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08.02.2010      9. Reisetag - Shira2 Camp (Kilimanjaro)

Um ca. 6.30 Uhr beginnen ich mich langsam auf den Tag vorzubereiten. „Drömel“ ein bisschen herum und warte eigentlich darauf, das die Porter die Schüssel mit warmen Wasser bringen. Wobei es aber auch eher daran liegt, dass ich mal wieder relativ früh aufgewacht bin. Anschließend dann noch das obligatorische Packen und natürlich Frühstück. Als alles in Ruhe beendet ist, verlassen wir gegen 8.00 Uhr das Camp im Regenwald. Heute ist neben dem Gipfeltag der längste für uns hier am Kilimajaro. Auf dem Programm steht eine Gehzeit von 7-8 Stunden für etwa 14km. Dazu ein Höhengewinn von über 1100m. Wir befinden uns hier auf knapp 2800m. Nach einer guten Stunde, auf einer Höhe von rund 3000m, geht der Regenwald langsam in eine Buschlandschaft über. Am Vormittag geht es noch deutlich weiter nach oben. Der Weg ist heute deutlich trockener als am gestrigen Tag, nur noch an wenigen Stellen ist es ein bisschen schlüpfrig. Als wir um ca. 10.30 unsere erste richtige Pause machen, bei der wir auch schon mal eine Kleinigkeit aus unserer wieder wie immer randvollen Lunchbox essen, haben uns unsere eigenen Porter schon längst wieder überholt. Deutlich hinter uns in einem der Täler sehen wir dass gerade das Zelt der amerikanischen Gruppe aufgebaut wird. Sie haben nicht nur ihre eigenen Toilettenzelte bei sich, sondern werden auch noch mittags bekocht. Und zum Essen wird dann natürlich auch das Gemeinschaftszelt – ein großes Rundzelt - aufgebaut. Ob das wirklich sein muss, mag jeder für sich entscheiden, aber wenn man die Porter mit dem ganzen Gepäck mit höchstem Tempo die Steigungen herauf schnaufen hört, lautet mein Urteil klar: NEIN. Denn ein solches Vorgehen bedeutet, dass die Porter nach dem Frühstück in Windeseile alles einpacken müssen, dann an der Gruppe vorbei sprinten, das Zelt wieder aufbauen und auch mit der Zubereitung des Essens beginnen. Alles soll dann bereit sein, wenn die Gruppe den Zeltplatz erreicht. Wenn die Gruppe dann das Mittagsmahl beendet hat und sich wieder auf den Weg macht, beginnt das Rennen von vorn. Wieder alles schnell zusammenpacken, und wieder an der Gruppe vorbei um alle Zelte am Camp aufgebaut bereit zu halten, wenn die Gruppe angekommen ist. Wir werden die Gruppe jetzt aber für den Rest unserer Reise wohl aus den Augen verlieren. Ihre Tagesetappe geht bis zum Shira1 Camp.

Nach einem weiteren Anstieg beginnen wir nach einer weiteren Stunde praktisch um eine Erhebung herum zu laufen. So erreichen wir das Shira Plateau. Dabei handelt es sich um eine große relativ ebene Fläche auf dem Kilimanjaro. Wäre nicht um mich die Buschlandschaft und kein Baum mehr, ich würde kaum glauben, dass ich mich hier auf einem Berg in einer Höhe von fast 3500m befinde. Das Plateau gehört zur Klimazone der Moor- und Heidelandschaft. Von hier aus bekommen wir auch zum ersten Mal die Gipfelregion des Kilimanjaro zu Gesicht. Auch wenn sie sich schnell eine kleine Kapuze aus einem kleinen Wolkenfeld überzieht. Von hier können wir aber auch das Shira1 Camp sehen. Dabei ist es noch rund 1,5 Stunden Fußmarsch entfernt. Auf dem Weg beginnen sich auch die Büsche langsam zurück zu ziehen. Anfangs war dort kaum mehr als ein Pfad mehr oder weniger frei begehbar. Hier ist das Umfeld bereits relativ übersichtlich und es stehen nur noch vereinzelt Büsche. Gegen 12:45 erreichen wir dann schließlich das Shira1 Camp. Für uns nur eine Zwischenetappe, aber in der Senke des Wasserlaufs, der fast unmittelbar am Camp vorbei führt, ist es etwas Wind geschützt. Auch sonst war es mit einem einfach Fleecepullover nicht kalt, aber hier jetzt in der Sonne, die uns schon den ganzen Tag begleitet hat, zu sitzen, das ist schon schön. Ansonsten geht unablässig ein bisschen Wind. Am Wasser sitzend esse ich den Rest der Lunchbox. Meine einzige kleine Unannehmlichkeit ist meine rechte Schulter. Ich versuche, wie auch schon unterwegs immer mal, den Rucksack noch ein bisschen zu verstellen. Vielleicht rächt es sich nun, dass ich meinen neuen Rucksack nicht wirklich zu Hause getestet habe. Zusätzlich packe ich meine Zusatz-Wasserflasche auf die linke Seite, dafür wandern Gamaschen und Sonnencreme nach rechts.

