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22. Tag     Brooks Lodge – 20.06.2015

Heute geht es von den Zeiten etwas gemäßigter los als gestern. Aber um 5:00 Uhr aufstehen, gehört trotzdem nicht gerade zu meinem Standardrepertoire. Aber was hilft es, um 6:00 Uhr soll es mit dem Shuttle zum Flughafen gehen. Auch wenn der nur ein paar Minuten vom Hotel entfernt ist, so hat man uns empfohlen, uns dort um 6:30 einzufinden. Wir wollen mit einer kleinen Maschine zur Brooks Lodge fliegen. Die Fluggesellschaft residiert in einer kleinen Lagerhalle, in der allerlei Fracht herumliegt. Unser Gepäck und wir selbst werden gewogen, um die benötigte Treibstoffmenge zu berechnen. Da es sich um eine individuelle Verlängerung handelt, sind wir nur noch zu viert. Auf dem ersten Flug kommen zwei weitere Passagiere dazu, die zur Kulik Lodge wollen, die wie unsere Brooks Lodge auf Katmai liegt. Die Kulik Lodge ist eine bekannte, und wie man so liest, auch beliebte Lodge unter Anglern. So fliegen wir in einem Achtsitzer die etwa 200 Meilen zur Kulik Lodge. Diese Maschine ist noch mit einem normalen Fahrwerk ausgerüstet, so starten wir in Anchorage mit der kleinen Propellermaschine auf der großen Start-und Landebahn des internationalen Flughafens. Auf Katmai ist es nur noch eine kleine Schotterpiste. Dort steigen wir in einen kleineren Bus um, der auch schon bessere Tage gesehen hat, und dem auch die Innenverkleidung fehlt. Aber das Wichtigste ist ja ohnehin, er läuft zuverlässig, und wir wollen ja auch nur ein kleines Stück mit ihm zu unserem Weiterflug mit dem Wasserflugzeug fahren. Dieses wartet schon auf uns, und nach dem unser Gepäck verladen ist, und wir auf die Sitze verteilt, es geht wieder nach Gewicht, starten wir auch sofort. Dieser Flug ist nur kurz, und er bringt  uns im Prinzip sogar ein Stück zurück. Auch an der Brooks Lodge werden wir schon erwartet, und bekommen zuerst eine kleine Einweisung zum richtigen Verhalten bei einer Begegnung mit Bären. Man schärft uns ein, auf keinen Fall weg zu laufen, was ohnehin zwecklos wäre, da Bären durchaus Geschwindigkeiten von 50-60 km/h erreichen können. Insbesondere den Männchen sollte man möglichst nicht näher als 50 m kommen. Bei einer Begegnung sollte man laut reden, in die Hände klatschen - eben Geräusche machen. Übrigens etwas was man auch machen sollte, ohne dass man die Bären sieht. Bären haben eine sehr feine Nase und riechen einen oftmals schon lange bevor sie Menschen zu sehen bekommen. Hintergrund ist das Bären rechtzeitig gewarnt werden, und nicht von einer Begegnung mit Menschen überrascht werden. Bärenspray bekommen wir keines, dabei hat man uns auf dem ersten Teil der Reise eingeschärft, nirgends ohne eben dieses Bärenspray, was im Prinzip ein Pfefferspray ist, hinzugehen. So weit so gut - zunächst mal.

