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12. Reisetag         Taganga – 12.02.2020

Heute beginnt der Tag früh, sehr früh. Frühstück soll um 5:30 Uhr sein und Abfahrt dann um 6:00 Uhr. Mit letzterem hängen wir ein bisschen, aber darauf kommt es eigentlich auch überhaupt nicht an. Heute ist ein Fahrtag, genauer gesagt geht es auf einer der wichtigsten Strecken des Landes Richtung Norden. Unser Ziel ist Santa Marta bzw. genauer eigentlich Taganga, das direkt am Meer gelegen ist. Das erste Stück windet sich die Straße noch durch die Berge, was logischerweise einen schier endlosen Kurvenreigen bedeutet. Der auf der Straße neben den dazwischen wohlwollenden kleinen Mopeds mehr LKWs als PKWs unterwegs sind, geht es nur langsam voran. Und kaum haben wir uns an einem der Brummis vorbei geschoben, hängen wir hinter dem nächsten fest. Die großen Verbindungsstraßen sind Mautpflichtig. Dabei wird die Maut nach der Anzahl der Achsen erhoben. Mopedfahrer sind von ihr ausgenommen. Meist im Bereich der Mautstellen aber auch bei den „stillen Polizisten“ sind dann häufig fliegende Straßenhändler unterwegs, die Früchte, Getränke oder auch kleine Snacks anbieten.

Insgesamt ist das Straßennetz in Kolumbien selbst für mittel- bzw. südamerikanische Verhältnisse eher schlecht ausgebaut. Es gibt rund 113.000 km Straßennetz, davon sind allerdings nur rund 26.000 km asphaltiert. Dabei hat Kolumbien eine Fläche von etwa 1,14 Millionen Quadratkilometer, zum Vergleich gibt es in Deutschland etwa 232000 Kilometer befestigte Straßen bei einer Fläche von rund 357000 Quadratkilometer. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass Kolumbien lediglich rund 49 Millionen Einwohner hat, während es in Deutschland inzwischen 83 Millionen sind. Damit bringt Kolumbien es auf etwa 43 Einwohner pro Quadratkilometer, in Deutschland ist der Wert gut beim fünffachen. Der öffentliche Nahverkehr besteht in Kolumbien praktisch ausschließlich aus privaten Buslinien. Dabei konkurrieren zahlreiche Unternehmen miteinander, die sich zum Teil deutlich im Preis aber auch im Komfort bzw. der Qualität des Service unterscheiden. Dabei ist alles zwischen großem Reisebus bis hin zum Kleinbus unterwegs. Ein Sonderfall ist der TransMilenio in der Hauptstadt Bogota. Er verkehrt auf Extraspuren und verbindet feste Haltestellen. Dazu gibt es eine feste Taktung der Fahrzeiten. Im Jahre 2019 zählte man über 680 Million Fahrgäste, das macht zwischen zwei und 2,5 Millionen pro Tag. Dafür sind aber auch über 2000 Busse im Einsatz, die meisten von ihnen sind schon ein bisschen älter, die meisten der Busse entsprechende Euronorm 2 oder 3. Das liegt daran, dass dieses Bussystem erst seit 2005 wirklich im größeren Maßstab etabliert wurde, und viele der ersten Busse heute noch im Einsatz sind. In den letzten Jahren experimentierte man mit den ersten Elektrobussen, aber auch Hybridversion sind unterwegs. Die meisten Fahrzeuge sind Gelenksbusse, einige neuere sind auch Doppelgelenksbusse mit einer Gesamtlänge von über 27 m. Dabei befördern diese Fahrzeuge dann bis zu 260 Fahrgäste. Die Fahrkarten werden an den Eingängen der Haltestellen verkauft, und nur mit ihnen erhält man überhaupt Zutritt zu den Haltestellen. Sie gelten dann 95 Minuten, und man kann inklusive Umsteigen damit dann kreuz und quer durch die Stadt fahren. Dabei kostet ein Ticket dann 2200 Peso, umgerechnet etwa 0,65 €. Der TransMilenio verkehrt nur im inneren Bereich der Metropole Bogota mit ihren rund 7,5 Millionen Einwohnern. In die Außenbereiche fahren zusätzliche Zubringerbusse. Geschaffen wurde der TransMilenio als günstige und relativ schnell und einfach zu schaffender Ersatz für die schon sehr lange angedachte aber bis heute nicht realisierte U-Bahn für die Stadt. Das System wurde später in weitere Städte wie Santiago de Chile oder Jakarta übernommen. Der Schienenverkehr ist in ganz Kolumbien nur sehr schwach ausgeprägt. Für den Personenverkehr gibt es gar nur drei relativ kurze Linien, die vor allem von Touristen genutzt werden. Auch gibt es in Kolumbien noch zwei unterschiedliche Spurweiten. Das ist mit einer Streckenlänge von rund 3300 km eine Schmalspur von 914 mm, und auf weiteren ca. 150 km eine Normalspur mit 1435 mm, wie man sie auch zum Beispiel in großen Teilen Europas nutzt. Interessanterweise ist die Normalspur lediglich eine Strecke für den Kohletransport. Aber auch sonst dient der Schienenverkehr fast ausschließlich dem Gütertransport. Und hier ist es vor allem die Kohle, die per Eisenbahn in Richtung der Häfen für den Export transportiert wird. Andere bedeutende Exportgüter sind Erdgas, Erdöl, Erdölderivate, Smaragde, Gold und Nickel aus dem Rohstoffbereich. Aus dem Bereich der Landwirtschaft ist das vor allem Kaffee, aber auch exotische Früchte, Zucker und Zuckerrohr, Reis, Tabak und nicht zu vergessen Schnittblumen. Die Ausfuhr von Industriegütern ist nicht besonders ausgeprägt. Viele der Exportgüter werden dabei verschifft. Kolumbien hat große Häfen in der Karibik aber mit Barranquilla auch einen am Pazifik. Bei den Flughäfen ist vor allem der in Bogota international bedeutend. Ansonsten gibt es annähernd 1000 weitere öffentliche Flughäfen, die aber zumeist nur eine regionale Bedeutung haben. Fortschrittlich ist man in Kolumbien bei der Stromerzeugung, hier werden rund zwei Drittel durch Wasserkraft erzeugt, und ein weiteres Drittel durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern, und hier ist der weitaus größte Teil relativ sauberes Erdgas.

