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11. Reisetag         San Gerado de Dota – 08.03.2022

An den beiden letzten Tagen ging es immer früh raus, heute ist das Frühstück mit 7.00 Uhr wieder zu gemäßigteren Zeiten angesetzt. Für uns geht es wieder weiter. Da es keinen richtigen Weg zu unserer Lodge gibt, gehen wir zunächst am Strand weiter. Später geht es dann wieder in den Regenwald, auch wenn der hier nicht mehr so dicht ist, sondern auch einige Kulturpflanzen am Wegesrand stehen. Die Luftfeuchtigkeit ist auch schon am Morgen ordentlich, was bei mir praktisch sofort wieder Schweißausbrüche auslöst, sobald ich beginne mich zu bewegen. Unsere heutige Strecke ist mit rund 3 km recht kurz. Mit einigen Stopps für Pflanzen und ein hoch im Baum hängendes Faultier, sowie einem grün-schwarzen Frosch, auch er gehört zu den Pfeilgiftfröschen, ist es gegen 9:15 Uhr geschafft. Unser Treffpunkt ist das Flugfeld von Carate. Unmittelbar davor kreuzt übrigens noch ein Leguan unseren Weg. Die Tiere sehen ziemlich archaisch aus. Unser kleines Handgepäck der letzten Tage ist auch schon da. Das wurde mit einem Quad und Anhänger über den Strand hier zum Flugfeld gebracht. Wir steigen in mit Allradantrieb ausgestattete Kleinbusse, die uns in ca. 1,5 Stunden nach Puerto Jimenez bringen. Wobei sie dafür auch noch eine Abkürzung nehmen, die nur zur Trockenzeit überhaupt passierbar ist, aber die Strecke deutlich verkürzt. Auf der Osa Halbinsel gibt es nur auf der Seite des Golfo-Dulce, auf der auch Puerto Jimenez liegt, überhaupt eine Straße. Ansonsten gibt es lediglich ein paar Pisten, auf denen nicht mal an allen Flussquerungen Brücken existieren. Auch das gehört dann zu den möglichen Problemen eines Besuchs des Corcovado Nationalparks in der Regenzeit.

In Puerto Jimenez machen wir auch unsere Mittagspause. Danach geht es dann wieder mit unserem normalen Kleinbus auf der Straße weiter. Wir verlassen den äußersten Südwesten von Costa Rica und fahren zunächst bis nach Chacarita, wo wir dann wieder zurück auf der Panamericana Richtung Norden fahren. Schon bald sind fast alle mit hängenden Köpfen und geschlossenen Augen in ein sanftes Mittagschläfen versunken. Es wird noch eine lange Fahrt. Unter anderem führt sie an dem Rio Grande de Terraba vorbei. Diesen wollte man vor einiger Zeit mit einer großen Staumauer für die Gewinnung von Strom aus Wasserkraft nutzen. Dieses Vorhaben scheiterte dann aber am Widerstand von Nachfahren einer indigenen Gruppe, da deren Regenwälder überflutet worden wären. Sie wollten auch keinerlei Ersatzgebiete vom Staat zur Verfügung gestellt bekommen, sondern einfach in ihren angestammten Gebieten bleiben. Dieses Recht bestimmte Vorhaben der Regierung abzulehnen ist Teil ihrer 1991 zugestandenen Teilautonomie in ihren Reservaten. So leben sie weiter von dem, was die relativ kargen Bögen in der Landwirtschaft auf dem bewirtschafteten Flächen hergeben. Ansonsten gibt es in diesem Bereich nur wenige Jobs. So fristen sie ein ärmliches Leben, und es verwundert nicht, dass insbesondere die Jüngeren dann in die Städte ziehen, um dort ihre Chance zu suchen. Was dann am Ende wieder zum Verlust ihrer Kultur führt – ein Teufelskreis.

