• Spiegelung der im Sonnelicht leuchtenden Berge beim Stuvdalsvatnet
    Norwegen

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    Alpenüberquerung

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  • Polarlichter bei Alta
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    Polarlichter bei Alta

  • Ein Baum in der Kalahari
    Namibia

    Ein Baum in der Kalahari

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    Morgenstimmung am Pyramid Lake

03.10.2007      4. Reisetag - Lüderitz

Am Morgen fahren wir die kurze Fahrt vom Canyon Village zum Fish River Canyon, immerhin der zweitgrößte Canyon der Welt. Er hat eine Tiefe von 549 m. Dabei hat der Fish River nur etwa die Hälfte selbst in den Stein gegraben. Der Anfang ist durch Verwerfung der Erde entstanden. Wobei der Fluss aufgrund seines Stausees weiter oben eigentlich kein Fluss mehr ist. Es sind lediglich ein paar Wasserstellen übrig geblieben. Trotz dieses kleinen „Schönheitsfehlers“ ist es dennoch ein eindrucksvoller Spalt in der Erde.

Weiterging es am Tag dann in Richtung Lüderitz. Dazu fuhren wir von der Kalahari Wüste, eigentlich eine Halbwüste, in die Namib Wüste ein. Ab der Ortschaft Aus, was auch schon fast das Programm für die Ortschaft ist, betrachtet man die Gegend als Wüste - die Namib. Es handelt es sich dabei um die älteste Wüste der Welt. Dabei sind die ersten Tiere, die hier zu sehen sind, eigentlich nicht gerade typischen Vertreter ihrer Gattung: wilde Wüstenpferde. Dabei ist nicht ganz klar, ob die bereits während der deutschen Kolonialzeit oder vielleicht erst während des hier nur kurz aufflammenden Ersten Weltkrieges entlaufen sind. Sicher ist nur, sie haben sich mit ihrem Lebensweisen an die Wüste angepasst, so können Sie etwa drei Tage ohne Trinkwasser auskommen, was deutlich länger ist als bei normalen Pferden. Dabei kommt ihnen zugute, dass es hier hinter Aus eine sichere Quelle gibt. Als Nahrung dient ihnen der noch spärlich vorhandene Wüstenbewuchs. Dieser nimmt auch immer weiter ab, je näher Lüderitz kommen. Etwa 50 km vor der Stadt gibt es praktisch überhaupt keinen mehr. Es gibt nur noch Sand und ein paar Felsen. Wobei der Sand nicht selten, durch den etwa 120 km/h starkem Wind aus südwestlichen Richtungen, über die Straße geweht wird. Dieser Wind beginnt kurz vor der Mittagszeit und wird im Verlauf des Nachmittags immer stärker, erst zum Abend hin flaut er wieder ab. In dieser Gegend beträgt die Niederschlagsmenge etwa 50 l /qm/Jahr. Dabei werden die Regenwolken über den kompletten Kontinent von Osten herüber getrieben. Von der eigentlich nahen Küste kommt keine Regenwölkchen. Das liegt daran, dass direkt vor der Küste der arktische Benguela Strom vorbei führt. Aus dem kalten Wasser steigt keinerlei Feuchtigkeit auf, da darüber die Luft durch die Sonne wesentlich wärmer ist.

Am Nachmittag sprechen wir noch mit einer Einheimischen über das Leben im heutigen Namibia insbesondere über das Leben in Lüderitz. Denn Lüderitz die direkt am Sperrgebiet der Diamanten-Mine. Sie berichtet über den Bremer Tabakhändler Lüderitz, der auf einer seiner Reisen den erst zwanzigjährigen Heinrich Vogelsang in Kapstadt kennen- lernte. Letzterer kaufte schließlich etwa 300.000 ha Land von den Nama, einem Stamm Farbiger im Gebiet der heutigen Lüderitz Bucht. Ursprünglich wollte man, in diesem von den anderen Kolonialmächte noch nicht in Besitz genommenen Gebieten, Tabak anbauen. Aber sofort war klar, das das Land dafür völlig ungeeignet ist. Dennoch macht Lüderitz sich bei Bismarck dafür stark, dorthin deutsche Schutztruppen zu entsenden und das spätere Deutsch-Südwestafrika als Kolonie zu beanspruchen. Bismarck willigte widerwillig ein und schickte Truppen. Lüderitz selbst machte sich auch auf in sein neues Land. Er versuchte noch bei verschiedenen Expeditionen Bodenschätze zu finden, deren angebliche Vorkommen er Bismarck versprochen hatte. Lüderitz selbst ist später relativ arm bei einer Rückfahrt von einer Expedition vor der Küste des heutigen Namibia im Meer verschollen. Doch die Stadt Lüderitz ist sicherlich als Geburtsort des heutigen Namibias anzusehen. Auch wenn die Briten schon vorher einen Stützpunkt im heutigen Walfishbay, dem große Tiefseehafen Namibias hatten. Im heutigen Lüderitz sind die Bedingungen relativ schwierig. Es gibt im Prinzip kein Hinterland und nur zwei große Arbeitgeber. Da sind die drei großen Fischfabriken, wobei man sagen muss, was schlecht ist für das Klima, ist natürlich der kalte Benguela Strom aus der Antarktis, ist aber gut für die Fischerei. Das Wasser hier ist zwar nur etwa 12° kalt, aber reich an Nährstoffen und Sauerstoff. Dieser Umstand sorgt für einen reichen Fischbestand. Außerdem züchtet man hier Langusten und seit neuestem auch Jakobsmuscheln. Der andere große Arbeitgeber ist die in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts wieder öffnende Diamanten-Mine. In Lüderitz hat man heute eine Arbeitslosigkeit von zirka 30%. Eine notdürftige Gesundheitsversorgung ist vorhanden. Bei schweren Fällen wird die Behandlung in Windhuk durchgeführt. Dennoch gibt es trotz der staatlichen Zuschüsse eine Zweiklassengesellschaft im Gesundheitswesen. Wer es sich leisten kann, versichert sich privat und bekommt damit alle zusätzlichen und möglichen Leistung, alle anderen bekommen nur eine Grundversorgung. Mit der Schule verhält er sich ähnlich. Es gibt eine siebenjährige Schulpflicht, freiwillig kann die Schule 10 Jahren besucht werden. Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder aber auch eine Privatschule, wo die Ausbildung deutlich besser ist. Trotz allem gilt das Schulwesen für afrikanische Verhältnisse als Vorbildlich.