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17. Reisetag         San Jose – 14.03.2022

Auch heute geht‘s wieder relativ entspannt in den Tag. Frühstück ist ab 7:00 Uhr und gegen 8:15 Uhr wollen wir abfahren. Unser erstes Ziel ist eine kleine Kakaoplantage südlich von Cahuita. Die Plantage umfasst noch ca. 6 ha Kakaobäume. Wobei die meist auf eine Höhe von ca. 2,50 m bis maximal 4 m gekürzt wurden, ansonsten könnten die Pflanzen etwa 12 m hoch werden. Der Kakao kommt ursprünglich aus Südamerika, dort vermutlich aus dem Gebiet des heutigen Venezuela. Von dort kam er dann hoch nach Mittelamerika. Hier war er zunächst eher als Teil der Medizin bei den Schamanen im Gebrauch. Erst später wurde er dann als Getränk entdeckt, wobei das recht bitter im Geschmack war. Kakao benötigt einen einigermaßen guten Boden und wächst gleichzeitig nur als Unterholz unter höheren Schatten spenden Bäumen, von diesen hängt dann auch ab, wie groß Kakaobäume in der freien Natur werden. Seine maximale Verbreitung ist auf etwa 16 Breitengrade um den Äquator herum begrenzt. Die Hauptanbaugebiete sind heute in Afrika und Indonesien, wobei alleine die Elfenbeinküste fast 40 % der Weltproduktion von rund 5,5 Millionen Tonnen / Jahr stellt. Der Ertrag pro Hektar beträgt etwa 470 Kilo. Dabei werden pro Baum zwar Tausende von Blüten in einem Lebenszyklus hervorgebracht, aber nur 0,5-5 % werden überhaupt erfolgreich bestäubt. Das übernehmen aber nicht Bienen oder die anderen üblichen Verdächtigen, sondern erfolgt durch eine bestimmte Mückenart, die sich im Schatten mit einer Schicht Laub auf dem Boden wohl fühlt. Aber selbst, wenn eine Blüte bestäubt worden ist, wird nur aus einem Viertel von ihnen auch wirklich eine ausgewachsene Kakaofrucht, viele andere werden vorher von Pilzen und Bakterien zerstört. Kakaofrüchte werden etwa 30cm lang, kommen auf ein Gewicht von etwa 500g und wachsen direkt am Stamm oder dickeren Ästen. Von diesen werden sie dann, wenn sie reif sind, mit einer Machete abgeschnitten. Dabei muss darauf geachtet werden, die Rinde des Baumes nicht zu beschädigen, um Parasiten keine Angriffsfläche zu bieten. Die Früchte sind je nach Sorte zwischen gelblich/grün bis hin zu violett. Wie Kaffee oder auch die Bananen gehört auch der Kakao zu den Beeren. Nach der Ernte werden die Früchte geöffnet, im inneren befinden sich die eigentlichen Kakaobohnen. Pro Frucht kommt man auf etwa 25 bis 50 Bohnen, die in Längsreihen angeordnet sind. Die zu diesem Zeitpunkt noch weißen Bohnen befinden sich in einem süßen ebenfalls weißen Fruchtfleisch, das vermutlich schon vor 3000 Jahren zu Alkohol vergoren wurde, und gar nicht die Kakaobohnen selbst war die erste Nutzung der Frucht. Die Kakaobohnen werden dann für sechs bis zehn Tagen an der Luft fermentiert, dabei bekommen sie auch ihre braune Farbe. Auch hier spielen Insekten wieder eine Rolle. Während der Fermentierung des Fruchtfleisches sorgt der dabei entstehende Alkohol dafür, dass die Bohnen nicht keimen. Außerdem verlieren sie dabei ihre Schärfe und Bitterstoffe. Gleichzeitig entwickeln sie dabei ihren bekannten Geschmack und die Aromastoffe. Anschließend werden die Kakaobohnen idealerweise an der Sonne getrocknet. Danach haben sie nur noch etwa 50% ihrer ursprünglichen Größe. Vor der Fermentierung sind die Kakaobohnen geschmacklich nicht so der Hit, außerdem setzen sie Giftstoffe frei, und ihnen wird nachgesagt, dass sie dem Verdauungstrakt eine gewisse Dynamik verschaffen. Nach dem die Bohnen getrocknet sind, werden sie geröstet, wodurch sie ihre harte Schale verlieren, und anschließend werden sie gemahlen. Bei der industriellen Vermahlung werden sie je nach Hersteller für die Schokoladenproduktion auf eine Größe von 16 – 20 my gemahlen, alles unter 25 empfinden wir als flüssig. Bei uns wird eine Handmühle benutzt, und das Ergebnis ist um ein Vielfaches gröber. Nach der Röstung schmecken die Bohnen schon nach Kakao, sind „unsere“ aber noch ein bisschen holzig. Nach dem Mahlen kommt der Kakaogeschmack dann schon deutlich hervor, sie schmecken sehr viel süßer, haben aber immer noch einen etwas „sandigen“ Beigeschmack. Zu diesen Zeitpunkt hat der „originale“ Kakao einen Fettgehalt von etwa 55%, dazu kommen rund 12 – 13% Eiweiß, 9% Cellulose, 7,5% Stärke und 2,6% Mineralstoffe, insgesamt sind rund 300 Substanzen enthalten – ein wahrer Powercocktail. Und wegen des enthaltenen Serotonins, Dopamins und Theobromins auch noch stimmungsaufhellend – Schokolade macht glücklich.