Der Kilimanjaro bezeichnet ja eigentlich eine Gruppe von Bergen, die aus vulkanischen Aktivitäten entstanden sind. Der älteste von ihnen ist der Shira. Der Gipfel ist heute kaum noch ein solcher und ragt lediglich ein paar hundert Meter über die Ebene hinaus und hat etwas von einer etwas übergroßen Bodenwelle, wobei Fachleute davon ausgehen, das er früher deutlich höher war sich aber eben durch Erosion auf seine heutige Größe abgearbeitet wurde. Das abgetragene Material dürfte wesentlich zur Entstehung des Plateaus beigetragen haben, auf dem wir uns hier befinden. Und auch am Nachmittag sind wir noch weiter darauf unterwegs. Gegen 14.00 Uhr können wir auch unser heutiges Ziel sehen, das Shira2 Camp. Bis wir es erreichen, sollen aber noch 1,5 Stunden vergehen. Meine Schulter fühlt sich auf dem Weg nicht wirklich besser an, aber immerhin wird es auch nicht mehr schlechter. Sie ist sicherlich kein ernst zu nehmendes Problem, eben einfach nur ein bisschen lästig. So versuche ich weiter eine optimalere Einstellung für meinen Rucksack zu finden. Nachdenklich stimmt mich da eher etwas anderes, ich bekomme langsam leichte Kopfschmerzen, außerdem habe ich einen ziemlichen Druck im Darmtrakt. Die ersten Anzeichen der Höhenkrankheit machen sich damit bemerkbar. Und vom Shira2 Camp mit rund 3880m fehlen uns noch etwas mehr als 2000m bis ganz nach oben. Am Camp angekommen verteilen wir unser Gepäck auf die Zelte. Hier am Shira2 Camp gibt es sogar ein gemauertes Gebäude, in dem sich die Toiletten befinden – mit richtigem „Thron“. An der „Plumpsklo-Technik“ ändert sich dadurch aber nichts. Vorteil ist nur, dass es eine richtige Sitzgelegenheit gibt, und man sich nicht irgendwie in die Luft hocken muss. Spülung und dergleichen gibt es natürlich nicht. Ich lasse dort ordentlich Luft entweichen. Bevor es zum Abendbrot geht, steigen wir nach eigenem Gutdünken noch ein paar hundert Meter höher. Das soll die Akklimatisierung fördern und damit auch für eine ruhige Nacht sorgen. Nach einer kleinen Katzenwäsche stehen dann auch schon Popcorn und Nüsse bereit. Der Darm ist immer noch ein bisschen aufgewühlt, aber Appetit und Durst sind da. Das werte ich schon mal als gutes Zeichen. Der Tag war relativ anstrengend, dafür war wohl vor allem die lange Gehzeit verantwortlich, auch wenn wir heute wieder etwa 1000 Höhemeter aufgestiegen sind. Um kein unnötiges Risiko einzugehen, entscheide ich mich dafür, eine Kopfschmerztablette zu nehmen. Trotz der leichten körperlichen Beschwerden schätze ich am Abend meine Gipfelchancen auf 70:30. Am ersten Abend auf der Lemosho Route hatte ich noch nicht so recht eine Meinung dazu. Natürlich glaubt man daran, aber ich wusste es nicht recht einzuschätzen, es war eher so etwas wie gespannte Unruhe. Heute ist die Gefühlswelt diesbezüglich deutlich klarer, ich fühle mich deutlich mehr auf dem Weg.