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8. Reisetag        Ahipara – 13.02.2026

 

Heute geht es wieder gemächlich in den Tag. Die Abfahrt ist für 8:00 Uhr geplant, und gepackt werden muss auch nicht. Soweit ist alles ziemlich entspannt und angenehm. Nicht ganz so angenehm ist das Wetter. Es regnet ein bisschen, aber vor allem hängen wir offensichtlich unter einem großen dicken Wolkenfeld, was sich aber immerhin mit der Wettervorhersage deckt. Aber die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt. Wobei der Wetterbericht in Neuseeland allgemein eher ein bisschen mit Vorsicht zu genießen ist. Das ist aber nicht unwesentlich dem Einfluss der umgebenden Meere geschuldet. So ändert sich das Wetter schnell. Und der Wind treibt genauso schnell Wolken ran, wie er sie auch wieder davon blässt. Unser Weg führt uns heute weiter nach Norden, genau genommen zur Nordspitze der Nordinsel von Neuseeland. Unser erster geplanter Halt sollte eigentlich zunächst der Ninty Mile Beach sein. Was soll ich sagen, der inzwischen deutlich stärker gewordene Regen, eigentlich schüttet es gerade, lässt uns umplanen. So fahren wir zunächst weiter gen Norden, und hoffen auf besseres Wetter, wenn wir zurückkommen. Also geht es weiter in Richtung Norden zum Cape Reinga. Hier an der Nordspitze der Nordinsel treffen die Tasmanische See und der Pazifik aufeinander. Das ist heute sicherlich auch so, man sieht es nur nicht. Es regnete oben zwar nicht, aber wir stehen trotzdem in einer „dicken Suppe“. Immerhin bei angenehmen Temperaturen von 23 °C. So bleibt nur ein Foto vom örtlichen Leuchtturm. Vom etwa 165m unterhalb vom Leuchtturm liegenden Meer sieht man bei einer Sicht von kaum 50m nichts, man hört lediglich das Meeresrauschen. Das ist auch deutlich vernehmbar, zumal es hier auch relativ viele Verwirbelungen gibt. Dabei ist Cape Reinga genau genommen eigentlich gar nicht die geographische Nordspitze, obwohl hier sogar der Leuchtturm steht. Die liegt auf dem Land der Maori, und ist außerdem noch Teil eines Naturreservats, und damit für die allgemeine Öffentlichkeit nicht zugänglich. Tatsächlich hat Cape Reinga aber auch für die Maori große Bedeutung. Es gilt als Übergang der Seelen von Verstorbenen in ein mystisches Land, dass sie Hawaki nennen. Dabei hat auch ein sehr alter, wenn dafür auch relativ kleiner Pohutukawa Baum, seine Bedeutung, der quasi das Sprungbrett in das Hawaki darstellt. Normalerweise kommt diese Pflanze auch nicht so weit nördlich vor. Dieser hat hier auch noch nie geblüht, trotzt aber weiter dem Klima. Ganz allgemein hat man am Cape Reinga versucht nur natürlich in Neuseeland vorkommende Pflanzen hier oben anzusiedeln, und alle anderen eingeschleppten Arten versucht zu entfernen.

Vom Cape Reinga fahren wir zu einem nahegelegenen Strand. Badewetter ist da natürlich auch nicht, was für mich persönlich jetzt nicht schlimm ist. Aber eine besondere Stimmung ist es natürlich schon hier bei diesem feuchten Wetter und einer Sicht, die unten am Strand zwar etwas besser ist, aber immer noch ein bisschen mystisch ist. Dort machen wir dann auch unsere Mittagspause, wie am Vortag auch wieder als Picknick mit ein bisschen Fingerfood.

