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8. Reisetag         Poormans Paradise – 05.03.2022

Heute bleiben die Zeiten am Morgen wie am Vortag, also Frühstück um 7:00 Uhr und Abfahrt um 8:00 Uhr. Nur dass es heute wieder mit Gepäck weitergeht. Anders als sonst wird dieses heute aufgeteilt. Die nächsten Tage geht es mit dem Boot an den Rand des Corcovado Nationalparks. Auf dem Boot gibt es nur begrenzte Transportmöglichkeiten, so packen wir das Nötigste für die nächsten Tage in einen separaten möglichst wasserdichten Beutel, und der Rest bleibt im Bus. Mit diesem fahren wir auch zunächst weiter auf der Küstenstraße in Richtung Süden. Unser Ziel ist Sierpe, am gleichnamigen Fluss gelegen, wo wir gegen 10:20 Uhr eintreffen. Hier steigen wir dann nach einer kurzen Pause auf ein kleines Motorboot um. Gegen 11 Uhr verlassen wir dann Sierpe über den Rio Sierpe. Nach wenigen Minuten Fahrt steigt dann noch unser lokaler Guide für den Nationalpark zu. Unser Weg führt uns zunächst durch die Mangroven. Mangroven bestehen vor allem einmal aus Mangroven-Bäumen, die direkt an der Küste meist im sumpfigen Schwemmland wachsen. Sie sind ständig durch die Tidebewegungen direkt dem Salzwasser ausgesetzt. Dabei haben Mangroven ein kompliziertes Wurzelsystem, mit dem sie den schwierigen Bedingungen trotzen. Zwischen den Wurzeln lagern sich viele Sedimente ab, die zu einer luftdichten Schlickschicht anwachsen. Da Wurzeln aber gleichzeitig Luft zum Atmen benötigen, haben Mangroven neben den Wurzeln im Boden auch sogenannte Luftwurzeln, mit denen sie über eine Art Belüftungssystem Luft zu ihren Bodenwurzeln leiten. Durch dieses Gewirr an Wurzeln und den Sedimentablagerung sind die Mangroven gleichermaßen wichtig als Küstenschutz, bezüglich der Sturmwellen incl. Tsunamis, als Schutz gegen die Erosion von Landmasse, wie auch als Kinderstube für zahlreiche Fische, Muscheln, Krabben, Krebsen und Garnelen. Aber auch zahlreiche Reptilien und Vögel leben in den Mangroven. Sie gelten neben den Regenwäldern zu den produktivsten Ökosystemen der Erde und stellen einen riesigen CO2-Speicher dar. Mangrovenwälder sind wegen der schwierigen Lebensbedingungen meist mit fünf bis acht Meter für ihre tropischen und subtropischen Klimazone, in der sie vorkommen, relativ klein. Sie benötigen eine ganzjährig durchgehende Wachstumsperiode, und Wassertemperaturen von rund 20°C. Auch wenn sie Techniken entwickelt haben, die Salzaufnahme zu reduzieren, so haben sie darüber hinaus je nach Mangrovenart verschiedene Fähigkeiten, dieses dann auch wieder los zu werden. So gibt es Arten, die das Salz über Drüsen auf der Unterseite der Blätter wieder ausscheiden. Andere lagern das Salz in den Blättern ein, und werfen die dann ab einer bestimmten Belastung wieder ab. Interessanterweise vergehen die Blätter der Mangroven unter Wasser deutlich langsamer als an der Luft. Auch das dient wieder der Bindung der Sedimente als Schutz gegen die Wassererosion.

