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11. Reisetag          Am Bystraja – 20.08.2018

Die Zeiten sind auch heute wie gewohnt, also Frühstück um 8:00 Uhr. Anschließend verladen wir alles wieder auf den Lkw für eine kurze Fahrt an den nahegelegenen Bystraja, was so viel bedeutet wie „die Schnelle“. Flüsse sind im russischen übrigens weiblich. Wir selbst haben heute Morgen unser Gepäck aufgeteilt, in das notwendigste für eine Nacht, also im Wesentlichen Isomatte und Schlafsack, und den Rest des Hauptgepäcks. Das kleine Gepäck, in einem wasserdichten Beutel verpackt, wird neben den Küchenutensilien auf eines der drei bereitstehenden Schlauchboote verladen. Die Gruppe selbst verteilt sich auf die beiden anderen Schlauchboote. So ist für die nächsten zwei Tage unsere Begleitmannschaft um die drei Bootsführer erweitert, jeder von ihnen trägt eine Waffe bei sich. Zwei haben die robuste russische Kalaschnikow, einer eine Jagdwaffe dabei. So geht es dann ab hier in der Geschwindigkeit des Flusses in Richtung Süden treibend für uns weiter. Unterwegs gibt es Möglichkeiten zu Bärenbeobachtung, oder auch zum Angeln. Beim Fischen sind hier Forellen, Saiblinge und Stichlinge aber im wesentlichen verschiedene Lachsarten zu erwarten. In Kamtschatka gibt es sechs verschiedene Lachsarten, so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt. Es gibt die Buckellachse, Keta-Lachs, Nerka, Silberlachs oder auch Kisuch, Königslachs, und den Kirschlachs oder auch Sima genannt. Allen Lachsen gemein ist, dass sie im Süßwasser schlüpfen und sich anfangs vom Inhalt des Dottersacks ernähren. Je nach Lachs Art wandern sie im nächsten Frühjahr oder aber auch nach bis zu vier Jahren ins Meer. Diese Wanderung dauert zwischen fünf und zwölf Monaten. In den Flüssen fressen die jungen Lachse Kleinkrebse und Insektenlarven, sobald sie das Meer erreichen, stellen Sie sich auf Fische und Krebse um. Dabei nehmen sie dann noch einmal rasch und deutlich an Gewicht zu. Je nach Lachs Art erreichen Sie dabei ein Gewicht zwischen vier und neun Kilo, verteilt auf eine Länge zwischen 50 und 70 cm. Die Buckellachse, Nerka, Silberlachse und Kirschlachse erreichen ihre Größe nach zwei bis vier Jahren. Ein bisschen aus dem Rahmen fallen der Keta-Lachs, der bis zu einem Alter zwischen drei und zehn Jahren im Meer bleibt, dafür dann aber auch zwischen fünf und 15 Kilo schwer wird. Dabei erreichte eine Länge von bis zu einem Meter. Der größte Lachs in Kamtschatka ist aber der Königslachs, er kehrt im Alter zwischen vier und sieben Jahren zurück in die Flüsse, und hat dabei ein Gewicht zwischen fünf und 60 Kilo, und eine Länge von bis zu 1,45m. Wobei bis heute nicht bekannt ist, wonach sich bei den verschiedenen Lachsarten richtet, wann diese zurück zu ihren Laichgründen in die Flüsse schwimmen. Ebenso wenig ist bekannt, wie sie nach tausenden von Kilometern im Meer den Fluss wiederfinden, in dem auch sie selbst zur Welt gekommen sind, um dann dort zu Laichen. Bekannt dagegen ist wieder, dass sie sobald sie wieder das Süßwasser erreichen, keinerlei Nahrung mehr aufnehmen. Dafür verändert sich ihr Körper in dem sich zum Beispiel bei den Buckelwalen der Buckel stärker ausbildet, oder sich auch ein Hakenkiefer bildet. Neben den äußeren Veränderungen bilden sich auch erst jetzt die Geschlechtsorgane aus, aufgrund der radikalen Änderung bei der Nahrungsaufnahme verändert sich auch der Verdauungstrakt bis hin zur Leber. Sie verlieren bei ihrem Zug Flussaufwärts stark an Gewicht. Ihre bevorzugten Laichplätze sind dann relativ flache Kiesbänke, in denen sei eine kleine Laichmulden ausbilden. Dort legen die Weibchen ihre Eier ab, die dann von den Männchen besamt werden. Anschließend wird die Laichmulde wieder mit Sedimenten bedeckt. Im Gegensatz zu den Lachsen im Atlantik sterben die pazifischen Arten nach dem Laichen in den Flüssen, was dort einen entsprechenden starken Verwesungsgeruch hervorrufen kann. Wie praktisch überall auf der Welt gibt es auch für den Lachs Fangquoten, die das Überleben der Arten sichern sollen. Manche sagen, dass insbesondere in Kamtschatka aber auch im Übrigen östlichen Russland die Durchsetzung dieser Quoten maximal halbherzig verfolgt wird. Insbesondere die privaten Fischer halten sich nicht an die Quoten, dazu kommt, dass auch praktisch in jedem Fluss Einheimische illegal über den eigenen Bedarf hinaus fischen, insbesondere der Laich, oder vornehmer ausgedrückt der Lachskaviar ist in hiesigen Maßstäben ein lukratives Geschäft, und wie schon mehrfach angesprochen sind die Bedingungen am hiesigen Arbeitsmarkt schwierig, und das Leben verhältnismäßig teuer.

