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17.04.2009      10. Reisetag - Aqaba

Am Morgen liegt der Sand endlich mehr oder wenige reglos am Boden. Bis auf ein wenig Morgendunst ist die Luft klar und noch sehr kühl. Auch am Vortag war es schließlich nicht so heiß gewesen, wie ich es eigentlich vermutet hatte. Hier im Süden von Jordanien hatten wir eigentlich immer Temperaturen oberhalb der 30°C, an einem Tag sollen es sogar 40°C gewesen sein. Doch die Luft ist eben sehr trocken, sicherlich schwitzt man, aber es ist bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr nicht eben unerträglich, und auch nicht wirklich mit heißen Sommertagen in Deutschland zu vergleichen. Und sobald die Sonne richtig aufgegangen ist, sollte es auch wieder wärmer werden. Aber in der Wüste ist es eben am Tag heiß und in der Nacht kalt. Über den hinter unserem Camp liegenden Berg kommt die Sonne langsam herüber gekrochen. Ein schönes Licht zum Fotografieren, es entstehen die wohl schönsten Bilder aus der Wüste. In unserem Wüstencamp gibt es sogar fließend Wasser. Wobei das in Kanistern herbei geschafft worden ist. Und die Waschgelegenheit ist eher ein Trog mit ein paar Absperrhähnen. Das ist zwar eigentlich mehr Zivilisation als ich im Vorfeld erwartet hatte, wirkt aber in dieser Umgebung auch irgendwie ein bisschen befremdlich. Insgesamt gefiel mir unser erstes Camp am Wadi Ghuwayr trotz oder vielleicht gerade wegen der absoluten Einfachheit besser – authentischer eben.

Unser erster Programmpunkt war eine weitere Fahrt mit dem Jeep durch die Wüste. Es sollte in Richtung der Grenze zu Saudi Arabien gehen. Die Landschaft ist abwechslungsreich aber eben auch immer wieder gleichartig. Auf dem Weg kommen wir noch an ein paar Felszeichnungen vorbei. Einer der Jeeps hat sich noch kurz ein bisschen in den Wüstensand gegraben, kaum war er wieder frei, erschien plötzlich ein weiteres Fahrzeug scheinbar aus dem Nichts. Es war ein Ranger, der die Papiere unserer Jeeps kontrollierte, also feststellen wollte, ob es ihnen erlaubt ist überhaupt hier herum zu fahren, und auch Touristen zu transportieren. Es beginnt ein großer Palaver mit dem typischen Gestikulieren der Araber. Das ist schon immer auffällig. Die Männer hantieren mit den Händen, reden laut und je lauter desto mehr Nachdruck für ihre Worte. Da die Unterhaltung auf Arabisch geführt wird, erzählt uns erst später unser deutscher Reiseleiter um was es ging. Dazu kam das wohl zwei unserer Fahrzeuge keine entsprechenden gültigen Papiere bei sich hatten. Wir sahen nur, das man sich am Ende umarmte, Hände schüttelte und Bruderküsschen untereinander verteilte. Unsere Fahrt ging jedenfalls weiter. Wobei die Fahrzeuge weiter wild hin und her kreuzten, auf den Bewuchs im Wüstensand nahm man nur beschränkt Rücksicht. Das man dadurch den ohnehin spärlichen Bewuchs in der Wüste weiter zerstörte, kam den Fahrern nicht weiter in den Sinn. Denn nur weil man hier offensichtlich nichts sieht, heißt das noch lange nicht, das da auch nichts ist. In allen Wüsten, in denen ich bisher umher gefahren worden bin, war es immer so, das man sich streng an die Pisten hielt, um nicht umnötig viel Natur zu zerstören. Aber in dem Punkt ist man hier in Jordanien noch nicht soweit. Und früher war es ja auch egal, wo genau man mit den Kamelen lang zog, doch ein Jeep hinterlässt eben deutliche Spuren in Flora und Fauna. Und er gräbt eben auch mal im feinen Wüstensand den ganzen Untergrund durch, um sich irgendwie da durch zu wühlen. Auch hier sind die Jeeps schon ein bisschen in Mitleidenschaft gezogen worden. Unser Jeep hat praktisch keine Tür mehr, die sich von innen öffnen lässt. Bei der Beifahrertür war noch ein kleiner Strick angebunden, zog man an dem ging es halbwegs zuverlässig. Alle anderen Türen inklusive der Fahrertür konnten nur von außen geöffnet werden, dazu dreht man die Scheibe runter und langte durchs Fenster von außen die Tür. Auch sonst haben wir hier die Erfahrung gemacht, das die Seitenscheibe der Fahrertür eigentlich immer herunter gedreht war, was auch den Vorteil hatte, das sich der Fahrer schön heraus lehnen konnte, wenn er mal wieder die Wege der anderen Fahrzeuge kreuzte, um zu sehen, ob genug Platz vorhanden ist.

Je länger wir unterwegs waren, desto weniger hatte ich eine Vorstellung, wo wir uns etwa befinden könnten. Nach etwa 2,5 Stunden hielten die Wagen und man erklärte uns, das dort etwas tiefer gelegen ungefähr die Grenze wäre. So genau wusste man es offensichtlich nicht. Markierungen gab es keine zu sehen, man hielt den Rand zu einem rötlicher gefärbten Sand für die Grenze. Aber wie wir ja in den beiden letzten Tagen mitbekommen hatten, bewegt sich der Sand durchaus mal ein bisschen. Aber im Grunde spielt es auch keine wirkliche Rolle, denn hüben wie drüben unterscheidet sich das Gelände eigentlich überhaupt nicht, und Bodenschätze sind hier auch nicht zu holen. So kehren wir wieder um, und fahren zurück zum Jabal Rum Camp, zurück zu unserem Gepäck und unserem Bus, der uns anschließend nach Aqaba bringen soll.

