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16. Tag         24.08.2013 – Tarkhiin Tsagaan nuur

Alte Gewohnheiten wechselt man nicht so schnell, also sind die Zeiten heute wie immer: Frühstück um 7 und Abfahrt eine Stunde später. Jedenfalls für die die wollen. Da wir noch eine Nacht hier bleiben, entfällt das morgendliche Packen, ein Zelt gilt es auch nicht abzubauen. Also mehr als genug Zeit um es auch langsam angehen zu lassen. Und wer möchte kann diese Langsamkeit auch zum Tagesmotto machen und sich einfach mal einen Tag „hängen“ lassen. Wer etwas mehr Aktion möchte, kann an einer kleinen Wanderung auf einen Gipfel in der direkten Umgebung teilnehmen. Er ist etwa 2860m hoch und damit einer der größeren hier, was dann eine gute Aussicht verspricht. Noch dazu ist er in unmittelbarer Nähe des Tsagaan nuur. Wir fahren noch ein kleines Stückchen heran, dann eben noch die üblichen kleinen Vorbereitung, so kommen wir gegen 8.30 wirklich los. Der Berg, übrigens namenlos, ist fast komplett bewachsen. Lediglich die letzten paar Höhenmeter bestehen wirklich aus Felsen. Unten kommen wir noch an einem Stall vorbei, aus dem sich gerade eine kleinere Herde Pferde auf gemacht hat. Jemanden der auf die Tiere aufpasst sucht man wie praktisch immer vergebens. Die Tiere gehen einfach ihrer Wege, allenfalls abends werden zumindest die Nutztiere, die auch gemolken werden sollen, zur Jurte getrieben. Alle anderen kommen mehr oder weniger freiwillig zu ihrem Pferch zurück. Weiter hinauf stehen noch ein paar Büsche an einem kleinen Wasserlauf, der fast unsichtbar durchs Gras gurgelt. Aber wer nicht aufpasst, holt sich doch schnell nasse Füße. Weiter hinauf geht es später noch durch ein kleines Geröllfeld. Das ist zwar etwas kraftraubender, macht mir aber eigentlich mehr Spaß, als einfach nur über die „Wiese“ nach oben zu stapfen. Oben ist der Berg, wie fast alle benachbarten auch, mehr oder weniger flach. Auch hier sprießt noch das Grün, lediglich zwei kleine Felsentürme zeigen sich auf der Fläche. Wobei der höhere Turm nicht mal die Spitze des Bergs ausmacht. Das Tagesziel ist erreicht, und so gehen wir dann gegen 12.15 Uhr auch zur Mittagspause über. Da es etwas zugig ist, suchen wir uns ein etwas windgeschütztes Plätzchen an der Sonne. Dabei haben wir einen schönen Blick auf den Khorgo uul, jenem Vulkan dem wir gestern einen kurzen Besuch abgestattet hatten. Das Leben meint es ganz offensichtlich ganz gut mit uns. Obwohl … man sieht einige dunkle Wolken heran ziehen. Also beginnen wir mit dem Abstieg, nachdem wir beim Aufstieg noch einen kleinen Bogen geschlagen haben, geht es jetzt fast direkt in Richtung des Sees. Dessen Ausmaß man von oben erst richtig erahnen kann. Er hat eine Länge von rund 16km und ist dabei zwischen 4 und 10km breit bei einer Tiefe von ca. 20m. Entstanden ist er einmal, als erkaltende Lavaströme des Khorgo uul den Ablauf des Flusses Terkh versperrten. Heute ist der See sehr fischreich, es gibt vor allem Lachse, Forellen und Hecht. Seinen Namen Terkhiin Tsagaan nuur, was übersetzt etwa Weißer See bedeutet, bekam er wegen dem Schnee, der auf dem manchmal bis in den Mai hinein zugefrorenen See liegt. Aber jetzt ist er schön blau, so soll es auch sein. An einer Stelle, an der wir gestern bereits vorbei gefahren waren, und wir beim Abstieg praktisch drauf zu gehen, stehen einige schwarze Steinmännchen, erbaut aus dem schwarzen Lavagestein. Von dort werden wir wieder mit den Fahrzeugen abgeholt, so sind wir auch kurz nach 15 Uhr zurück im Camp.

