• Blick vom Teide nach Gomera
    Teneriffa

    Blick vom Teide nach Gomera

  • Ein Baum in der Kalahari
    Namibia

    Ein Baum in der Kalahari

  • Valle de la Luna, das Mondtal
    Chile

    Valle de la Luna, das Mondtal

  • Totenkopfaffee
    Costa Rica

    Totenkopfaffee

  • Leopard
    Südliches Afrika

    Leopard

5. Reisetag Alftalavatn – 14.08.2017

Heute steht ein Ruhetag auf dem Programm. Passenderweise zieht ein bisschen Schmuddelwetter, wie schon die ganze letzte Nacht, über uns hinweg. Das Wetterglück an den ersten Tagen häufig mit strahlend blauem Himmel scheint uns ein bisschen verlassen zu haben. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass die Regenwahrscheinlichkeit im südlichen Island im August bei 16 von 31 Tagen liegt. Als wir gegen 8:00 Uhr zum Frühstück gehen, sind bereits zahlreiche Zelte abgebaut. Und die Karawane hat sich wieder in Marsch gesetzt. Wir selbst lassen den Tag ein bisschen ruhiger angehen, und hoffen zunächst auf eine Wetterbesserung. In einem trockenen Moment gehen wir in drei kleinen Gruppen dann auch los. Es geht entweder auf einen nahe gelegenen kleinen Berg, die „Aussicht“ erscheint mir heute bei dem Wetter nicht wirklich verlockend. Oder eine Alternative wäre einmal um den Alftalavatn See zu gehen. Oder, und das ist meine Wahl, zu einer nahe gelegenen kleinen Schlucht. Der Weg soll etwa 5 km mit einem eher übersichtlichen Höhenprofile sein. Zunächst geht es ein Stück am See entlang, bevor es über eine kleine Anhöhe nach rechts in Richtung der Schlucht geht. Als diese in Sicht kommt, sieht es eher wie ein einfacher Flusslauf zwischen zwei Anhöhen aus. Beim Näherkommen sehen wir dann aber doch noch die Schlucht. Sie ist deutlich tiefer, als ich es aufgrund der sonstigen Umgebung erwartet hatte. So schauen wir uns noch ein bisschen um und genießen trotz des nicht gerade besser werdenden Wetters einfach nur die Landschaft. Wie schon gestern berichtet, ist es hier sehr viel grüner als in Landmannalaugar. So sehen wir in der Nähe der Schlucht auch ein paar einzelne Schafe.

Nach etwa 3 Stunden sind wir auf dem gleichen Wege wieder zurück im Camp. Inzwischen sind neben unseren eigenen Zelten nur noch vier weitere da. Aber man sieht bereits eine Reihe von schwerbepackten Wanderern, die in Richtung des Camps kommen. Wobei einige von ihnen wahrscheinlich auch noch weiter zum nächsten Camp gehen werden. Und hier nur eine kurze Mittagsrast mit ein paar energiereichen Riegeln machen werden. Wobei ich innerlich schon ein bisschen den Hut vor ihrer Leistung ziehe. Auch sie dürften heute bereits von Landmannalaugar, dass immerhin 24 Kilometer entfernt liegt, mit ihrem Rucksack bis hierhergekommen sein. Bedauerlich für sie natürlich, dass sie bei diesem Wetter die Landschaft vermutlich nicht wirklich genießen konnten.

Ich selbst gönne mir heute schon wieder eine warme Dusche. Das wird mir hier noch zur Gewohnheit. Dabei hatte ich im Vorfeld dieser Reise gar nicht vermutet, dass es so häufig Gelegenheit dazu geben würde. Und nach den Anstrengungen des gestrigen Tages, erscheint mir das auch heute noch eine Wohltat. Gestern war kurz nach uns eine größere Gruppe junger Russinnen hier im Camp eingetroffen. Sie hatten die beiden vorhandenen Duschen quasi dauerbelegt. Sie waren mit großen Rucksäcken auf dem Rücken unterwegs, und nicht wie wir mit dem Luxus das Hauptgepäck, das eigene Zelt und auch unser Essen transportiert zu bekommen. Sie hielten es aber offensichtlich trotzdem für wichtig, sich ins rechte Licht zu setzen. Das reichte bis zum Schminken inklusive frisch lackierter Fingernägeln in fast allen vorstellbaren Farben. Ich selbst stelle sogar das Rasieren auf solchen Touren ein, aber so unterschiedlich kann die Bewertung der Körperpflege ausfallen. Zumal sie dann in diesem „stadtfeinen“ Style in ihren Vorzelten saßen, um sich ihr Abendessen auf einem kleinen Gaskocher zu köcheln, und dabei möglichst dem einsetzenden Regen aus dem Weg zu gehen versuchten.