Aber zurück zu unserem Tag. Nach dem wir Bucaramango, die Hauptstadt des Departementos, etwa mit unseren Bundesländern zu vergleichen, Santander mit seinen etwas mehr als 500000 Einwohnern hinter uns gelassen haben, wird der Verkehr flüssiger. Das Land wird ebener, und uns stehen schon bald zwei Fahrspuren je Richtung zur Verfügung. Die Rinderherden beidseitig der Straße werden größer, und auch die Weidezäune sind hier intakt. Es scheint auch ausreichend Wasser zu geben, da man immer wieder kleinere und größere Tümpel sieht. Wobei wir auch in der Nähe des großen Magdalena Flusses unterwegs sind. Er ist einer der ganz großen Ströme des Landes, der damals auch bei der Besiedlung durch die Spanier eine ziemlich zentrale Rolle spielte. Wegen des vorhandenen Wasser und den ebenen Weiten findet Landwirtschaft im nördlichen Teil des heutigen Kolumbiens auch im größeren Maßstab und nicht in der Kleinteiligkeit der Berge statt.

Über den Tag verteilt machen wir inklusive einer Mittagsrast drei Pausen. Letztere wird auch gleich als Tankstopp genutzt. Im Nachbarland Venezuela ist übrigens vor ein paar Tagen mal wieder die Versorgung mit Benzin und Diesel völlig zusammengebrochen. Aufgrund der katastrophalen Verhältnisse, inklusive einem Mangel an praktisch allem, haben viele Venezolaner ihr Land verlassen. So schätzt man das von den ursprünglich 30 Millionen inzwischen 6 Millionen also 20 % ihr Heimatland verlassen haben. Am späteren Nachmittag sehen wir übrigens noch einen von ihnen, der junge Bursche hängt halb hinter bzw. unter einem der großen Überland-LKWs, und nutzt ihn als „illegale“ Mitfahrgelegenheit. Auch wenn es in Kolumbien heute teilweise schwierige wirtschaftliche Verhältnisse sind, und viele Kolumbianer selbst ihre liebe Not haben, irgendwie über die Runden zu kommen, sind die vielen venezolanischen Flüchtlinge erstaunlicherweise eigentlich gar kein Thema im Land. Wobei viele von ihnen Kolumbien auch nur als Durchgangsstation zum Beispiel in Richtung Peru nutzen. Viele der Venezolaner versuchen auch in Kolumbien das bisschen, was sie noch besitzen, zu Geld zu machen. Manche schmuggeln auch Dinge wie etwa Benzin über die Grenze. Jedenfalls wenn sie denn in Venezuela welches kaufen können. Dort kostet 1 Liter Treibstoff staatlich fixiert aktuell 100 Bolivar. Umgerechnet kostet ein US-Dollar etwa 75.000 Bolivar, Treibstoff nur leicht abgerundet also praktisch nichts, genau sind es 0,00133 US-Dollar. Zum Vergleich kostet eine Gallone Benzin in Kolumbien aktuell etwa 8000 Peso, was umgerechnet etwa 2,30 € für 3,8 Liter also 0,60 € pro Liter sind. Dass die Flüchtlinge aus Venezuela so wenig ein Thema sind, hängt nicht unerheblich mit der eigenen Geschichte zusammen. Zu Zeiten der militärischen Auseinandersetzung zwischen der Regierung und den Guerillas sind auch nicht weniger Kolumbianer ins benachbarte Venezuela geflohen. Aus dieser Zeit stammt auch der Umstand, dass Kolumbien über Jahre das Land mit den meisten Binnenflüchtlingen auf der Welt war. Und führte schließlich dazu, dass der Verstädterungsgrad in Kolumbien so extrem hoch ist. So leben etwa 80 % der Menschen in Städten und nur 20 % auf dem Lande.

Auch wir sind auf dem Weg in eine der größeren Städte des Landes, unsere Reise führt uns nach Taganga, dass man zum Großraum Santa Marta zählen kann. Wir kommen schließlich gegen 19:45 Uhr dort in unserem Hotel an. Es liegt direkt an einer kleinen Bucht mit einem ebenso kleinen Strand in der Karibik. Die Lage des Hotels hat zur Folge, dass dort auch die lokale kleine Partymeile verläuft. Auch wenn die Partygänger hier ganz offensichtlich nicht gerade zu den „Nacheulen“ gehören. Dafür sind direkt über meinem Zimmer auf dem Flachdach ein paar Tauben unterwegs und „trampeln“ ein bisschen auf meinen Nerven herum. Aber irgendwann schlafe ich dann doch ein.