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17. Tag        25.08.2013 – Khotaut

Heute geht es wieder weiter, also heißt es packen, dazu die schon gewohnten Zeiten, Frühstück 7 Uhr, Abfahrt 8 Uhr. Da meine mongolischen Nachbarn auch gestern Abend recht munter dabei waren, war meine Nacht auch nicht so sehr lang. So lange ich in der Mongolei nun schon unterwegs bin, habe ich nie meinen Wecker gebraucht. Ein Umstand der mir zu Hause völlig fremd ist, da benötige ich eher zwei als keinen. Heute Morgen wache ich dann auch erst relativ spät auf, deshalb muss das Nachdösen entfallen. Die Tasche zu packen ist wegen der vorsortierten kleinen Beutel aber dann auch schnell erledigt. Kaum habe ich die aus der kleinen Tür gezwängt, steht auch schon Pata, einer unserer mongolischen Helfer, vor mir und reißt sie mir förmlich aus der Hand. Das wäre nun wirklich nicht nötig gewesen, so spät bin ich nun wieder auch nicht dran, und sie zu den Fahrzeugen zu tragen, fällt mir wahrscheinlich auch nicht schwerer als ihm. Zumal sie für meine Verhältnisse sehr leicht ist. Ich habe keinerlei Gewichtsprobleme im Flugzeug, was für mich eher ungewöhnlich ist. Aber die Aktion entspricht der fast grenzenlosen Hilfsbereitschaft von Pata. Nun gut, dann gehe ich eben direkt zum Frühstück.

Die Abfahrt verzögert sich dann aber doch noch etwas. Die ersten Stunden in Richtung Tsetserleg wird die gleiche Strecke sein, auf der wir auch gekommen sind. Und auf dem Weg liegt ja auch die Jurte des Großvaters, der uns bei unserer Autopanne mit einem zweiten Wagenheber ausgeholfen hat und uns dann noch in seine Jurte einlud. Und auch auf unserer Rückreise sollten wir ja wieder vorbei kommen, was wir natürlich gerne tun. Wobei es eigentlich fast ungewöhnlich ist, das er mit den Enkeln bei der Jurte ist, und nicht sein Sohn. Der Umstand ist aber wahrscheinlich der großen Nähe zu der Ortschaft Tamir geschuldet. Dort hat er auch eigentlich sein Haus. Üblich ist es, das der älteste Sohn eine gute Schulausbildung bekommt, früher ging er dazu in ein Kloster, und der jüngste Sohn die Jurte und den größten Teil des Viehs bekommt. Dafür pflegt er dann die Eltern im Alter. Gehen dessen Kinder in die Schule, ziehen oftmals mindestens für diese Zeit die Großeltern in die Stadt. Während der Schulzeit wohnen dann die Enkel entsprechend bei den Großeltern. Alle weiteren Söhne bekommen von den Eltern eine eigene Jurte und ein paar Tiere für eine kleine eigene Herde. Als wir nun bei der Jurte ankommen, sieht uns der Großvater schon von weitem. Seine Frau ist gerade noch beim Melken der Kühe. Sie kommt nach unserer Ankunft aber auch herüber. Wir werden wieder zu Kuhmilch und Schwarzem Tee eingeladen. Dazu gibt es wieder die getrockneten Quarkstücke aber auch eine etwas besondere Art von Käse und frischen Rahm, der insbesondere bei unseren mongolischen Begleitern sehr begehrt ist. Während wir gerade ankommen, sind auch noch die Schafe und Ziegen da. Der Hund, der sehr zutraulich auf uns zukommt, lässt sich nur zu gerne kraulen. Wenn niemand „seiner“ Leute da ist, sieht das dann sicherlich ein bisschen anders aus. Hunde sind hier für jede Jurte normal, sie werden sowohl als Wachhund als auch zum Treiben der Tiere eingesetzt. Es gibt wahrscheinlich keine wirklich reine Rasse, aber optisch und auch vom Wesen steckt offensichtlich viel vom Do Khyi  drin, in Deutschland wurde er früher meist als Tibet-Dogge bezeichnet. So sind sehr viele Hunde bei den Jurten oder auch in den kleineren Ortschaften sehr ähnlich in der Zeichnung und im Körperbau. Da ich selbst einen Schwarzmarken Hovawart mit den lustigen braunen „Farbklecksen“ über den Augen habe, finde ich es natürlich interessant, dass auch die mongolischen Hunde dieses Merkmal aufweisen. Selbst die teilweise braunen Beine sind ähnlich. Und zu den Hofhunden gehören ja auch beide. Noch während ich den Hund ein wenig hinter den Ohren kraule, setzt sich wie auf Kommando die Schaf- / Ziegenherde in Bewegung. Ich bin da immer etwas erstaunt, warum die Herde eben noch teilnahmslos herum stand, allenfalls die Neuankömmlinge beäugt hat, und von einem Augenblick zum anderen setzt sich alles in Bewegung. Und am Abend kommen sie dann typischerweise auch alleine zurück. Wobei unser Großvater auch schon lange vom Pferd auf das kleine Moped zum Treiben umgestellt hat.