Nach der Dusche hole ich mir für meine heimische Sand-Sammlung noch eine kleine Menge der schwarzen Vulkanasche vom Uferbereich des Alftalavatn Sees. Danach gebe ich mich dann endgültig dem Ruhetag hin, und verkriechen mich in meinem Zelt um ein bisschen zu lesen. Draußen wird der Wind stärker, und auch der Regen fällt beständig weiter. Die Kombination ist, wie auf unserem Rückweg von der Schlucht von vorne kommend, nicht so mein Favorit. Aber wir sind hier in Island, und von daher ist dieses Wetter auch nicht unbedingt total überraschend.

Überhaupt ist es ein guter Zeitpunkt mal ein bisschen was zum Klima auf Island zu sagen. Es wird geprägt von den großen Meeresströmungen. Im Süden fließt der Irmingerstrom, der Teil des warmen Golfstromes ist. Im Nordosten und Südwesten ist es der kalte Grönlandstrom. Der Irmingerstrom sorgt für die Breitengrade für relativ gemäßigte Temperaturen. So sind die Sommer zwar relativ kühl, dafür aber die Winter insbesondere auf der Südseite sehr mild. So ist die Durchschnittstemperaturen im Januar in Reykjavík lediglich -3 °C. Wobei die Temperaturen insbesondere im Nordosten des Landes deutlich kühler sind, gleiches gilt auch für das Hochland. Eine noch deutlich größere Spreizung gibt es bei den Niederschlägen. In Reykjavík betragen sie im Jahr ca. 800 Liter/Quadratmeter, was etwa vergleichbar mit deutschen Verhältnissen ist. Der niederschlagsreichste Ort auf Island ist Vik an der Südküste mit etwa 2000 Liter/Quadratmeter. Das vergleicht sich mit dem Vatnajökull, mit einer Fläche von etwa 8100 km² der deutlich größte Gletscher Europas, mit ca. 4000 Liter/Quadratmeter. Aus diesen hohen Niederschlagsmengen wird auch sein bis zu 900 m dicker Eispanzer gespeist. Die Island umgebenden Meeresströmungen sorgen auch für den großen Fischreichtum des Landes. So war bis ins Jahr 2015 die Fischerei die wichtigste Wirtschaftsbranche. Unter diesem Aspekt sind auch die jahrelangen Querelen zwischen Island und der EU zu verstehen, bei denen es um die Einhaltung einer Fischereischutzzone ging. So war Island das erste Land in der Welt, das 1972 eine anfangs 50 Seemeilen betragende Schutzzone ausrief. Diese wurde später international allgemeingültig im Rahmen der UN Seerechtskonvention auf 200 Seemeilen ausgedehnt. Insbesondere britische Trawler fischten zuvor in isländischen Hoheitsgewässern, zeitweise sogar in Begleitung britischer Kriegsschiffe. Island dagegen hat überhaupt gar kein Militär. Bis ins 2006 waren knapp 2000 amerikanische Soldaten mit vier Kampfflugzeugen, ein paar Hubschraubern und einem Patrouillenboot auf Island stationiert. Bis heute garantiert die USA aber für den Schutz Islands. Die elektronische Luftüberwachung haben die Isländer seit dem selbst durch eine eigens geschaffene Behörde in die Hand genommen. Den Küstenschutz übernimmt die Küstenwache, der dafür 3 Patrouillenboote, ein Überwachungsflugzeug, mehrere Hubschrauber und 120 Mann zur Verfügung stehen. Immerhin ist die Küstenline fast 5000 Kilometer lang. Gleichzeitig übernimmt sie auch Rettungsdienste. Andere Sicherheits- und Rettungsaufgaben übernimmt in Friedenszeiten die norwegische Luftwaffe, auf See tut dies teilweise die dänische Marine. Interessanterweise ist Island Gründungsmitglied der NATO, und hat sich im Bündnisfall zu medizinischer Hilfeleistung verpflichtet. Aber zurück zum umgebenden Ozean, der rund um Island reich an Plankton ist, was die Grundlage für den Fischreichtum ist. Um die Insel gibt es rund 270 verschiedene Fischarten, darunter sind auch zahlreiche Walarten. Zu ihnen gehören etwa Pottwale, Blauwale, nördliche Zwergwale, Schweinswale, Buckelwale und auch Finnwale. Insgesamt schätzt man die Gesamtzahl auf etwa 230.000 Wale in den Hoheitsgewässern Islands. Wobei diese natürlich nicht ganzjährig dort sind. Im Jahr 2003 hat Island nach einer 20-jährigen Pause wieder begonnen unter einem wissenschaftlichen Deckmantel Wale zu jagen. Drei Jahre später hat man auch wieder die reglementierte wirtschaftliche Waljagd aufgenommen. Die Isländer betrachten es als ihr gutes Recht Wale in ihren Gewässern zu jagen. Gleichzeitig nimmt das Interesse an Walfleisch in Island aber immer weiter ab. Das überschüssige Walfleisch wird vor allem nach Japan verkauft. International ist der Walfang eigentlich verboten. Und so musste sich Island auch international harsche Kritik anhören, als es im Jahre 2006 im Rahmen der wirtschaftlichen Jagd einen Finnwal anlandete. Sie gelten als vom Aussterben bedrohte Spezies. Heute wird der weltweite Bestand auf ca. 40.000 Tiere geschätzt. Damit hatte er sich in den letzten 30 Jahren deutlich erholt. In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts hat man aber zum Beispiel jährlich rund 25.000 Tiere allein im südlichen Polarmeer erlegt. Zeitweise gab es laut Schätzungen in der 80ern der letzten Jahrhunderts keine 10.000 Exemplare mehr. Finnwale werden zwischen 18 und 27 m lang, wobei die Vertreter auf der nördlichen Halbkugel etwas kleiner als die der südlichen Halbkugel sind. Finnwale erreichen ein Gewicht zwischen 40 und 70 t. Ihre Nahrungsgrundlage bilden vor allem Krill und kleinere Schwarmfische, beides nehmen sie über ihre Barten auf. Dabei kreisen sie ihre Beute zunächst ein, um sie dann auf der Seite liegend in einem großen Schluck aufzunehmen. Das überschüssige Wasser wird durch die Barten wieder hinaus gedrückt, des Fang verbleibt im Maul. Die Besonderheit dabei ist, dass sie dabei so viel Wasser aufnehmen können, wie es etwa ihrem eigenen Körpergewicht entspricht. Ausgewachsene Tiere benötigen etwa 2 t Nahrung pro Tag. Finnwale haben für einen Wal einen relativ schlanken Körperbau. Dieser ermöglicht es Ihnen auch Geschwindigkeiten von fast 50 km/h zu erreichen. Die Lebenserwartung eines Finnwals beträgt bis zu 100 Jahre. Das ist aber noch gar nichts gegenüber den Islandmuscheln. Von ihnen hat man bereits Exemplare mit einem Alter jenseits der 500 Jahre gefunden.