Der Rio Sierpe ist an seiner Mündung ein mächtiger Strom. An der Mündung selbst scheint es dann einige Sandablagerungen zu geben, die zu einer ordentlichen Brandung in dem Bereich führt. Unser Kapitän sucht mehrfach eine günstige möglichst nicht zu große Welle, um auf das offene Meer hinauszukommen. Gleichzeitig mit uns sind noch zwei weitere Boote buchstäblich auf der Suche nach der perfekten - nicht zu hohen - Welle. Man sieht unserem Kapitän deutlich an, dass er ein bisschen angespannt ist. Schließlich geht es dann mit Schwung aufs Meer. Dort fahren wir dann ein Stück die Küste entlang, wo wir nach einer Gesamtfahrzeit von ca. 1,5 Stunden an den Strand der Poormans Lodge ankommen. Unser Kapitän fährt ein bisschen versetzt zur Lodge selbst vor den Strand um sich dann rückwärts langsam auf diesen zuzubewegen. Bevor wir an den Strand gespült werden, muss logischerweise der Motor hoch gekippt werden, damit die Schraube keinen Schaden nimmt. Gleichzeitig muss er mit seinen beiden Helfern natürlich darauf achten, möglichst im rechten Winkel auf den Strand zu zutreiben. Die beiden Helfer versuchen dann das Boot möglichst ruhig zu halten um uns „Touris“ ein einfaches Aussteigen zu ermöglichen. Ein Hauch von Abenteuer, bei dem man aber kaum mehr als bis zu den Knien im Wasser steht. Am dunklen Strand geht es dann bis zum eigentlichen Zugang der Lodge zum Meer zurück. Unser kleines Boot fährt noch mal direkt vor der Lodge rückwärts an den Strand, um unser kleines Gepäck zu entladen. Hier ist die Brandung deutlich lebhafter, aber so viel Abenteuer war dann für uns wohl nicht vorgesehen. Sorgte dann aber natürlich auch dafür, dass der kleine Tagesrucksack mit darin befindlicher Kamera und sonstigen Wertgegenständen sicher trocken blieb.

Nach unserer Ankunft gibt es das Mittagessen. Am Nachmittag unternehmen ein paar von uns noch einen Spaziergang über einen Pfad am Strand bzw. durch den angrenzenden Regenwald. Bis auf zwei roten Aras, einem Schwefelmaskentyrann und ein paar Krebsen bekommen wir nicht viel zu sehen. Wobei Vögel ohnehin ein schwieriges Motiv sind. Der Schwefeltyrann tut mir den Gefallen, sich kurz auf ein altes verrostetes Schild auf einer benachbarten Lodge zu setzen. Ansonsten hört man die Vögel, aber zu sehen bekommt man sie nur selten. Dabei ist Costa Rica für die Artenvielfalt nicht nur in der Vogelwelt bekannt. Es gibt insgesamt rund 900 verschiedene Vogelarten, das sind fast 10% aller auf unserem Planeten vorkommenden Arten, und dabei ist Costa Rica mit seinen 51000 Quadratkilometern nur sehr klein. Zum Vergleich gibt es in ganz Europa nicht halb so viele Arten. Rund zwei Drittel der vorkommenden Vogelarten leben das ganze Jahr in Costa Rica. Die benachbarte Lodge wird im Moment übrigens nicht bewirtschaftet, stattdessen steht sie zum Verkauf. Offensichtlich ist sie auch ein Corona-Opfer, im Zuge der Pandemie hat der Tourismus wie überall stark gelitten, und nicht alle haben und werden das wirtschaftlich überleben. Es ist lediglich ein Gärtner zu sehen, der die Anlage gegen den wuchernden Regenwald „verteidigt“. Als es am Abend Zeit für das Abendessen wird, erleben wir unseren ersten kleinen Regenschauer, seit wir in Costa Rica sind. Aktuell befinden wir uns zum Ende der Trockenzeit hin, was aber natürlich nicht bedeutet, dass es keinen Regen mehr gibt. Er ist nur eben viel seltener und vor allem nicht so lang andauernd und nicht so ergiebig wie in der Regenzeit. Die Osa-Halbinsel, auf der sich der Corcovado Nationalpark befindet, gehört zu den regenreichsten Gebieten in Costa Rica. Hier gibt es deutlich mehr als 5000 Liter Niederschlag im Jahr, allein im Oktober sind es bis zu 800 Liter. Zum Vergleich sind es in Deutschland im ganzen Jahr kaum mehr. Dazu beträgt die Luftfeuchtigkeit im Februar/März durchschnittlich um die 82%. Im Oktober steigt sie auf über 90% an. Kein Wunder also, warum es hier „Regenwald“ gibt.