Während unseres Besuchs auf der Plantage hat man die Masse dann mit etwa Milchpulver, ein wenig Wasser und einem Hauch Vanille verfeinert in einem Topf unter ständigem Rühren erhitzt. Danach mit der Hand geknetet, oder vornehmer ausgedrückt conchiert. Was bei uns nur einige Minuten dauerte, wird bei der richtigen Kakaomassenproduktion leicht über 12 – 15 Stunden durchgeführt. Bei sehr gehaltvollen Schokoladen noch mal deutlich länger, manche Hersteller schwören auch auf Zeiten jenseits der 50 Stunden Marke. Bei diesem Vorgang entweichen noch mal ungewollte Aromastoffe. Die Zeit des Conchierens kann durch bestimmte Techniken wie das Petzomat-Dünnschichtverfahren gestraft werden, das bei der Produktion von hochwertigen Produkten aber verpönt ist. Wir bekommen unsere kleine Kostprobe auf einem Blatt eines Kakaobaums serviert. Und obwohl ich eigentlich in Deutschland Schokolade eher verschmähe, und um dunkle gehaltvolle Schokolade einen weiten Bogen mache, ist diese hier ziemlich lecker. Anders als auf der Kaffeeplantage besteht hier immerhin in einem kleinen Shop die Möglichkeit kleine Päckchen der Schokolade zu kaufen, oder auch andere Endprodukte in der die Schokolade steckt. Wie an anderen touristischen Orten auch, sind hier die Preise in US-Dollar ausgezeichnet, und man nimmt auch bevorzugt die amerikanische Währung. Ich möchte in der Landeswährung Colones zahlen, und löse damit gleich mal ein Wechselgeldproblem aus. Man möchte offensichtlich keine Dollar wieder rausgeben, stattdessen sucht man das nötige Wechselgeld in Colones zusammen. Wir können übrigens auf der Kakaoplantage noch einen Haken hinter einer weiteren Spezies machen. Im Gras entdecken wir eine Streifennatter, eine dünne etwa einen Meter lange für den Menschen ungefährliche Schlange. Um noch ein bisschen Wasser in den Wein zu gießen, Schokolade die man bei uns im Supermarkt kaufen kann, hat oftmals einen Zuckergehalt von 50%, dazu dann noch das Fett des Kakao selbst, und die anderen Zutaten, gesund ist die bei uns gekaufte Schokolade dann eher nicht. Kakaopulver enthält übrigens meist noch mehr Zucker. Selbst bei den dunkleren Schokoladen ist der Zuckergehalt oftmals noch bei rund einem Viertel. Dagegen sind die positiven Eigenschaften wie die „Glücklichmacher“ oder enthaltene Antioxidantien, die verbessern die Dehnfähigkeiten der Blutgefäße und haben auch einen positiven Einfluss bei Bluthochdruck, eher zu vernachlässigen. Unterm Strich bleibt: Gesund ist die (leider) nicht. In weißer Schokolade bei uns ist dann vor allem Kakaobutter und Zucker drin, gesünder ist die auf jeden Fall auch nicht. Obwohl mir die auch zu Hause schmeckt, aber das ist ein anderes Thema. Kakaobutter wird übrigens auch in vielen Kosmetikprodukten eingesetzt, weil diese bereits bei Körpertemperatur schmilzt.

