruppe zweigeteilt. Ein Teil bricht gegen 7:00 Uhr zu einer Wanderung am Lake Mattheson auf, der andere Teil, zu dem ich gehöre, hat einen optionalen Hubschrauberflug zu den beiden großen Gletschern Franz-Josef Gletscher und Fox Gletscher gebucht. Dafür gibt es wie schon auf der anderen Seite der Südalpen am Mount Cook einige örtliche Anbieter. Der von uns eigentlich favorisierte, da es nur kleine Helikopter hat, ist aktuell nicht vor Ort. Doch er vermittelt uns weiter, und wir fliegen mit vier Personen plus Pilot in einer Maschine für sechs Personen plus Pilot. Ich selbst habe Glück, und sitze am Fenster. Nur leider hat sich das Display an meiner Kamera gestern Abend verabschiedet, und durch den Sucher, den ich logischerweise eigentlich nutze, muss man sich hier in der Maschine ein bisschen verrenken, um durch das Fenster noch nach draußen fotografieren zu können. Wobei diese natürlich auch noch die Einschränkung durch die gewölbte Scheibe haben. Unser 30-minütiger Flug führt uns zunächst über den Franz-Josef Gletscher und dann hinüber zum Fox Gletscher, wo wir auch eine etwa zehnminütige Zwischenlandung haben. Die es logischerweise auf dem oberen Teil, auf dem es auch keine sichtbaren Spalten oder Abbrüche gibt. So können wir uns auf dem Gletscher sicher um den Hubschrauber herum bewegen, und die beeindruckende Umgebung auf uns wirken lassen. Von dort geht es dann wieder zurück zu unserem Startplatz. Wie schon auf der Herfahrt bringt uns ein Bus-Shuttle vom Anbieter der Hubschrauberflüge zurück zum Büro mitten im Ort. Dort erwartet uns schon unsere Reiseleiterin, um uns auch zum Lake Mattheson zu bringen.

Der See ist für seine Spiegelung der umliegenden Gipfel sehr bekannt, und gilt als einer der am meisten fotografierten Seen der Welt. Allerdings sollte man für die Spiegelung eigentlich auch bei Sonnenaufgang vor Ort sein. Wir sind dazu ein bisschen spät dran. Die Spiegelung ist zwar theoretisch den ganzen Tag vorhanden, solange die Berge frei sind. Nur ist es meist am Morgen noch windstill und auch die Enten und Gänse verhalten sich noch ruhig, was dann in den frühen Morgenstunden für die spiegelglatte Wasseroberfläche sorgt. Die Spiegelung auf dem See wird zusätzlich von dem Eintrag vom organischen Material, vor allem Blätter aus dem umgebenden Wald, begünstigt. Es lässt das sehr saure Wasser aber auch fast bräunlich aussehen. Am ersten Aussichtspunkt ist es zwar noch relativ schattig, als wir dort gegen 9:30 Uhr eintreffen, aber dafür liegt das Wasser noch völlig glatt da. Und auch einzelne Enten sitzen noch auf einigen Ästen im Uferbereich und schlagen keine Wellen auf dem Wasser. Bei den weiteren Aussichtspunkten gestaltet sich das schon schwieriger. Spätestens dort, wo die Sonne bereits auf den See scheint, tummeln sich neben den Enten zahlreiche Kanadagänse, die sich hier heute eingefunden haben. Trotzdem ist es eine schöne kleine Wanderung, die in etwa 75 Minuten einmal um den See führt.