Der Weg ist schnell genommen. Und im Hotel in Aqaba gibt es erstmal eine ordentliche Dusche, trotzdem war auch danach noch eine ordentliche Sandbank in den Ohren zu finden. Schon erschreckend wie viel Sand sich in allen noch so kleinen Ritzen und Falten unterbringen lässt. Anschließend gibt es noch den letzten kleinen Spaziergang in Jordanien. Von unserem Hotel ist es nur ein kurzer Weg zum Strand. Wobei Strand eigentlich schon eine Übertreibung ist. Es ist ein braun-grauer Kieselstrand, an dem ein Cafe am anderen liegt, und die Tische bis mehr oder weniger direkt ans Rote Meer stehen. Nach europäischen Maßstäbe eigentliche kein Badestrand. Da gerade Freitag also Wochenende vergleichbar mit unserem Sonntag ist, sind alle Cafes gut besucht. An der Strandpromenade gibt es allerhand Kitsch aus chinesischer oder welchen Quellen aus Fernost auch immer zu kaufen. Dabei gibt es unzählige Stände mit dem immer wieder gleichen nicht gerade landestypischen Krimskrams.

Hier in Aqaba sehen wir dann auch das einzige Fahrzeug einer Müllabfuhr in ganz Jordanien. Überall an den Straßen im Land haben wir die großen fahrbaren Metallboxen an den Straßen gesehen, mit vielleicht ein Größe von 1000 L, aber nicht wenige von ihnen hatten nur noch drei Räder, waren ausgebrannt oder hatte ähnliche Zeichen der Nichtbenutzung. Viele standen in einer Art Parkbucht an den Straßenrändern, aber waren eben scheinbar ungenutzt. Weiter durch die Stadt ging es noch durch mehrere Geschäftsstraßen. Wobei hier eben auch unzählige fliegende Händler auf den Bürgersteigen ihr Geschäft betrieben. Die übrigen Geschäfte waren eher klein und ein bisschen voll gestellt. Auf den Bürgersteigen herrschte dichtes Gedränge, Verkaufsfreie Tage gibt es hier in Jordanien nicht. Und die Wochenenden – Freitag und Samstag, sind eher verkaufsstärkere Tage. Ein bisschen widersprüchlich finde ich zum Beispiel das Angebot an Damen-Bekleidung. Sehr viele Frauen verschleiern sich hier, gleichzeitig gibt es aber viele Geschäfte, die eine sagen wir mal leichte Kleidung feilbieten. Eine ähnliche Widersprüchlichkeit ist hier der orientalische Tanz. Die eigenen Frauen haben sich „ordentlich“ zu kleiden, was nicht zwangsläufig die Verschleierung bedeutet, aber gleichzeitig sind Frauen, die diesem Gewerbe nachgehen nicht selten Stars der Unterhaltungsbranche. Nur eine Heirat kommt damit für die meisten von ihnen nicht mehr in Frage. Deshalb stammen viele der Tänzerinnen inzwischen aus Russland oder dem Kaukasus.

An dieser Stelle vielleicht noch ein paar Informationen zu Aqaba. Die Stadt bzw. das Stadtgebiet von etwa 12 Quadratkilometer wurde erst 1965 vom König Hussein gegen eine Wüstenfläche von 6000 Quadratkilometern mit Saudi Arabien getauscht. Aqaba ist der einzige Hafen Jordaniens. Er befindet sich an einem er beiden nördlichen Arme des Roten Meeres. Hier treffen vier Staaten an einer kaum 50km langen Küstenline aufeinander. Vom Roten Meer aus gesehen ist links die Sinai-Halbinsel, also Ägypten. Es folgt die israelische Stadt Eilat, dann eben Aqaba und schließlich Saudi Arabien. Gerade Ägypten und Israel betreiben hier schon relativ lange Hafenanlagen, gleichzeitig aber eben auch Tourismus. Inzwischen trifft das auch auf Aqaba zu. Alle großen Hotelketten dieser Welt haben hier ihre Vertretung, wobei die privaten Hotelstrände auch zum Teil richtige Sandstrände sind. Gleich nach dem Strand der Einheimischen beginnt aber auch schon der Wirtschaftshafen. Und noch ein Stück weiter beginnen auch schon die Korallenbänke des Roten Meeres. Aqaba ist auch unter steuerlichen Gesichtspunkten etwas Besonderes für Jordanien. Hier gilt nur eine verminderte Umsatzsteuer von 7,5% statt der sonst üblichen 16%. Dazu passt auch eine Straßensperre von der Stadt, die ich bei unserer Einfahrt noch für eine Mautstelle gehalten hatte, auch wenn ich sonst keine im ganzen Land gesehen hatte – das hatte auch seinen Grund, es gibt keine. Jedenfalls dürfen die Jordanier eben nur Ware ihres persönlichen Bedarfs hier ausführen, ansonsten heißt es Nachversteuern.