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2.Tag    11.02.2012 – Entebbe

Am Vormittag lassen wir es ziemlich ruhig angehen. Es geht lediglich zu einer Wechselstube um uns mit Ugandischen Schillingen zu versorgen.  Wobei man für einen Euro rund 3000 Schillinge bekommt. Ich selbst habe mir mal so eine lockere halbe Millionen  geholt – ich bin reich. Naja jedenfalls in Schillingen. Die Kaufkraft testen wir dann gleich mal im praktischen Einsatz im benachbarten Supermarkt. Auch bei uns erhältliche Artikel kosten auch hier vergleichbar viel, natürlich mit ein paar Rundungen in die eine oder andere Richtung. So kostet eine Tube Zahncreme etwa 4500 Schilling, übrigens genauso viel wie eine Dose Carlsberg Bier 0,5L. Eine Flasche Coca Cola von 0,5L kommt auf 2000 Schilling, bei solchen Preisen vergreift sich natürlich auch schon mal schnell eine Banknote von 20000 Schilling. Das war es dann auch schon für den Vormittag. Wir gehen zurück zu unserem Hotel. Man bekommt schon mal einen Eindruck von der Sonne hier, obwohl es eigentlich nur ein kleines Stück ist, aber ich habe ja meine neue Mütze auf dem Kopf. Am Hotel angekommen kommt noch eine kleine Vorstellung von Fred, unserem Guide, und ein Abriss was uns so auf der Reise erwartet, und welche Aktivitäten nur darauf warten in Angriff genommen zu werden. Über den Mittag gönnen wir uns ein bisschen Ruhe, einige essen eine Kleinigkeit oder sitzen nur „quatschend“ im Schatten.

Seit etwa 2 Monaten hat es in diesem Teil von Uganda nicht mehr geregnet, man bezeichnet diesen Landesteil als Zentrum, was nicht nur geografisch zu verstehen ist sondern auch die wirtschaftlich wichtigste Region darstellt. Wir befinden uns hier also in der Trockenzeit, und auch für Uganda ist das schon eine lange Phase ohne Regen. Auch heute strahlt die Sonne von einem blauen Himmel, dazu 30°C, also gar nicht mal so viel mehr, als gestern bei unserer Ankunft nach 22 Uhr. Es ist nicht so „hell“ wie in Ländern, die noch südlicher liegen und ich schon besuchen durfte, aber die Sonne brennt schon brutal  für einen Mitteleuropäer, der direkt aus dem Winter kommt. So heißt es immer schön eincremen, auch wenn ich trotzdem für mich mit einem ordentlichen Sonnenbrand rechne.

Den Nachmittag verbringen wir mit einem Besuch im botanischen Garten von Entebbe. Wobei das etwa 45 ha große Gelände vor allem Bäume der südlichen Hemisphäre zu bieten hat.  Aber auch eine Fläche mit dem ursprünglichen Urwald, der früher typisch für die Gegend war, ist vorhanden. In dem Bereich des Urwaldes wurden übrigens die ersten Tarzanfilme  damals noch mit Jonny Weißmüller gedreht. Das  bringt mich auf etwas anderes, ich habe irgendwo gelesen, der Eintritt würde umgerechnet etwa einen Euro kosten, die Benutzung einer Kamera einen weiteren Euro.  Gebe ich mal so wieder, bei uns war es Teil der Tour. Wer mich kennt, weiß dass ich mir mal wieder nichts von den Pflanzen merken konnte. Auch wenn unser örtliche Guide bei vielen Exemplaren erklärt hat, wofür sie früher benutzt wurden, oder was aus ihnen herzustellen ist. Wenn gleich dieses Wissen immer weniger Anwendung im praktischen Leben in Uganda findet.  Neben den Pflanzen des gut 100 Jahre alten botanischen Gartens gibt es aber auch zahlreiche Vögel und auch Colobus Affen zu beobachten. Der Botanische Garten ist aber auch Afrika, ein bisschen unkoordiniert, aber es läuft irgendwie. Es gibt einige angelegte Wege, aber eben noch viel mehr „Trampelpfade“. Und wenn es gilt zu einem bestimmten Punkt zu kommen, dann nimmt man eben die direkt Richtung querfeldein. In Europa wohl undenkbar, wenn schon kein Zaun oder eine Wegbegrenzung vorhanden ist, dann doch zumindest ein Verbotsschild. Aber das gehört zu Afrika und ist auch einer der Gründe warum es hier viel entspannter zugeht. Und woran ich mich mit jeder Reise auf diesen Kontinent lieber und schneller gewöhne.

Zurück geht es zu Fuß zu unserem Hotel.  Dabei gehen wir auch am Präsidentenpalast vorbei, der natürlich auf einer kleinen Anhöhe gelegen ist. Entebbe heißt im ugandischen übrigens Stuhl, was  wohl noch aus der Geschichte herrühren dürfte, als der König hier seinen Sitz hatte, eben seinen Königsstuhl. Bis 1942 war Entebbe auch noch die Hauptstadt von Uganda, heute ist das Kampala. Wobei Entebbe von den Einwohner von Kampala eher so als besserer Vorort ihrer Stadt gesehen wird, sie liegt ja auch nicht wirklich weit entfernt und beherbergt den wichtigsten Flughafen des Landes, eigentlich den einzigen Zivilen mit einem gewissen Rang.

