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23. Reisetag         01.03.2011 – Torres del Paine

Gestern waren wir relativ früh schlafen gegangen, so wache ich heute auch wieder früh auf. Immerhin kein Regen, aber wirklich Lust aufzustehen habe ich auch nicht. Obwohl mir nichts fehlt. Gestern zwickte das rechte Bein etwas, wegen der ungleichen Gewichtsverteilung des Rucksacks durch das seitliche Befestigen des Zelts. Irgendwann überwinde ich mich dann doch, und schäle mich aus dem warmen Schlafsack. Vor dem Zelt ist es noch recht kühl. Dafür stehen hier und da noch ein paar Zelte, die ich gestern nicht bemerkt hatte, dafür fehlen andernorts schon wieder welche. Die Zelte sind hier in Lücken zwischen dem Buschwerk aufgestellt. Die Büsche sind kaum höher als 60cm und die dazwischen liegenden Zeltplätze sind mit Gras bewachsen. Nach einer Katzenwäsche, dem Frühstück und dem Zeltabbau sind wir weder bereit, um den zweiten Tag in Angriff zu nehmen. Heute habe ich das Zelt unten auf der Rückseite des Rucksacks geschnallt. Dadurch ist die Regenhaube ein bisschen knapp, aber ich hoffe ja auch auf trockenes Wetter. Wir machen uns also auf dem Weg zum Camp Italiano, laut Plan eine Wegstrecke von etwa 7,5km oder 2,5 Stunden Gehzeit. Der Weg ist heute deutlich leichter als gestern, der Untergrund ist ebener und führt auch nicht mehr so häufig bergauf bzw. bergab. Die Wege hier im Torres del Paine Nationalpark sind allgemein nicht so gut ausgebaut, wie in anderen großen Wandergebieten in der Welt. Das Paine im Namen stammt übrigens aus der Sprache der hiesigen Indianer. Es bedeutet „der Blaue“, wobei nicht klar ist, ob sich das auf den blauen Grey Gletscher oder den Lago Pehoe bezieht. Letzterer ist im Frühjahr fast blau, was hier recht ungewöhnlich ist. Die meisten Seen sind eher grünlich. Die Farbe wird dabei von den Sedimenten bestimmt, die mit dem Schmelzwasser des Frühlings von den umliegenden Bergen nach der Frostperiode mitgeschwemmt werden. Auch unser Weg ist heute direkt am Lago Pehoe gestartet. Von dort hätte man in einem Notfall auch mit dem Schiff zurück in die Zivilisation kommen könne, Straßen oder auch nur Pisten gibt es hier nicht. Auch die Hütte wird mit dem Schiff mit allem Notwendigen versorgt.

Wir selbst erreichen nach der geplanten Gehzeit das Camp Italiano, wobei wir unmittelbar davor über eine Brücke kommen, was auf unserem bisherigen Weg sehr ungewöhnlich ist. Alle anderen Flüsse mit Schmelzwasser mussten wir über größere Steine balancierend überwinden. Ich selbst bin kein Typ für „Stöcker“, mir kommen sie beim Laufen immer in die Quere. Aber hier könnten sie vielen schon bei den Überquerungen eine Hilfe sein. Damit kann man auch mal im Wasser Halt suchen, ohne gleiche nasse Füße zu bekommen. Im Camp angekommen, trennen wir uns, manche gehen direkt weiter in Richtung des heutigen Ziels dem Camp Los Cueros. Andere, ich auch, lassen den großen Rucksack zurück und machen einen Abstecher zum Französischen Gletschers. Der Weg führt anfangs über Felsen und Geröll um sich dann zwischen Bäumen weiter zu einer Anhöhe zu winden. Der Weg ist zwar gut begehbar, aber eben auch keine ausgebaute „Rennpiste“. Auf dem Weg nach Oben kommt man direkt an einem der Quellflüsse vorbei, nach deren Vereinigung vor dem Camp die Brücke zur Überquerung nötig war. Das Wasser schießt hier ziemlich wild zu Tal, aber wir gehen noch ein bisschen höher. Von der Anhöhe kann man den Französischen Gletscher gut sehen, und auch ein paar Wasserläufe, die unmittelbar unten aus ihm hervortreten. Aber auch ein Blick weiter zurück über die umliegenden Seen lohnt sich auf jeden Fall. Neben dem Lago Pehoe sind das z.B. der Lago Skottsberg und der Lago Nordenskjöld. Für den Weg vom Camp hinauf zur Anhöhe und zurück haben wir mit ausgiebigem Genuss der Aussicht etwa 3 Stunden benötigt. Da heißt es dann im Camp Italiano auch wieder den großen Rucksack schultern und auf zum nächsten Camp. Der Weg bis zum Camp Los Cuernos ist nur etwa 5,5km lang, hat aber auch eine veranschlagte Gehzeit von 2,5 Stunden. Wir sind im Prinzip etwas schneller, machen aber etwa 20 Minuten vor dem Ziel noch eine größere Rast direkt am Ufer des Lago Nordenskjöld.

