27. Reisetag Christchurch – 04.03.2026
Heute ist das Verladen für das Gepäck für 7:45 Uhr angesetzt. Greymouth, wo wir die letzte Nacht verbracht haben, ist mit etwa 8000 Einwohnern in diesem Gebiet einer der größten Orte überhaupt. Unser erstes Tagesziel ist noch ein bisschen nördlicher, es geht zum Nationalpark Paparoa, der mit einer Fläche von etwa 300 qkm zu den kleineren zählt. Er beinhaltet aber klimatisch sehr unterschiedliche Zonen von den neuseeländischen Alpen bis hin an die Küste, wo er dann an einen weiteren maritimen Nationalpark grenzt. Wir machen im Nationalpark eine gut zweistündige Wanderung auf dem Pumakaiki-Pororari-River-Walk, der durch den Küstenregenwald führt. Hier sind unter anderem auch die Nikau Palmen heimisch, die ursprünglich die einzige in Neuseeland vorkommende Palmart war.
Von der Wanderung geht es dann zu den Pancake Rocks. Dabei handelt es sich um Kalkgestein, das vor etwa 30 Millionen Jahren durch Ablagerungen von Kalk- und Tonsedimenten am Meeresboden entstanden ist. Später wurde es dann durch eine geologische Aufhebung aus dem Meer gehoben, und ist heute der Witterung durch Wind, Regen und auch dem Meer selbst ausgesetzt. Da das Gestein relativ weich ist, in der Härte aber doch unterschiedlich ist, wird es auch unterschiedlich schnell abgetragen. So sieht es heute aus, als wenn eine Reihe von Pfannkuchen, Pancakes eben, übereinander aufgeschichtet worden wären. Bei starkem Wellengang gibt es an den Pancakes aufgrund der Verwitterung noch sogenannte Blowholes zu sehen. Dabei wird bei Flut und starkem vom Meer auf das Ufer drückenden Wind sehr viel Wasser an die teilweise erodierten Felsen gedrückt, und schießt dann in ein paar röhrenartigen Ausspülungen nach oben raus. Als wir an den Pancakes sind, ist zwar gerade Flut, aber das Meer ist relativ ruhig. Damit gibt es nicht genug Wasserdruck, um das Wasser auch tatsächlich nach oben durchschießen zu lassen.
Nach dem Besuch bei den Pancakes geht es zurück nach Greymouth, wo wir unsere Mittagspause machen. Früher wurde in dem Gebiet um Greymouth viel Kohle abgebaut. Die neuseeländische Kohle wurde für die Energieerzeugung im Land genutzt, aber auch in den asiatischen Raum exportiert. Da es sich um relativ hochwertige Kohle handelt, wurde sie früher auch verhüttet und in der Stahlproduktion verwendet. Man wollte eigentlich spätestens 2018 die Verstromung von Kohle in Neuseeland beenden, produziert aber bis heute rund ein Prozent des Stroms daraus. Bis 2030 möchte man aus Klimaschutzgründen die Förderung komplett einstellen, wobei die Produktion ohnehin schon seit Jahrzehnten abnimmt. Um Greymouth geht die Kohleförderung auf Thomas Brunner zurück, der hier im Jahre 1848 einen Kohleflöz entdeckte. Bis zu dessen Abbau sollte es noch etwas dauern, bis dann 1876 die tatsächliche Förderung begann. Dabei wurde die Kohle auf einer einspurigen Eisenbahnlinie zum Hafen nach Christchurch transportiert, und von dort verschifft. Innerhalb des 20. Jahrhunderts vor allem in den 1960igern verschwanden dann die meisten hiesigen Kohlegruben wieder, da sie nicht mehr zu Weltmarktpreisen produzieren konnten.
