• Lichtspiele in den Blue Mountains
    Australien

    Lichtspiele in den Blue Mountains

  • Der Botnar ist der gruene Riese in einer schwarzen Lavalandschaft
    Island

    Der Botnar ist der gruene Riese in einer schwarzen Lavalandschaft

  • Die Kata Tjutas im Sonnenuntergang
    Australien

    Die Kata Tjutas im Sonnenuntergang

  • Junges Mädchen auf einem Pferd
    Mongolei

    Junges Mädchen auf einem Pferd

  • Sonnenuntergang in der Wahiba
    Oman

    Sonnenuntergang in der Wahiba

19. Reisetag         Cartagena – 19.02.2020

Heute geht es wieder relativ entspannt in den Tag. Das Frühstück ist für ca. 7:15 Uhr vorgesehen. Gegen 8:00 Uhr holt uns dann ein Fahrzeug ab, das uns nach Cartagena bringen wird. Auf dem Weg dahin setzen wir noch eine Mitreisende am Flughafen von Santa Marta ab. Übrigens der einzige Flughafen den ich kenne, bei dem es kaum 50 m vom Eingang/Ausgang bis zum Strand sind. Für uns geht es dann weiter über die Bucht von Santa Marta, bei der es sich um eine Art Schwemmland handelt. Dabei fährt man gefühlt über einen Damm, rechts das Meer und links eine Art Schwemmland, wobei es auch dort größere dauernde Wasserflächen gibt. Auf der großen Hauptfläche des Schwemmlandes sind zahlreiche Fischer auf ihren kleinen Holzbooten unterwegs, um dort ihre Netze auszuwerfen. Es gibt aber auch größere Flächen mit Totholz, dass offensichtlich einer Überschwemmung mit Salzwasser zum Opfer gefallen ist. Die Lebensbedingungen für die Menschen scheinen schwierig und sehr ärmlich.

Kurz bevor wir Barranquilla erreichen, überqueren wir den Rio Magdalena. Mit seinen über 1500 km ist er der längste Fluss Kolumbiens. Er war damals bei der Eroberung durch die Spanier und auch danach noch eine wichtige Transportroute. Übrigens reiste auch Alexander von Humboldt auf diesem Fluss ins Landesinnere. In Barranqilla selbst werden gerade gefühlt kilometerlange Tribünen für den bevorstehenden großen Karnevalsumzug aufgebaut, immerhin ist die Stadt die ultimative Karnevalshochburg des Landes. Dazu werden ca. eine Millionen Besucher erwartet. Er wurde übrigens auch im Jahre 2008 von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Von hier machen wir noch einen kurzen Abstecher zum El Tutomo Vulkan. Er ist der kleinste Vulkan Kolumbiens und gerade mal 15 m hoch. Anders als man erwarten könnte, sind von ihm keine Ausbrüche mit Asche oder Lava zu erwarten, bei ihm handelt es sich um einen Schlammvulkan. Dem Schlamm schreibt man eine heilende Wirkung zu, ob dieses zutrifft weiß ich natürlich nicht, aber immerhin nutzen einige Touristen die Option gegen eine kleine Gebühr, in dem Schlamm zu baden. Immerhin muss man im Anschluss nicht frieren, da es hier zumindest jetzt um die Mittagszeit sehr heiß ist. Und auch die Vegetation lässt vermuten, dass die Lebensbedingungen für Flora und Fauna nur etwas für Spezialisten sind. Wir verlassen nach einem kurzen Aufenthalt den Ort wieder und fahren direkt nach Cartagena, wo wir nach ca. 1,5 Stunden eintreffen. Das Ziel ist unser Hotel, das direkt in der Altstadt gelegen ist. Dabei gewinnen wir auch gleich einen kleinen Eindruck, von den Verkehrsverhältnissen in der Altstadt, aber auch von dem ruhigen Umgang der Kolumbianer damit, wenn es mal wieder nicht weiter geht. Wie in eine Altstadt nicht anders zu erwarten, sind zahlreiche Straßen nur sehr schmal und daher Einbahnstraßen. Die Gebäude sind meist im Kolonialstil erbaut. Anders als in vielen anderen von den Spaniern in Südamerika angelegten Städten verlaufen die Straßen hier nicht ganz so streng schachbrettartig mit einer zentralen Plaza als Mittelpunkt.