Gegen 11:30 Uhr brechen wir dann in Richtung des Franz-Josef Gletschers auf. Man fragt sich schon, warum ein Gletscher in Neuseeland nach einem österreichischen Kaiser benannt worden ist. Tatsächlich hat ihn der deutsche Julius von Haast, der uns schon gestern quasi den ganzen Tag begleitet hatte, den Namen gegeben. Er hatte sich mit dem österreichischen Geologen Ferdinand Hochstetter angefreundet, und mit ihm in Neuseeland verschiedene Expeditionen unternommen. So ist die Namensgebung durch von Haast eigentlich eine Reminiszenz an seinen Freund. Wie schon am Fox Gletscher beschrieben, kommt es auf der Westseite der neuseeländischen Alpen immer mal wieder vor, dass die Gletscher eine gewisse Zeit wachsen, insgesamt aber wie fast alle Gletscher dieser Welt dramatisch schnell abschmelzen. Grundsätzlich entstehen Gletscher durch Niederschlag, üblicherweise als Schnee in den hohen Lagen. Durch die schiere Masse, auf der Westseite der Bergkette können das bis zu 15.000 Liter bzw. 50 m Neuschnee pro qm und Jahr sein. Der Schnee wird durch das Gewicht der vielen Niederschläge stark zusammengepresst, wodurch die enthaltene Luft entweicht. Je höher der Druck ist, desto blauer erscheint das entstehende Eis, und desto fester ist es auch. In den gemäßigten Klimazonen, wie hier an der Tasmansee, sickert zusätzlich Schmelzwasser in die Strukturen und gefriert dort. Das führt zu einer noch stärkeren Verhärtung des Gletschereises. Auf der Unterseite des Eispanzers geschieht dagegen das Gegenteil. Durch den gewaltigen Druck der Eismassen auf das Gestein entsteht Wärme, und das Eis schmilzt. Das dabei entstehende Wasser wird zu einer Art Gleitschicht, auf dem der Gletscher talwärts fließt, und der Franz-Josef Gletscher fließt sehr schnell. Normalerweise mit mindestens etwa 50 cm am Tag, es wurden aber auch schon deutlich höhere Geschwindigkeiten von über zwei Meter pro Tag gemessen. Damit gehört er zu den „schnellsten“ Gletschern der Welt. Zum Vergleich schafft der auch schon recht schnelle Tasman Gletscher auf der Ostseite der Range um den Mount Cook herum nur 20-60 cm am Tag. Wobei allgemein die Gletscher im oberen Bereich deutlich langsamer fließen als weiter unten. Und auch, wenn insbesondere Regen im unteren Bereich einsickert, beschleunigt das die Fließgeschwindigkeit. Und je nachdem, wie schnell der Gletscher weiter nach unten fließt und dort aufgrund der höheren Temperaturen dann abschmilzt, oder auch durch große Niederschlagsmengen, die im oberen Bereich fallen, entscheidet sich, ob ein Gletscher wächst oder schrumpft. Der Franz-Josef Gletscher hat in den ersten 80 Jahren des letzten Jahrhunderts fast 3 km Länge eingebüßt. Dann aber in den 20 Jahren bis zum Wechsel ins 21. Jahrhundert wieder etwa 1 km zulegen können. Seitdem schmilzt er wieder ab, und dass mit zunehmender Geschwindigkeit. Wissenschaftler prognostizieren im Moment, dass er bis zur nächsten Jahrhundertwende noch weitere 5 km oder 38 % seiner Eismasse verlieren wird. Andere Wissenschaftler sind noch pessimistischer, und prognostizieren, dass der Gletscher schon in weniger als 100 Jahren komplett verschwunden sein wird. Sowohl der Franz-Josef Gletscher wie auch der Fox Gletscher reichten einst bis an die Tasman See heran, heute sind sie kilometerweit entfernt, und nur noch durch ihre, mit den durch die großen Mengen an enthaltenen Sedimenten, graugefärbten Gletscherflüssen damit verbunden. Auf den beiden heute offenen kleinen Wegen von etwa 15 Minuten zu verschiedenen Aussichtspunkten am Franz-Josef Gletscher kann man durch die Ablagerungen von Schutt und Geröll deutlich sehen, wie sich der Gletscher bereits deutlich zurückgezogen hat.

