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12. Reisetag        Victoria Falls – 14.09.2016

Nach einem gemütlichen Frühstück geht es für uns wieder weiter. Es steht mit Simbabwe das nächste Land unserer kleinen Rundreise auf dem Programm. Von Kasane sind es nur wenige Kilometer bis zur Grenze. Hier in dieser Ecke treffen mit Botswana, Simbabwe, Sambia und Namibia vier Länder aufeinander. Es soll auch der einzige Punkt der Erde sein, wo vier Länder unmittelbar aneinandergrenzen. Die Grenzformalitäten sind ein bisschen afrikanisch bürokratisch. Die Ausreise aus Botswana ist noch relativ schnell erledigt. Vor der Einreise nach Simbabwe ist im Gegensatz zum Grenzübertritt von Südafrika nach Botswana nur eine kurze LKW-Schlange. Und die LKWs hier sehen schon ein bisschen länger „eingefahren“ aus. In Südafrika und Botswana sind die Lkw alle recht neu gewesen. Aber im Gegensatz zu diesen beiden Ländern ist Simbabwe sehr arm, oder eigentlich müsste man wohl sagen, von der seit Jahrzehnten regierende Gruppe um Präsidenten Mugabe heruntergewirtschaftet.

Dazu gleich mal ein Blick auf die Geschichte. Im Jahre 1893 erwarb Cecil Rhodes das Gebiet des heutigen Simbabwes. Er machte es zu einem Teil von „seinem“ Rhodesien. Dieses wurde 1911 aufgeteilt in Nord-Rhodesien, das heutige Sambia, und Süd-Rhodesien, das heutige Simbabwe. Im Jahre 1922 wurde Süd-Rhodesien Siedlungskolonie. Das bedeutete, dass nur noch britische Einwanderer ins Land kamen, und die klimatisch günstigen Gebiete unter diesen weißen Einwanderern verteilt worden sind. Bisher dort lebende Schwarze Farmer wurden aus dem Gebiet verdrängt. Im Jahre 1953 wurden das heutige Malawi, Sambia und Simbabwe von der britischen Regierung in eine Kolonialföderation zusammengefasst. Im Jahre 1964/1965 wurden Malawi und Sambia unter von Schwarzen angeführten Regierungen unabhängig. In Simbabwe erklärte die weiße Minderheit, massiv unterstützt durch das Apartheidregime Südafrikas, ebenfalls ihre Unabhängigkeit und nannten ihren Staat Rhodesien. Dieser wurde von der britischen Regierung nicht anerkannt und daher blieb auch die Unabhängigkeit politisch gesehen in der Schwebe. Im Jahr 1980 schließlich gab es die ersten freien Wahlen, an der endlich auch die schwarze Bevölkerung teilnehmen konnte. Das Land benannte sich in Simbabwe um, der Name leitet sich vom Great Zimbabwe ab, den steinernden Zeugnissen einer großen befestigten Anlage, die zwischen dem 11. und 15 Jahrhundert immer weiter ausgebaut wurde, und vermutlich Sitz eines Reichs des Shona Stammes, einem Bantuvolk, ist. Sie gilt heute als erster und größter aus Steinen erbaute Palast und gleichzeitig Festungsanlage südlich der Sahara. Die Schreibweise von Zimbabwe in Simbabwe entwickelte sich noch später, in der Schweiz etwa gilt Zimbabwe auch heute noch die offizielle Schreibweise des Landes. Robert Mugabe wurde der erste Premierminister. Die ersten zehn Jahre seiner Regierungszeit hatten durchaus Erfolge vorzuweisen, die Wirtschaft wuchs, das Gesundheitswesen