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12. Tag        22.10.2014 - Lhonak (4760m)

Der morgendliche Ablauf ist inzwischen schon längst Routine geworden, also 6:30 Uhr Morgentee, 7:00 Uhr Frühstück und kurz vor 8:00 Uhr geht es los. Es geht gleich nach dem Camp eine Anhöhe hinauf, die wir schon von unserem gestrigen Abend-Spaziergang kennen. Eine französische Gruppe ist vor uns aufgebrochen, doch einer der Teilnehmer leidet unter akuter Höhenkrankheit. Er ist scheinbar nur noch eingeschränkt bei Bewusstsein. Wie wir später erfahren, wird er noch am gleichen Tag absteigen, die einzige und wirklich effektive Methode gegen Höhenkrankheit. Mit ihm geht einer der Träger aus dieser Gruppe, auch er leidet unter der Höhenkrankheit. Wie wir später erfahren, hatte der Träger am Vorabend wohl ein bisschen Hirsebier getrunken. Die Träger schlafen meist in einem Raum bzw. Gemeinschaftszelt, was natürlich dann sehr unruhig ist. Und um dann besser einschlafen zu können, trinken viele von ihnen dann am Abend noch ein bisschen Hirsebier. Das ist sehr günstig und erzielt relativ schnell die gewünschte Wirkung. Nur leider verbessert der enthaltene Alkohol nicht eben die Höhenanpassung. Die  Höhenkrankheit kann übrigens jeden treffen, auch Menschen die schon häufiger in noch größeren Höhen unterwegs waren. Und natürlich sind auch Nepalesen davor nicht gefeit. Was leider unter den Trägern auch sehr verbreitet ist, ist das Rauchen. Auch das ist nicht gesund und macht die schwere Arbeit sicherlich auch auf Dauer nicht leichter, aber durchaus nachvollziehbar. Sie suchen meist einfach Ablenkung auf den Touren, auf denen sie oftmals Wochen unterwegs sind. So verwundert es insgesamt auch nicht, dass die meisten Träger noch sehr jung sind.

Es gibt noch immer einen Bewuchs aus kleinen Sträuchern und natürlich Gräsern und Moosen, immerhin befinden wir uns auf etwa 4300 m. Auf der rechten Seite begleitet uns fast den ganzen Tag der Mera. Aus unserer Position sieht er schon riesig aus. Dabei ist er „nur“ 6334 m hoch. Unterhalb des Gipfels sieht man einen Gletscher mit einem überstehenden großen Eis- bzw. Schneebrett. Zwischen den Gipfeln glauben wir auch schon den Kangchendzönga zu sehen, aber bei den vielen weißen Riesen, wer will das schon sagen. Und vielleicht ist ja auch ein bisschen der Wunsch der Vater des Gedankens. Für uns geht es noch mal eine gute Stunde über eine Moräne bzw. ein Schotterfeld. Dabei geht es auch ein gutes Stück weiter herauf, was die Sache ein bisschen anstrengend macht. Nach dieser Passage ist dann auch wieder Mittagspause, auch hier ist die Zeit mit etwa 11:00 Uhr wieder normal. Eine Stunde später geht es weiter, das erste Stück ist eigentlich relativ einfach. Es geht über eine Alm, auf der das Gelände nur leicht ansteigt. Ich merke an mir selbst aber, dass ich langsam müde werde. Meine Mittagsmahlzeit war für mich wieder ziemlich reichlich, womit dann auch jetzt mein Magen zu kämpfen hat. Ich fühle mich dabei nicht unwohl, auch von Kopfschmerzen bleibe ich heute völlig verschont. Und doch merke ich, dass wir inzwischen schon eine ordentliche Höhe erreicht haben. Die sportliche Vorbereitung auf diese Reise war nicht optimal, wohlmöglich bekomme ich so langsam die Quittung dafür. Und so bin ich dann auch nicht unglücklich, als es mal wieder Zeit für eine kleine Pause ist. Danach geht es noch an einem Schuttfeld vorbei, das auf der Seite einen recht steilen Abhang hat. Aber auch das ist technisch nicht schwierig und dann irgendwann geschafft. Nach der Überquerung einer kleinen Brücke geht es nur noch ein kleines Stück weiter durch ein kleines Schneefeld, in der schon ein Pfad „getrampelt“ worden ist. So ist der Weg etwas feucht und schlüpfrig. Aber es sind auch nur noch ein paar 100 m. So sind wir auch heute wieder relativ früh an unserem Camp. Wie auch am Vortag wieder nur eine Strecke von etwa 10 km. Aber 10 km in den Bergen zumal in dieser Höhe sind eben auch nicht mit 10 km im flachen Norddeutschland zu vergleichen. So bin ich müde aber ansonsten körperlich gut beieinander.