Wer möchte, hat auch heute noch mal eine Gelegenheit zum einem Ausritt auf Pferden. Die Nachfrage ist nach den Erfahrungen im Orkhon Tal schon deutlich größer. Heute sollte auch freies Reiten möglich sein. Ich selbst beschließe mir stattdessen einfach noch mal in aller Ruhe eine warme Dusche zu gönnen. Das grenzt dann aber auch schon fast an Luxus, zwei warme Duschen an aufeinander folgenden Tagen. Außerdem hänge ich auch noch ein bisschen mit meinen Tagesberichten. Inzwischen sind auch die Mongolen aus der Nachbarjurte wieder draußen aktiv, heute Morgen sahen sie noch etwas „mitgenommen“ vom gestrigen Abend aus. Aber sie haben ja genauso Ferien wie wir auch, also wieso nicht auch mal über die Strenge schlagen. Das Camp bietet neben der Natur auch noch ein paar weitere Freizeitmöglichkeiten an. Es gibt Tischtennis, man kann Quads mieten oder sich auch in einer der drei Wettkampfarten des Naadam versuchen: Bogen schießen. Das versuchen wir dann auch noch vor dem Abendessen. OK der Bogen war eher einer der günstigeren Varianten aus chinesischer Produktion. Aber für blutige Anfänger wie uns reicht es alle mal. Wir wollen ja keine Heldentaten vollbringen, und auch aus dem sicheren Stand ist auch das Treffen eines alten Fells in einem Gestell ein bisschen Glückssache, aber lustig war’s.

Noch ein paar Worte zum Naadam. Es ist das größte Volksfest in der Mongolei, jede etwas größere Ortschaft veranstaltet eins. Das größte ist natürlich in Ulan Bator oder UlanBataa, wie die Mongolen es nennen. Dort findet es immer vom 11. bis 13. Juli, dem Nationalfeiertag, statt. Ansonsten ist es traditionell nach das großen Schafschur und dem Beenden der Filzherstellung. Früher wurde es immer dann veranstaltet, wenn man in großen Runden zusammen kam. Ursprünglich waren alle Disziplinen nur den Männern vorbehalten. Heute treten im Bogenschießen aber auch Frauen und ältere Männer an, die nicht selten die besseren Schützen sind. Bei den Männern ist das Ziel 75m, bei den Frauen 60m entfernt und besteht aus einem faustgroßen zylindrischen Leder Behältnis. Es gibt den Titel „Guter Schütze“ zu erringen. Wobei es in dieser Disziplin mehrere Sieger geben an, teilweise gibt es sogar Wettbewerbe für Gruppen. Die zweite Disziplin ist ein Pferderennen. Dabei gibt es zwei Klassen, die 2 – 3 jährigen Pferde, und die 4 – 6 Jährigen. Als Jockeys fungieren Kinder bis Jugendliche im Alter von Sechs bis Zwölf, einfach weil sie möglichst leicht sein sollen. Bei den großen Rennen sind manchmal bis zu 1000 Pferde am Start. Die Distanz ist dabei zwischen 12 und 35km. Ein Sieg beim Naadam bringt sowohl dem Jockey als auch dem Züchter sehr viel Ruhm ein. Für die Züchter fördert er darüber hinaus noch das Einkommen, da deren Zucht dadurch praktisch ein Gütesiegel erhalten. Das siegreiche Pferd wird aber praktisch niemals verkauft. Die wohl wichtigste Disziplin ist aber das Ringen. Hier messen sich 512 Kämpfer. In den ersten Runden, die nach dem KO-Prinzip ablaufen, werden noch ungleiche Gegner bestimmt, damit die stärksten auch relativ sicher in die Finals kommen. Gewichtsklassen gibt es nicht, so sind viele der Ringer buchstäblich gewichtige Persönlichkeiten. Verloren hat, wer als erster mit einem anderen Körperteil als den Handflächen oder den Füßen den Boden berührt hat. Wer die fünfte Runde übersteht erhält den Titel Falke, wer die siebte Runde übersteht ist ein Elefant, der Gesamtsieger ist gar ein Löwe. Wer ist dann noch schafft, den Titel im nächsten Jahr zu verteidigen ist ein Titan – hatten wir nicht mal einen Fußballtorwart den man den Titanen nannte. Ähnlichkeiten sind aber natürlich rein zufällig, aber der war auch wirklich ein guter in seinem Fach. In Ulan Bator gibt es in der Nähe des Flughafens sogar eine große Sportarena nur für das Ringen. Ringen ist der Nationalsport in der Mongolei. Nicht zuletzt wurden auch 8 der bisher 15 olympischen Medaillen im Ringen, und vier weitere im Judo buchstäblich errungen. Und im japanischen Sumo-Ringen gab es im Jahr 2008 nur zwei Athleten mit dem höchsten Titel „Yokozuna“, beide sind Mongolen. Ursprünglich waren die Sportarten natürlich gleichzeitig Spiel wie auch Training der wichtigsten Kampftechniken.

Eine Besonderheit in den Gers in der Mongolei ist noch Teil des Abendessens. Unsere eigene Begleitmannschaft kocht in der offiziellen Küche mit ihren eigenen Vorräten. Es können sogar die eigenen Getränke mitgebracht werden, oder auch dort erworben werden. Allgemein gilt übrigens, je weiter man von Ulan Bator weg ist, desto teurer wird es. Eine Dose Bier 0,5L im Supermarkt in Ulan Bator hat 1080 Tugrik gekostet, hier sind es bereist 1700 Tugrik, umgerechnet etwa 85 Eurocent.