wurde ausgebaut und schwarze Kleinbauern unterstützt. Dennoch blieb bis 1990 über 70 % der landwirtschaftlichen Flächen in den Händen von 4000 Weißen. Im Jahre 1990 begann er seine Politik, die zuvor eher maoistisch ausgerichtet war, deutlich zu verändern, nicht zuletzt auf Druck des IWF. Dies brachte insbesondere die schwarzen Kleinbauern in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Kritische Stimmen und Oppositionelle wurden durch den Geheimdienst verfolgt, eingeschüchtert und teilweise umgebracht. Der Druck aus der Bevölkerung auf die Regierung wurde trotzdem größer, sodass diese im Jahre 2000 eine große Landreform durchführte. Man kaufte unter Zwang zu festgelegten Preisen den Weißen ihre Farmen ab. Das erklärte Ziel war, dieses Land an die Arbeiter der Farmen und die übrige schwarze Landbevölkerung zu verteilen. Große Teile der Farmen wurde dann allerdings an Regierungsmitglieder und deren Familien bzw. Günstlingen verteilt. Diese hatten oftmals aber überhaupt keine Qualifikation zur Führung einer Farm. Bei den Teilen, die tatsächlich an die schwarze Landbevölkerung verteilt worden sind, waren die neuen Besitzer zuweilen völlig überfordert mit der Führung des neuen Landes. Zudem zerstörten viele Weiße vor der Übergabe die Bewässerungseinrichtung und brachten ihre Tiere um, bevor sie praktisch enteignet worden sind. Dies brachte die Wirtschaft des Landes faktisch an den Rand des totalen Zusammenbruchs. Die Arbeitslosenzahlen stiegen in der Spitze bis auf 95 %. Die internationale Isolation des Landes tat ein Übriges. Die Inflationsrate stieg von schon alarmierenden 55 % im Jahre 2000 auf 1000 % im Jahre 2006. Zwei Jahre später betrug sie bereits 100.000 % pro Jahr. Die einstige Kornkammer des Kontinents litt unter Hungersnöten. Neben der Landwirtschaft war zu früheren Zeiten auch der Abbau von Rohstoffen eine wesentliche Einnahmequelle des Landes. Aber auch hier brach die offizielle Produktion zusammen. Im Jahre 2004 betrug etwa die Goldproduktion noch 17 t, im Jahre 2012 waren es noch 900 g. Die Ausbeute verschwand zunehmend in dunklen Kanälen und wurde illegal aus dem Land geschafft. Simbabwe war auch einer der größten Lieferanten der sogenannten Blutdiamanten, von denen vor ein paar Tagen schon mal die Rede war. Die Korruption grassierte. Mugabe war längst zum Diktator geworden. Er und die Regierung setzte den allgegenwärtigen Geheimdienst gegen alles ein, was ihre Machtposition gefährden könnte. Er selbst machte sich zum Präsidenten auf Lebenszeit. Zur Anzahl der Einwohner von Simbabwe gibt es durchaus sehr unterschiedliche Angaben. Es werden Zahlen zwischen zehn und 13 Millionen genannt. Neben der Immunschwäche Aids, die ein großes Problem insbesondere in der Bevölkerungsgruppe zwischen 20 und 40 Jahren ist, haben etwa 4-5 Millionen das Land verlassen, um im benachbarten Ausland zu arbeiten. So schätzt man, dass allein 3 Millionen von ihnen heute in Südafrika leben. Einer von ihnen ist übrigens der Fahrer unseres zweiten Jeeps.