Benannt ist der See nach Otto Nordenskjöld, einem schwedischen Geologen, der umfangreiche Forschungsreisen unter anderem in Alaska, Grönland und vor allem Patagonien unternommen hatte. Berühmt wurde er für seine aus wissenschaftlicher Sicht erfolgreiche Expedition in die Antarktis. Dazu fuhr er 1901 mit einem Schiff dorthin, das Schiff sollte ihn eigentlich in der nächsten Saison wieder abholen, was aber misslang, da es bereits auf der Rückfahrt im Packeis stecken blieb und sank. So wurde Nordenskjöld mit fünf weiteren Männern erst 1903 von einem argentinischen Schiff wieder abgeholt. Ihm selbst brachte die Reise zwar Ruhm aber leider auch große Schulden ein.

Als wir uns schließlich von der sanften Dünung des Sees losgerissen haben und auch die letzten Meter überwunden haben, werden die Zeltplätze langsam knapp. Dabei hat uns die zusätzliche Rast vermutlich nicht viel gekostet, da lediglich zwei Wanderer an uns vorbei gezogen sind, gut wir wissen natürlich nicht, ob noch weiter uns aus der anderen Richtung entgegen gekommen sind. Mein Zeltplatz reicht gerade um das Zelt aufzubauen und ist etwas abschüssig. Aber alleine im Zelt kann man sich  entsprechend ausrichten, dass das für mich kein Problem werden sollte. Ansonsten bin ich wegen der Gehzeit von etwa 8 Stunden zwar müde aber körperlich fehlt mir nichts. Womit ich recht zufrieden bin. Auch das Tragen des großen Rucksacks hat sich inzwischen eingespielt, und ich habe meine Einstellungen gefunden. Und die Essensreserven schwinden ja auch mit jedem Tag. Glück hat man hier natürlich mit der Flüssigkeitsversorgung. Man kommt immer wieder an Wasserläufen vorbei, so dass ich praktisch nur eine 1 Liter Flasche in Betrieb habe, die ich immer mal wieder auffülle. Und das obwohl ich relativ stark schwitze, und deshalb natürlich auch mehr Flüssigkeit wieder zu mir nehmen muss. Zuweilen ist es fast schon schwerer den einen oder anderen Flußlauf zu überqueren. Dazu muss man immer mal wieder einige Meter höher oder auch runter steigen, um eine geeignete Stelle zu finden.

Als wir noch beim Abendbrot sitzen, beginnen um uns herum ein paar andere Wanderer zu ihren Zelten zu laufen, um kurz danach mit ihren Kameras zurück zu kommen. Anfangs wundere ich mich noch, denn einen Sonnenuntergang kann es hier schon nicht mehr geben. Das Licht wird schon etwas fahl.  Da sehe ich erst, es geht nicht um die Sonne selbst, sondern um ein paar Wolken, die scheinbar über einen schwarzen Felsen kriechen, und dabei vermeintlich von unten von der Sonne beschienen werden. Also laufe ich auch noch los und mache praktisch auf den letzten Drücker ein paar schöne Aufnahmen. Man muss eben nur mal die Augen aufmachen, und nicht nur in normalen Schemen denken, um das Besondere zu sehen.

An den Hütten gibt es immer auch die Möglichkeit abends zu essen. Dabei gibt es zwei „Durchgänge“ auf den Sitzplätzen. Anschließend kann man sich in die Hütte setzen, wenn denn Plätze frei sind, und noch ein bisschen im Warmen sitzen und über die Probleme der Welt, oder auch über die schönen Erlebnisse des Tages zu debattieren. Um 22 Uhr ist dann Zapfenstreich. Dann wird einfach das Licht gelöscht, manchmal brennt dann noch irgendwo eine kleine „Funzel“ weiter. Aber alle haben ohnehin ein Stirnlampe, Taschenlampe oder was auch immer dabei. Trotzdem leert sich die Hütte dann in den nächsten Minuten, ohne das noch jemand etwas sagen muss. Aber wer hier ist, will ja auch morgen weiter seinen Weg machen, und dazu ist es keine schlechte Voraussetzung ausgeschlafen zu sein.