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8.Tag          Pelican Lodge – 10.09.2016

Heute geht es wieder früh raus. Die Abfahrt soll um 7:30 Uhr sein. Wie eigentlich immer auf dieser Reise, sind wir sehr pünktlich. Dabei ist es heute einer der weniger verlockenden Fahrtage auf dieser Reise. Unterwegs sind auch nicht unbedingt die großen Highlights zu erwarten. So geht es zügig voran und um ca. 10:30 Uhr haben wir bereits die 200 km zur Grenze zwischen Südafrika und Botswana geschafft. Für die Ausreise- und Einreiseformalitäten benötigen wir etwa eine Dreiviertelstunde. Hier an dieser Stelle bildet der Lepopo Fluss die Grenzlinie zwischen dem ehemaligen britischen Protektorat bzw. heutigen Botswana und Südafrika. Vielleicht ist deshalb hier gleich ein guter Einstieg, um die Geschichte von Botswana ein bisschen näher zu beleuchten. Das südliche Afrika und damit auch Botswana gilt als die Wiege der Menschheit. So gibt es hier 3,5 Millionen alte Skelettfunde menschlicher Vorfahren, den Affenmenschen. Und bereits vor 100.000 Jahren waren die San, die auch als die Buschmänner bekannt sind, bereits hier in der Kalahari unterwegs. Und bereits vor 2000 Jahren hatten Stämme hier Schafe und Rinder und lebten halbsesshaft. Die ersten Bantuvölker, die heute die Bevölkerungsmehrheit stellen, sind ca. 3000 v. Chr. hierhergekommen. Vor allem auf sie geht die Viehzucht und der Ackerbau zurück. Archäologische Funde lassen auch den Schluss zu, dass es in der Kalahari damals große Weidegebiete und zahlreiche Wasserstellen gegeben haben muss. Im 13. Jahrhundert folgte ihnen das Reich der Great Zimbawe, das vor allem am Handel mit Gold reich wurde. Ihre Handelsbeziehungen reichten bis Persien und gar China. Ihnen folgten verschiedene Volksgruppen der Tswana, die zwar untereinander vielschichtige kleine Königreiche bildeten, aber kulturell und sprachlich gemeinsame Wurzeln hatten. Zu Beginn des 19. Jahrhundert kam es zu zahlreichen Kriegen zwischen verschiedenen Stämmen und Volksgruppen im südlichen Afrika. Besonders hervor taten sich dabei die Zulu unter ihrem König Shaka. Er führte ein autoritäres System, das nicht zuletzt auf einer straffen militärischen Organisation fußte. Er unterwarf überfallenen Völker und Stämme brutal, was wieder Fluchtbewegungen einiger Stämme auslöste. Diese Welle schwappte bis in das Gebiet der Tswana, wodurch dieses in immer kleinere Teile zersplitterten. Zusätzlich kamen immer mehr Weiße ins Land. Die Speerspitze bildeten dabei im heutigen Botswana nicht selten Missionare, die neben ihrer Mission auch schnell Schulen eröffneten. Im Jahre 1836 zogen Buren aus der Kap-Region kommend in die Transvaal Region. Sie führten ebenfalls Krieg, nicht zuletzt um Teile der Stämme als Zwangsarbeiter auf ihren Farmen einzusetzen. Sie griffen unter anderem auch Tswana Stämme an, die sich daraufhin an das britische Empire wandten und um Schutz baten. Dieser wurde ihnen erst im Jahre 1866 gewährt, da Goldfunde am Tati River bekannt wurden, und die Briten sich dadurch Vorteile erwarteten. Am 30.09.1885 schließlich wurde das heutige Botswana zum britischen Protektorat erklärt. Bereits zehn Jahre später wurden Teile davon als britische Kronkolonie proklamiert und kurz darauf von der Kapkolonie, die ja ebenfalls britisch war, annektiert. Auch hierbei ging es wieder um den Rohstoffreichtum, es waren inzwischen die Diamantenvorkommen bei Kimberley und die Goldvorkommen am Witwatersrand entdeckt worden. Dies war auch als außenpolitisches Zeichen gegenüber den Buren und den Deutschen zu verstehen. Die Buren wurden auch in einem großen Krieg auf dem Boden des heutigen Südafrika zwischen 1899 und 1902 geschlagen, und der Machtanspruch der Briten endgültig sichergestellt. Darüber hinaus versuchten die Briten große Gebiete im südlichen Afrika für sich zu erschließen. Dafür erteilten sie an Privatleute Kolonialkonzessionen.