Von den Gletschern geht es für uns weiter nach Norden. Anfangs ein Stück landeinwärts, später fast unmittelbar an der Küste der Tasman See entlang. Anders als man vielleicht annehmen könnte, ist die Westseite Neuseelands an der Tasman See deutlich wilder als die Pazifikseite. Wegen der zuvor schon einmal beschriebenen Westwinde gibt es dort auch sehr viel mehr Niederschlag als auf der Ostseite Neuseeland. Aber heute ist es wieder eitel Sonnenschein. Für diesen Landstrich ist es eigentlich schon ungewöhnlich, dass es über mehrere Tage, die wir hier bereits unterwegs sind, praktisch keinen Regen gegeben hat. Dafür waren die Temperaturen am Morgen hier deutlich einstellig, und auch gab es in den letzten Unterkünften jeweils Elektroheizungen auf den Zimmern.

Unser nächstes Ziel ist dann Hokitika, eine Stadt mit rund 4500 Einwohnern, fast schon eine Metropole an der sehr dünn besiedelten Westküste Neuseelands. Hier kommen gerade mal 1,5 Einwohner auf den Quadratkilometer, im Landesdurchschnitt sind es 19. Dazu kommt, dass das Durchschnittsalter hier 42 Jahre beträgt, und damit fast sechs Jahre über dem Landesdurchschnitt liegt. Die Gegend um Hokitika ist bereits seit der Besiedlung durch die Maori ein Zentrum der Bearbeitung von Jade, die hier gefunden wurde. Die Maori nennen Jade Pounamu. Heute gehört auch alle an der Oberfläche gefundene Jade per Gesetz im Rahmen der Ausgleichszahlung im Zuge der Wiedergutmachung den Maori. Für sie hatte Jade schob früh sowohl als Schmuck als auch für die Herstellung von Werkzeugen einen hohen Wert. Als die Pakeha, also die Weißen, nach Neuseeland kamen, wurde es zusätzlich zum Handelsgut.

Wir streifen ca. 2 Stunden durch den Ort Hokitika, wo es auch heute Jade zu kaufen gibt, und in einem der Geschäfte kann man auch beobachten, wie traditionelle Jadekunst der Maori entsteht, und kann sie natürlich dort auch erwerben. Außerdem gibt es hier relativ viele Geschäfte, die Kleidung aus einem Merino-Opossum Mix verkaufen. Dabei gibt es in der Gegend nur relativ wenig Schafe und sicherlich keine Merinos, da sie das feuchte Küstenklima nicht vertragen. Die Mischung aus Merino und Opossum ist besonders leicht, und gleichzeitig sehr warm. Schafe wie auch das Opossum gehören eigentlich nicht nach Neuseeland. Schafe werden auch heute in der Landwirtschaft rege, wenn auch mit abnehmender Tendenz, genutzt. Das Opossums hat man einst wegen der geplanten Fellproduktion eingeführt, leider sind dabei einige Tieren entkommen, die heute eine wahre Plage auslösen und viele der heimischen Vögel in ihrem Fortbestand bedrohen. So versucht man heute die Opossums mit allen Mitteln inklusive Giftködern wieder loszuwerden, aber das und die relativ vielen auf der Straße überfahrenen Opossums können dem Bestand noch nicht nachhaltig Einhalt gebieten. So fördert die DOC (Department of Conservation) mit verschiedenen Maßnahmen auch die Jagd auf Opossums. Von daher ist das Fell der Opossums auch eher ein Abfallprodukt. Die Besonderheit daran ist, dass die Haare hohl sind, was dann zu der guten Wärmeleistung in Verbindung mit dem geringen Gewicht der Kleidung beiträgt.

Gegen 17:00 Uhr treffen wir dann im Nachbarort Greymouth ein, wo wir unsere Zimmer für die kommende Nacht beziehen. Unseren Abend beschließen wir mit einem Sonnenuntergang am Meer, das nur ein paar Gehminuten von unserer Unterkunft entfernt liegt. Und eigentlich gibt es noch einen Nachschlag, weil es heute kurz nach Mitternacht einen „Blutmond“ geben soll. Da ich aber ohnehin ein bisschen müde bin, schenke ich mir den. Wie sich am nächsten Morgen herausstellen soll, hat sich den Blutmond auch nur eine Mitreisende wirklich angesehen. Alle anderen sind liegen geblieben, Reisen machen eben müde.