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9. Tag         Pelican Lodge – 11.09.2016

Heute wird es ein tiefenentspannter Tag. Wir fahren erst gegen 9:30 Uhr mit zwei lokalen Guides in offenen Jeeps in Richtung der Sowa Pan. Sowa stammt aus der Sprache der San und bedeutet so viel wie Salz. Hier in der Gegend sind mit den Makgadikgadi Pans eines wenn ich das größte salzige System der Welt. Ursprünglich gab es hier ein riesiges Urmeer, das noch vor 50000 Jahren eine Fläche von ca. 60-80.000 km² ausmachte. Das entspricht der Fläche des heutigen Victoriasees, immerhin der zweitgrößte Süßwassersee der Welt und der größte in Afrika, oder etwa der Fläche von Bayern. Durch tektonische Verschiebungen wurden die Flüsse Sambesi, Okavango und Chobe alle in das Urmeer geleitet. Die Wassertiefe betrug damals ca. 40 m, ähnlich wie heute der Victoriasee. Durch neue tektonische Verschiebungen wurden die drei genannten Flüsse vor ca. 20.000 Jahren wieder von dem Gebiet abgeschnitten. Das führte zu einer langsamen Austrocknung des Sees. In sehr regenreichen Jahren bleibt als Überfluss aus dem Okavango Delta nur der Boteti Fluss, und nahezu immer der Nata Fluss, der aus Simbabwe kommt, aber sehr viel weniger Wasser führt als die drei anderen. Heute ist das Gebiet zu Teilen im gleichnamigen Magkadigkadi Nationalpark, aber auch in der landwirtschaftlichen Nutzung. In den feuchten Jahren kommen zahlreiche Wildtiere aus dem Okavango Delta hierher. Das sind heute vor allem Vögel, früher waren es aber auch sehr viele Landtiere. Für diese ist der Zugang zu den ausgedehnten Weideflächen in dem Gebiet aber durch den Bau der Veterinärzäune deutlich erschwert bis unmöglich gemacht worden. So sind die Magkadigkadi Pans heute vor allem als Vogelparadies bekannt. Sie besuchen das Gebiet immer nur zu den Zeiten, in denen sich zumindest ein kleiner Teil mit Wasser gefüllt hat. Wobei bis heute nicht klar ist, woher die Vögel von dem Wasser wissen. Zumal die unterschiedlichen Arten noch wieder verschiedene Wasserstände bevorzugen. Auf unserer Tour sehen wir neben einigen Enten, Kiebitzen vor allem Pelikane. Aber auch ein Schlangenadler tummelt sich hier. Wobei es für Adler wohl nicht zwangsläufig optimale Bedingungen sind, da es nur wenige bis keine Bäume gibt, auf denen sie sitzen könnten. Wenn der aktuelle Wasserstand noch etwas gefallen ist, wird sich auch wieder eine sehr große Flamingokolonie bilden, übrigens die größte von Rosa Flamingos in Afrika. Sie haben es auf die zahlreichen Schalen- und Krustentiere, sowie einige Algen abgesehen, die immer dann zum Leben erwachen, wenn sich das Gebiet mit Wasser füllt. Und wenn der Wasserstand niedrig genug ist, können Sie diese eben herausfiltern. Aber auch sonst ist die Wassertiefe in den Magkadigkadi Pans auch zu den Höchstständen relativ gering. Ist das Wasser wieder komplett verdunstet verfallen die Schalen- und Krustentiere wieder in einer Art Winterschlaf.

Überhaupt trocknen die Pans zunehmend aus und füllen sich auch zu Regenzeiten immer weniger. Das liegt an dem hohen Wasserbedarf der nahe gelegenen Orapa Diamantenmine, aber auch an dem Soda Asche Projekt hier an den Sowa Pans. Seit 1991 wird hier kommerziell Salz und Sodaasche abgebaut. Das Projekt wurde von der Botswanischen Regierung angestoßen. Es wurde angestrebt 30.000 t Sodaasche und 65.000 t Salz im Jahr zu gewinnen. Das Ziel wurde in den ersten Jahren nicht annähernd erreicht, und machte das Prestigeobjekt zum riesigen Minusgeschäft. Die Betreibergesellschaft ging in der Insolvenz und wurde daraus vom Staat, De Beers bzw. deren heutige Muttergesellschaft Anglo American und African Explosives and Chemical Industries aufgefangen. Inzwischen werden die ursprünglichen Planzahlen annähernd erreicht, was in den Jahren mit günstigen Weltmarktpreisen immerhin zu einem kleinen Gewinn reicht. Die Gewinnung erfolgt durch das Abpumpen von unterirdischen Salzwasserpools. Dafür wurden wieder künstliche Brunnen gebohrt, um an das dafür notwendige Wasser zu kommen. Das Abbaugebiet hat eine Fläche von ca. 200 km², die gewonnene Sohle wird dann auf einer Fläche von ca. 25 km² getrocknet und mechanisch abgetragen, dabei verdunstet das gepumpte Wasser dann mehr oder weniger sinnlos. Eine Rolle bei der Produktion spielt auch die Menge der Niederschläge. Das heißt gute Jahre für die Natur sind schlechte Jahre für die Fördergesellschaft. Ursprünglich war die Anlage gedacht, um Botswana unabhängiger von der Gewinnung von Diamanten zu machen. Bisher ist der Erfolg günstigenfalls als mäßig zu bezeichnen.