Der mächtigste und vermutlich auch skrupelloses unter den privaten Kolonialisten war Cecil John Rhodes. Er wurde wegen einer Tuberkolose-Krankheit von seinem Vater, einem Vikar aus London, 1870 ins warme Südafrika geschickt, wo er anfangs auf der Farm eines Bruders arbeitete. Bereits im Jahre 1871 zog es ihn zur Kimberley Diamantenmine, die er schließlich im Jahr 1887 für 5 Millionen Pfund mithilfe seiner Firma De Beers Mining Company kaufte. Es war übrigens der zu der Zeit höchste jemals ausgestellte Scheck. Neben seinen wirtschaftlichen Aktivitäten wurde er auch zunehmend politisch aktiv. Er wird zum Kämpfer für ein britisches Weltreich und unterstützt die britische Königin Victoria uneingeschränkt. Eines seiner größten Projekte dabei ist der Bau einer Eisenbahn und Telegrafenverbindung zwischen Kapstadt und Kairo. Für den begonnenen Bau übernimmt er bzw. seiner British South Africa Company große Gebiete von einheimischen Stammesfürsten mit großer Brutalität. Er erschafft praktisch ein ganzes Land als Privatbesitz – Rhodesien. Es umfasst das heutige Simbabwe, Sambia und Teile Botswanas, immerhin entspricht das der Fläche des heutigen Frankreich, Deutschland und England. Im Jahre 1890 wurde er zusätzlich noch Premierminister der Kapkolonie, und seine Firma de Beers kontrolliert 1891 etwa 90 % der weltweiten Diamantenminen, womit er sich auf dem Höhepunkt seiner Macht befandt. Gleichzeitig besitzt er noch Schürfenrechte in den Goldminen am Witwatersrand bei Johannesburg. Dieses Gebiet wird zu dieser Zeit von den Buren gehalten. Er schickt einen Vertrauten mit 800 Söldnern in das Gebiet der Goldminen, um dort einen Aufstand gegen die Buren zu initiieren. Der Aufstand wird unter dem Regierungschef der Buren Paul Krüger, eben jener Mann auf den letztlich auch der Krüger Nationalpark zurückgeht, nach kurzer Zeit beendet. Nachdem die britische Regierung in London von der Intrige von Cecil John Rhodes erfährt, setzt sie ihn kurzerhand als Premierminister der Kapkolonie ab. Seine „Privatkolonie“ Rhodesien darf er aber behalten. Den Burenkrieg der Briten verbringt Rhodes schließlich im Gebiet der Kimberley Diamantmine, dem Herzstück der Diamantenproduktion von de Beers, um diese vor den Buren zu schützen. Bereits nach der Absetzung als Premierminister beginnt sich sein gesundheitlicher Zustand merklich zu verschlechtern, was schließlich auch zu seinem Tode im Jahre 1902 führt. Einen nicht unerheblichen Teil seines Privatvermögens überschrieb er testamentarisch der Rhodes Stiftung, die damit bis heute Stipendiaten aus der ganzen Welt ein Studium an der bekannten Oxford Universität ermöglicht.

