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11.Tag     Engineer Creek – 09.06.2015

Heute ist wieder einer der früheren Tage. Frühstück um 6:15 Uhr und die Abfahrt ist eine Stunde später geplant, soweit die Theorie. In der letzten Nacht bzw. vor allem gestern Abend hat es einen längeren Regenschauer gegeben, so sind die Zelte äußerlich und teilweise auch von innen ein bisschen feucht. Meine Isomatte hat es von der Unterseite auch ein bisschen erwischt, aber der Schlafsack ist trocken. So ist es alles nicht so tragisch, und bisher hatten wir ja immer Glück und konnten im Trockenen aufbauen und davor sollten wir Zelt und Isomatte dann sicherlich auch noch ein bisschen trocknen können.

Mit der obligatorischen Verspätung von 15 Minuten geht es schließlich los. Neben ein paar kurzen Fotos Stopps, ist der erste richtige Halt die Abzweigung auf den Dempster Highway. Hier gilt es alles staubdicht zu verschließen. So wird die Belüftung für den Hänger mit dem Gepäck und unseren Vorräten mit Klebeband verschlossen. Ebenso werden alle Schlüsselöffnungen an den Vorhängeschlössern, die Kabelverbindungen zum Hänger und allerhand anderes mehr, so gut es eben geht, gegen den zu erwartenden Staub geschützt. Die Reifen werden noch mal optisch auf Beschädigungen geprüft, und auch das übrige Fahrzeug noch mal in Augenschein genommen. An der Abzweigung gibt es eine Tankstelle, an der wir auch noch einmal volltanken wollen. Wobei der Tankvorgang schon ein bisschen besonders ist. Die frühere „normale“ Tankstelle ist vor ein paar Jahren abgebrannt. Heute gibt es hier nur noch einen Automaten, in dem man mit Kreditkarte zahlen kann. Wobei das Procedere dafür schon ein bisschen besonders ist. Der Automaten steht in einem kleinen Häuschen, dort registriert man seine Kreditkarte, wählt die Zapfsäule aus und bekommt eine vierstellige Nummer zugeteilt. Diese ist dann an der Zapfsäule noch einmal einzugeben, bevor der Treibstoff fließen kann. Wie man uns sagte, macht dieses System wohl immer mal wieder Probleme.

Der Dempster Highway, wird gerne auch nur als Dempster bezeichnet, ist die einzige kanadische Straße, die in Gebiete nördlich des Polarkreises führt und das ganze Jahr befahrbar ist. Benannt ist sie nach dem Inspektor William John Duncan Dempster der Royal Canadian Mounted Police. Er fuhr zu Beginn des letzten Jahrhunderts diese Strecke häufig mit dem Hundeschlitten. Er führt vom Klondike Highway, abgehend etwa 40 Kilometer östlich von Dawson City, bis ins 736 Kilometer entfernte Inuvik. Die erste Entscheidung zum Bau gab es 1958, dabei ging es darum, die in den Eagle Plains gefundenen Öl und Gasvorräte ausbeuten zu können. Man wollte so das erforderliche Material für die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen in das bisher nicht erschlossene Gebiet schaffen. Nach drei Jahren stellte man die Arbeiten nach etwa 115 fertiggestellten Kilometern zunächst ein. Der Bau war deutlich aufwendiger und vor allem kostenintensiver, als man zunächst geplant hatte. Neuer Schwung kam dann 1968 in die Sache, als man in der Prudhoe Bay, die zu Alaska gehört, sehr große Ölvorkommen fand. Man hatte Angst, dass die Amerikaner das gesamte Ölfeld ohne Rücksicht auf die benachbarten Kanadier ausbeuten würden, und so für Kanada nichts mehr übrig blieb. Es begann ein Wettrennen beim Bau einer Straße mit den Amerikanern. Schließlich wurde der Highway 1978 der Öffentlichkeit übergeben, statt der ursprünglich geplanten 671 km bis Tsiigehtchic, führte die verlängerte Streckenführung über 736 Kilometer nach Inuvik. Dabei ist die zweispurige Straße am südlichen Ende noch ein paar Kilometer geteert, danach folgt nur noch Schotterpiste. Auf dieser Strecke gibt es zwei Fähren und zwei Brücken, letztere wurden von einer Spezialeinheit der kanadischen Armee errichtet.

Wir beginnen unsere Fahrt auf dem Dempster schließlich am frühen Vormittag. Entgegenkommende Fahrzeuge sind mit einer dicken Staub- und Dreckschicht bedeckt. Aber allgemein ist die Piste in einem ordentlichen Zustand. Da es offensichtlich in den letzten Tagen auch hier keine größeren Regenfälle gegeben hat, geht es recht ordentlich voran. Gegen Mittag treffen wir am Visitor Center des Tomstone Nationalparks ein. Hier gibt es etwas, was wir schon seit mehreren Tagen nicht mehr gesehen haben - eine Toilette mit Spülung. Aber wir sind ja nicht deshalb hier, sondern um uns kurz über die Tierwelt der Gegend, den Spuren der hiesigen Native Nation aber auch der Erschließung im Zuge des Baus vom Dempster Highway zu informieren. In unmittelbarer Umgebung treten wir auch eine kleine Wanderung auf dem Goldensite Trail an, an dessen Wendepunkt wir auch unsere Mittagspause machen. Vom Startpunkt aus kann man, wenn die Witterung wie heute günstig ist, auch schön den Namensgeber des Nationalparks den Mount Tomstone in einiger Entfernung sehen. Die Wanderung ist nicht besonders anspruchsvoll, und so geht es relativ einfach dahin. Was sich geändert hat ist der Bewuchs. Bisher waren wir in Alaska und Kanada mehr oder weniger immer im Wald unterwegs, hier ist es nur noch relativ niedriger Bursch und in etwas höheren Lagen wächst quasi nur noch Gras und Moos. Wir haben die Ausläufer der Tundra erreicht. Oben am Wendepunkt auf einem kleinen Hügel entdecken wir noch ein Murmeltier und nach unserer Weiterfahrt direkt am Highway auch noch einen Weißkopfseeadler.

Noch sehr viel mehr Tiere sehen wir an unserem nächsten Campingplatz, es sind gefühlte Millionen. Und es sind alles Mücken. Der Engineer Creek, der praktisch um den Campingplatz herum fließt, ist eine eher braune Brühe, dessen Farbe von lehmhaltigen Auswaschungen herrührt. Aber offensichtlich mögen die Mücken das. Auch diese sind wieder im Verhältnis zu unseren heimischen weniger aggressiv, aufgrund ihrer Vielzahl aber sehr lästig. Man hat fast schon das Gefühl, automatisch welche zu verschlucken, wenn man nur den Mund öffnet. Auch hier entscheide ich mich wieder für die chemische Keule, aber selbst die schafft keine völlige Ruhe vor den Quälgeistern. Immerhin scheint die Sonne und wir können sowohl Zelt als auch Isomatte trocknen, zumal wir bereits relativ früh gegen 16:00 Uhr eingetroffen sind. Diesen Zeitpuffer haben wir bewusst eingeplant, da man eben niemals wissen kann, wie die Straßenverhältnisse auf dem Dempster sind, oder ob man auch noch die eine oder andere Panne hat. Auch auf diesem Campground sind wir wieder nahezu alleine. Es ist eben noch sehr früh in der Saison hier. Im Gegensatz zu den Campingplätzen in Alaska findet man auf den kanadischen immer Feuerholz, dass man für die Feuerstelle am Abend kostenlos nutzen darf.