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5.Tag    Matanuska – 03.06.2015

Heute wird es ein Fahrtag werden. Frühstück ist für 6:30 Uhr geplant, dann Zelte abbauen, alles verladen, und, wenn alles glatt läuft, soll es ca. 1 Stunde später losgehen. Nun ja, wir nehmen uns noch ein akademisches Viertelstündchen vor der Abfahrt. So fahren wir jetzt von unserem Primrose Campingplatz in der Nähe von Seward, auf dem gleichen Weg auf dem wir schon hergekommen sind, zurück nach Anchorage. Dort fahren wir den uns schon bekannten Supermarkt an, und füllen unsere Vorräte wieder auf. Auch die Mittagspause verlegen wir gleich hierher.

Zurück auf dem Highway, übrigens dem Highway One, fahren wir weiter in östlicher Richtung. Weiterhin sind wir fast nur im Wald unterwegs, aber die vorher noch vorhandenen Laubbäume verschwinden weites gehend. Sie machen Platz für Nadelbäume und als letzten Vertreter der Laubbäume den Birken. Wir kommen auch über einige Flussläufe, in denen zurzeit nur ein kleines Rinnsal läuft. Die Flussläufe selbst sind teilweise mehrere 100 m breit, mit eben solchen Brücken darüber, und jetzt nur wenige Meter breite Wasserläufe, die sich durch das riesige Flussbett schlängeln. Auch diese scheinen zu mindestens aus der Entfernung heraus nicht sehr tief, fließen aber offensichtlich sehr schnell. In den großen Flussbetten sieht man allerhand Schwemmgut, dazu gehören große Felsbrocken und auch zahlreiche Baumstämme, die zur Zeit der großen Schneeschmelze vom Fluss mitgerissen werden. Kurz vor unserem eigentlichen Ziel machen wir noch einen kleinen Stopp auf einer Farm für Moschusochsen. Ursprünglich stammen die Moschusochsen hier in Alaska von einer Gruppe von 34 Tieren ab, die man in den 1930ern aus Grönland wieder hierher gebracht hat. Früher gab es schon Moschusochsen hier in Alaska, die aber durch die intensive Bejagung ausgerottet worden sind. Heute leben neben den Tieren hier auf der Farm auch ein paar 1000 vor allem im Nordwesten von Alaska und deutlich mehr im Norden Kanadas in freier Wildbahn. Die Tiere sehen ein bisschen archaisch aus, mit ihren großen Hornplatten auf dem Schädel. Dazu haben sie ein langes Deckhaar, und ein extrem weiches Unterfell, man bezeichnet es auch als Qiviut. Aus letzterem werden Kleidungsstücke hergestellt, die sehr weich und vor allem sehr warm sein sollen. Das Unterfell ist übrigens deutlich weicher und feiner als das von Schafen. Die Hornplatten haben insbesondere bei den Bullen auch einen ganz praktischen Sinn. Während der Brunft rennen die Bullen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h direkt aufeinander zu und prallen dabei mit ihren Schädeln zusammen. Direkte äußere Verletzungen gibt es dabei praktisch nie, Langzeitschäden treten aber durchaus auf. Von der Tierfamilie sind sie eigentlich näher mit Schafen und Ziegen verwandt, als mit Rindern. Deshalb ist die Bezeichnung Ochse ein wenig irreführend. Der Moschus im Namen geht auf ein Sekret zurück, das die Bullen während der Paarungszeit abgeben, eine Drüse wie Moschus-Hirsche haben sie aber nicht. Die Paarungszeit ist im Sommer, die Tragezeit beträgt etwa 7-9 Monate. Die Kälber wiegen bei der Geburt etwa 10-14 Kilo und haben bereits ein braunes Fettgewebe, das Ihnen zur Erhaltung der eigenen Körperwärme dient. Die Kälber werden bis zu 15 Monaten gesäugt, beginnen aber bereits nach einer Woche auch schon selbst zu grasen. Bei extrem guten Bedingungen kann eine Moschuskuh jedes Jahr ein Kalb gebären. In freier Wildbahn leben die Tiere in kleinen Gruppen, und bilden bei Gefahr einen Kessel in dessen Inneren die Kälber und Fersen geschützt werden. Ausgewachsene Bullen kommen auf ein Gewicht von bis zu 400 Kilo, bei einer Körperlänge von bis zu 2,50m und einer Schulterhöhe von 1,50m. Kühe sind etwas kleiner. Dabei haben sie einen ausgeprägt großen Kopf und dann eine nach hinten abfallende Gestalt. Hier auf der Farm sind die Kühe und Bullen während des Jahres getrennt. Gleiches gilt für die Jungtiere der verschiedenen Jahre.

