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08.08.05      2. Reisetag – Toronto

Der erste richtige Tag in Kanada. Heute führt uns der Weg zu einem der „must“ Sehenswürdigkeiten: Die Niagara-Fällen. Sie verbinden den Lake Erie mit dem Lake Ontario. Über diese Wasserfälle stürzen jede Sekunde 3 Millionen Liter Wasser. Dabei ist das nur noch die Hälfte der ursprünglichen Menge. In der Nacht wird die Menge noch mal halbiert. Das abgezweigte Wasser dient der Stromerzeugung und wird durch große Kraftwerke geleitet. Die Niagara-Fälle gehören zu dem gleichnamigen Fluss, der hier die Grenze zwischen den USA und Kanada darstellt. Unterhalb der Wasserfälle haben wir mit der „Maid of the Mist“ eine Bootstour direkt an die Fälle gemacht. Durch die Gischt ein durchaus feuchtes Vergnügen. Überhaupt werden je nach Windrichtung und Windstärke die Ufer und Promenaden oberhalb der Wasserfälle verschieden stark mit der Gischt bestäubt. Die Fälle sind eigentlich zwei geteilt. Es gibt die amerikanischen, sie haben aufgrund der Frostsprengungen und der sich deshalb davor befindlichen Felsen lediglich eine Höhe von ca. 32 m. Der Horseshoe, er trägt seinen Namen eben wegen seiner hufeisenartigen Form, sind etwa 60 m hoch. Der Fluss hat sich im Anschluß daran ein tiefes Bett in den Granit gegraben. Da er hier aber nur relativ schmal ist, sorgen die Wassermengen für Stromschnellen, auch ohne das dort Felsen im Wasser liegen. Diese Stromschnellen werden in die Kategorie 6 eingeordnet, was gleichzeitig ein Verbot ist, hier den Fluss etwa noch mit einem Kajak zu befahren. Etwa 4 km hinter den Wasserfällen gibt es einen großen Whirlpool. Hier wurde der Vorwärtsdrang des Flusses durch sehr harten Granit aufgehalten. So hat er hier seine Richtung ziemlich abrupt um 90° geändert. Es entstand an der Stelle ein Becken, etwas hinter dem eigentlich Abfluss, in dem das Wasser stark verwirbelt, eben wie in einem Whirlpool. Aber zurück zu den Wasserfällen. Insgesamt ist alles an ihnen vom Kommerz fest im Griff, das gilt insbesondere für die kanadische Seite, aber auch nur von hier kann man auch in den Horseshoe sehen, und der ist auch wesentlich imposanter. Auf der amerikanischen Seite ist es eher ein Wirtschaftsgebiet. Das hängt zum einem mit der schier unerschöpflichen Menge an Wasser, aber auch mit der billigen nahezu unerschöpflichen Energie durch die Wasserkraftwerke zusammen.

Ein gutes Stück weiter abwärts beginnen die großen Obst- und Weinplantagen der Provinz. Der Wein wächst hier ebenerdig und wird teilweise bewässert. Besonders bekannt sind die Eisweine der Gegend. Gerade für diese ist der strenge dauerhafte Frost im Winter bzw. schon im relativ frühen Herbst ein Vorteil. Ansonsten gibt es hier auch Pfirsiche und andere Früchte aus dem Süden. Doch genau hier täuscht man sich etwas. Denn Toronto liegt in etwa auf dem gleichen Breitengrad wie Florenz. Dabei ist das Wetter, auch trotz der riesigen Seen eher kontinental geprägt. Das bedeutet Temperaturen von 30 – 35° im Sommer, im Winter aber auch 20 – 25° Frost am Tage wohlgemerkt. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Bautätigkeiten. In den frühen bis späten Sommermonaten sind die Straßen oft eine einzige Baustelle, zum einem weil die Stadt wächst, zum Teil aber auch weil die Verkehrswege einen hohen Tribut an die Temperaturschwankungen zahlen müssen.