Im Bereich von San Isidro de El General gibt es dann riesige Felder mit Ananas. Die Ananaspflanzen werden vorgezogen, um dann auf den vorbereiteten Feldern gepflanzt zu werden. Die Ananas kommt ursprünglich tatsächlich aus Mittelamerika bis hin zum heutigen Kolumbien. Man vermutet, dass die Ananas bereits vor rund 4000 Jahren in diesem Bereich angebaut worden ist. Als Kolumbus die neue Welt entdeckte, brachte er die süße Ananas mit nach Europa. Insbesondere die Portugiesen verbreiteten sie später im Westen Afrikas bis hin nach Indien und auch Südost-Asien. Da Zucker in Europa zu der Zeit sehr teuer war, und die Ananas reich daran ist, galt sie im Hochadel Europas ab dem 17. Jahrhundert als Statussymbol, das man im eigenen Gewächshäusern anbaute. Besonders beliebt war die Ananas übrigens im „sonnenverwöhnten“ Großbritannien. Wobei das vor allem niederländische Gärtner übernahmen, die vom Hochadel angestellt wurden. Die Produktion war allerdings sehr teuer. Entsprechend kosteten die reifen Früchte ähnlich viel wie eine Kutsche. So wurde die Ananas in Karikaturen auch zum Symbol der Dekadenz des Hochadels. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es dann große Fortschritte in der Glasherstellung, und damit auch im Bau von Gewächshäusern. Das drückte die Kosten in der Produktion in Europa. Trotzdem konnte sich weiter nur der Adel bzw. Geldadel Ananas leisten. Die Preise fielen noch mal mit dem Aufkommen der Dampfschiffe, trotzdem kostet eine Ananas noch immer ein Vermögen. Aber die Importzahlen stiegen schnell an. Im Jahre 1850 wurde 200000 Ananas nach Großbritannien importiert, 1864 waren es schon 700000. Trotzdem war Ananas für das einfache Volk unerschwinglich, eine einzige Ananas hatte 1880 noch den Gegenwert von 20 – 25 kg Roggenbrot. Das sollte sich erst verbessern, als es 1902 James Drummend Dole auf Hawaii gelang, Ananas auf einer Plantage anzubauen, und im industriellen Maßstab in Konservendosen zu verpacken. Wegen der Dosenananas haben sich Begriffe wie Hawaii-Toast oder Pizza Hawaii etabliert. Gleichzeitig was das die Keimzelle der Dole Food Company, die man bei uns auch z.B. wegen der Bananen kennt. Zu dieser Zeit wurden die USA schnell zum größten Anbaugebiet der Welt für Ananas, wobei das Hauptanbaugebiet auf Hawaii lag. Heute sind sie von der Produktionsmenge eher unbedeutend. Stattdessen steht Costa auf Platz zwei hinter den Philippinen. Weltweit wurden im Jahr 2020 rund 27,8 Millionen Tonnen Ananas geerntet, rund 10% davon stammen aus Costa Rica. Der Ertrag liegt weltweit durchschnittlich bei knapp 26 t/ha, in Costa Rica etwas höher. Die Ananas wird hier in großen Monokulturen angebaut. Sie kommen mit dem kargen Boden sehr gut zurecht, da sie wesentliche Teile der benötigten Nährstoffe der Luft entnehmen, darüber hinaus aber auch bis zu einem Meter in den Boden reichendes Wurzelwerk haben. Für den Anbau wird sehr viel Wasser benötigt, immerhin bestehen die Früchte später zu 84% daraus. Außerdem haben sie 12,4% Kohlenhydrate, 0,5% Proteine und 0,2% Fett. Ananas haben viele Vitamine, und gehören übrigens zu den Beeren, oder genauer gesagt sind es Beerenfruchtverbände, also viele Beeren, die miteinander verwachsen sind. Wichtig für das Wachstum sind möglichst konstante Temperaturen von 25°C. In Costa Rica werden sie nach etwa 9 Monaten künstlich bestäubt, was für einen möglichst gleichmäßigen Reifeprozess sorgt. Hier in Costa Rica werden relativ gelbliche Sorten angebaut. Wobei sowohl das Pflanzen als auch die Ernte in mühsamer schwerer Handarbeit erfolgt, und relativ schlecht bezahlt wird. Nicht selten sind die Arbeiter auf den Felder deshalb aus Nicaragua, da die Arbeit für Costa-Ricaner wenig attraktiv ist. Bevor die Ernte erfolgt, wird in Stichproben der Zuckergehalt und damit der Reifegrad ermittelt. Stimmen die Werte, was nach ca. 14 Monaten der Fall ist, werden sie geerntet und in auf 7°C gekühlte Container für den Export verladen. Anders als Bananen reifen Ananas auf dem Transport nicht nach, im Gegenteil lässt der Zuckergehalt sogar etwas nach. Ananas bringen nur eine Frucht hervor. Über die Wurzeln entsteht hier in Costa Rica noch eine weitere Pflanze mit einer neuen Frucht, danach wird die Kultur komplett umgepflügt und wieder neu mit Ananas bepflanzt. Ein Fruchtwechsel findet also nicht statt. Anders als man von tropischen oder subtropischen Klimabereichen wegen des üppigen Grüns eigentlich annehmen sollte, sind die Böden in diesen Zonen meist nicht besonders fruchtbar. Die Humusschicht ist meist nur sehr dünn. Alles was an Biomasse auf die Erde fällt, wird sofort zersetzt und als Nährstoff wieder aufgenommen. Eine Ruhephase im Pflanzenwachstum gibt es nicht, also auch keine Ruhezeiten, in denen sich Humus bilden könnte. Das ist auch der Grund, warum Böden in diesen klimatischen Zonen bei landwirtschaftlicher Nutzung schnell ausgelaugt sind, und in anderen Teilen immer neue Flächen von Regenwald per Brandrodung verschwinden, um dann wenige Jahre intensive Landwirtschaft auf den neu „gewonnen“ Flächen zu betreiben, was entsprechend schlecht für das Weltklima ist. Am Ende aber aus wirtschaftlichen Zwängen entsteht, die auch in Gegenden weit ab der Regenwälder gemacht werden.

