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13. Reisetag Hveravellir – 22.08.2017

Heute steht noch einmal ein entspannter Tag an. Wir bleiben eine weitere Nacht in diesem Camp, müssen also auch unsere Zelte nicht abbauen. So ist die Entscheidung heute zwischen Sonnenbad, denn auch heute scheint die Sonne wieder, oder einer Wanderung zum Strytur. Auch das, man kann es sich schon denken, ist ein Vulkan. Er lässt es nun aber schon seit etwa 1000 Jahren ruhiger angehen. Ich entscheide mich erwartungsgemäß für die Wanderung. Es geht vom Camp relativ sachte aufwärts, und erst die letzten vielleicht 50 Höhenmeter werden etwas steiler. Insgesamt sind es etwa 300 Höhenmeter aufwärts, und logischerweise da es anschließend zurück zum Camp geht, auch wieder abwärts. Verteilt sind sie auf eine Gesamtstrecke von ca. 15 km. Auch mit ausgedehnter Pause sind wir gegen 14:30 Uhr zurück. Da es hier im Camp Steckdosen in den Sanitärräumen gibt, beschließe ich auch, dem bisher ungehemmten Bartwuchs Einhalt zu gebieten. Und anschließend eine warme Dusche. Es gibt zwar nur eine zugegeben auch nicht wirklich „schöne“ Dusche, eher das Modell hoffentlich hole ich mir hier nichts weg, aber immerhin ist die frei. Außerdem hat sie keine Minuten Begrenzung und ist kostenlos. Wie schon den ganzen Tag scheint die Sonne von einem, abgesehen von ein paar wenigen Schäfchenwolken, blauen Himmel. Am Nachmittag ist auch wieder ein bisschen Wind aufgekommen, nach fast zwei Wochen auf Island vermisst man in fast schon, wenn er mal nicht geht. In Kombination trocknet das Handtuch am Zelt aber fast genauso schnell, wie es nass geworden ist.

Gestern hatte ich mir auch schon nach zwei Tagen der „Entbehrung“ eine Dusche gegönnt. Und nach dem Abendessen noch mal den hiesigen Hotpot genutzt. Eigentlich wäre die Reihenfolge andersherum sicherlich besser gewesen. Aber wir hatten ein bisschen Probleme mit der Dosierung der Temperatur im Hotpot. Bei meinem ersten Besuch dort, war das Wasser nach meinem Temperaturempfinden so heiß, dass man nach wenigen Sekunden krebsrot sein würde. Zwischenzeitlich war jemand aus unserer Gruppe, die offensichtlich ziemlich temperaturunempfindlich ist, hineingestiegen und hatte das Rohr mit dem heißen Wasser rausgelegt. Die Temperierung in so einem Hotpot wird über zwei PE-Rohre gesteuert. Das eine transportiert heißes Wasser heran, das andere kaltes. Unglücklicherweise ist hier das Rohr mit dem warmen Wasser aber dem Einstieg gegenüberliegend. Drumherum laufen ging auch nicht, da der Rand an dieser Stelle lediglich eine mit Natursteinen gemauerte Wand ist. Abgesehen davon, ist das PE-Rohr reichlich warm, immerhin strömt Wasser zwischen 80 und 90 °C hindurch. Leider ist das Wasser hier etwas schweflig und auch sehr kalk- und mineralhaltig. Unter dem Aspekt wäre eine Dusche nach dem Hotpot geschickter gewesen. Auf der anderen Seite bin ich nach einer guten halben Stunde Hotspot in Badehose und übergeworfenem Handtuch entspannt zum Zähneputzen gegangen, und dann anschließend in den Schlafsack geschlüpft. Die Außentemperaturen waren inzwischen unter 10° gefallen, und trotzdem war der Schlafsack sofort wohlig warm. Mein Handtuch hatte ich gestern kunstvoll mit ein paar Klammern an einer Schnur in der Zeltspitze befestigt, und zum ersten Mal überhaupt auf dieser Reise heute Morgen ein paar Tropfen Kondenswasser in der Spitze des Innenzelts.

