9. Reisetag Auckland – 14.02.2026
Nachdem es bisher auf dieser Reise sehr verträgliche Zeiten am Morgen waren, geht es heute früh raus. Das Gepäck soll um 6:00 Uhr in den Bus verladen werden. Es geht im Dunkeln über eine ziemlich kurvige Nebenstrecke zu Fähre nach Hokinga, wo wir mit der ersten Fähre über eine weit ins Landesinnere hineinragende Bucht nach Rawene übersetzen. Dort machen wir dann auch eine Pause zum Frühstücken. Ich laufe ein bisschen herum, da ich bereits vor der Abfahrt gefrühstückt hatte. Wenn ich morgens nichts zu Essen bekomme, werde ich sonst schon leicht mal grimmig, kann aber im Gegenzug im Prinzip auch aus dem Bett steigen, und sofort anfangen zu essen.
Von dort geht es weiter zum Tane Mahuta. Er gilt als der größte bekannte Kauri-Baum und hat eine Höhe von 51,2 m, damit ist er gleichzeitig auch der höchste Baum Neuseelands. Der Umfang in Bodennähe beträgt rund 13,80 m. Das Stammvolumen wurde mit 244 cbm ermittelt, die ersten Äste hatte er erst in einer Höhe von rund 18 m. Sein Alter wird auf rund 2000 Jahre geschätzt. Den Maori, auf deren Grund er steht, ist er heilig. Der Name „Tane“ bedeutet auch Gott des Waldes. In der Mythologie der Maori hat er erst das Licht auf die Erde ermöglicht / geschaffen. Er ist der Sohn des Himmels und der Mutter Erde, die eng umschlungen lebten. Und erst als Tane sich mit den Händen, den Wurzeln, und den Füßen, der Baumkrone, zwischen sie stemmte, konnte Licht auf die Erde fallen. Der Kauri hatte auch sonst für die Maori eine große Bedeutung, da sich aus seinem Stamm ihre Kanus in einem Stück bauen ließen. Später wurde er auch massenhaft von den europäischen Siedlern geschlagen, da ihre astfreien Stämmen viel Holz enthielt, das zwar fest ist, sich aber relativ leicht bearbeiten ließ. Das Holz wurde sowohl im Schiffsbau, beim Hausbau und das Wurzel- bzw. Kronenholz gerne beim Möbelbau verwendet. Gleichzeitig verbrannten noch viele Kauri-Bäume bei der Brandrodung, als insbesondere die Europäer Platz für ihre Besiedlung inklusive ihrer Weiden schufen. Heute gibt es nur noch etwa 4 % der ursprünglichen Kauri-Bäume, die im Norden von Neuseeland endemisch sind und unter Naturschutz stehen. Frisches Holz von Kauri-Bäumen darf nicht mehr verarbeitet werden. Trotzdem werden heute noch Gegenstände aus Kauri-Holz produziert. Das Holz stammt von zum Teil seit 50.000 Jahren im sumpfigen Teil des nördlichen Neuseelands konservierten Stämmen. Man weiß bis heute nicht, was dazu geführt hat, dass in bestimmten Bereichen größere Mengen von Kauri-Bäumen umstürzen ließ, geht aber davon aus, dass Erdbeben oder noch wahrscheinlicher Vulkanausbrüche dafür verantwortlich waren. Die bis heute erhaltene Kauri-Bäume stürzten dann entweder im sumpfigen Gelände, wo sie aufgrund ihres Gewichts versanken bzw. wurden unter Vulkanasche luftdicht konserviert. Heute gräbt man diese lange versunkenen Kauri-Bäume mit großem Baggern wieder aus. Die größte Bedrohung der heutigen Kauris sind weder Erdbeben noch Vulkane, sondern winzig kleine Eipilze. Diese sorgen dafür, dass die Wurzeln der mächtigen Riesen keine Nährstoffe und Wasser mehr aufnehmen können und schließlich verfaulen, was dann in der Folge zum Absterben der Kauris führt. Streng genommen sind Eipilze übrigens gar keine Pilze, auch wenn ihr Verhalten dem von Pilzen ähnelt, sind sie genetisch viel eher mit Algen verwandt. Krautfäule bei Tomaten oder Kartoffeln wird übrigens auch durch Eipilze verursacht. Dabei scheiden die Eipilze ein Enzym aus, das die Zellwände von anderen lebenden Organismen, das können Pflanzen aber auch Tiere sein, angreift, und diese dann wiederum für die Eipilze verdaubar machen. In Neuseeland wird intensiv nach einem Gegenmittel geforscht, um die Kauri-Bäume gegen die Eipilze zu schützen. Bisher konnte man aber lediglich den Verlauf der Erkrankung verlangsamen aber nicht aufhalten. Und nach wie vor hat man keinen Weg gefunden, die Eipilze selbst zu bekämpfen. Es ist nicht mal klar, woher sie überhaupt kommen. Noch dazu kommt, dass die Inkubationszeit bei den Kauri-Bäume mehrere Jahre betragen kann. So versucht man heute das weitere Einschleppen der Erreger schon an den Eingängen der Parks, wo überhaupt nur noch Kauri-Bäume vorkommen, zu verhindern. Zunächst putzt man sich dafür an fest installierten Bürsten grob die Schuhe, und anschließend werden diese dann mit einem Desinfektionsspray besprüht.