Aber zurück zu unserem Grenzübertritt. Wir haben Glück, vor uns sind nur ein paar Japaner, hinter uns kommt dann ein ganzer Bus Amerikaner an. Doch zu unserer Überraschung begrüßt uns der Grenzbeamte zunächst einmal auf Deutsch. Wie üblich füllt man sein Formular aus, zahlt 30 US-Dollar für ein Visum und gibt seinen Pass dazu ab. Der Grenzbeamte prüft das Formular und vereinnahmt die Visumsgebühr. Er gibt den Pass dann an seinen Kollegen weiter, der diesen einscannt. Anschließend trägt er per Hand die Daten noch einmal auf einen Aufkleber ein, der dann in den Pass geklebt wird. Da stehen dann auch so völlig überraschende Dinge wie der eigene Name drauf, nicht dass der auch schon im Pass drin steht. Aber wahrscheinlich wird eine Kopie irgendwo in Papierform abgelegt, die sowieso niemand wiederfindet. Während des Ausfüllen der Visumsaufkleber bitte man uns doch wieder nach draußen zu gehen, wobei uns ein vorbeikommender Grenzbeamte noch empfiehlt, doch in den Schatten zu gehen, da es sehr warm ist. Nach weniger als einer halben Stunde sind alle Visa fertig, und wir bekommen die Pässe über unseren Guide zurück. Woraus man locker schließen kann, dass hier die Empfehlung den eigenen Reisepass niemals aus den Augen zu lassen nicht gilt bzw. nicht umsetzbar ist. Unser Guide hatte im Vorfeld bereits organisiert, dass ihm ein Helfer für ein paar Dollar die Formalitäten für die Mitnahme unserer beiden Fahrzeuge regelt. Wie er uns sagte, könnten sonst durchaus einmal ein paar Stunden ins Land gehen, bis das geregelt ist, wenn der diensthabende Beamte schlechter Laune ist. Für die beiden Fahrzeuge und den Anhänger für das Gepäck fallen übrigens 320 US-Dollar an zusätzlichen Gebühren inklusive einer Versicherung an. Offizielles Zahlungsmittel in Simbabwe ist seit 2009 und der Hyperinflation nicht mehr der Sim-Dollar sondern US-Dollar, Euro, südafrikanische Rand und der chinesische Renminbi, letzterer übrigens nach einem Schuldenerlass durch China in Höhe von 40 Millionen im Jahre 2012. Tatsächlich auf der Straße, zumindest in Victoria Falls, findet aber eigentlich nur der US-Dollar Verwendung. Das gilt zumindest für die Banknoten, Münzen hat man eigene Simbabwe Münzen, da man vermutlich sonst auch nicht genug Wechselgeld hätte. Vielleicht noch ein kleiner Vorgriff, im Jahre 2009 wurden alle Banknoten in Sim Dollar für ungültig erklärt. Auch vorher waren sie schon aufgrund der Hyperinflation faktisch wertlos, aber in dem Jahr wurde es dann auch offiziell. Bei einem fliegenden Händler kaufe ich am Nachmittag drei alte Banknoten Sim-Dollar. Im Zuge der Inflation wurden immer wieder eine Anzahl von Nullen gestrichen auf den Banknoten. So ist die Gültigkeit auch ein bisschen vom Zeitpunkt des Druckes abhängig. Ein fliegender Händler bietet mir zunächst einen Schein seine Auswahl für drei US-Dollar an, ein wohl eher nicht ernst gemeintes Angebot. Wir einigen uns schließlich auf drei Scheine nach seiner Wahl für einen US-Dollar. Für ihn sicherlich immer noch ein gutes Geschäft, schließlich hat er wieder einem Touristen eigentlich wertloses Papiergeld „angedreht“. Ich erhalte dafür einen relativ alten 500 Sim Dollar Schein, der zur Zeit seines Drucks die höchste Banknote war. Dazu bekomme ich noch Scheine aus dem Jahre 2007 und 2008 von 50 bzw. 100 Millionen Sim-Dollar.

Wir verlassen schließlich die Grenzstation und fahren Richtung Victoria Falls. Bereits nach 2 km kommen wir in eine praktisch immer vorhandene Polizeikontrolle. An unserem Fahrzeug werden nur ein paar Aufkleber geprüft, dazu der Führerschein des Fahrers. Im zweiten Fahrzeug muss man zusätzlich noch den Feuerlöscher vorweisen. Auch damit ist unser Guide sehr zufrieden, er meinte, man könnte auch schon mal deutlich mehr Zeit damit verbringen. Von hier sind es noch etwa 100 km bis zu unserem Ziel Victoria Falls, wo wir gegen 13:00 Uhr eintreffen. Zuvor haben wir noch einen kurzen Stopp bei einem mächtigen Affenbrotbaum eingelegt. Sein Stamm hat einen Umfang von ca. 23 m und eine Höhe von knapp 25 m. Sein Alter wird auf 2000-3000 Jahre geschätzt.