Botswana wurde nur deshalb nicht Teil des Privatreiches von Rhodes, weil die drei Tswana Könige Khama III., Bathoen I. und Sebele I. unterstützt von der Londoner Missionsgesellschaft, die zur damaligen Zeit großen Einfluss auf das Geschehen in den britischen Kolonien hatte, direkt bei der britischen Krone Einspruch erhoben hatten. So blieb bis auf einige Teile, die Rhodes für den Bau seiner transafrikanischen Eisenbahn benötigte, Botswana weiterhin direktes Protektorat der britischen Krone. Die dabei gemachten Verträge halfen den Tswana Königen später auch, um zu verhindern, dass Botswana Teil der Südafrikanische Union wurde. Das erledigte sich erst im Jahr 1948 endgültig, als die in Südafrika regierende National Party die Apartheid einführte. 1950 schließlich begannen die Briten das heutige Botswana langsam auf die Unabhängigkeit vorzubereiten, die dann schließlich am 30.09.1966 proklamiert wurde. In den Jahren zuvor erhoben die Briten aber Steuern und Abgaben in ihrem Protektorat. Dieses führte dazu, dass zeitweise bis zu 50% der Männer im erwerbstätigen Alter nach Südafrika gingen, um dort in den Minen zu arbeiten. Dieser hohe Verlust an Arbeitskräften sorgte für den Niedergang der Agrarwirtschaft, und des verarbeitenden Gewerbes. Gleichzeitig wurde der Aufbau eines Schul- und Bildungssystems, einer medizinischen Versorgung und einer guten Infrastruktur von den Briten unterlassen. Das sorgte schließlich dafür, dass Botswana zwar politisch unabhängig wurde, wirtschaftlich aber im hohen Maße von Südafrika abhängig war.

Der erste Präsident des freien Botswana wurde Seretse Khama, der designierte Thronfolger des größten Tswana Stammes des Bangwato war. Er begann 1945 ein Jurastudium in London, wo er drei Jahre später auch die weiße Ruth Williams heiratete. Diese Heirat war ein Politikum im südlichen Afrika. So konnte er erst nach dem Verzicht auf den Thron der Bangwato überhaupt ins heutige Botswana zurückkehren. Er war einer der Wortführer der Botswana Democratic Party (BDP), die bei den ersten freien Wahlen zur Nationalversammlung 1965 knapp 80 % der Stimmen erhielt. Leider nicht gerade typisch und vermutlich auch für viele insbesondere damaligen Südafrikaner unerwartet, sind bis heute in den 50 Jahren alle Präsidenten von Botswana demokratisch gewählt worden. Seretse Kharma regierte schließlich bis 1980, in dieser Zeit sorgte er immer wieder für den sozialen Ausgleich und eine antirassistische Politik. Dabei kam ihm natürlich entgegen, dass bereits im Jahre 1967 größere Diamantenlagerstätten in Botswana gefunden worden sind. Diese ermöglichten ihm eine deutlich bessere wirtschaftliche Situation herbeizuführen, als es nahezu alle zur Zeit der Gründung des Staates vermutet hatten. 1974 gründete Tansania, Mosambik, Angola und Botswana die Gruppe der sogenannten Frontstaaten, die sich zur Aufgabe machten, die Befreiungskämpfe in Namibia und des südlichen Rhodesien zu unterstützen. Das brachte Botswana dann einige Übergriffe aus dem benachbarten Süd-Rhodesien ein. Zusätzlich kam es Anfang der achtziger Jahre zu Überfällen und Terroranschlägen, die aus Südafrika gesteuert wurden. Zu dieser Zeit hat Botswana damit begonnen eine eigene Armee aufzustellen. Zur gleichen Zeit begann man auch damit die Infrastruktur des Landes deutlich auszubauen. Dazu gehörten neue Strom- und Wasserversorgungsleitungen, neue Straßen und ein eigenes Telekommunikationsnetz. So gibt es heute zwar nur rund 200.000 Festnetzanschlüsse, aber etwa 3 Millionen Mobiltelefone. So entwickelte sich die Wirtschaft des Landes sehr gut, für afrikanische Verhältnisse muss man wohl fast überragend sagen. Und auch die Bevölkerung wuchs in den letzten Jahrzehnten sehr dynamisch. Auch wenn es sicherlich zu einem nicht unerheblichen Teil auch durch den Zuzug von Flüchtlingen aus anderen unsicheren Ländern der Region begünstigt wird. Dieser relativ rasche Bevölkerungsanstieg hat leider auch zur Folge, dass die sozialen Unterschiede innerhalb der Bevölkerung in den letzten Jahren eher wieder gewachsen sind. Wirtschaftlich absolut dominierend ist die Gewinnung von Rohstoffen, und diese liegt, wenn nicht im Staatbesitzt, häufig in den Händen einiger weniger zumeist gar noch Ausländern. Dieses hat in den letzten Jahren auch zu sozialen Spannungen geführt, und trotzdem zählt Botswana heute sicherlich zu den Musterländern des Kontinents.

