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14. Tag         22.08.2013 – Tsetserleg

Der heutige Tag hat wieder die üblichen Zeiten, also Frühstück 7 Uhr und ab 8 Uhr soll es dann los gehen. Wobei sich die Gruppe dann aufteilt, wer möchte, hat die Möglichkeit zu einem Ausritt auf einem mongolischen Pferd. Die sind deutlich kleiner als in Europa üblich. Sie gelten nach unseren Maßstäben als eher nicht zugeritten. In der Reisebeschreibung war dazu vermerkt, dass diese Option nur geübten Reitern zu empfehlen ist. Das kommt dann für mich schon mal nicht in Frage. Wie sich später heraus stellen sollte, wurden die Pferde aber von einem Mongolen auf seinem Pferd geführt und waren auch sonst eher von der zahmen Sorte. Ich selbst entscheide mich für einen kleinen Spaziergang. Anfangs geht es etwas weiter in ein Tal hinein, immer schön in der Nähe eines kleinen Wasserlaufs entlang. Am Ende des Tals kann man eine Jurte mit dem Schornstein des Ofens sehen, über dem sich der Rauch leicht kräuselt. Das Wetter ist schön, wenn es anfangs auch noch etwas frisch ist. Mit zunehmender Kraft der wieder scheinenden Sonne wird es aber schnell angenehm. Nach einem guten Stück biegen wir links ab und steigen durch einen Lärchenwald den Bergrücken hinauf. Auch dieser Wald ist Teil des hiesigen Nationalparks. Den ortsansässigen Familien ist es aber auch gestattet für den Eigenbedarf Holz zu schlagen. Wobei auch hier die Stämme extrem gerade gewachsen sind. Das Holz ist wegen des geringen Wachstums sehr hart. Das Wachstum ist dem kargen Boden aber auch den langen sehr kalten Wintern geschuldet. Neben dem Eigenbedarf gibt es aber auch den kommerziellen Holzeinschlag im Nationalpark. Als wir in ihn hinein fuhren, kamen uns am Vortag zwei schwer beladen LKW mit Holzstämmen entgegen. Wobei es natürlich nur mit entsprechender Konzession von staatlicher Stelle erlaubt ist, hier Bäume zu fällen. Das Holz aus dieser Gegend wird übrigens bevorzugt dazu benutzt, daraus das tragende Holzgerüst der Jurten zu fertigen. Für deren Qualität sind die entsprechenden Handwerker der Gegend auch im ganzen Land bekannt. Aber zurück zu unserem kleinen Spaziergang. Oben angenommen wenden wir uns wieder nach links und gehen praktisch oben zurück. Von hier sieht man schön auf beiden Seiten über die Landschaft, auch auf die Tiere, die gerade das Lager der Jurte gegenüber unserem Lagerplatz verlassen und fast sternartig zum Grasen ausschwärmen. Einige Yaks sind da schon ein gutes Stück weiter, und sind längst auch auf unserem Bergrücken um sich das saftigste Gras schmecken zu lassen. Kurz bevor wir oberhalb unseres Lagers wieder absteigen, entdecken wir noch zwei junge Zicklein, die gestern offensichtlich den Abstieg verpasst haben und jetzt „mähen“. Aber die Rettung ist unter mit der vermutlichen Herde dazu ja schon unterwegs.

