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18.08.05      12. Reisetag – Jasper

Der erste Blick am Morgen verspricht eigentlich gutes Wetter, es ist neblig. Und dann stapft da auch noch eine Wapiti-Hirschkuh hinter meiner Blockhütte herum. Beim Frühstück sieht man noch den Nebel aus dem direkt vor dem Restaurant und damit auch dem Frühstücksraum aus dem Athabasca-River aufsteigen. Aber höher beginnt auch die Sonne sich schon durch den Dunst zu arbeiten. Unser erstes Ziel soll der Lake Pyramid mit dem gleichnamigen Berg dahinter sein, doch schon vor Jasper begegnet uns eine Herde Wapitis. Jetzt scheint es also auch mit den Tieren richtig los zu gehen. Aber am Lake Pyramid bietet sich gleich ein phantastisches Bild, der Berg spiegelt sich wunderschön im See. Dazu steigt noch leichter Nebel aus dem See aus, so das sich eine etwa 1 m hohe Nebelschicht leicht über dem See wabert. Ein grandioses Naturschauspiel! Auch am benachbarten Lake Patricia kann man die Spiegelungen der umliegenden Berge sehr schön sehen. Hier haben die Gipfel sogar noch ein kleines bisschen weißen Zucker, dafür ist der Winkel der Spiegelung nicht ganz so grandios.

Aber der Hauptpunkt des Tages soll eigentlich Maligne in allen Variationen werden. Als erstes besuchen wir den Maligne Canyan. Eigentlich ist der Maligne River ein ruhiges einige Meter breites Flüsschen. Nur trifft er hier auf ein hartes Gestein. So verengt sich das Flussbett zwischen den Felsen auf nur 2 bis 3 m. Dadurch wird er natürlich sehr schnell und unbändig. Es hat sein Flussbett über einige Stufen fallend inzwischen bis zu 50 m tief gegraben. Aber man sieht daran nur zu deutlich, welche unglaubliche Kraft vom Wasser ausgehen kann.

Unser Weg führt uns weiter am Lake Medicine vorbei zum Lake Maligne. Der Lake Maligne ist einer der großen Seen in den Nationalparks in diesem Teil Kanadas. Mit seiner Länge von 22 km und dabei einer Tiefe von bis zu 97 m ist er schon ziemlich ordentlich. Man kann ihn zu etwa 2/3, vom Nordufer aus gesehen, befahren. Dazu stehen kleine Motorschiffe bereit. Eine auf jeden Fall lohnende Tour, zumal bei so schönem Wetter wie heute. Es bietet sich ein wunderschönes Bergpanorama mit einigen bis zu 3400 m hohen Bergen um uns herum. Auch ein schöner Ort zum Verweilen, auch wenn wir auch hier keine Bären gesehen haben, dies aber nur noch mal am Rande. Bei der Bootsfahrt gab es natürlich auch noch die übliche Sicherheitshinweisen und mit den natürlich vorhandenen Schwimmwesten. Es ist nur etwas blöd, das man nach ca. 4 Minuten zu erfrieren droht, in dem gerade mal 4 bis 6 ° warmen oder besser gesagt kaltem Wasser. Und die gibt es nur jetzt im Spätsommer. Im Winter, das ist hier von Oktober bis etwa Ende Mai findet keine Beschiffung statt, weil der See schlichtweg komplett zufriert. Dabei erreicht die Eisschicht eine Dicke von 1 bis 3 m. Dann ist der Lake Maligne eine herliche Fläche für den Wintersport Nr.1 der Kanadier: Eishockey.

Nach unserer Rückkehr hatten wir den restlichen Nachmittag in Jasper frei. An der Hauptstraße und einer Parallelstraße dazu sind wieder die unvermeintlichen Souvenir - Shops, Hotels und was sonst noch so dazu gehört. Der Ort wächst wie auch Banff in der Saison gewaltig an, aus den eigentlich 5000 Einwohnern werden dann etwa 20000. Aber ganz so grotesk wie in Banff habe ich es hier nicht empfunden.