Da unsere beiden kleinen Blockhütten noch nicht bezugsfertig sind, erkunden wir schon mal die Lodge bzw. die erste Plattform zur Bärenbeobachtung. Dort sehen wir zunächst bis auf ein paar Enten und Gänsen nichts Besonderes. Aber die kurze Zeit bis zum Bezug der Hütten ist natürlich gut genutzt, um sich ein bisschen mit der Umgebung vertraut zu machen. Nachdem wir unser „Zeugs“ in der Hütte untergebracht haben, ist es auch schon Zeit für das Mittagessen. Lebensmittel sind hier nur im Bereich der Kantine erlaubt. Man hat uns eingeschärft keine in den Hütten aufzubewahren. Es geht einfach darum den Bären keinen Anlass zu geben, sich eingehender mit den Hütten zu beschäftigen. Nach dem Mittagessen lege ich mich noch mal ein bisschen hin. Was soll ich sagen, beim nächsten Augenaufschlag ist es bereits 1,5 Stunden später. Das ist eigentlich nicht der Grund, warum man hierherkommt, um dann einfach zu schlafen. Aber manchmal muss man eben auch auf seinen Körper hören. Nachdem ich mich selbst ein bisschen sortiert habe, gehe ich rüber zur ersten Plattform. Diese wird durch einen kleinen Fluss, dem Brooks River, von der eigentlichen Lodge mit ihren verschiedenen Gebäuden getrennt. Über den Fluss führt eine Schwimmbrücke, die man nur nach der Freigabe durch die Ranger, die sich auf beiden Seiten der Brücke aufhalten, überqueren darf. Auf der ersten Plattform erzählt mir der dortige Ranger noch, dass er dort bis vor kurzem einen Bären gesehen hat. Ihn jetzt aber im angrenzenden hohen Gras nicht mehr recht entdecken kann. Was soll ich sagen, der hat sich einfach aus dem Staub gemacht. Weiter weiß der Ranger zu berichten, dass bei der anderen Plattform sich zwei weitere Bären befinden sollen, die versucht haben an einer kleinen Stufe im Fluss die ersten Lachse zu fangen - aber wohl noch mit äußerst mäßigem Erfolg. Als ich dort schließlich ankomme, haben sich die beiden aber längst wieder verdrückt. Ich mag hier nicht verheimlichen, dass ich mich innerlich ordentlich ärgere, dass buchstäblich verpennt zu haben. Aber es ist ja längst noch nicht aller Tage Abend. Und es dauert auch nicht allzu lange, und mein wenn auch verspätetes Kommen wird mit einem weiteren Bär belohnt. Auch er versucht sein Glück beim Fischen. Auf einem Baum auf unserer Uferseite lässt sich noch ein Weißkopfseeadler nieder. Nach einiger Zeit taucht noch ein zweiter männlicher Bär auf. Die beiden taxieren sich, gehen sich aber bewusst aus dem Weg. Der Neuankömmling legt sich auch schon bald auf einer kleinen Insel hin, und beobachtet nur noch das Springen der ersten Lachse vor ihm. Währenddessen kommt noch ein dritter Bär den Fluss hoch. Er zeigt deutliche Drohgebärden, richtet sich dabei auf und scheuert sich an einem kleinen Busch, der auf der kleinen Insel im Fluss wächst. Der liegende Bär scheint das nicht zu bemerken, oder stört sich nicht weiter daran. Ein Fehler! Der dritte greift ihn von hinten an, und wirft ihn herum. Dabei beißt er ihm in die Flanke und reist mit einer seiner Pranken das Fell des angegriffenen Bären auf dem Rücken auf. Der angegriffene rollt herum, und versucht sich so gut es eben geht zu schützen. Auf seinem Rücken ist aber eine zwei Hände große Wunde zu sehen, bei der ihm buchstäblich das Fell abgezogen worden ist. Die beiden stehen sich danach noch eine knappe Minute gegenüber, wobei insbesondere der Angreifer ziemlich geifert. Der eigentliche Angriff hat nur wenige Sekunden gedauert, und die Lage scheint eigentlich längst entschieden. Der Angreifer geht zurück zu seinem Busch, richtet sich auf, und scheuert sich erneut den Rücken an dem Busch. Noch einmal ein deutliches Zeichen der Machtdemonstration. Die Verlierer des Kampfes verlässt den Fluss über die gegenüber liegende Uferböschung. Es taucht noch ein weiterer etwas kleinerer blonder Braunbär auf, ich vermute mal, dass es sich dabei um ein Weibchen handelt, kann das aber auch nicht mit letzter Sicherheit sagen. Aber offensichtlich tolerieren sich „Blondie“ und der siegreiche Braunbär. Eigentlich ist es eher so, dass die Weibchen die Gesellschaft der Männchen außerhalb der Paarungszeit meiden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Weibchen deutlich kleiner und leichter sind. Und Bären sind untereinander zumeist doch schon deutlich aggressiv, was insbesondere für die Männchen gilt. Überhaupt sind die einzigen wirklich ernsthafte Bedrohung für die Bären, nach dem sie die ersten Jahre überstanden habe, ihre Artgenossen. Als Blondine den Fluss wieder verlässt, folgt ihr das Männchen im Schlepptau. Als wir zurück zur Lodge gehen wollen, sehen wir noch auf dem Steg zur Plattform stehend, einen weiteren Bären, der genau herumschnüffelt, sich auch kurz aufrichtet und aus dem hohen Gras die Szenerie auf dem Fluss genau beobachtet. Man sieht auch deutlich wie er versucht Geruch von den Bären aufzunehmen, die ja noch vor wenigen Augenblicken hier waren. Bei dem Neuankömmling handelt es sich, wie ich vermute, wieder um ein Weibchen. Ob wohl kein Bär mehr zu sehen ist, scheint ihr das Ganze doch ein bisschen unheimlich zu sein. Sie ist eher vorsichtig und dreht deshalb um und verschwindet wieder im Unterholz.