Am Nachmittag machen wir noch eine Besichtigung der Victoria Wasserfälle von der Simbabwe Seite, auf der auch noch Wasser herabstürzt. Der Teil der Fälle, der zu Sambia gehört, ist bereits fast komplett trocken. Die Victoriafälle sind sicherlich eine der bekanntesten Touristenattraktionen des ganzen Kontinents. Und natürlich auch der Grund warum wir überhaupt hier sind. Auf der Seite von Simbabwe kann man praktisch gegenüber der Abbruchkante entlanggehen. Und auch wenn der Sambesi im Moment nur relativ wenig Wasser führt, so ist die Gischt und die permanent vorhandenen Regenbögen schon sehr beeindruckend. Als Tagesabschluss machen wir noch eine kurze Stippvisite nach Sambia. Zwischen der Ortschaft Victoria Falls und Livingstone in Sambia wurde 1905 eine Stahlbrücke gebaut, sie spannt sich auf einer Länge von 250m über den Sambesi, wobei der Hauptbogen 150m lang ist. Die Brücke befindet sich etwa 125m über dem Sambesi. Bei ihrem Bau wurde sie für eine Nutzungsdauer von 100 Jahren ausgelegt. Bei Nachberechnungen der Statik, und Untersuchungen der Stahlträger hat man aber festgestellt, dass sie noch viel länger halten wird. Über sie können wir gehen, um kurz sambischem Boden zu betreten. Einreisen wollen wir natürlich nicht, so sparen wir uns die Formalitäten auf beiden Uferseiten. Eine afrikanische Lösung mal kurz am Zoll vorbei zu gehen, mit dem Versprechen natürlich gleich wieder zu kommen, die in Europa außerhalb des Schengen Raums sicherlich nicht denkbar wäre. Über diese Brücke führt übrigens auch ein Eisenbahnstrang, der Teil des von Cecil Rhodes geplanten Bahnverbindung zwischen Kairo und Kapstadt ist. Auch wenn diese niemals fertiggestellt wurde. Daneben gibt es noch eine einspurige Straße und links und rechts jeweils einen Fußgängerüberweg. Insbesondere Fußgänger und Radfahrer sind einige unterwegs, die hier ganz offensichtlich den kleinen Grenzverkehr abwickeln. Insbesondere in Simbabwe sind aufgrund der internationalen Embargos viele Waren nicht erhältlich. Und es steht zu vermuten, dass man hier bei den kleinen Händlern schon mal ein Auge zudrückt. Unter der Brücke ist es übrigens möglich, Bungee Jumping zu machen, praktisch direkt auf der Grenze zwischen zwei Staaten. Auch wieder eine eher afrikanische Lösung. Und wer möchte, kann auf dem Sambesi unterhalb der Fälle auch an Raffting-Touren teilnehmen. Auch die finden quasi auf der Grenze statt. Manchmal scheint man in Afrika viel prakmatischer mit Grenzverläufen umzugehen, noch dazu welche, die von Kolonialmächten willkürlich festgelegt worden sind, völlig ohne Berücksichtigung ethnischer Stammeszugehörigkeiten. Leider ist das nicht überall in Afrika so, an vielen Orten trägt der Kontinent schwer an der Inkompetenz bzw. ganz anderen Interessen von Regierenden in fernen Ländern, denen lokale Gegebenheiten schlicht egal waren, teilweise entschied man gar am Reißbrett über Grenzverläufe, ohne überhaupt jemals vor Ort gewesen zu sein. Europa hat sich dabei nicht gerade mit Ruhm bekleckert.