Bei unserer ersten Rast an einem kleinen Wasserzulauf beginnt auch Svetlana, unsere Köchin, für ein fangfrisches Abendessen zu sorgen. Innerhalb von kaum mehr als 15 Minuten erwischt sie sieben Lachse, bei den meisten handelt es sich um Buckellachse. Sie wird später berichten, dass dieses Jahr wieder ein „Buckellachs Jahr“ ist. Die Population zwischen den verschiedenen Lachs Arten wechselt zwischen den Jahren, hängt aber auch vom Fluss und der Jahreszeit ab. Denn nicht alle Lachse ziehen zur gleichen Zeit die Flüsse hinauf. Und nicht in allen Flüssen sind auch alle Lachse vertreten, geschweige denn in vergleichbarer Zahl. Auf unserer Weiterfahrt sehen wir bald unseren ersten Bären. Es ist ein jüngerer Einzelgänger. Bald darauf sehen wir auch jeweils zwei junge Bären mit jeweils zwei Jungen. Alle Bären bewegen sich direkt am Flussufer. Sobald ihnen unsere Anwesenheit nicht mehr geheuer ist, verschwinden sie praktisch binnen Sekunden im schier undurchdringlichen Dickicht der Uferböschung. Da wir aber praktisch lautlos auf dem Fluss dahintreiben, sind die meisten Bären relativ entspannt und ignorieren uns lange.

Nach rund 5 Stunden Fahrzeit und einer Strecke von 36 km erreichen wir gegen 18:00 Uhr unseren heutigen Lagerplatz, der einige Meter oberhalb des Flusses liegt. Entsprechend schaffen wir das ganze Gepäck rauf, und beginnen dann das Küchenzelt aufzubauen. Es wird ein kleines Lagerfeuer geschürt, und wir bauen unsere Zelte auf. Als jemand von unserer Begleitmannschaft die Fischreste vom Ausnehmen unten am Fluss entsorgen will, spaziert gerade ein junger Bär vorbei. Der Bär ignoriert uns praktisch völlig, aber unsere Bootsbesatzung ist ganz offensichtlich in Alarmbereitschaft. Sie versuchen das Tier mit Lärm und schließlich mit drei Leuchtraketen zu vertreiben. Der Bär trollt sich zwar, aber wirklich tief beeindruckt scheint er von dem Versuch ihn zu verjagen auch wieder nicht zu sein. Ein Stück flussaufwärts geht er ins Wasser, um dann über den Fluss zu schwimmen. Bekanntlich sind Bären gute Schwimmer, aber ich bin schon ein bisschen beeindruckt, wie wenig er von der Strömung abgetrieben wird, bis er etwas oberhalb von unserem Camp auf der anderen Uferseite aus dem Wasser kommt und im Gebüsch verschwindet. Unsere Boote lagen übrigens an Land direkt am Ufer, also am Weg den der Bär zuvor genommen hatte. Sie sind miteinander und an einem Busch mit einem Seil vertäut. Die Bootsführer haben wegen der Bären dann in Essig getränkte Lappen an dem Seil befestigt, ein Geruch den Bären nicht unbedingt mögen sollen, und entsprechend insbesondere die jungen neugierigen Bären von den Booten fernhalten soll. Unseren Besucher hat das offensichtlich jetzt auch nicht dazu animiert einen anderen Weg zu nehmen, immerhin hat er aber die Boote auch nicht beachtet.