Aber wir müssen auch weiter, schließlich liegt noch ein langer Weg vor uns. Unser nächstes Etappenziel ist Tsetserleg, wo wir wieder an einem kleinen Supermarkt halten. Ich kaufe unter anderem ein Tüte Weingummi der Marke „Gut & Günstig“, also wieder die EDEKA Eigenmarke. Die ist uns hier ja schon mehrfach begegnet. Ich zahle dafür 2370 Tugrik, umgerechnet etwa 1,20 Euro. Ich zahle mit einem 20000 Tugrik Schein, um wieder an ein bisschen Kleingeld zu kommen. Wobei Kleingeld natürlich relativ ist, mein „großer“ Schein ist auch nur 10 Euro wert. Mein Wechselgeld bekomme ich aus einer großen Schublade, in der unzählige Scheine wild durcheinander liegen. Wobei ich nur 17620 raus bekomme, die 10 Tugrik-Scheine sind schlicht ein bisschen selten, da wird dann schon mal gerundet. Sie entsprechen aber auch nur etwa einen halben Eurocent, der Verlust ist also gut verschmerzbar. Interessant vielleicht noch, das wir hier fast schon in einem „Megastore“ gehen, man kann wie bei uns üblich selbst zwischen den Regalen umher laufen, und das gewünschte in einem Korb zur Kasse tragen. Dort wird dann auch schon gescannt, nur eben das Geldbehältnis ist ein bisschen alternativ. Der Supermarkt, eingebettet zwischen ein paar weiteren nach unseren Maßstäben kleinen Geschäften, hat einen kleinen Parkplatz vor der Tür. Dass dort offensichtlich schon länger ein Gullydeckel fehlt, stört offensichtlich nicht weiter. Auch der Stromkasten der benachbarten Baustelle ist nicht so recht wetterfest, aber zumindest bei gutem Wetter wie heute, ist das natürlich auch egal. Penibel ist es da eher auf der anderen Straßenseite, auf der sich eine kleine Bank befindet. Das Gebäude sieht gepflegt aus, und vor allem befindet sich ein großer Zaun drum herum, und auch zwei Wachen kann man erkennen, wenn man etwas genauer hinsieht. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass heute Sonntag ist, trotzdem aber viele Geschäfte um uns herum geöffnet sind. In der Mongolei gibt es nahezu keine Industrie. Das bedeutet, wer nicht in der Landwirtschaft arbeitet, ist entweder im Handwerk, in der öffentlichen Verwaltung oder eben irgendwo im Dienstleistungsbereich beschäftigt. Und wer keinen Job findet, beginnt eben mit etwas zu handeln. Das schafft dann einen gewissen Handlungsdruck. Ansonsten sind die meisten Geschäfte Wochentags zwischen 9 und 18 Uhr geöffnet, Banken ebenso wie die öffentliche Verwaltung nur Montag bis Freitag.