Geplant ist gegen 10 Uhr weiter zufahren, was auch fast auf die Minute so hinkommt. Und da sage noch einer, hier gingen die Uhren irgendwie anders. Wir wollen heute in Richtung Tsetserleg fahren, nur ein Strecke von rund 120km. Da sollte eigentlich noch Zeit sein, die heißen Quellen von Tsenkher zu besuchen. Das erste Stück führt uns den Weg zurück, auf dem wir auch gekommen sind. Dann biegen wir aber links ab, wobei wegen der fehlenden Wege abbiegen eigentlich schon zu viel ist. Wie auch bisher führen einfach verschiedene Fahrspuren in die eine oder andere Richtung und treffen teilweise später wieder aufeinander. Wie man sich da orientiert, wann man welche Spur nehmen muss, bleibt mir weiter ein Rätsel. Aber ich muss ja auch nur mitfahren, und kann darauf vertrauen, dass die Fahrer schon wissen, wie sie so wohin kommen. Es geht zu einer Brücke über den Orkhon, deren Konstruktion sagen wir mal etwas abenteuerlich aussieht. Wichtig ist aber ja nur, dass wie drüber kommen, denn der Fluss ist hier definitiv nicht mehr mit unseren Fahrzeugen zu durchqueren. Aber schon der Weg dorthin, ist für den Jeep, in dem ich heute sitze, ein bisschen beschwerlich. Dieser schon etwas in die Jahre gekommende Pajero, übrigens mit dem Steuer rechts, hat etwas weniger Bodenfreiheit, wie die drei anderen Fahrzeuge aus russischer Produktion. So müssen wir an drei Stellen aussteigen, damit die Federwege etwas entlastet werden, und der Jeep so gefahrlos über den aus dem Boden vorstehenden Felsen hinweg fahren kann. An einer Stelle treffen wir auf einen Mini-Van, der sich fest gefahren hat. Ein weiterer Wagen des gleichen Typs der selben Agentur steht ein bisschen hilflos ein kleines Stück zurück. Unser Fahrer fährt entgegen den normalen Gepflogenheiten weiter. Eigentlich ist es üblich, dass man sich auf den zuweilen einsamen Straßen hilft, sollte jemand ein Problem haben, das er nicht selbst lösen kann. Wir sind ohnehin schon etwas hinter den anderen Fahrzeugen zurück gefallen. Auch heute sucht wieder jeder so die vermeintlich beste Spur, so fahren wir immer mal wieder mit den verschiedenen Fahrzeugen breit nebeneinander, oder der kleine Tross zieht sich sehr in die Länge. So haben zwei der anderen Fahrzeuge hinter der Brücke auf uns gewartet. Der andere „neue“ russische Kleinbus fehlt aber auch noch, wobei ich nicht bemerkt habe, wo wir an ihm vorbei gezogen sind. Dazu muss man aber auch sagen, dass das letzte Stück vor der Brücke auch durch deutlich größere Felsen, über die man nicht mehr drüber schauen kann, gekennzeichnet ist. Während wir warten, kommt ein Mongole mit seinem kleinen Moped an den Orkhon, um seine mitgebrachten Kanister mit Wasser zu füllen.

Nach dem auch das letzte Fahrzeug angekommen ist, geht es weiter. In der Karte und auch im Reiseführer ist der nun folgende Abschnitt selbst für mongolische Verhältnisse als schlechte Wegstrecke vermerkt. Dabei ist die Strecke, wenn auch nicht wirklich gut, doch deutlich besser als erwartet. Trotzdem geht es nur langsam voran, weil der „neue“ russische Kleinbus immer wieder stoppen muss, da sein Kühler zu heiß wird. Am Nachmittag kommt dann noch eine Reifenpanne dazu. Übrigens hinten links, wo der Fahrer schon bei der Abfahrt in Karakhorum die Radmuttern nachgezogen hatte.