Ein paar aus unserer Gruppe machen sich dann noch auf, um ein Rodeo hier in der Stadt zu besuchen. Dazu hat man das Eishockey-Stadion, das eigentlich Activiti Center heißt, kurzerhand in eine Rodeo-Arena verwandelt. Vor der Tür steht alles voll von Trucks, jenen 4x4 Geländewagen mit Ladepritsche hinter der Personenkabine. Und hier gilt je höher gelegt, desto cooler das Gefährt. Man hat natürlich auch eine ausreichende Motorisierung gewählt, unter 5 Liter Hubraum geht da eigentlich nicht viel. Und genau eine entsprechende Geräuschkulisse ist dann an den Straßenecke zu hören. Dabei fahren die Autofahrer hier äußerst rücksichtsvoll, nicht zuletzt gegenüber den Fußgängern. Wenn man irgendwo an der Straße steht, hält der Verkehr schon mal an, auch ohne Ampel, Zebrastreifen oder ähnliches, und das gilt auch für die Auto Cowboys. Aber zurück zu dem Rodeo. Es beginnt erstmal damit, das die Zuschauer eingepeitscht werden, lange bevor das Spektakel überhaupt beginnt. Als nächstes findet ein Gebet statt und die kanadische Nationalhymne wird gesungen, jedenfalls von denen die den Text können. Wir „blöden“ Touries sind da verständlicherweise nicht ganz Textsicher. Anschließend beginnen die Cowboys damit in den Disziplinen wie dem Reiten auf wilden Pferden, das Niederwerfen von 300 kg schweren Kälbern, oder auch das Fesseln von 200 kg Kälbern miteinander zu wetteifern. Gerade für die letzten beiden Disziplinen haben die Cowboys dabei nicht eben selten ein riesiges Kreuz, hinter denen gibt es längere Zeit nur wenig Sonne zu sehen. Dazwischen läuft immer wieder ein als Clown kostümierter Einpeitscher in der Arena herum, das auch während der Wettkämpfe. Als weitere Attraktion veranstalten Cowgirls verschiedene Formationsreitübungen oder auch ein Geschicklichkeitsreiten. Man reitet dabei um drei Tonnen in der Arena in möglichst kurzer Zeit herum, was natürlich nicht selten sehr kurze Wendungen aus hohem Tempo erfordert.

Gerade dabei sieht das Ganze ziemlich Wild aus, man kann oft kaum glauben, das die Sehnen und Bänder der Pferde solche harten Wendungen überstehen können. Überhaupt scheinen die Rodeopferde, die auch besonders für diese Veranstaltungen ausgebildet werden, sehr antrittsschnell und wendig zu sein. Auf jeden Fall eine unterhaltsame Veranstaltung, auch für nicht Fachleute wie mich. Besonders für die Cowboys ist es aber auch ein sehr harter Sport. Gleich beim ersten Ritt des abends auf einem wilden Pferd, hat sich einer der Reiter die Schulter ausgekugelt. Dabei hat er noch Glück gehabt, das das Pferd nicht auf ihn drauf getreten ist.

Da fällt mir noch was ein. Vor der Veranstaltung haben wir noch in Jasper gegessen. Ich hatte ein „Original Alberta beef steak“. Ist jawohl auch Pflicht vor einem Rodeo, zumal noch in einem Steakhouse. Man brachte dabei 5 kleine halbe Kartoffel, übrigens mit Schale gekocht, wie hier üblich. Dazu ein kleines Häufchen Gemüse und ein 16 OZ Steak. Nur um mal um die Größenverhältnisse zu beschreiben, etwa Schuhgröße 52 und dann Daumen dick. Es war übrigens sehr gut, aber selbst für einen guten Fleischesser wie mich eine Herausforderung. Damit wären wir auch schon beim Thema Preise eines Essens. Es wird hier viel Fastfood angeboten, wenn man aber in ein ordentliches Restaurant geht, kommt man mit Hauptspeise und einem Getränk, dazu dann GST (Steuer für Kanada,), PST (Steuer für die Provinz) und Tip (übliches Trinkgeld von 15%) schnell auf 35 bis 40 kan$. Das macht knapp 30 Euro. Ein Glas Eiswasser ist dabei in jedem Restaurant inklusive. Differenzen gibt es aber in der Höhe der Provinzsteuer. Die meisten Provinzen erheben dort 7 bis 8 %, nur Alberta kann es sich wegen des Ölreichtums leisten, hier überhaupt keine Steuer zu erheben. Hier überlegt man inzwischen schon die Gewerbesteuer zu streichen, man hat schlichtweg das Luxusproblem zu hohe Einnahmen zu haben. Im übrigen Land bedeutet es aber, das man auf alle Preise einer Speisekarte rund 30 % aufschlagen muss, um die Endpreise zu ermitteln. Im Supermarkt, und auch beim Schuhkauf sind es immerhin noch 15 %, da hier das Trinkgeld entfällt. Aber in jedem Fall etwas, woran sich ein Mitteleuropäer gewöhnen muss.