Nach dem Besuch der Plantage geht es mit dem Kleinbus wieder in Richtung San Jose. Auf dem Weg dorthin kommen wir durch etliche kleineren und auch größeren Baustellen. Costa Rica investiert ganz offensichtlich weiter in eine für mittelamerikanische Verhältnisse schon heute gute Infrastruktur. Kurz vor den Vororten von San Jose kommen wir dabei noch über den „schmutzigen“ Fluss. Er kommt vom Irazu Vulkan und führt eine erhöhte Schwefelkonzentration mit sich. Dadurch wirkt sein Wasser schmutzig gelb. Es sieht fast so aus, als wenn er schlammig wäre und entsprechende Sedimente mitführen würde.

Gegen 15:00 Uhr treffen wir schließlich in der Hauptstadt von Costa Rica ein. Und ein bisschen betroffen stelle ich fest, dass unser Hotel, das wir auch schon bei unserer Einreise genutzt haben, direkt in der Innenstadt liegt. Als wir damals an einem Samstagabend gegen 22 Uhr eintrafen, sah alles ein bisschen ausgestorben aus, und auf der Straße war praktisch niemand mehr zu sehen. Dafür haben wir an einigen Häusern Stacheldraht auf den gemauerten Zäunen oder auch an den Häuservorsprüngen gesehen. Jetzt am Tage sieht es sehr viel quirliger aus, es sind zahlreiche Leute unterwegs, und als ich mich noch auf eine kleine Runde zu Fuß aufmache, habe ich nie das Gefühl, mich umsehen zu wollen. Ich sehe mich eher um, als ich ein Denkmal fotografieren möchte, und in unmittelbarer Nähe verschiedenen Sicherheitskräfte postiert sind, und mich schon auch im Auge zu haben scheinen. Hhhhm, eine militärische Einrichtung ist das sicher nicht,, es müsste also eigentlich erlaubt sein zu fotografieren … Wie ich später, als ich mir meine Strecke noch mal im Stadtplan ansehe, war in meinem Rücken das Parlament. Uuups, ein bisschen peinlich, dass ich es nicht wusste, erklärt aber die Sicherheitskräfte. Und nebenbei bemerkt, eine Schönheit ist das Parlament auch eher nicht. Viele Leute sind in der Innenstadt auch draußen wegen der Corona-Pandemie mit Maske unterwegs. In den kleineren Orten auf dem Land habe ich draußen praktisch fast niemanden mit einer Maske gesehen. Als wir unterwegs waren, ist mir im Land aufgefallen, dass abseits der großen Verbindungsstraße mit den zahlreichen LKWs praktisch nahezu kein Müll in der Gegend herum liegt, hier in San Jose ist es eher ein Problem. Nicht dass es wirklich verdreckter als in europäischen Städten wäre, aber es fällt zum übrigen Land schon etwas ab. Als ich vor Einbruch der Dunkelheit zurück in Richtung des Hotels gehe, habe ich subjektiv den Eindruck, dass sich die Straßen langsam leeren. Bei meinem kleinen Rundgang komme ich in unmittelbarer Nähe zu unserem Hotel noch über einen Schienenstrang. Er war früher Teil der Bahnverbindung, auf der die Agrarprodukte aus dem Zentraltal in die Häfen an der Küste transportiert wurden. Erdbeben und Erdrutsche während der Regenzeit haben die Schienenverbindung immer wieder beschädigt. So gibt es die Bahn heute im Prinzip nur noch als Straßenbahnlinie zwischen den größeren Städten im Zentraltal wie etwa San Jose und Cartago.

Am Abend gehen wir für unser Abschlussessen in das Restaurant des hiesigen Hilton, immerhin eine 5 Sterne Herberge. Unser Reiseveranstalter scheint noch ein bisschen Geld in der Reisekasse zu haben. Eigentlich geht es mir dabei eher um die Kleiderordnung. Wir sind mit unseren Trekkingsachen unterwegs, die zwar sauber sind, aber eher nicht der gehobenen Etikette entsprechen, was aber kein Problem ist. Dafür bietet das Restaurant einen schönen Ausblick über die Lichter der Stadt. Dazu muss man wissen, dass das Hotel mit seinen fünf Stockwerken schon zu den hohen Gebäuden der Stadt gehört, und das Restaurant ist im obersten untergebracht. Eine beeindruckende Skyline sucht man entsprechend in San Jose vergebens.