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24. Reisetag        02.03.2011 – Torres del Paine

Langsam spielt sich alles ein. Aufwachen, Katzenwäsche, Frühstück, Zelt abbauen und los. Unser heutiges Ziel ist das Camp Chileno. Das Camp liegt am Eingang einer Schlucht, die der Rio Ascencio hier in die Berge gegraben hat. Unser Weg beginnt wieder mit dem täglichen Auf und Ab, ohne das man dabei wirklich Höhenmeter gewinnt. Das soll heute aber anders werden. Nach knapp zwei Stunden lässt der Busch bzw. die Bäume nach. Wobei es hier an zugigen Ecken ganz besondere Formen gibt. In Richtung des Windes sind die Bäume, auch wenn diese kaum 3 bis 4m groß werden, astfrei, diese zeigen nach links und rechts und wachsen auf der Wind abgewandten Seite. Das sieht fast so aus, als wenn sie die Arme ausbreiten würden, um einen zu umarmen. Aber je länger wir jetzt unterwegs sind, desto mehr wird die Landschaft zur Graslandschaft, selbst Steine bzw. Felsen sind bis auf die umgebenen Berge praktisch keine zu sehen. Hier gibt es dann auch nur noch sehr kleine Wasserläufe, das Gelände wirkt eher um die Läufe ein bisschen sumpfig. Anfangs geht es hier nur relativ sanft bergan, also genau mein Terrain. Bisher habe ich mich immer an letzter Stelle in unserer Gruppe gehalten, da ich mir sicher bin, das ich die Tour gut schaffen werde. Hier wechsle ich mich mit unserer Guide ab, der bisher eher vorne das Tempo gemacht hat. Hier löse ich mich von der Gruppe und verschärfe das Tempo. Dabei liefere ich mir mit einem anderen Wanderer ein „hartes“ Rennen. Ich  laufe etwas schneller, während ich dann etwa alle Stunde ein paar Minuten Pause machen und einfach „NUR“ noch die Landschaft genieße, geht er praktisch völlig ohne Pausen. Im Verlauf wird das Gelände immer steiler und ist bevor man in die Schlucht einbiegt schon ein bisschen garstig. Aber ich fühle mich gut und lege weiter ein ordentliches Tempo vor. Die Sonne meint es heute auch gut mit uns und scheint schon den ganzen Vormittag. Es ist richtig angenehmes T-Shirt Wetter, die letzte Nacht war dagegen recht frisch. Inzwischen ist aber Sonnencreme angesagt, zum ersten Mal seit wir im Torres del Paine Nationalpark sind.

Als ich in die Schlucht einbiege, kommt der Wind ziemlich frisch von vorne, ab hier ist eine Windstopper-Jacke keine schlechte Idee. Jacken, eine Mütze und ein paar dünne Handschuhe trage ich ja im Rucksack jetzt schon seit ein paar Tagen auf meinem Rücken. Aber wirklich kalt ist es nicht. Allgemein muss man in Patagonien aber auf alles gefasst sein. Das Wetter kann zuweilen schnell umschlagen. Eben noch in der Sonne, kann die Temperatur binnen Minuten um 15° fallen und stürmischer Wind mit Hagel einem zusetzen. Aber wir wollen ja nicht hoffen, dass uns das hier noch geboten wird. Der Weg führt am Rande der Schlucht anfangs noch etwas bergauf, um dann praktisch in Wellen die Höhe zu halten. Der Untergrund ist hier aus mehr oder weniger feinem Kiesel.  Da ich vor den anderen einen Vorsprung habe, baue ich im Camp schon mal mein Zelt auf. Die Zelte stehen hier geschützt unter den Bäumen, was dann aber auch für reichlich Baumwurzeln sorgt. Als ich gerade einen Platz suche, empfiehlt mir ein Japaner seinen zu nehmen, da er gerade zusammen packt und heute noch weiter möchte, immerhin ist es bereits 14:30 Uhr. Die Regelzeit für die heutige Etappe von etwa 14km beträgt 6,5 Stunden. Nach dem ich mein Zelt aufgebaut habe und mein Zeug darin verstaut ist, gönne ich mir in der Hütte ein richtiges Extra: eine Dose Cola. Neben dem Wasser mal eine nette Abwechslung, die allerdings mit rund drei Euro zu Buche schlägt. Mal zum Vergleich eine Flasche Rotwein hätte fünf gekostet, aber die wollte ich mir nicht schon am Nachmittag durch den Kopf gehen lassen, zumal ich ohnehin kein Rotweintrinker bin. Auf den Hütten hier gibt es immer eine Auswahl an Rotwein, Weißwein sucht man dagegen vergebens.