Nachdem die etwas umständliche Anmeldung an der Rezeption in unserem Hotel erledigt ist, machen wir uns auch umgehend auf zu einem kleinen Erkundungsgang durch die historische Altstadt. Sie ist von einer fast vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben. Cartagena spielte bei der Eroberung des halben Kontinents durch die Spanier eine wichtige Rolle. Die Stadt wurde 1533 von Pedro de Heredia gegründet. Heredia, Kind wohlhabender Eltern, galt schon früh als Abenteurer mit ziemlich streitsüchtigen Zügen. So lauerten ihm in Madrid in einer dunklen Gasse sechs Männer auf, was ihm schließlich eine entstellte Nase einbrachte. Nur kurz darauf tötete er drei der Angreifer, und floh in die heutige Dominikanische Republik, um einer Strafe zu entgehen. Von dort ging er nach Santa Marta, wo er in einen Streit mit dem dortigen spanischen Leutnant Rodrigo Alvarez Palomino geriet, was sich aber erledigte, als letzterer tot im später nach ihm benannten Fluss schwamm. Sein Mörder wurde niemals gefunden. Heredia begann Erfahrungen im Umgang mit den Indianern zu sammeln, und tauschte Spiegel, Glocken und Schmucksteine ein, und machte dabei reiche Beute, mit der er nach Spaniern zurück segelte. Im Jahre 1932 fuhr er dann mit königlicher Genehmigung zurück ins heutige Kolumbien und gründete das heutige Cartagena. Heredia führte verschiedene Raubzüge gegen die Indianer. Er wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach wegen verschiedenen Verbrechen wie Betrug, Diebstall aus der königlichen Kasse, Vetternwirtschaft, Plünderung und Folterungen wie etwa unrechtmäßige öffentliche Verbrennungen angeklagt. Dabei wurde er auch mehrfach verurteilt, blieb aber zunächst trotzdem im Amt. Im Jahre 1554 sank schließlich das Schiff, mit dem er unterwegs nach Spanien war, um sich dort erneut wegen mehrerer Anklagen vor Gericht zu verantworten. Cartagena entwickelte sich aufgrund der sehr günstigen Lage in einer geschützten Bucht mit einem Tiefseehafen sehr gut. Sie wurde schnell einer der für die Spanier drei wichtigsten Hafenstädte in Südamerika. Wobei die Spanier sehr viel ihrer Beute über Land an die Karibikküste brachten, um die gefährliche Umfahrung der Straße von Kap Hoorn zu vermeiden. Hierher kamen zweimal im Jahr die spanischen Flotten um Waffen, Rüstungen, Pferde aber auch Textilien und Werkzeug zu liefern, und auf dem Rückweg Gold, Silber und Edelsteine zurück ins Mutterland zu transportieren. Cartagena war aber auch bedeutender Umschlagplatz für die Sklaven aus Afrika, die von den Spaniern selbst, aber auch von englischen und niederländischen Schiffen hierhergebracht wurden, was auch die Ursache dafür ist, dass noch heute viele Einwohner afrikanische Wurzeln haben. Insbesondere das Gold, Silber, Perlen und die Edelsteine zogen aber natürlich auch verschiedene Piraten an, von denen mache gar von England oder Frankreich ausgestattet in die neue Welt entsandt worden sind. So wurden immer wieder verschiedene Transportschiffe der Spanier auf dem Weg zurück nach Europa von Piraten aufgebracht. Darüber hinaus konnte 1568 Sir Francis Drake gar Cartagena selbst überfallen und einnehmen. Er plünderte die Stadt und erhielt ein Lösegeld für seinen Abzug aus der Stadt. Das gleiche vollführte dann auch noch der Franzose Jean-Bernard Louis de Saint-Jean im Jahr 1697 ein weiteres mal. Daraufhin begannen die Spanier die Stadt zu befestigen und insgesamt 29 Forts in der Umgebung zu bauen, außerdem errichteten sie einen Schutzwall um die Stadt. So gelang es einer großen englischen Armada im Jahre 1741 nach der Kriegserklärung Englands an Spanien mit insgesamt 186 Schiffen und rund 18000 Mann auch nach zwei Monate dauernden Gefechten nicht mehr, die Stadt einzunehmen. In der Stadt war zwischen 1610 und 1821 auch Sitz der berüchtigten Inquisition. Heute hat die Stadt rund 1 Millionen Einwohner und gehört seit 1984 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Seitdem ist auch der Zahl der Touristen in der Stadt deutlich gestiegen, und hat sie zu vermutlich dem Hot Spot des Tourismus in Kolumbien gemacht.

Wir schließen unseren Rundgang durch die Altstadt im Cafe del Mare ab, und genießen bei einem kühlen Getränk am Meer den Sonnenuntergang, dazu kann man noch Leute beobachten wie sie sich für ihr „ganz persönlichen“ Selfie aufgedonnert haben, und sich jetzt selbst produzieren. Jeder muss wissen was er tut. Aber das Leben könnte wirklich schlimmer als hier uns jetzt sein. Auch wenn ich die Touristenmassen sonst eigentlich so gut es geht meide, ist es doch einer der Orte, die mir in Kolumbien besonders gefallen haben. Zum Abschluss des Tages genießen wir noch ein gemeinsames Abendessen in einem der Hinterhöfe in der Altstadt in einer schönen Atmosphäre.