Aber zurück zu unserem Tag. Aber auch hier beschäftigt uns ein wirtschaftliches Thema: es geht ums Geld. Bei unserem Mittagsstopp suchen wir gleich einmal einen Geldautomaten auf, der uns nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten mit Pula versorgt, wie die hiesige Währung heißt. Pula bedeutet übrigens so viel wie Regen. Zwölf Pula haben zurzeit etwa den Wert von einem Euro, und teilen sich jeweils in 100 Thebe auf. Thebe ist in der Sprache der Tswana, die etwa 75% der Bevölkerung stellen, die Bezeichnung der Schutzschildes der früheren Krieger. Unsere ersten Pula machen wir gleich einmal ein bisschen flüssig, oder anders gesagt kaufen wir Getränke ein. Denn bei dem warmen trockenen Klima ist viel zu trinken Pflicht. Dazu essen wir den Rest unseres Lunchpaketes, die darin enthaltenen Früchte hatten wir schon vor der Grenze gegessen. Botswana gestattete nicht die Einfuhr von frischen Früchten. Dies ist Teil des Versuchs, sich unter anderem gegen die Maul- und Klauenseuche zu schützen. Wobei wir bezüglich unseres Gepäcks an der Grenze dann überhaupt nicht kontrolliert worden sind, was aber bei Ausbruch der Krankheit insbesondere in Südafrika ganz anders aussehen soll. Eines der wichtigsten Produkte der hiesigen Landwirtschaft ist Rindfleisch, das in nicht unerheblichem Maße in die Europäische Union exportiert wird. Dort darf es allerdings nur eingeführt werden, wenn das Herkunftsland frei von der Maul- und Klauenseuche ist. Ebenfalls Teil des Programms gegen diese Krankheit sind die Veterinärzäune, die es im ganzen Land gibt. Dazu werde ich an einem der folgenden Tage noch ein bisschen was ausführen.

Wir folgen weiter dem Asphaltband in Richtung Francistown, mit etwa 115.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Größer ist nur noch Gaborone, die Landeshauptstadt, mit etwa 250.000 Einwohnern. Interessant ist vielleicht noch bei Gaborone, dass diese für eine Hauptstadt etwas untypisch in unmittelbarer Nähe zur Grenze, in dem Fall der zu Südafrika liegt. Dieses ist historisch bedingt, da hier früher die britische Verwaltung angesiedelt war, und man zu der Zeit auch noch glaubte, das damalige Protektorat eines Tages der Kapkolonie zuzuschlagen. In der jüngeren Vergangenheit sorgte das dann dafür, dass es zurzeit der Apartheid immer wieder südafrikanische Übergriffe bis in die Hauptstadt gab. Aber auch Francistown ist für uns nur ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, von dem wir weiter in Richtung Nata fahren, oder genauer gesagt zu unserer nächsten Herberge der Pelican Lodge in der Nähe von Nata. Dort kommen wir bereits am Nachmittag an, sodass vor dem Abendessen noch genug Zeit bleibt, neben dem kleinen Tagesbericht zu schreiben, auch noch eine kleine Stippvisite am Pool der Anlage zu machen. Wie schon in Südafrika gehört der Pool ganz offensichtlich auch hier zum „must have“, auch wenn ich mich schon wieder frage, ob das bei dieser Trockenheit wirklich sein muss. Zumal der Zuspruch der Touristen ganz offensichtlich nicht gerade ausufernd ist. Aber auch da kann man sich natürlich wieder sofort an die eigene Nase fassen, denn schließlich war ich ja auch da, und eigentlich gehören Pools nicht unbedingt ganz oben auf die Liste meiner Lieblingsplätze.