Nach dem die Anderen angekommen sind und eine kleine Pause gemacht haben, gehen wir weiter zum Mirrador Aussichtspunkt. Dazu gehen wir anfangs durch den Naturwald hier direkt an den Torres, die dem Torres del Paine seinen Namen geben. Anfangs geht es immer oberhalb des Rio Asencio durch die Schlucht. Auf Höhe der drei Zinnen geht es dann die linke Schluchtseite rauf. Anfangs sind einige Stufen zu überwinden, das letzte Stück steigt man praktisch nur noch über großen Felsen nach oben. Inzwischen hat sich die Sonne komplett hinter die Wolken verzogen, wodurch es durch den immer mehr auffrischenden Wind recht kalt wird. Das perfekte Licht kann es aber ohnehin nur morgens geben, aber auch so ist es trotz der Kälte ein schönes Gefühl, hier oben zu sitzen, und das Farbspiel der Granitfelsen zu sehen. Direkt unterhalb des Torres, die eben aus härterem Granit bestehen und so der Erosion besser standgehalten haben, ist noch ein kleiner See. Der Torre Norte 2600m, der Torre Central 2800m und der Torre Sur 2850m sind nicht mal die höchsten Erhebungen im Park, das ist der Cerro Paine Grande mit 3050m. Insgesamt hat der Torres del Paine Nationalpark eine Fläche von 2420qkm. Zum Nationalpark wurde er 1959 und seit 1978 ist er auch Biosphärenreservat der Unesco. Heute ist er durch den Tourismus in der nahezu menschenleeren Gegend ein großer Wirtschaftsfaktor in der Region. Man schätzt, dass ihn beispielsweise im Jahre 2005 rund 2 Millionen Besucher gesehen haben. Allein im ersten Halbjahr waren die Touristen für einen Umsatz von etwa 500 Millionen gut. Sie sind aber auch eine große Last für den Park, so sind im gleichen Jahr durch die Unachtsamkeit eines Besuchers 15000 Hektar Naturwald bei einem Feuer zerstört worden. Deshalb ist es heute auch verboten, mit offenem Feuer zu kochen. Dazu dürfen nur die kleinen Gas-Kartuschen benutzt werden.

Irgendwann wird es dann aber auch für uns Zeit wieder runter zu gehen, so sind wir nach vier Stunden gegen 20 Uhr zurück an der Hütte. Einige von uns haben beschlossen heute in der Hütte zu übernachten. Dazu gibt es hier zwei Räume mit je 4 doppelstöckigen Betten. Da bleibt dann zu hoffen, das nicht zu viele davon schnarchen, da die beiden Räume unten durch eine dünne Wand getrennt sind, aber oben eben doch miteinander verbunden sind. Bei der Übernachtung ist dann auch das Frühstück inklusive, und auch die Benutzung der Duschen und Toiletten innen ist frei. Ansonsten gibt es von außen zugänglich zwei weitere Toiletten und ich habe eine Dusche gesehen. Insbesondere die Toiletten will man am Morgen aber nicht unbedingt benutzen. Da wir morgen zurück in die Zivilisation kommen werden, warte ich ein bisschen ab und gehe kurz nach 22 Uhr auch zu den Innenduschen, die inzwischen leer sind und gönne mir eine warme Dusche. Dazu dann auch frische Wäsche, das schöne ist ja, wenn alle ein bisschen muffeln, riecht es auch keiner.  Man lässt mich unter der Dusche gewähren, obwohl den Betreibern der Hütte natürlich klar war, als ich mit meinem Zeug von draußen rein kam, dass ich eigentlich im Zelt schlafe und kein Bett gebucht habe. Verlassen kann man sich übrigens nicht, auch ein Bett zu bekommen. Wenn man das auf jeden Fall möchte, sollte man das im Vorfeld buchen. Ich statte auch der sauberen Toilette hier einen Besuch ab. Irgendwie bin ich immer ein bisschen überrascht, wie lange man es ohne Toilette aushält, ohne das einem was fehlt, dann aber doch erleichtert ist, wenn man dann mal wieder Gelegenheit hat. In den Sanitärräumen brannte auch das Licht, während alles andere bereits im Dunkeln liegt. Auf dem Weg zum Zelt pustet mich der Wind ordentlich durch, und im Nachbarzelt liegt auch jemand hörbar im Land der Träume. Im Zelt angekommen vermisse ich eine Socke. Sie draußen bei dem Wind wiederzufinden, erscheint mir nur mit einer Stirnlampe aber aussichtslos, und das Flattern des Zelts im Wind motiviert mich auch nicht gerade. So verkrieche ich mich ein letztes Mal auf dieser Reise in meinen Schlafsack und schlafe tief und fest einen erholsamen Schlaf.