Das Camp in Lhonak liegt wie auch schon die Khambachen Alm auf einer Alm. So verwundert es auch nicht, dass in direkter Umgebung einige Yaks grasen. Es ist schon erstaunlich, wir sind fast auf Höhe des Montblanc, also dem höchsten Punkt der Alpen, und hier wird noch Weidewirtschaft betrieben. Wobei das natürlich nur in wenigen Monaten des Jahres möglich ist. Ansonsten ist es hier schlicht viel zu kalt und die Tiere finden dann unter dem Schnee auch kaum noch Nahrung. Um uns herum dann ein großartiges Bergpanorama. Auf der linken Seite sind die Berge ein wenig kleiner und braun, auf der rechten Seite sind dann die weißen Riesen. Nach dem Nachmittagstee machen wir es wie am Vortag, also wieder ein kleines Stück bergauf, um unsere Höhenanpassung zu fördern. Die britische Gruppe, mit denen wir in den letzten Tagen mehr oder weniger zeitgleich unterwegs waren, haben wir heute dann verloren. Sie schieben einen weiteren Akklimatisationstag auf der Khambachen Alm ein. In dem Zusammenhang vielleicht noch einmal ein kleiner Hinweis zum Schuhwerk unseres Begleitteams. Seit Ghunsa haben sie ihre Plastiksandalen ins Gepäck gepackt, dafür sind sie inzwischen alle mit richtigen Schuhen unterwegs. Über die Passgenauigkeit hatte ich mich ja schon einmal ausgelassen. Aber immerhin sind die Schuhe deutlich wärmer.

Aus gegebenem Anlass an dieser Stelle noch ein paar Hinweise zur Höhenkrankheit. Sie tritt ab einer Höhe von etwa 2500 m auf. Ab einer Höhe von etwa 4500 m sind bei fehlender Akklimatisation zwischen 50 und 75 % der Bergsteiger betroffen. Neben der absoluten Höhe spielen die Aufstiegsgeschwindigkeit, sie sollte möglichst nicht mehr als 500 m pro Tag sein, fehlende Ruhetage, das Alter, Menschen unter 46 Jahren leiden deutlich häufiger darunter, und das Geschlecht eine Rolle. Dabei leiden Frauen prozentual häufiger als Männer daran. Entgegen der allgemeinen Annahme, dass die Fitness eine Rolle spielt, gilt dieses inzwischen als überholt. Man wird dann nur schlicht früher müde. Interessanterweise leiden Tibeter seltener darunter, da sie eine höhere natürliche Atemfrequenz haben als andere Völker, auch wenn diese ebenfalls traditionell in größeren Höhen leben. Die Ursache, warum es zur Höhenkrankheit kommt, ist der mit zunehmender Höhe fallende Luftdruck. Die normale Regulierung des Atems durch den Körper funktioniert an dieser Stelle leider nicht, da diese nur auf den Kohlendioxidgehalt des Blutes reagiert. Der ist aber normal, es gelangt einfach nur weniger Luft über die Lungen in den Blutkreislauf, was an der Verengung der Blutgefäße wegen des geringeren Luftdrucks liegt. Zuweilen kommt es dann zu einer schnellen und sehr flachen Atmung, was eigentlich das Gegenteil von dem bewirkt was nötig wäre. Am besten in solchen Situationen ist ruhiges und sehr tiefes Ein- und Ausatmen. Häufiges Gähnen in der Höhe ist übrigens auch nicht unbedingt ein Zeichen für Müdigkeit, sondern verbessert die Atmung in der Höhe. Ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers. Durch die schnelle flache Atmung (Hyperventilation) steigt der pH-Wert im Blut. Das führt zu dem bekannten Symptom der Kopfschmerzen oder in ausgeprägteren Formen zu Verwirrung, Sinnestäuschung und Gleichgewichtsstörungen. Bei einer besseren Akklimatisation können Nieren diesen Effekt abmildern. Dabei kommt es allerdings zu einer Entwässerung des Körpers, warum auch die Zufuhr von sehr viel Flüssigkeit in der Höhe sehr wichtig ist. Dort braucht man also deutlich mehr Flüssigkeit als in der Ebene. Hier sollte man also immer auf die Farbe des Urins achten. Am Morgen darf er gelblich sein, sollte dann aber im Tagesverlauf klar werden, das gilt übrigens auch im Flachland. Neben den Kopfschmerzen sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Ohrensausen häufige Begleiterscheinungen der Höhenkrankheit. Auch Schlafstörungen gehen meist einher. Die größte Gefahr ist aber, dass sich wegen der Erhöhung des Blutdruckes in der Lunge oder im Gehirn Flüssigkeit ansammelt. Diese bildet Ödeme, was im schlimmsten Falle tödlich verlaufen kann.