Die kanadische Provinz Ontario, in der wir uns hier befinden, steht mit ihren etwa 11 Millionen Einwohnern für etwa 40% der Wirtschaftsleistung Kanadas. Die Hauptstadt Toronto mit den etwa 4,5 Millionen Einwohnern beherrscht diese Provinz klar und ist gleichzeitig auch die größte Stadt Kanadas, nicht nur des englisch sprechenden Teils, aber davon später noch mal mehr. Inzwischen grenzen durch das fast ungestüme Wachstum der Stadt immer mehr Ortschaften direkt an das eigentliche Stadtgebiet, so wurde daraus eine Verkettung von insgesamt etwa 80 Ortschaften. Die Triebfeder für das Wachstum ist klar der Finanzsektor. In Toronto gibt es die zweitgrößte Warenterminbörse der Welt, und auch die fünftgrößte Finanzbörse der Welt ist hier zu Hause. Die vielen neuen Bank-Hochhäuser stehen auf dem ehemaligen Gelände der Canadian National, einer der beiden frühen Eisenbahnlinien des Landes. Früher waren hier quasi am Rande des Stadtzentrums Eisenbahnanlagen, Lagerschuppen und ähnliches. Heute wetteifern hier die neuen Wolkenkratzer der Banken und Versicherungen miteinander, einmal was die Höhe angeht, aber auch um die exklusivste Fassade. Da dürfte zur Zeit wohl die Royal Bank die Nase vorne haben, ihre Fassade mit 24 Karat Goldstaub bedampft. Die Hochhäuser waren auch der Grund für den Bau des CN-Towers, auch auf dem ehemaligen Bahngelände der Canadian National, oder kurz CN, errichtet. Es handelt sich dabei um einen Fernsehturm, der es nach den immer höher wachsenden Wolkenkratzer wieder ermöglichen sollte, eine vernünftige Funkverkehrsanbindung zu gewährleisten. Und was macht man wenn die Gebäude immer höher werden, klar man baut einen noch höheren Turm. Heraus gekommen ist dabei der weltweit höchste freistehende Turm. Er hat eine Höhe von 553,4 m. Darin enthalten ist nicht zuletzt seine 97 m hohe Antenne. Natürlich ist das im Turm enthaltene Drehrestaurant auch das höchste seiner Art in der Welt. Die Bauzeit für den Turm betrug nur 40 Monate. Bis auf die Aussichtsplattform, direkt unterhalb des Restaurants, in Höhe von 346 m, wird man mit einem Fahrstuhl in 58 Sekunden hinauf befördert. Das macht eine Geschwindigkeit von etwa 22 km/h. Bevor man aber dort hin gelangt kommt man noch durch Sicherheitsschleusen, unter anderem wird man auch mit einem Gas per Luftstrahl bedampft, der auch Plastiksprengstoff aufspüren können soll. Ob’s was hilft weiß ich nicht, ich habe eher Zweifel, denn schließlich könnten ja auch zwei Besucher zwei Komponenten, die jede für sich völlig nutzlos ist nach oben schaffen. Aber nach dem 11. September 2001 ist eben vieles anders geworden. Aber zurück zur Aussichtsplattform. Darunter befindet sich eine Ebene, in der ein paar Glasplatten eingebaut worden sind. Von hier kann man direkt nach unten sehen. Ins Blickfeld kommt da auch der benachbarte Skydom. Die größte Sporthalle des Landes ist eigentlich eine gigantische Arena. Es umfasst eine Kapazität von 60.000 Besuchern. Das ausfahrbare Dach besteht aus 4 Teilen, wobei das größte Segment 1729 t schwer ist. Es ist ca. 30.000 m² groß und hat eine Ausfahrzeit von 20 min.

Diese beiden Wahrzeichen der Stadt kann man auch gut sehen, wenn man mit der Fähre auf eine der größeren Inseln vor der Stadt im Lake Erie fährt. Hier gleich noch ein paar Fakten zu den fünf großen Seen. Insgesamt bedecken sie eine Fläche von 245000 km², also etwa der Fläche der alten Bundesrepublik von vor 1990. Dabei sind sie zum Teil über 400m tief. Das darin enthaltene Wasser würde genügen um die Fläche der USA 3,5m hoch mit Wasser zu bedecken. Sie stellen damit etwa 20 – 25% der Süßwasserreserven auf der Erde dar.