Für uns geht es natürlich nur an den Ananas-Feldern vorbei. Auf unserer Fahrt überqueren wir den Cerro de la Minerte, mit 3451m die höchste Passstraße des Landes. Über den Pass quälen sich auch zahlreiche LKWs, nicht wenige der Fahrer sind auch hier wieder Nicaraguaner, die in ihren Trucks unentwegt Waren durch halb Mittelamerika zu den Häfen oder von diesen wieder weg transportieren. Ein Eisenbahnnetz gibt es faktisch nicht. So müssen alle Massengüter, und dass gilt auch z. B. für die Ananas auf der Straße transportiert werden. Wobei wir bei der Anfahrt auf den Pass auch den obligatorischen Nebel am Abend aufsteigen sehen. Nicht weit hinter dem Pass biegen wir dann von der Hauptstraße zu unserem heutigen Ziel San Gerado de Dota ab. Dieses letzte Stück ist die Strecke sehr kurvig und die Straße eng. Für unseren Fahrer ein harter Job nach einem langen Fahrtag, und neben der Strecke gibt es stellenweise steile Abhänge. Gegen 18:30 erreichen wir schließlich unser Ziel, draußen ist es nach der kurzen Dämmerung inzwischen dunkel geworden. San Gerado de Dota liegt auf einer Höhe von ca. 2000m, und es ist deutlich kälter als heute Morgen. Als wir gegen 09:30 Uhr in den Allrad-Fahrzeugen unterwegs waren, waren es noch 33°C, hier sind es nur noch 12°C. Da freut man sich, wenn man noch schnell eine Jacke über das T-Shirt werfen kann. Wobei es im Zimmer gefühlt nicht so sehr viel wärmer ist. Eine schnelle Überprüfung ergibt, dass im Bad die Oberlichter der Fenster offenstehen. Aber es gibt warmes Wasser, um sich bei einer Dusche aufzuwärmen. Und danach bin ich dann auch dankbar einen warmen Pullover eingepackt zu haben. Und das eigentlich auch nur, weil entgegen sonstigen Erfahrungen sowohl vom Volumen als auch vom Gewicht noch Platz im Gepäck war. Aber anders als bei anderen Reisen ist weder ein Schlafsack noch eine Iso-Matte im Gepäck, das schafft eine Menge Raum für anderes „unnützes“ Zeug. Denn Costa Rica ist bekannt für seine konstanten angenehmen Temperaturen – meistens. Bevor ich zum Abendessen gehe, werfe ich noch den kleinen Heizlüfter an, der im Zimmer steht, eine richtige Heizung sucht man vermutlich in ganz Costa Rica vergeblich, normalerweise gibt es dafür ja auch keinen Bedarf. Als ich vom Essen zurückkomme, muss ich feststellen, so richtig warm ist es noch nicht geworden. Also untersuche ich noch mal die Fenster, und was soll ist sagen: Über den Fenstern zum Balkon gibt es auch noch Oberlichter, die auch offenstehen. Als ich die dann auch geschlossen habe, wird es dann auch warm. Frieren in Costa Rica, man lernt nicht aus.