Für uns geht es nach der Mittagspause dann zunächst weiter nach Arthur‘s Pass. Der Pass wurde erstmals 1864 von Arthur Dudley Dobson benutzt, um von der Ostküste an die Westküste Neuseelands zu gelangen. Er wurde aber zunächst als zu steil beurteilt, um daraus einen Passweg zu machen. Das änderte sich, als man an der Westküste Gold fand, und man einen möglichst schnellen Weg zwischen den Goldfeldern und Christchurch als wichtigen Kontenpunkt im Land brauchte. Insgesamt ist der Pass 920 m hoch, war bis in die späten Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts immer wieder gesperrt worden, weil es zu Erdrutschen gekommen war. Dann baute man ein 440 m langes Viadukt, um das Wasser über die gefährlichste Stelle hinweg zu leiten. Trotzdem hat die Passstraße heute von der Westküste kommend eine Steigung von 12-16 %, was sehr viel ist. In Europa ist für frostgefährdete Straßen eine Steigung von maximal 6-8 % der Standard. Oben in der Ortschaft Arthur’s Pass, die etwas hinter dem eigentlichen Pass liegt, steigen wir dann in einen Zug der Kiwi Railways um. Die Bahnstrecke ist die Mitland-Line und heute die einzige Bahnverbindung, die die neuseeländischen Alpen durchquert. Sie verbindet auf ihrer 211 km langen Strecke Greymouth mit Christchurch. Für den Personenverkehr verkehrt auf der Strecke am Vormittag ein Zug von Christchurch nach Greymouth, der dann am Nachmittag zurück fährt. Wobei heute vor allem Touristen wegen des Panoramas mit dem Personenzug fahren, so wie wir auch. Überhaupt sind die wenigen heute noch in Neuseeland verkehrenden Personenzüge eher im Tourismus unterwegs. Die Neuseeländer fahren, wenn nicht mit dem eigenen Wagen, mit Bussen, die im Grunde auch den einzigen wirklichen öffentlichen Nahverkehr darstellen. So wird auch die einspurige Midland Line heute vor allem für den Gütertransport und dort vor allem für Kohle, Holz, Zement und Molkereiprodukten genutzt. Ursprünglich verkehrten über den Arthur’s Pass Kutschverbindungen. Auf diesen waren alle etwa 20 Kilometer Kutschstationen eingerichtet, auf denen die Pferde gewechselt werden konnte. So schaffte man je nach Steigung etwa 60 Kilometer an Tag. In anderen Teilen des Landes wie Canterbury und Nelson begann man dann mit dem Bau von Eisenbahnverbindung, die übrigens bis heute praktisch überall nur einspurig sind, und wie hier auch vor allem für den Transport von Massengütern benutzt werden. Auf der Strecke von Christchurch an die Westküste erwog man ursprünglich verschiedene Streckenführung, die aber teilweise als technisch zu schwierig und/oder als zu teuer verworfen wurden. 1883 entschied man sich dann für die heutige Streckenführung. Die damalige Regierung lehnte den Bau aber zunächst weiter ab, da sie sie wegen der technischen Schwierigkeiten auch auf dieser Strecke für zu teuer und nicht wirtschaftlich hielt. Die Regierung erlaubt es aber privaten Investoren, die Strecke zu bauen. Im Jahre 1885 bildete sich eine entsprechende Gesellschaft, die im folgenden Jahr auch mit dem Bau begann. Zehn Jahre nach der Gründung der Gesellschaft war diese dann aber pleite. Inzwischen hatte man von Christchurch kommend etwa 120 km Bahnlinie fertig. Der Betrieb wurde dann von der Nationalbahn übernommen, und im Jahre 1900 übernahm diese auch die Strecke selbst. Schließlich baute sie die Strecke weiter, bis im Jahre 1923 die gesamte Strecke befahrbar war. Eine der größten technischen Schwierigkeiten war der gut 8,5 km lange Otira-Tunnel, in dem man die Strecke elektrifizierte, während man die restliche Strecke mit Diesellokomotiven befuhr. So musste für die Strecke Otira – Arthur‘s Pass jeweils umgespannt werden. Erst 1997 baute man dann ein Belüftungssystem in den Tunnel, so dass man durchgängig mit Dieselloks fahren konnte. Wobei insbesondere für den steilen Anstieg innerhalb des Tunnels immer noch eine zusätzliche Lokomotive davorgehängt werden muss, damit der Zug die Steigung schafft. Wir steigen aber erst unmittelbar hinter dem langen Tunnel in den Zug. Dieser fährt pünktlich um 16:35 Uhr in Arthur’s Pass ab. Es geht durch das Bergpanorama, wobei wir einige kleinere Tunnel aber auch über eine Brücke eine Schlucht überqueren. Je weiter wir nach Christchurch kommen, desto flacher wird das Gelände, und auch die Landwirtschaft nimmt immer mehr Raum ein. Gegen 19:10 Uhr erreichen wir schließlich mit einer kleinen Verspätung dann Christchurch, wo uns unsere Reiseleiterin mit dem Bus schon erwartet, um uns zum Hotel zu bringen.