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3. Reisetag          Bergen - 14.11.2022

 

Heute laufen wir gegen 13 Uhr im Hafen von Bergen ein. Direkt am Hafen ist die alte Festung und dann steht man eigentlich schon in der Innenstadt. Von unserem Liegeplatz ist man in kaum 10 Minuten dort. Bergen ist bekannt und ein bisschen verschrien wegen seines Wetters. Hier regnet es gefühlt jeden Tag, was aber natürlich völlig übertrieben ist, es sind lediglich zwischen 200 und 250 Tage im Jahr. Dabei kommen durchschnittlich Regenmengen von 2250 ltr/qm zusammen. Zum Vergleich bei uns sind es in normalen Jahren rund 800. Der viele Regen hängt mit der Lage zusammen. Die Stadt ist umgeben von sieben großen Bergen, an denen die Wolken zunächst hängen bleiben, und sich dann hier ausregnen. Bergen gilt als die regenreichste Großstadt in Europa. Mit seinen rund 285.000 Einwohnern ist es die zweitgrößte Stadt des Landes, wovon übrigens in den letzten 20 Jahren rund 60.000 neu hinzugekommen sind. Da kann man wohl von einem stürmischen Wachstum sprechen. Der Hafen ist immer noch sehr wichtig für die Stadt. Bergen gilt als einzige Hansestadt Norwegens, was genau genommen aber eigentlich nicht stimmt. Die Hanse war ein Kaufmanns- und Städtebund im Mittelalter. Wobei es verschiedene untergeordnete Verbünde gab. Die heute bekanntesten Hansestädte sind in Deutschland Lübeck, Hamburg und Bremen. Auch Danzig und Riga waren bedeutende Hansestädte, aber auch Städte wie Dortmund oder Köln gehörten zeitweilig dazu. Insgesamt war der Verbund eher lose, und es gab keine festen Verträge zwischen den Städten und Kaufleuten. Die wichtigste Stadt der Hanse war Lübeck, um das Jahr 1300 herum lebten dort bereits 40.000 Einwohner, Bergen kam zur gleichen Zeit auf lediglich rund 7.000. In der Hanse verfolgte man lediglich gemeinsame Ziele, wobei der Handel das Wichtigste war, um diesen gestalten zu können, wurden aber natürlich auch politische Ziele verfolgt. So hatte die Hanse im 13. Jahrhundert zeitweise ein Monopol im Handel mit Getreide, Mehl und Malz nach Norwegen. Gleichzeitig konnten sie Steuerfreiheit und Sonderrechte in der Gerichtsbarkeit für sich durchsetzen. Erlangt haben die Kaufleute ihre Vorzugsbehandlung zur Zeit der großen Hungersnot in Europa, bei der sie selbst Könige wie hier in Norwegen quasi durch Belieferung oder eben Nicht-Belieferung durch polnisches Getreide quasi gefügig machen konnten. Im Jahre 1453 verhängte schließlich ein Gerichtsvollzieher im Namen des damaligen Königs auch für die Kaufleute der Hanse wieder Steuern, worauf die ihn ungestraft incl. dem Kloster, in das er sich geflüchtet hatte, niederbrannten. Erst 1560 wurden dann die Privilegien der Hanse in Bergen und damit auch Norwegen endgültig gebrochen. Neben den heute bekannten Hansestädten gab es auch welche, in denen es lediglich Handelskontore gab. Diese waren nicht gleichberechtigt mit den eigentlichen Hansestädten, und genau diesen Status hatte Bergen. Die Stadt ist aber ein sehr alter Handelsplatz, der bis auf das Jahr 1070 zurück geht. Schon weit früher war Norwegen, wenn auch nicht als Nation bekannt, für die Männer, die Wege nach Norden suchten, in dem sie schon tausende von Jahren vor Chr. den nach Norden zurück gehenden Eismassen der letzten Kaltzeit folgten. Zu den bekanntesten gehörten die Wikinger, die etwa ihre Siedlungen auf die Faröer, Island, Grönland bis hin nach Neufundland ausdehnten. Wobei es „die“ Wikinger eigentlich auch schon nicht gab. Sie waren Nordmänner, die aber genauso aus Dänemark oder Schweden wie auch aus dem heutigen Norwegen stammten, und sich aufmachten neue Welten zu besiedeln. Ob es zu der damaligen Zeit auch schon ein Königreich in Norwegen gab, gilt aber als umstritten. Vermutlich waren es eher mehrere die sich vor allem im Küstengebiet befanden. Wobei es sich auch nicht um zusammenhängende besiedelte Gebiete handelte. Aber diese Zeiten liegen weit vor der Entstehung von Bergen. Als gesichert gilt, dass 1164 der norwegische König Oystein Magnussen hier gekrönt wurde. Er begann dann um 1180 die ersten Festungsanlagen in Bergen zu bauen. Insbesondere im 17. Jahrhundert wurden die Festungsanlage noch mal wesentlich verstärkt, und wurde dann auch mit einer weiteren benachbarten Kasernenanlage verbunden. Für die Ertüchtigung der Wehranlage wurde ein ganzes Stadtviertel abgerissen. Im Jahre 1664 gab es auch die einzige militärische Auseinandersetzung unter Beteiligung der Festungsanlage, bei der sich nach Bergen vor englischen Kriegsschiffen flüchtende holländische Handelsschiffe in den Hafen von Bergen flüchteten. Die englische Streitmacht wurde vernichtend geschlagen. Schwer beschädigt wurde die ursprüngliche Festungsanlage dann erst im Jahre 1944, als ein mit Munition und Dynamit beladenes deutsches Frachtschiff im Hafen vom Bergen explodierte.