Unser Weg führt uns weiter nach Tsenkher. Dort befinden sich heiße schwefelhaltige Quellen. Eigentlich wollten wie sie ja schon auf der Herfahrt besuchen, inzwischen sind sie wieder besser erreichbar. Sie liegen etwa 30km von Tsetserleg entfernt. Es gibt dort öffentliche warme Duschen und zwei warme Becken. Wobei das von den Duschen aus gesehen rechte Becken so heiß ist, das man sich bei einem längeren Aufenthalt wahrscheinlich übel verbrüht. Das andere Becken ist gut Badewassertemperatur und lädt zum Verweilen ein. In den Außenbecken riecht das Wasser nur sehr wenig nach Schwefel, beim Duschen ist es dann schon eher etwas „muffelig“. Das Wasser aus der nahe gelegenen Quelle muss übrigens abgekühlt werden, damit man überhaupt drin sitzen kann. Das gilt selbst für die heiße Variante. Der Betreiber des Camps benutzt es auch zur Bewässerung eines Gewächshauses. Auch wenn der Weg hier her etwas beschwerlich war, ist es das auf jeden Fall wert. Das dazugehörige Camp liegt am Übergang vom Wald an den Khangai Bergen zur Steppe hin. Um uns herum springen ein paar aberwitzige Ziesel herum, die sich nur in Deckung bringen, als ein Milan über uns ein paar Kreise dreht. Aber kaum ist er weg, sind sie auch schon wieder unterwegs.

Und auch wir machen uns wieder auf, um noch ein bisschen Strecke zu machen, es geht weiter in nordöstlicher Richtung. Unsere Fahrer beschließen nicht nach Tsetserleg zu fahren, sondern noch ein bisschen abzukürzen. Bevor wir die Verbindungsstraße von Tsetserleg nach Karakhorum wieder erreichen, müssen wir noch einige Wasserläufe durchqueren.  An einem müssen wir unseren Hyundai Kleinbus verlassen. Auch wenn er ein bisschen höher liegt und Allrad-Antrieb hat, glauben die Fahrer nicht, das er es aus eigener Kraft hindurch schaffen wird. Das Problem ist vor allem der zu tief liegende Auspuff. Würde er dadurch Wasser ziehen, wäre es um den Motor geschehen. Also den Motor ausstellen und kurzerhand mit dem russischen Jeep durchziehen. Der ist es auch, der zuerst die Furt prüft, offensichtlich ist es das geländegängigste Fahrzeug. Während der kleinen Prozedur wechselt der Fahrer des japanischen Jeeps noch mal schnell wieder einen Reifen. Ein inzwischen fast schon normal gewordenes Ritual. Nicht viel später setzt der Hyundai dann in einer kurzen aber relativ tiefen Senke kurzfristig hinten auf. Eigentlich ist nichts weiter passiert, wenn man mal davon absieht, dass der Auspuff dabei wohl ein kleines Loch bekommen hat, und jetzt eine etwas andere Geräuschkulisse verbreitet. Dann haben wir es aber auch geschafft und sind zurück auf der Teerstraße. Durch diese Abkürzung haben wir etwa 60km und damit einiges an Zeit gespart, so kommen wir heute weiter, als es eigentlich geplant war. Mal eine erfreuliche Abwechslung. Auch wenn es heute, wie an jedem anderen „Fahrtag“ hier in der Mongolei nicht ohne Autopanne abging. Aber am seltsamsten ist die Spur des russischen Kleinbusses. Die war eigentlich schon während der ganzen Reise leicht versetzt. Inzwischen läuft die hintere Achse fast um einen Reifenbreite versetzt zur Vorderachse. Die Mitfahrenden aus dem Fahrzeug berichten davon, dass es manchmal kleine Schleifgeräusche gibt. So beschließen die Fahrer, damit morgen in die Werkstatt zu fahren, dann könnte man gleich den Auspuff am Hyundai mit richten lassen, und auch den defekten Reifen flicken.

Heute ist unsere letzte Nacht im Zelt, ursprünglich war geplant, heute noch mal ein kleines Lagerfeuer zu machen. Da wir aber schon ein bisschen weiter sind, scheitert es schlicht am nicht mehr vorhandenen Holz. Dafür gibt es hier viele Mücken. Sie sind zwar ziemlich langsam, aber manche schaffen es eben immer. So verziehen wir uns relativ früh in die Zelte. Insgesamt hatte ich aber mit deutlich mehr Mücken in der Mongolei gerechnet. Wobei sie natürlich im Norden in Richtung Sibirien noch sehr viel mehr werden, aber dorthin kommen wir auf unserer Reise überhaupt nicht.