Diamanten sind kristallisierte reiner Kohlenstoff. Sie gehören zu den ältesten Gesteinsarten der Erde, ihre Entstehung wird auf eine Zeit von vor ca. 3,3 Milliarden Jahren taxiert. Zum Vergleich die Erde selbst ist auch nur 4,5 Milliarden Jahre alt. Diamanten sind ca. 200 km unter der Erdoberfläche unter enormer Hitze und extremen Druck entstanden. Sie sind das härteste natürliche Material, das es gibt. Durch vulkanische Aktivitäten wurden die Diamanten dann in Richtung der Erdoberfläche gedrückt. Daher sind die meisten heute bekannten Diamantenvorkommen in einem als Kimberlit bezeichneten Gestein in einer Art Schlottrichter zu finden. Der Name wurde abgeleitet vom Namen der ersten Miene in Afrika – die Kimberly Mine, in der man Diamanten in einer solchen Lagerstätte fand. Zuvor gab es nur Diamantenfunde in einem dazu kleinen Umfang in Indien, Indonesien und Brasilien. Diese Fundstellen war zur Eröffnung der Kimberly Miene im Jahre 1869 aber nahezu erschöpft. Natürliche Diamanten gibt es heute in dem Farbspektrum bläulich weiß, hellgelb bis bräunlich, rosa oder tiefblau und nahezu schwarz, letztere beiden sind sehr selten und deshalb auch extrem teuer. Das Farbspiel entsteht durch Einschlüsse von z.B. Stickstoff in den Diamanten, ohne diese Einschlüsse wären Diamanten immer transparent. Genau genommen sind die kostbaren farbigen also eigentlich eher minderwertigere weil verunreinigte. Man unterscheidet heute die natürlichen Diamanten und Industriediamanten. Industriediamanten werden bei etwa 3000 °C und einem Druck von 100.000 bar produziert. Trotz dieser gewaltigen Dimensionen erreichen sie nicht die Härte und schon gar nicht das Farbspiel der natürlichen Diamanten. Sie werden vor allem zum Fräsen, Bohren, Schneiden und Polieren von harten Materialien eingesetzt. Für die Schmuckindustrie kommen nur natürliche Diamanten infrage. Der Preis von Diamanten richtet sich neben der Farbe und der Form natürlich nach dem Gewicht. Die Maßeinheit dafür sind Karat, ein Karat entspricht 200 mg. Die Einheit stammt vom arabischen Wort Kirat, und war dort die Bezeichnung eines getrockneten Samens des Johannesbrotbaums, die ursprünglich eine Maßeinheit für das Abwiegen von Gold und Edelsteine im Mittelalter waren. Nebenbei wog ein Johannesbrotsamen das Vierfache eines Weizenkorns oder das Dreifache von Gerstenkörnern. Der Samen des Johannesbrotbaums wiegt durchschnittlich 205mg, im Jahre 1875 wurde die Einheit dann in das metrische Einheitensystem überführt und ein Karat auf 200mg also 0,2g gerundet. Die erste Mine in Botswana war die Orapa Miene, die ganz in der Nähe der Magkadigkadi Pans liegt, sie wurde 1871 eröffnet produziert bis heute. Um die Mine ist innerhalb eines abgesicherten Bereiches eine ganze Stadt entstanden, in der die Arbeiter leben. Es gibt dort eigene Schulen, Kindergärten und sogar ein eigenes Krankenhaus. Für Touristen ist dieses Gebiet natürlich gesperrt. Bis ins Jahr 1997 wurden etwa 6 Millionen Karat pro Jahr on Orapa ausgebeutet. Man investierte noch einmal erheblich in den Abbau und konnte die Kapazität schließlich auf 12 Millionen Karat im Jahre 2000 ausdehnen. Heute sind es fast 17 Millionen Karat. Umgerechnet also etwa 3,4 t Diamanten. Die Minen in Botswana gehören einem Gemeinschaftsunternehmen des Staates Botswana und der Firma De Beers. Der Name rührt von den Besitzern der Farm in Südafrika her, auf der die Kimberly Mine entstand, heute übrigens eine Touristenattraktion, man bezeichnet den Minientrichter als Big Hole, das größte von Menschenhand gegrabene Loch der Welt. Einige Jahre nach dem Tod von Cecil John