Die Stadt Berge verbindet übrigens mit vielen anderen norwegischen Städten das Schicksal, mehrfach weitestgehend niederbegrannt zu sein. In Norwegen wurden sehr lange die Häuser aus Holz gebaut. Da lange über offenem Feuer gekocht, oder auch mit Petroleum-Lampen beleuchtet wurde, war die Feuergefahr sehr groß. Von Bergen sind seit 1704 insgesamt vier große Brände verzeichnet, die jeweils große Teile der Stadt zerstörten. Der letzte war im Jahre 1916 und dauerte 2 Tage, welcher wieder einen großen Teil der Stadt vernichtet hat. Im Innenstadtbereich blieben fast nur Steingebäude wie eben die Festungsanlage halbwegs verschont.

Aber zurück zu unserem Tag. Gleich nach dem wir angelegt haben, wird die große Frachtluke der Otto Sverdrup geöffnet, und man beginnt drei Paletten mit Müll auszuladen, und alleine 12 Paletten mit Lebensmittel wieder einzuladen. Wir selbst verlassen gegen 13:30 das Schiff. Natürlich checken wir uns wieder aus, und gehen das kurze Stück in die Innenstadt. Zunächst durch einen kleinen Park im Bereich der Festung, und danach stehen wir auch schon im alten Hanse-Handelsviertel Bryygen, das mit seinen Holzhäusern, und den Holz-Planken vor der Tür den alten Kai imitierend, zum UNESCO Welt-Kulturerbe erklärt wurde. Der heutige Kai ist ein paar Meter verlegt worden, aber man sieht in der Nähe schon noch die großen Fischerei-Schiffe. Da heute Sonntag ist, sind die meisten Geschäfte geschlossen, und im Innenstadtbereich sieht man so dann wieder häufig die roten Jacken der Hurtigruten, die wir im Rahmen dieser Schiffsreise geschenkt bekommen haben. Ich selbst habe „meine“ rote Jacke nicht angezogen, und laufe ein bisschen durch die Stadt, und sehe mich ein bisschen um. Mir fällt auf, dass es relativ viel Kirchen auf engem Raum gibt, die aber anders als bei uns üblicherweise außerhalb der Zeiten der Gottesdienste abgeschlossen sind. Auch gibt es hier im Innenstadtbereich neben den Hauptverkehrsadern noch zahlreiche kleine Straßen, auf denen auch unter kleinen Datenüberständen noch ein paar kleine Tischchen stehen. Danach mache ich mich dann auch auf um mit der Floibahn auf den Hausberg von Bergen hoch zu fahren. Sie gilt als eine der größten Sehenswürdigkeiten von Bergen, wobei es natürlich weniger um die Seilbahn selbst geht, sondern darum, dass die den Besucher in etwa 6 Minuten auf den 320m hohen Berg Floyen bringt, von dem man einen schönen Überblick über die Stadt hat. Für die kleineren Gäste scheinen die dort frei herumlaufenden Ziegen aber fast die größere Attraktion zu sein. Und auch die Ziegen scheinen die Streicheleinheiten zu genießen, und eigentlich sollen sie den Bewuchs incl. der Büsche oben kurzhalten. Ich entschließe mich zu Fuß wieder herunter zu gehen, um mir die Beine noch ein bisschen zu vertreten. Womit es dann auch fast schon Zeit ist, zum Schiff zurück zu kehren. Man hat uns eingeschärft, dass das Schiff um 19:30 Uhr ablegen soll, und die Passagiere eine halbe Stunde früher wieder eingecheckt sein sollen. Außerdem will man ja auch keine Mahlzeit verpassen, schließlich wartet ein meist eher übersichtlich arrangierte 3-4 Gänge auf die Passagiere. Aber für die körperliche (Nicht-) Belastung ist es sicherlich besser, sich nicht jeden Abend auch noch eine übermäßige Mahlzeit einzuverleiben. Aber noch stehen wir am Anfang der Reise, da nimmt man noch alles mit. Während des Tages bekommt man auf dem Schiff immer kostenlos Kaffee oder Tee, und kann sich auch an vielen Stellen auf dem Schiff seine erhaltene Wasserflasche wieder auffüllen. Aber selbst das Wasser im eigenen kleinen Bad hat Trinkwasserqualität. Dafür nutzt die Otto Sverdrup Meerwasser, dass mittels des Umkehr-Osmose Verfahrens gewonnen wird. Dabei werden vereinfacht gesagt mittels Drucks die Wassermoleküle vom Salz getrennt. Das verbraucht zwar allerhand Energie, spart aber das Mitführen von Wasser. Das Tafelwasser zu den Mahlzeiten stammt allerdings abweichend aus dem Tetra Pak. Ansonsten ist man aber sehr darum bemüht, Müll so gut es geht zu vermeiden. So wird Marmelade, Honig oder auch Butter beim Frühstück in kleinen Porzellan- bzw. Glas-Töpfchen angeboten. Und selbst den Jogurt gibt es in kleinen Gläschen. Das es dann auch keine Plastik-Strohalme in den Cocktails in der Lounge gibt, versteht sich dann von selbst. Aber auch die Alu-Flaschen zur Wiederbefüllung, die alle Passagiere in ihren Kabinen gefunden haben, zielen in die gleiche Richtung. Und auch der Bio-Diesel für den Antrieb der Schiffsmotoren geht natürlich in die gleiche Richtung. Hier versucht Hurtigruten also nicht nur den Gästen die Natur näher zu bringen, sie tun auch etwas für deren Erhalt.