Mit meinem Jeep kommt auch der russische Jeep gegen 16.30 Uhr in Tsetserleg an. Der Name bedeutet übrigens übersetzt Garten. Wir halten vor dem ehemaligen Kloster Zayain Khuree, in dem heute ein Museum für mongolische Geschichte untergebracht ist. Da in meinem Jeep auch die Küchencrew sitzt, fährt er wieder ab, um noch ein paar Vorräte einzukaufen. In der nächsten Stunde passiert erst einmal nichts. Dann kommt einer der beiden russischen Kleinbusse mit dem Cheffahrer. Er lotst uns in das Museum, das eigentlich in einer halbe Stunde schließen sollte. Im Reiseführer sind die Zeiten anderslautend mit 07 bis 22 Uhr. Gleichzeitig kommt aber auch noch eine Gruppe französischer Touristen an dem Museum an. Ich bin fast verwundert, die ersten Franzosen in der Mongolei. Auf meinen letzten Reisen waren immer auch viele Franzosen unterwegs. Aber die Mongolei ist eben noch nicht so im Mainstream des internationalen Tourismus. Wenig später kommt dann auch das „Pannenfahrzeug“ an, in dem auch unsere Reiseleitung und weitere Mitglieder unserer Gruppe unterwegs sind. Auch sie kommen noch ins Museum. Gezeigt werden ein paar wenige religiöse Exponate, der Schwerpunkt liegt eher auf Gegenständen des Alltags. So gibt es eine historische Jurte, ein Ochsenkarren, das noch bis vor wenigen Jahrzehnten übliche Transportmittel der Landbevölkerung. Dazu aber auch historische Waffen oder auch Musikinstrumente. Ich war dann noch mal auf der Toilette in dem Museum. Da es sich um eine Außentoilette handelte, hatte ich schon ein Plumsklo erwartet. Es wäre jetzt auch nicht das erste in der Mongolei gewesen. Aber hier bestand es aus einem etwa 3m tiefen Loch auf einer Grundfläche von etwa 1,2x1,5m. Darüber lagen jeweils zwei Bretter von etwa 15cm Breite. Nicht wirklich beruhigend, aber immerhin die Fliegen hatten nicht nur unten offensichtlich ihren Spaß.

Die warmen Quellen mussten heute leider ausfallen, und damit auch die warmen Duschen, die es dort gibt. Zum Einen sind wir schon jetzt zu spät – mal wieder, zum Anderen sind die Quellen zurzeit von Tsetserleg nicht direkt erreichbar. Dazu müssten wir einen Fluss durchqueren, der im Moment wegen der Regenfälle der letzte Tage aber zu viel Wasser führt. Wegen des wieder nicht eingehaltenen Zeitplans kommt es zu einem Eklat. Eine Mitreisende möchte die Reise wegen der chaotischen Verhältnisse an dieser Stelle abbrechen. Nicht zuletzt auch wegen der Verhältnisse mit den Fahrzeugen. Sie entsprechen nicht den für die Reise ausgeschriebenen bzw. sind offensichtlich nicht wirklich einsatzfähig. So suchen wir statt der eigentlich geplanten Weiterfahrt für die nächste Stunde einen Platz in der Nähe von Tsetserleg. Da es von hier einfach leichter ist, etwas zu organisieren, als wenn wir noch ein gutes Stück weiter draußen sind. Wir fahren in nordöstlicher Richtung aus der Stadt und schlagen unsere Zelte nicht weit von der Hauptstraße auf. Diese ist übrigens mit privatem Geld gebaut worden und deshalb an dieser Stelle mautpflichtig.

Hier noch ein paar weitere Informationen zu Tsetserleg. Die Stadt mit ihren rund 20000 Einwohnern ist das Aimagzentrum des Arkhangai Aimags. Es liegt mit rund 1700m relativ hoch und unmittelbar an den Südhängen der Berge Bulgan und Mane. Damit bildet sie auch das nördliche Ende des Orkhon Tals. Es ist eine angenehme Stadt mit einem für mongolische Verhältnisse fast schon modernen Flair. Früher war sie eines der religiösen Zentren des Landes, wozu auch das schon erwähnte Zayain Khuree Kloster wesentlich beitrug. Im 19. Jahrhundert kamen russische und chinesische Händler hierher. Genau diesen Händlern ist es auch zu verdanken, dass das Kloster Ende der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts nicht völlig zerstört wurde. Man nutzte die Räumlichkeiten des Klosters einfach als Lagerräume weiter.