Hveravellir liegt in einem Thermalgebiet. In unmittelbarer zum Camp liegen etwa 20 Quellen mit teilweise sehr interessanten Ablagerungen. Auch ist das Wasser der Quellen von der Farbe teilweise sehr unterschiedlich. Es reicht von fast leuchten blau bis hin zu grün. Der heimliche Star ist aber Öskurholshver, oder auch Brüllhügel genannt. Aus ihm steigt unentwegt ca. 90° C heißer Wasserdampf auf, und dazu hört man in unmittelbarer Umgebung ein tieferes Grollen. Nachts im Zelt hört es sich dagegen ein bisschen an, als schliefe man in einiger Entfernung zu einer Schnellstraße, auf der unentwegt LKWs fahren – und nur LKWs. Auf dem Weg zum Strytur sind wir an einer unscheinbaren Höhle in einer Lavaspalte vorbeigekommen. In ihr soll sich Fjalla Eyvindur mit einer Frau Hella versteckt haben. Geboren 1714 wurde er 1760 wegen Diebstahls verurteilt. In Island warf man zu dieser Zeit Diebe aber nicht ins Gefängnis, sondern verbannte sie in das Hochland. Was eigentlich gleichbedeutend mit dem Tod war. Fjalla Eyvindur, eigentlich hieß er Eyvindur Jonsson schaffte es aber über 20 Jahre in dieser lebensfeindlichen Gegend auch in den Wintern zu überleben. Weshalb man ihn später begnadigte. Um ihn rankt eine Legendenbildung, was schließlich 1911 in einem Drama verarbeitet worden ist, das 1918 sogar verfilmt worden ist. So gibt es in um Hveravellir aber auch im übrigen Island zahlreiche Orte, die nach ihm benannte worden sind.

Zum Abschluss vielleicht noch ein bisschen zur Bedeutung dieses Gebietes. Es gehörte zur alten Querung des Hochlandes in Nord-Südrichtung. Hier fand man aufgrund der Thermalquellen Gras für die Pferde, gleichzeitig konnte man die Quellen zum Kochen benutzen. Die Querung verläuft zwischen den mächtigen Gletschern Langjökull und Hofsjökull hindurch. Das Tal hatte eine Ausdehnung von 25-30 Kilometern in der Breite und eine Länge von ca. 165 Kilometern. Auf dieser Überquerung kam es 1780 zum einem folgenschweren Unfall. Drei Männer und ein Junge von 11 Jahren wurden im Oktober herübergeschickt um im Süden Schafe zu kaufen. Wenige Tage später kamen sie mit 180 Schafen und einigen Pferden zurück, wurden in der Nähe des Kjafell, der wiederum nur ca. 5 Kilometer vom Strytur entfernt liegt, auf dem wir heute waren, aber von einem länger anhaltenden Schneesturm überrascht. Sowohl die Menschen wie auch alle Tiere verendeten dort, weshalb ein kleiner Hügel dort heute den Beinamen Beinahol (Knochenberg) trägt. Aufgrund dieses Zwischenfalls wurde die Querung mehrere Jahrzehnte nicht mehr genutzt. Erst später wurde sie wieder aktiviert. In Island glaubt man eben nicht nur an Elfen, Trolle und Sagen, sondern hat offensichtlich auch einen starken Aberglauben. Bis heute hält sich neben dem Christlichen Glauben auch eine starke Naturverbundenheit bis hin zu der festen Annahme, dass es hier tatsächliche Elfen, Trolle und andere übernatürlichen Wesen gibt. Aber nur wer wirklich an sie glaubt, hat auch die Chance ihnen zu begegnen, was schon mal erklärt, warum ich keine getroffen habe. Aber vielleicht ist es auch besser so, denn nicht alle waren immer so friedvoll. Da könnte es auch einfach besser sein, ihnen aus dem Weg zu gehen. Trotzdem haben sie bis heute im Verständnis vieler Isländer eine große Bedeutung. Natürlich ist es auch ein stückweit mit einem „Augenzwinkern“ zu sehen.