Wie fahren noch ein bisschen weiter, um uns noch ein anderes besonderes Kauri-Exemplar anzusehen. Auch der Te Matua Ngahere, was so viel wie Vater des Waldes bedeutet, befindet sich wie der Tane Mahuta im Waipoua Forest. Der Waipoua Forest ist das größte frei zugängliche Gebiet, in dem heute überhaupt noch Kauri-Bäume vorkommen. Auch beim Te Matua Ngahere gibt es natürlich, bevor man überhaupt in den Wald geht, eine Reinigungsstation für die Schuhe. Dort geht es dann zunächst über einen relativ breiten geschotterten Weg ein gutes Stück tiefer in den Wald hinein, bevor man dann auf einen Steg wechselt. Der Steg dient dem Schutz der Kauri-Bäume. Sie gehören trotz ihrer beachtlichen Höhe zu den Flachwurzlern, und es würde ihr Wurzelwerk zusätzlich schädigen, wenn jedes Jahr zigtausend Besucher über ihre Wurzel „trampeln“ würden. Hier stehen noch relativ viele Kauri-Bäume beieinander. Viele der Kauris sind gerade hoch gewachsen, und bilden erst in größerer Höhe überhaupt ein Astwerk und bilden schließlich eine Krone aus, auch wenn diese keineswegs undurchdringlich dicht ist. Die Durchmesser vieler Kauris sind durchaus imposant, sind aber bei einigen mächtigen Buchen auch in Deutschland zu finden. Am Ende des Steges steht dann der Te Matua Ngahere, der mit knapp 30m deutlich kleiner ist, als der Tane Mahuta, aber natürlich trotzdem ein Riese ist. Aber er ist mit einem Stammumfang von 16,40m bzw. einem Durchmesser von über 5,20 noch mal ein gutes Stück dicker. Kommt wegen seiner geringeren Höhe aber „nur“ auf ein Stammvolumen 208 cbm. Die Kauri sind auf jeden Fall mächtige imposante Giganten. Und das noch viel mehr, wenn man sieht, wie langsam sie wachsen. Am Eingang war ein junger Kauri, der zwar kaum mehr als 30cm hoch war, aber bereits 4 Jahre alt ist. Und wenn man dann diese Giganten sieht, wird man ein bisschen demütig, und kommt sich selbst klein und unbedeutend vor. Wobei der Regen am heutigen Vormittag auch noch mal perfekt zum Regenwald passt, den wir hier besuchen.
Nach dem Besuch im Regenwald ist es Zeit für die Mittagspause, auch heute wieder als Picknick an einem netten kleinen Platz in der Nähe unserer Strecke nach Süden. Am Nachmittag machen wir dann vor allem Strecke. Wir machen nur noch einen Zwischenstopp bei einem Händler und Produzenten von Möbeln, hier vor allem Tische, und allerhand „Staubfängern“ aus Kauriholz. Wobei die Tische zum Teil deutlich über 1,20m breit sind, und aus einem Stamm geschnitten worden sind. Daran kann man schon erkennen, was hier für Stämme verarbeitet worden sind. Auch sie wurden natürlich mit schwerem Gerät ausgegraben. Alternativ hat der Händler und Produzent in seiner Werkstatt auch noch einige weitere große zukünftige noch weites gehend unbearbeitete Tischplatten liegen bzw. an den Wänden stehen. Die sind zum Teil noch mal deutlich breiter und sind dann auch schon mal vier oder fünf Meter lang. Ich will mal so sagen, dazu braucht dann auch schon Räumlichkeiten. Immerhin wird einem aufgrund des Gewichts so ein Tisch ziemlich sicher nicht einfach so entwendet, den schiebt man nicht mal mehr eben zur Seite. Man könnte sich gegen einen gewissen Obolus so einen Tisch übrigens sogar nach Deutschland liefern lassen. Ehrlicherweise habe ich keine Ahnung, ob man dann vielleicht ein paar Probleme beim Zoll bekommt, weil die Kauri unter Naturschutz stehen. Auch wenn es sich um Holz von vor tausenden von Jahren umgestürzten Bäumen handelt.
Gegen 17 Uhr fahren wir in Auckland wieder über die Harbour-Bridge. Dieses Mal geht es aber stadteinwärts zu dem uns schon bekannten Hotel. Direkt unterhalb der Harbour Bridge findet ganz offensichtlich gerade eine große Segelregatta statt. Auf dem Wasser sind zahlreiche Boote von Zuschauern zu sehen, und direkt an der Downtown ist in unmittelbarer Ufernähe eine große voll besetzte Tribüne aufgebaut worden. Ein Rennen läuft allerdings gerade nicht, zumindest nicht für uns sichtbar.