Wichtiger als der Fischfang für Island ist heute der Tourismus. So kamen im Jahre 2016 1,5 Millionen Besucher ins Land, dabei hat Island selbst lediglich ca. 340.000 Einwohner. Der Tourismus steht heute für etwas über 30 % der Deviseneinnahmen Islands. Andere wichtige Exportgüter sind Fischereiprodukte und Aluminium. Insbesondere in den letzten Jahren ist die Zahl der Touristen sprunghaft angestiegen. So wurden zur Jahrtausendwende lediglich rund 300.000 Gäste gezählt. So sehen inzwischen auch einige Isländer die Entwicklung kritisch. Im Jahre 2014 sprach selbst die Direktorin der Fremdenverkehrsbehörde von einem ungesunden Wachstum. So belasten die Besucherströme die Infrastruktur insbesondere in den dünner besiedelten Gebieten erheblich. Und wie wir ja auch schon bei unserer Ankunft in Island beobachten konnten, platzt der Flughafen in Kevlavik aus allen Nähten. Mit den etwa 103.000 km² ist Island die größte Vulkaninsel der Erde. Auf ihr befinden sich lediglich ca. 4500 km asphaltierte Straße, davon ein knappes Drittel alleine auf der großen Ringstraße N1. Hinzu kommen etwa 10.000 km an Schotterpisten. Zum Vergleich gibt es in Deutschland mit seinen 357.000 km² etwa 235.000 km asphaltierter Straßen. Das Fahren außerhalb der gekennzeichneten Wege ist in Island insbesondere im Hochland verboten. Da es nur einen spärlichen Bewuchs gibt, wird dadurch der meist lose Boden schnell Opfer der Winderosion. Die ist auch heute schon ein großes Problem im Land. Der öffentliche Nahverkehr besteht vor allem aus Bussen privater Anbieter. Insbesondere im Sommer, also in der Zeit von Mitte Mai bis Mitte September sind damit auch viele Camps oder die meisten Orte an der Ringstraße zu erreichen. Außerhalb dieser Zeit sieht es für viele Verbindungen dann deutlich schwieriger aus. Einen Schienenverkehr gibt es auf Island nicht, es gibt aber Planungen für eine Verbindung zwischen Kevlavik, insbesondere dem dortigen Flughafen und Reykjavik.