Danach geht es für uns dann wieder einige Kilometer in Richtung Süden bis zu den Te Paki Sanddünen. Dabei handelt es sich um ein etwa 10 qkm großes Gebiet, in dem die Natur bis zu 150 m hohe gelbe Sanddünen in die grüne Landschaft „geschaufelt“ hat. Tatsächlich wird der Sand von südlich gelegenen Flüssen ins Meer eingetragen, um dann von der Strömung später hier wieder an der Küste angespült zu werden. Der Sand wird dann vom Wind zu diesen riesigen Sanddünen angehäuft. So liegen dort jetzt große Sandberge zwischen dem blauen Meer und der in dem Abschnitt üppig grünen Landschaft. Als wir auf der N1 wieder auf Höhe der Dünen kommen, reißt der dichte Nebel auf, und die Sicht wird deutlich besser. So lohnt sich auch der Besuch der Dünen. Dazu hat der ganze Regen des Vormittags und auch zum Teil in der letzten Nacht die Dünen deutlich verfestigt. So kommt man einigermaßen gut voran, wenn man die Dünen erklimmt, und rutscht eben nicht im feinsten Mullersand immer wieder runter. Ein bisschen ins Schnaufen kommt man dabei schon, aber das habe ich an anderer Stelle mit anderen Sanddünen schon ganz anders erlebt. Wer mag, kann sich hier auch ein kleines Sand-Board mieten, und sich damit Kopf voran von den Dünen stürzen und quasi wie auf einem Schlitten herunterrutschen. Weil die Boards aber relativ kurz sind, muss man dafür die Beine hochnehmen, ansonsten geht es, trotz des teilweise ziemlich ordentlichen Gefälles, überhaupt nicht vorwärts.

Von hier geht es dann für uns weiter nach Süden, und weil der Regen temporär aufgehört hat, auch wenn sich der Nebel wieder etwas zugezogen hat, versuchen wir es noch mal mit dem Ninty Mile Beach. Wobei die Bezeichnung eigentlich falsch ist. Zur Zeit der Besiedlung von Neuseeland durch die Europäer schafften diese mit einem Pferd etwa 30 Meilen am Tag. Um den gesamten durchgängigen Strand abzureiten, brauchten sie drei Tage. Dass man mit dem Pferd am Strand nicht so schnell vorankommen würde, haben sie dabei allerdings nicht berücksichtigt. Tatsächlich ist der Strand nur 88 km lang und darf wie fast alle Strände Neuseelands auch mit Fahrzeugen befahren werden. Das sollte man aber wenn überhaupt nur mit Allradfahrzeugen tun, und selbst dann ist es hier nicht ganz ungefährlich, weil einige Abschnitte bei Flut nicht passierbar sind. Als wir an einem Strand ankommen, fahren auch tatsächlich gerade drei Radfahrer mit großen Packtaschen am Strand entlang und wenig später auch noch ein Geländewagen. Für unseren Sprinter-Bus ist das natürlich keine Option, auch wenn es am Strand einfach immer nur gerade aus geht, und nicht wie auf der Straße um unzählige kleine Hügel herum. Schon bald beginnt es wieder ein bisschen zu Nieseln, was bei dem heutigen Wind ziemlich unangenehm ist. Also fahren wir ganz konventionell auf der Straße zurück zu unserer Unterkunft, wo wir gegen 17:30 Uhr eintreffen. Unser Motel liegt ein bisschen oberhalb der Wasserlinie und bietet einen großartigen Blick auf einen kurzen, wie auf der Südhalbkugel üblich, aber wegen der Wolken heute sehr spektakulären Sonnenuntergang.

Vielleicht noch ein paar Worte zum Northland, wie der Bereich heißt, in dem wir uns hier bewegen. Sowohl die Maori als auch später die Europäer haben ihre Besiedlung Neuseelands hier oben begonnen. Mit rund 12.500 qkm ist es etwa so groß wie Schleswig-Holstein Es hat nach der letzten Volkszählung nur etwas mehr als 150.000 Einwohner, wovon alleine knapp 1/3 in Whangarei leben. Damit ist es relativ dünn besiedelt. Die Winter sind auch für neuseeländische Verhältnisse mild, Nachtfröste sind sehr selten. Dafür sind die Sommer ein bisschen feuchtwarm. Was aber durchaus gut erträglich ist, da auch dann die Temperaturen selten über 25°C steigen, und wie in ganz Neuseeland fast immer ein Wind geht. Dabei fallen über das Jahr verteilt 1000 – 2000 Liter Niederschlag pro qm. Der wichtigste Wirtschaftszweig ist zunächst mal die Landwirtschaft incl. der Forstwirtschaft und der Fischerei. Industrie gibt es nur wenig, und wenn werden meist die landwirtschaftlichen Produkte weiterverarbeitet, so etwa das Holz in Papierfabriken. Hier im Northland steht aber auch die einzige Raffinerie in Neuseeland, in der das in Neuseeland geförderte Öl und dazu das zumeist aus dem Nahen Osten importierte Öl verarbeitet wird. Außerdem gewinnt der Tourismus an Einfluss.