Matanuska-Susitna Borough, oder kurz Mat-Su, wo wir uns hier befinden, ist übrigens das landwirtschaftlich wichtigste Gebiet in Alaska, was aber bei diesen klimatischen Bedingungen natürlich nicht viel heißt. Außerdem werden hier in der Gegend aufgrund des relativ gemäßigten Klimas auch zahlreiche Outdoor Aktivitäten angeboten. Dazu kommt natürlich noch die geographische Nähe zu Anchorage, als „die“ Metropole von Alaska. Wir selbst fahren auch noch ein paar Meilen weiter zu einem Campingplatz in der Nähe des Matanuska-Gletschers. Bevor wir dort überhaupt unsere Zelte aufgebaut haben, läuft eine Elchkuh mit ihrem Kalb mit hoher Geschwindigkeit durch das Camp. Die Menschen hier in Alaska haben mehr Respekt vor eben den Elchkühen als vor Bären, weil diese zuweilen, wenn  sie Kälber führen, aggressiv auf alles losgehen, was sie als Bedrohung empfinden. Aber diese Elchkuh hatte offensichtlich nur das Bedürfnis schnell durchzukommen, was sie dann auch wenig Rücksicht auf Büsche oder Sträucher auf ihrem Weg nehmen lassen.

Nachdem wir dann schließlich unsere Zelte aufgebaut und die Isomatten und Schlafsäcke, die heute früh noch ein bisschen feucht waren, zum Trocknen ein bisschen in die Büsche gehängt haben, fahren wir noch zum nahegelegenen Matanuska Gletscher. Ihm kann man sich bis auf wenige 100 m mit dem Auto nähern, und von dort sind alle etwas schwierigen Passagen mit kleinen Stegen gesichert. So kommt man fast trockenes Fußes bis auf den Gletscher. Auf diesem kann man sich relativ frei bewegen, da er keine Spalten hat. An seinem Fuß auf der linken Seite vor dem Gletscher muss man nur ein bisschen aufpassen, wohin man läuft. Denn es gibt dort leider ein etwas größeres Schlammfeld, wie ich feststellen musste. Immerhin gibt es ja genug Schmelzwasser, um die Schuhe ein bisschen wieder abzuspülen. In dem Schlamm sollte man nur eben auch nicht stehen bleiben, sonst zieht es einem buchstäblich die Schuhe aus – immerhin das konnte ich vermeiden.  Geographisch ist der Gletscher sehr schön in die umliegende Landschaft eingebettet, und ringsherum wächst auch allerhand Gras bzw. Wald direkt bis zum Gletscher. Jetzt im Abendlicht bietet er natürlich ein richtiges Lichtspektakel, das an Tagen wie heute zum Verweilen einlädt. Dazu herrschen auch am Abend noch immer relativ angenehme Temperaturen, sehr viel wärmer als ich es eigentlich für Alaska erwartet hatte. Nur der Wind bläst inzwischen ein bisschen frischer. Wegen unseres etwas verlängerten Ausflugs zum Gletscher, ist heute erst gegen 20:30 Uhr Zeit fürs Abendessen. Ein langer Tag, auch wenn wir davon einige Zeit nur im Auto gesessen haben. Und doch ist man abends ein bisschen irritiert, weil einem die Dämmerung nicht so genau signalisiert, wann es vielleicht Zeit wäre schlafen zu gehen. Es ist eben sehr sehr lange hell, eigentlich könnte man sogar sagen, es wird auch nachts kaum richtig dunkel - nach unseren Maßstäben.