Ich bin jetzt froh, nicht die kompletten Bären verpasst zu haben, ja eigentlich sogar das Highlight des Nachmittags Live miterlebt zu haben. Denn zumeist reicht es zwischen den Bären aus, dass sie sich gegenseitig imponieren und ihre Kraft demonstrieren, um die Rangordnung untereinander auszumachen. Und damit auch das Recht nach Lachsen zu fischen, oder zumindest den besten Platz dafür für sich zu beanspruchen. Inzwischen ist es aber Zeit für das Abendessen. Danach möchten wir noch einen kleinen Vortrag zum Valley of 10000 Smokes besuchen, der im Auditorium der Lodge stattfinden soll. Dieses ist nur etwa 250 m von unseren Hütten entfernt. Aber alles ist noch am Hauptweg innerhalb der Lodge Anlage. Nach dem Ende des Vortrages, gehen wir gerade zurück zu unseren Hütten, als von links, also vom See her, auf dem wir auch mit dem Wasserflugzeug gelandet sind, zwei Bären hintereinander gehend kommen. Der erste Impuls ist eigentlich: „Jetzt aber weg hier“ und zwar schnell, was aber natürlich genau die falsche Reaktion ist. Also machen wir, was wir heute Vormittag bei der Einweisung auf der Lodge, und früher auf der Reise vom Reiseleiter gelernt haben: wir klatschen und erzählen laut. Wobei ich mir im Nachhinein eigentlich sicher bin, dass die beiden Bären uns längst gesehen haben, bevor wir sie überhaupt entdeckt haben. Die beiden, eine blonde Bärin, hinter der ein großes Männchen hinterher trottet, kreuzen keine 5 m vor uns den Weg, beachten uns aber eigentlich nicht weiter. Sie gehen einfach selbstbewusst ihrer Wege. Eine Rangerin, die immer wieder im engeren Umfeld der Lodge unterwegs ist, wird auf unseren „Radau“ aufmerksam und kommt her. Sie läuft noch scheuchend hinter den beiden Bären her, kann uns aber später davon berichten, dass die beiden schon des Öfteren mal hier durch ziehen. Sie versichert uns auch, dass die beiden eigentlich harmlos sind. Aber im ersten Moment drängt sich einem dieser Eindruck nicht gerade auf. Das Männchen ist ein ziemlicher Koloss, und reicht mir während er auf allen vieren läuft locker bis zum Bauchnabel. Und aus der kurzen Entfernung war er schon „groß“. Da glaube ich gerne, dass die Männchen hier auf 500 Kilo kommen. Wir sind ja eigentlich extra hierhergekommen, um auch sicher Bären in Alaska zu sehen, und dafür dann auch mal Zeit zu haben, sie ein bisschen genauer zu beobachten. Aber zugegeben hatten wir uns das nicht ganz so dicht vorgestellt. Aber jetzt da alles glatt gelaufen ist, ist es natürlich einer der großen Highlights dieser Reise.