Rohdes übernahm Ernest Oppenheimer die Geschäftsführung der Firma de Beers. Im gehörte zu diesem Zeitpunkt bereits ein Anteil der Firma. Gleichzeitig war er auch Gründer und Haupteigner von Anglo American. Diese betrieben nicht nur Minen für eine Reihe von Rohstoffen, sondern waren auch sehr aktiv im Handel davon. Als es 1929 zu großen Weltwirtschaftskrise kam, fielen die Preise für Diamanten ins Bodenlose. Er begann damit sämtliche Diamanten am Markt aufzukaufen, um die Preise zu stützen. Bereits im Jahre 1930 hatte er riesige Vorräte, gleichzeitig übte er Druck auf alle Produzenten aus, zukünftig alle Diamanten über eine von ihm beherrschte Gesellschaft zu verkaufen, bekannt als „das Syndikat“. Das wichtigste Mitglied war De Beers, da allein diese Gesellschaft rund 50% der Weltproduktion kontrollierte. Dazu wurde 1950 die CSO (Central Selling Organisation) gegründet. Damit lag mehr als 90 % des weltweiten Diamantenhandels in seinen Händen, und ebenso 50% der Produktion. Er bestimmte an wen zu welchen Preisen welche Pakete verkauft wurden, und es wurde nur an Mitglieder des Syndikats verkauft. Den Mitgliedern wurden von der CSO Diamant-Pakete angeboten, die neben den kostenbaren Steinen auch weniger gute Stücke enthielten. Preisverhandlungen waren beim Erwerb der Pakete nicht gestattet. Man konnte höchstens kaufen oder es bleiben lassen. Es wurde zwar nur an Mitgliedern des Syndikats verkauft, dafür wurde allerdings auf sie auch Druck ausgeübt, nur noch vom Syndikat Diamanten zu kaufen. Über diesen Mechanismus sorgte das Syndikat bzw. Nachfolgeorganisationen auch nicht ganz uneigennützig dafür, dass der Handel mit sogenannten Blutdiamanten in der Welt geächtet wurde. Das Syndikat bzw. Nachfolgeorganisationen bestehen bis heute und werden auch bis heute von Mitgliedern der Familie Oppenheimer geführt. Die Firmen De Beers und Anglo American wurden bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts von Mitgliedern der Familie Oppenheimer geführt. Nach dessen Ausscheiden aus der Geschäftsführung wurden die Minenaktivitäten von Anglo American noch mal deutlich diversifiziert, und es kam mit der Firma Mondi auch einer der größten Papier- und Verpackungsmittelproduzenten der Welt dazu. Denen gehört übrigens auch ein guter Teil der Waldplantagen in Südafrika. Sie wurde aber 1997 wieder von Anglo American abgespalten. Zu dieser Zeit gehörte auch 40 % von De Beers Anglo American, im Jahre 2012 kauften sie weitere 45 % von der Familie Oppenheimer dazu. Die restlichen 15 % gehören bis heute dem Staat Botswana. Und so sind neben einigen anderen Rohstoffen bis heute die Diamanten die wichtigste Einnahmequelle des Landes.

Zurück zu unserem Tag, Diamanten haben wir natürlich keine gefunden, sondern lediglich die Salzkristalle auf dem Boden der Magkadigkadi Pans. Das Gebiet ist relativ eben mit wenig bis nahezu keinem Baumbestand. Insbesondere im Randbereich wachsen riesige Flächen mit salztoleranten Gräsern, die auch die Nahrungsgrundlage für einige Steppentiere bilden, so haben wir zum Beispiel eine Herde Gnus gesehen. Aber auch ein Straußenpaar war unterwegs. Neben den Gräsern gibt es dort auch Hoodia. Sie gehören zu den Aloen und bilden den Grundstoff mit dem wenig sympathischen klingenden Grundstoff „P57“. Er wird in der Pharmaindustrie als Appetitzyklen eingesetzt, eine Wirkungsweise die schon die San seit Jahrtausenden kannten und aktiv nutzten, wenn sie auf ihren langen Fußmärschen mit wenig Essensvorräten unterwegs waren. Etwas auf was wir hier nicht zurückgreifen müssen, schließlich sind wir schon zeitig zurück auf der Pelican Lodge.