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4. Reisetag          Esso – 13.08.2018

Heute steht unser erster Fahrtag auf dem Programm. Dazu kommt unser umgebauter Lkw zu unserem Hotel, in dem wir vor der Abfahrt noch schnell das Gepäck verladen. Das Küchenequipment und die Verpflegung für die nächsten Tage befindet sich bereits im Fahrzeug. Ab heute gehört neben dem deutschen Reiseleiter ein Fahrer, ein russischer Guide, ein Hilfsguide, eine Köchin und zeitweise der Sohn des Fahrers zu unserem Helferteam. Das Gefährt, mit dem wir unterwegs sein werden, ist ein russischer Kamaz vom Typ 43114. Dieser Typ wird seit 1995 nahezu unverändert produziert. Die ersten Vorgänger waren vor allem für das russischen Militär produziert worden. Er hat einen Diesel-Motor mit fast 11 Liter Hubraum, der 240 PS bzw. 912 Nm produziert, die er an seine sechs Räder verteilen kann. Damit schafft er Steigungen bis zu 31 %, was für mich ziemlich beachtlich scheint, wenn man bedenkt, dass das Fahrzeug dabei ein Leergewicht von rund 9,2 t aufweist, und zusätzlich eine Nutzlast von 6 t hat. Der Durchschnittsverbrauch liegt dafür oberhalb von 30 l, die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs liegt bei rund 90 km/h. Wir sitzen in einer aufgebauten Kabine, die im hinteren Bereich einen Gepäckbereich und davor gut 15 Sitzplätze hat. Mit dem Fahrer im Führerhaus kann man nur mittels eines Funkgeräts kommunizieren. Die Technik des Fahrzeugs ist jetzt nicht gerade der neueste Schrei, aber eben robust und noch relativ einfach rein mechanisch zu reparieren, was sie natürlich für eine Gegend wie Kamtschatka besonders geeignet macht.

Wir machen uns also auf in Richtung Norden. Nach etwa 1,5 Stunden oder etwa 100 Kilometer Fahrt erreichen wir gegen 11 Uhr Sokoc, der Ort ist bekannt für seine Piroggen. Dabei handelt es sich um eine typisch russische Teigtasche, die es entweder gebacken oder frittiert gibt. Es gibt sie zum Beispiel mit Füllungen aus Rindfleisch mit Kartoffeln, Kohl, Hühnchen, Leber und Zwiebeln, süßem Quark oder je nach Saison auch mit Äpfeln oder Waldfrüchten. Sie kosten um die 100 Rubel, umgerechnet etwa 1,30 €, wobei mir eine als vorgezogenes Mittagessen oder zweites Frühstück allemal reicht. Von hier geht es die ca. 200 km weiter bis nach Milkovo. Der Ort ist mit etwas mehr als 8000 Einwohnern schon eine „Metropole“ in Kamtschatka, direkt an der großen Verbindungsstrasse innerhalb der russischen Provinz Kamtschatka in Richtung Norden gelegen. Nach dem Großraum Petropawlowsk und Jelisowo ist der Ort immerhin die drittgrößte Stadt in Kamtschatka. Überhaupt interessant an der Stelle vielleicht noch, dass man zwischen der Provinz Kamtschatka und der Halbinsel Kamtschatka unterscheiden muss. Die Provinz erstreckt sich noch ein bisschen weiter in Richtung Norden. Das hat an dieser Stelle aber bezüglich der Bevölkerung nahezu keine Auswirkung, sondern ist eher von der zusätzlichen Fläche geprägt. Die Provinz Kamtschatka hat nach der letzten Zählung im Jahr 2010 rund 320000 Einwohner, heute vermutlich ein paar Tausend weniger, das entspricht etwa der Einwohnerzahl von Städten wie Bielefeld, Bonn oder Münster. Nur sind die in Kamtschatka eben auf einer Fläche von 370000 Quadratkilometer verteilt, also etwa der Größe von Deutschland. Die Fläche bezieht sich auf die Provinz, die Halbinsel ist „nur“ rund 250000 Quadratkilometer groß. In Milkovo gibt es direkt an der Hauptstraße eine Tankstelle, die wir nutzen um unser Fahrzeug voll zu tanken. Während wir uns die Beine ein wenig vertreten, finden uns schnell die ersten Vertreter der hiesigen Tierwelt: Mücken. Aber nicht nur die kleinen lästigen Insekten bekommen hier ihre Mahlzeit, auch wir machen in Milkovo unsere „richtige“ Mittagspause. Dazu gehen wir in eine örtliche Kantine, direkt an der Hauptstraße gelegen. Gleichzeitig scheint es auch ein örtlicher Veranstaltungsraum zu sein, da ein Teil im Essbereich abgetrennt ist, und eine kleine eigene Bühne und ein paar aufwendiger dekorierter Tische aufweist. Die Toilette ist hier übrigens mindestens mal im Herrenbereich eine von arabischer Bauart. Die Hauptstraße in Milkovo ist geteert, was auf den letzten 100 Kilometern hierher nicht mehr der Fall war, und auch weiter nördlich von hier für die große Verbindungsstraße nicht mehr gilt. Wobei man sich inzwischen wieder dieses Themas angenommen hat, und ein lang geplantes Projekt mit der Asphaltierung der wichtigsten Verbindungsstraße der Provinz wieder angegangen ist.

Bis zu unserem Ziel sind es von Milkovo noch etwa weitere 200 km, für die wir auf den Schotterpisten bis ca. 19:00 Uhr brauchen. Inzwischen hat es auch begonnen leicht zu regnen. Immerhin sind während des Regens die Mücken nicht unterwegs, denn die sind hier oben sehr aggressiv. Auf dem Weg zu unserem heutigen Ziel Esso haben wir auf halber Strecke von Milkovo eine kurze Pause eingelegt, und waren praktisch sofort von riesigen Mückenschwärmen umgeben. Und die „Viecher“ sind hier ziemlich ausgehungert, und wie schon gesagt eben viele … sehr viele. Zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt kommt hier mein Moskitonetz zum Einsatz. Schon nach kurzer Zeit waren 30-40 von den kleinen Blutsaugern an den eigenen Hosenbeinen. Immerhin sind sie in Esso in dem leichten Nieselregen beim Entladen des Fahrzeugs nicht aktiv. So haben wir bis 20:00 Uhr unsere Zimmer bezogen und sind bereit fürs Abendessen. Wobei ich von der Unterkunft positiv überrascht bin. Es handelt sich dabei um ein größeres Holzhaus mit mehreren Zimmern, richtigen Betten und insgesamt vier Gemeinschaftsbadezimmern, in denen es sogar warmes Wasser gibt. In der Reisebeschreibung war von „Hütte“ die Rede, das ist definitiv mehr, und einen kleinen Pool mit warmem Thermalwasser gibt es auch noch.