Auf dem Rückweg zum Hotel biegen wir gerade in die Straße ein, in der unser Hotel liegt, wo sich am Rand ein Marabu in den Schatten eines großen Baums zurück gezogen hat. Wann kommt man schon mal so dicht an einen echten wilden Marabu heran, immerhin sind es kaum mehr als 5m, auch wenn es ein ziemlich altes Tier ist. Da winkt uns schon ein junger Mann zurück auf den Bürgersteig. Wild gestikulierend fuchtelt er dabei mit den Händen herum. Wenige Augenblicke später kommt ein Soldat aus einer kleinen Holzhütte von der anderen Straßenseite zu uns herüber. Er redet lange und ziemlich aufgeregt auf unseren Guide ein. Gegenüber, wo auch seine Holzhütte steht, befindet sich ein bewachtes staatliches Gelände. Davor steht auch ein Schild, das das Fotografieren dort verboten ist. Bereits am Vormittag hatte man uns darauf aufmerksam gemacht, dass es verboten ist Regierungsgebäude, Soldaten oder auch Polizisten zu fotografieren. Gleiches gilt auch für andere bewachte Bauwerke, so werden einige wichtige Brücken im Land durch Soldaten gesichert. Aber was wir hier jetzt falsch gemacht haben, bleibt uns verborgen. Wir werden aufgefordert unsere Bilder zu zeigen, auf denen nur „unser“ Marabu und im Hintergrund eine etwa 2m hoher Betoneinfriedung zu sehen ist. Wir werden aufgefordert die Bilder zu löschen, was warum auch immer praktisch keinem „gelungen“ ist. Unser Guide schickt uns schon mal vor zu unserem Hotel, während er noch weiter mit dem Soldaten palavert. Fred, unser Guide,  behauptet später, dass er nach Vorlage seines Ausweises und einigem Hin und Her auch hätte gehen können. Dabei kann man aber wohl davon ausgehen, dass ein bisschen Schmiergeld bei der Entscheidungsfindung das letzte Argument war. Der vermeintliche Grund für unser „Fehlverhalten“ waren Waffen, die vor einigen Wochen von der ugandischen Armee beschlagnahmt worden sind und jetzt eben hinter dem Zaun gelagert werden, vor dem sich der Marabu im Schatten postiert hatte. Wobei der etwa 2m hohe Betonzaun jetzt für hiesige Verhältnisse eher normal ja fast schon unterdurchschnittlich ist. Hier sind praktisch alle Grundstücke mindestens so gesichert. Gleichzeitig sagte man uns aber auch wie sicher Uganda für afrikanische Verhältnisse doch sei. Was auch meine ersten Eindrücke heute hier so bestätigen, ich hatte jetzt nie ein ungutes Gefühl. Fairerweise muss man aber natürlich auch sagen, wir waren in den besseren Gegenden und auch in einer Gruppe unterwegs. Vor den Banken oder auch heute Vormittag vor der Wechselstube war allerdings immer ein Wachmann mit einem Gewehr postiert. Was man im Falle eines Angriffs, der dann wohl eher überraschend aus nächster Nähe statt findet mit einem Gewehr soll, erschließt sich mir aber dann auch wieder nicht. Auch vor unserem Hotel stand in der letzten Nacht, als wir hier ankamen, ein Wachmann. Der hatte auf seinem Gewehr auch ein aufgestecktes Bajonett. Als wir heute nachmittags zurück kamen, war dort nur eine unbewaffnete Frau zu sehen, die eher einfach die Funktion hatte, das Tor zu öffnen.

Dabei fällt mir noch ein, dass wir heute in der Stadt zahlreiche Landrover-Jeeps der UN gesehen haben. Der Grund dafür ist einfach das Hauptquartiert der UN für das südliche Afrika hier in Entebbe. Diese Fahrzeuge haben dann auch immer ein weißes Kennzeichen, welches mit den Buchstaben UN beginnt. Auch sonst haben die Fahrzeuge je nach dem um was für eine Art bzw. ob es privat oder auf ein Unternehmen zugelassen ist, farblich unterschiedliche Kennzeichen.

Bei unserer Rückkehr zum Hotel nach dem kleinen Abenteuer mit dem Marabu treffen wir dann auch die beiden letzten Mitglieder unserer Gruppe, die schlicht auf einer anderer Flugroute gekommen sind, und so praktisch den ersten Urlaubstag versäumt haben, aber das ultimative Highlight der Reise war der Botanische Garten nun auch nicht, und die Reisekasse kann auch morgen früh vor unserem Aufbruch ins wahre Uganda ja auch noch getauscht werden.

Beim Abendessen gibt es dann noch mal eine praktische Eingewöhnungshilfe in Afrika. Man hatte uns empfohlen, schon heute Mittag das Abendessen im Hotelrestaurant zu bestellen, da es sonst eben schon mal etwas länger dauern könnte. Das haben wir auch so gemacht, auch wenn ich für mich im Stillen dachte, das wird wahrscheinlich erst richtig verworren, weil nachher mal wieder niemand sich erinnert, was er/sie denn wohl bestellt haben könnte. Aber nein alle sind im Bilde, die Getränke kommen, das Essen wird serviert. Nur bei zweien gibt es ein Problem, das Gericht wäre leider aus, was natürlich passieren kann. Aber die Betroffenen wurden einfach dadurch ermittelt, den anderen schon mal ihr Abendessen zu bringen, und dann damit zu beginnen, nach Alternativen zu suchen.  Dann ging es aber auch ziemlich zügig, auch wenn beide eher eine schnell zuzubereitende Speise gewählt haben. Auch das ist Afrika. Zu dieser entspannten Atmosphäre gehört auch Verständnis und Nachsichtigkeit und eben nicht die europäische Variante: Ich will und zwar jetzt sofort … spätestens, eigentlich noch schneller.